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Hamburger Architektur Sommer 2019

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Wir Mitglieder der Musikhochschule Lübeck machen mit dieser Erklärung auf die entstandene Notlage der Kulturbranche durch die Corona-Pandemie aufmerksam. Die vielfältige Kulturlandschaft wird insbesondere von freischaffenden Künstlerinnen und Künstlern sowie von Klein- und Kleinstbetrieben geprägt, deren Existenz aktuell stark bedroht ist.
 
Mehr als 258.790 Unternehmen und über 1,2 Millionen Kernerwerbstätige sind in der Kultur- und Kreativwirtschaft tätig. Die Selbständigen-Quote ist mit 20,9 Prozent besonders hoch. Im Jahr 2019 erzielte die stetig wachsende Kulturbranche eine Bruttowertschöpfung von gut 106,4 Milliarden Euro (+ 3, 5 Prozent gegenüber 2018) und einen Umsatz von 174,1 Milliarden Euro (+1,77 Prozent gegenüber 2018). Mit ihrem Beitrag zur volkswirtschaftlichen Gesamtleistung übertrifft die Kultur- und Kreativwirtschaft im Bereich Wertschöpfung inzwischen andere wichtige Branchen wie die Chemische Industrie, die Energieversorger und die Finanzdienstleister.1 
 
Momentan werden Kulturinstitutionen und vor allem alle selbstständigen Kultur- und Kreativschaffenden im Vergleich zu anderen Branchen nicht ausreichend unterstützt. Deutlich erkennbar wird dies, wenn Profi-Sportlerinnen und Profi-Sportler weiter ihre Arbeit ausüben dürfen, Profi-Kulturschaffende dagegen nicht.  
 
Eine Steigerung der Streaming-Nachfrage führt nicht unmittelbar dazu, dass die Künstler wirtschaftlich profitieren können. Eine Verlagerung des kulturellen Angebots in die digitale Welt kann dem ungebrochenen Bedürfnis nach Präsenzveranstaltungen und Live-Erlebnissen vor Ort nicht gerecht werden. Denn erst im gemeinsamen Erleben entsteht der differenzierte und inklusive Dialog, der die Gesellschaft prägt und zusammenhält.
 
Kultur ist existentiell. Sie regt an zum Nach- und Mitdenken. Sie öffnet Horizonte. Sie schafft ein Bewusstsein für aktuelle Fragestellungen, zeigt kritisch gesellschaftliche Herausforderungen auf und bietet Perspektiven für die Zukunft.
 
Wir Mitglieder der Musikhochschule Lübeck setzen ein Zeichen. Wir unterstützen regionale und bundesweite Initiativen wie die Aktionen „Stille.Laute.Stimme.“, „Ohne Kunst und Kultur wird‘s still.“ und „Alarmstufe Rot“. Gemeinsam mit den politisch Verantwortlichen müssen schnell und unbürokratisch Wege aus der Krise gefunden werden, damit Deutschland auch morgen noch von seiner kulturellen Vielfalt profitiert.
 
1 Vgl. Bundesministerium für Wirtschaft und Energie: Monitoringbericht Kultur- und Kreativwirtschaft 2020. (Stand 17.11.2020)
 
Zitate Hochschulangehöriger zur MHL-Erklärung
 
Martin Blank, MHL-Bibliothek
Zuerst geht es um Solidarität. Wir alle wollen doch, dass unsere Familie und unsere Freundinnen und Freunde weiterhin ihrer Arbeit nachgehen können.
 
Ann-Kristin Hauberg-Lahoud, Leiterin Künstlerisches Betriebsbüro der MHL
Viele Kulturinstitutionen, wie auch die MHL, haben ein hervorragendes Konzept erarbeitet, das alle erforderlichen Sicherheits- und Hygieneaspekte berücksichtigt. Ich finde daher den kompletten Lockdown, den Kulturinstitutionen zusätzlich zu den Einnahmeeinbußen durch geringere Besucherströme hinnehmen müssen, kaum vertretbar.
 
