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Hamburger Architektur Sommer 2019

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Am 23. Oktober 2005 öffnete das Hoesch-Museum an der Westfalenhütte seine Tore. Es erinnert inzwischen seit 15 Jahren im ehemaligen Pförtnerhaus der Westfalenhütte an die Geschichte der Stahlstadt Dortmund und ist ein geglücktes Beispiel für ehrenamtliches Engagement und partnerschaftliche Zusammenarbeit.

 

 

Vierzig Jahre vorher, im Dezember 1965, bewilligte die Stadt Dortmund einen Bauantrag der Hoesch AG: Das Stahlhaus „L 141“ durfte in der „Hoesch-Siedlung“ in Hombruch aufgestellt werden.

Aktuell rücken Museum und Stahlhaus enger zusammen: Das damals hochinnovative Eigenheim aus Stahl ist nun ein historisch bedeutendes Exponat und gehört damit zu den Zukunftsprojekten des Hoesch-Museums. Geplant ist, das Haus aus dem Dortmunder Süden auf das Areal am Museum in der Nordstadt zu versetzen – quasi an den Ort seiner Entstehung. Das Hoesch-Museum versteht sich als Forum für Themen der Geschichte und der Gegenwart und möchte diese sich bietende Museumserweiterung entsprechend nutzen.

 

Die Idee zu einem Hoesch-Museum entstand kurz nach der Jahrtausendwende, um nicht nur den Namen des ehemals größten Dortmunder Unternehmens lebendig zu halten, sondern die Geschichte von Eisen und Stahl im Stadtgebiet anschaulich zu vermitteln. So gründeten engagierte ehemalige Hoeschianer 2004 den Verein „Freunde des Hoesch-Museums“, der ein gutes Jahr später das Haus eröffnen konnte.

Dies gelang jedoch nur mit Hilfe vieler Ehrenamtlicher und dank  großzügiger Unterstützung des Museums für Kunst und Kulturgeschichte Dortmund (MKK), des Westfälischen Wirtschaftsarchivs und des Unternehmens thyssenkrupp Steel. So konnten Inhalte erarbeitet, Objekte gereinigt und verzeichnet und das denkmalgeschützte Portierhaus von 1914 umgebaut werden. Mit Hilfe zahlreicher Sponsoren wurde dann am 23. Oktober 2005 ein industrie- und sozialgeschichtliches Museum eröffnet, das bis heute Besucher*innen aus Nah und Fern anzieht.

 

Seine besondere Rechts- und Trägerform hat es beibehalten: Träger ist der gemeinnützige Verein „Freunde des Hoesch-Museums“, Kooperationspartner sind weiterhin die Stadt Dortmund und thyssenkrupp Steel. Das MKK unterstützt das Museum zudem mit einer hauptamtlichen Leitungsstelle. Das Herz des Hoesch-Museums sind jedoch rund 80 ehrenamtliche Menschen, die den Betrieb in allen Facetten sicherstellen. Sie kommen mittlerweile auch aus Berufsgruppen jenseits der Montanindustrie und investieren im Jahr rund 11.000 Stunden ehrenamtlicher Tätigkeit. Das entspricht etwa sieben Vollzeitstellen. Diese Tätigkeiten wurden 2016 mit dem WegWeiser-Preis der NRW-Stiftung Natur, Heimat, Kultur ausgezeichnet.

 

Bisher haben drei Vereinsvorsitzende das Haus geprägt: Dr. Alfred Heese von 2005 bis 2007, Dr. Karl-Peter Ellerbrock von 2007 bis 2015 und Dr. Karl Lauschke seit 2015. Die wissenschaftliche Leitung lag bis 2018 bei Michael Dückershoff, ihm folgte Isolde Parussel im Sommer 2018.

 

15 Jahre Hoesch-Museum

Das Hoesch-Museum präsentiert am historischen Ort 160 Jahre Unternehmens- und Sozialgeschichte. Die Geschichte der Firma Hoesch und seiner „Hoeschianer“ als Teil der Dortmunder Stadtgeschichte steht dabei im Mittelpunkt der Dauerausstellung. Im denkmalgeschützten Portierhaus der Westfalenhütte veranschaulichen Werkzeuge und Produkte, Modelle und Fotografien den Herstellungsprozess von Stahl sowie die Arbeits- und Alltagswelt. Medieninstallationen wie „Phoenix aus der Asche“ und ein 3D-Stahlwerk ergänzen die Themen und zeigen auch die aktuelle High-Tech-Branche.

 

Rund 55 Sonderausstellungen haben seit der Eröffnung die Themen der Dauerausstellung ergänzt: Gezeigt wurden Kunst und Fotografie von und auf Stahl, historische Aspekte der Hoesch-Standorte Phoenix, Union und Westfalenhütte, wie Sozialfürsorge, Migration oder Mitbestimmung und zeitgenössische Positionen aus Forschung und Bildung. Im kommenden Jahr sind u.a. eine Ausstellung mit der Künstlerin Martina Dickhut geplant und eine Schau zum 150-Jubiläum der Westfalenhütte, die 1871 in Dortmund gegründet wurde. Zur Eröffnung im Herbst 2021 soll dann auch der Geburtstag des Museums nachgefeiert werden.

