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Dank einer großzügigen Schenkung der Sammlerin Dr. Dorette Staab erhält das Städel Museum 11 zentrale Werke des deutschen Künstlers Georg Baselitz, darunter das Gemälde Hund und Hase abwärts (1967) und Zeichnungen sowie Druckgrafiken wie etwa Figur mit Hand (Artaud) (1962) oder Der Hirte (1965). Das Städel kann somit seinen Sammlungsbestand um bedeutende Werke aus dem Frühwerk des Künstlers erweitern. Unter dem Titel „Kreaturen. Georg Baselitz und die 1960er-Jahre“ werden Arbeiten der jüngsten Baselitz-Schenkung zusammen mit weiteren zum Großteil geschenkten Werken ab heute bis zum 28. November 2021 in einer Kabinettpräsentation in der Sammlung Gegenwartskunst gezeigt. Die Ausstellung in den Gartenhallen skizziert die Phasen, die Baselitz’ Frühwerk auszeichnen: die sogenannte Pandämonische Phase, die „Helden“ und „neuen Typen“ sowie die anschließenden Frakturbilder und den Übergang zu der vollständigen Umkehrung des Bildmotivs Ende des Jahrzehnts.

 
1958 übersiedelt Georg Baselitz (geb. Hans-Georg Bruno Kern, 1938 in Deutschbaselitz, Sachsen) nach einem Verweis von der Hochschule für bildende Künste in Berlin-Weißensee nach Westberlin, wo er bereits seit 1957 an der Hochschule für bildende Künste bei Hann Trier studiert. Vor dem Hintergrund des abstrakten Informel, das Ende der 1950er-Jahre die akademische Kunstwelt in Westdeutschland prägte, ist Baselitz’ am Gegenstand orientierte Malerei Anfang der 1960er-Jahre ein Novum. 1966 vermietet Dorette Staab ihr Elternhaus in Osthofen bei Worms an den jungen Georg Baselitz und seine Familie. Bereits sehr früh – und entgegen des damals vorherrschenden Kunstgeschmacks – hat sie die Bedeutung seiner Kunst erkannt, Georg Baselitz langjährig gefördert und Arbeiten von ihm erworben. Die promovierte Historikerin und Sammlerin Dorette Staab unterstützt das Städel Museum seit mehreren Jahren mit wichtigen Schenkungen.
 
Städel Direktor Philipp Demandt über die Schenkung: „Die Kunst von Georg Baselitz ist fester Bestandteil der jüngeren Sammlungsgeschichte des Städel Museums und aus unseren Ausstellungsräumen nicht wegzudenken. Dank herausragender Schenkungen können wir sein Schaffen von 1960 bis weit in die 1980er-Jahre mit rund 65 Gemälden und Arbeiten auf Papier abbilden. Dorette Staabs neuerliche Schenkung bereichert unseren Bestand zum Frühwerk des Künstlers auf herausragende Weise.“

„Die Kabinettpräsentation ist ausschließlich den 1960er-Jahren gewidmet, einem der prägendsten Jahrzehnte im Œuvre von Georg Baselitz. In diesen ereignisreichen Jahren manifestiert sich sein vollkommen eigenständiger Umgang mit figurativer Kunst und dem Abbild des Menschen. Damit hat er nicht nur die direkte Nachkriegskunst aufgewühlt, sondern auch für nachfolgende Künstlerinnen und Künstler den Weg in eine neue Malerei bereitet“, erläutert Svenja Grosser, stellvertretende Leiterin der Sammlung Gegenwartskunst und Kuratorin der Ausstellung.

Die 1960er-Jahre sind geprägt von politischen und gesellschaftlichen Umbrüchen: Nach dem Grauen des Zweiten Weltkrieges, der Teilung Deutschlands und mitten im Kalten Krieg scheint nichts mehr so, wie es einmal war. Baselitz siedelt 1958 von der DDR in die Bundesrepublik über. Dort wird er nicht nur mit einem anderen politischen System, sondern auch mit einer anderen Auffassung von zeitgenössischer Kunst konfrontiert. In Ostdeutschland ist der Sozialistische Realismus das Gebot der Stunde, eine rein gegenständliche Malerei, die auch die Werte der Staatsführung der DDR propagieren soll. In Westdeutschland gilt die Abstraktion als Maß aller Dinge. Sie steht für Internationalität und Zukunftsorientierung, verweigert sich jedoch jeglicher Auseinandersetzung mit der Vergangenheit. Weder das eine noch das andere entspricht Baselitz’ Vorstellungen von Kunst. Er sucht das Unbequeme und will zurückschauen in einer Zeit, in der in beiden Teilen Deutschlands der Blick nach vorn gerichtet ist. Auf der Suche nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten ändert der Künstler immer wieder seine Taktik, hält aber stets an der figurativen Darstellungsweise fest. In den klassischen Medien, der Malerei, Zeichnung und Druckgrafik, dekliniert er den Körper in all seinen Facetten durch. Die gegenständliche Malerei als Ausgangspunkt treibt er bis an ihre Grenzen, und doch verliert sie sich nie in die Abstraktion. Nach einem Jahrzehnt, gezeichnet vom Unverständnis gegenüber seiner Kunst, von Umbrüchen und Erneuerungen, stellt er am Ende die Welt in seiner Malerei buchstäblich auf den Kopf.

Quelle: Städel Museum 

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