Frank Maximilian Hube, Dozent für Korrepetition, Orchester- und Ensembleleitung
Kunst und Kultur machen unser Leben reicher. Unabhängig davon, ob wir uns dafür entscheiden, sie als Teil unseres Lebens anzuerkennen oder nicht, sind sie immer da: als Teil unserer Identität. Sie beeinflussen den Herzschlag und den Duft einer Gesellschaft, ihre Art zu kommunizieren, zu genießen oder gar zu streiten. Ohne Kunst und Kultur verliert eine Gesellschaft ihr Rückgrat und ihre Zukunft.
 
John Lehman, M.F.A., Dozent Pop-Gesang 
Als Chorleiter, Dirigent und Regisseur stelle ich fest, dass Menschen beim Singen und Spielen zusammen-arbeiten und ihre Vielfalt nutzen, um etwas Einheitliches zu schaffen und es mit ihrem Publikum zu teilen. Diese wichtige Art von friedlichem Zusammenkommen unter den Menschen fehlt während der Corona-Sperrzeit. Deshalb sollten wir und die Regierung alles tun, was in dieser schwierigen Zeit möglich ist, damit unser kulturelles Leben noch gedeiht und nicht verschwindet. 
 
Elisabeth Pelz, Dozentin für Bewegungstraining
Die Lage der Kulturschaffenden ist prekär. Sie leiden zum einen unter dem Lockdown, da sie schlicht-weg nicht arbeiten dürfen. Zum anderen leiden sie, weil sie sich gegen die von der Politik unterschwellig transportierte Haltung zur Wehr setzen müssen, sie dienten vor allem der Zerstreuung und seien damit momentan verzichtbar. Kultur muss sichtbar sein, denn nur in der physischen Begegnung verdichtet sich das Erleben. Über den Folgen des Lockdowns für alle Kultureinrichtungen, der fehlenden Interaktion zwischen Künstlern aller Art und ihrem Publikum, dem fehlenden kulturellen Austausch wird die Gesellschaft verarmen.
 
Pauline Sachse, Professorin für Viola
Kultur gibt den Menschen Hoffnung und hilft ihnen, Krisen zu überstehen und zu gestalten. Förderung der Kultur ist auch Krisenbewältigung!
 
Jens Thoben, Professor für Klarinette
Worin besteht die „Systemrelevanz“ der Kunst? Sie hinterfragt und beleuchtet bestehende gesellschaftliche Verhältnisse, ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und gibt Menschen in schweren Zeiten Halt und Trost. Gerade jetzt brauchen wir die Freie Szene als wesentlichen Träger der deutschen Kulturlandschaft.
 
Susanne Vogel, Dozentin Soul-Ensemble, E-Bass, Musiktheorie
Die Menschen gewöhnen sich leider daran, dass Kultur (wie Wasser und Strom) „aus der Wand“ kommt. Mit dem Unterschied, dass man für Wasser und Strom selbstverständlich bezahlt. Die neuerliche groß-flächige Schließung von Kultureinrichtungen − trotz wohlüberlegter Hygienekonzepte − befördert diese Entwicklung.
 
Clemens Wiencke, Dozent für Klavier und Angewandtes Klavierspiel
Präsent gemeinsam Musik und Kunst zu erleben, ist eine existenzielle Notwendigkeit. Das Verbot kultureller Veranstaltungen halte ich für falsch, willkürlich und nicht gerechtfertigt, da die erarbeiteten Hygienekonzepte eine große Sicherheit gewährleisten und Kultur nicht verzichtbar ist. Aufgrund der Willkür dieses Verbots fordere ich, dass die wirtschaftlichen Verluste aller Betroffenen vollständig ausgeglichen werden und die gesamte Branche mit ihren unterschiedlichen Selbständigen, Firmen und Angestellten in voller Höhe entschädigt wird.
 

Quelle: Musikhochschule Lübeck

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