Auch Bürgermeister Manfred Sauer freut sich über die Erfolge und das Potential des Museums: „Das Hoesch-Museum gleicht einem Triptychon: Wenn man es „aufklappt“, gewährt es einen Blick in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Wer dieses wunderbare Museum betritt, wird erinnert an die große Zeit der Industrie, erlebt eine lebendige Darstellung einer bedeutenden geschichtlichen Epoche und begreift, dass dieser Ort auch zukünftig ein einzigartiges Juwel der Erinnerung bleiben wird. Jetzt wird das Hoesch-Museum stolze 15 Jahre jung. Dazu gratuliere ich als Bürgermeister, als Mitglied des Vorstandes der Freude des Hoesch-Museum e.V., vor allem aber als Unterstützer von herausragender Kultur in unserer Stadt.“

 

Das Stahlhaus L141 von Hoesch

Rund 200 Stahlfertighäuser wurden von der Hoesch AG in den 1960er-Jahren hergestellt – unter anderem als Test-Bungalow auf Mallorca. 1963/64 errichtete die Firma in Dortmund-Hombruch eine Siedlung mit über 260 Wohneinheiten. Neben Hoch- und Reihenhäusern wurden auch sechs Stahlfertighäuser vom Typ K109 gebaut. Diese stehen heute noch. Haus „L 141“ war 1965-66 das letzte Gebäude und erhielt einen winkelförmigen Grundriss mit 141 Quadratmetern, eine verbesserte Wärmedämmung und Fugenausbildung. Es ist das einzige Hoesch-Stahlhaus der dritten Generation und kostete geschätzt mindestens 123.000 DM. Noch heute ist es fast im Originalzustand erhalten – geradezu ein Museumsstück.

 

Hoesch wollte durch den Bau eigener Fertighäuser vor allem den Absatz des gerade entwickelten Leichtprofils PLATAL – eines mit PVC beschichteten Stahlbleches – sichern. Leitende Angestellte der Firma bewohnten die Stahlhäuser in der Siedlung, eine Werbemaßnahme der ungewöhnlichen Art.

 

Die Bungalows gab es in verschiedenen Typen entsprechend der Wohnfläche, wahlweise mit zweiter Terrasse oder kompletter Küche. Die Wände konnten über die Kunststoffbeschichtung farbig ausfallen und waren abwaschbar – zum Aufhängen eines Bildes reichten Magnete aus. Trotz dieser modernen Versprechungen konnte sich das recht teure Wohnen in Stahl jedoch nicht durchsetzen.

 

Das Haus „L 141“ war fast 50 Jahre lang Heimat der siebenköpfigen Familie des Hoesch-Ingenieurs Hoff. Das Ehepaar Hoff war familiär verbunden mit Stahl-Fachleuten aus Essen, Rheinhausen, Aachen und Luxemburg und steht somit auch stellvertretend für eine eng vernetzte technische Elite. Sowohl Haus- wie Familiengeschichte wird das Hoesch-Museum in den kommenden Jahren präsentieren: im besten Falle im Stahlhaus am neuen Standort an der Westfalenhütte. Die Suche nach den passenden Fördermitteln läuft auf Hochtouren.

 

Zahlen und Fakten

 

Ehrenamtlicher Einsatz im und für das Hoesch-Museum (Durchschnitt aus den Jahren 2018 und 2019)

  • 80 Ehrenamtliche
  • Vorstand aus 12 Personen, davon 4 als geschäftsführender Vorstand
  • drei 450-Euro-Stellen in der Geschäftsstelle (FDHM)
  • eine Vollzeitstelle (Stadt Dortmund)

leisteten

  • 2.600 Stunden für Besucherdienst und (Sonder-)Öffnungszeiten
  • 840 Stunden für Vermittlungsprogramme, Veranstaltungen, Großevents
  • 560 Stunden für Service (bei eigenen, gebuchten, Großveranstaltungen)
  • 650 Stunden für Verwaltung, Abrechnung, Personalplanung, Sicherheit
  • 900 Stunden für Vorstandsarbeit
  • 2.300 Stunden für Sammlung, Bibliothek, wissenschaftliche Arbeiten
  • 2.300 Stunden für Handwerks-und Hausmeisterarbeiten, Ausstellungsauf- und abbau, Medienstationen
  • 850 Stunden für Öffentlichkeitsarbeit, Netzwerken, Jahresbericht

Macht in Summe 11.000 ehrenamtliche Stunden/Jahr = 7 Vollzeitstellen

plus 1.650 Stunden Geschäftsstelle (11 Std/ Woche)

plus 2.000 Stunden wissenschaftliche Leitung (39 Std/ Woche).

 

Quelle: Pressestelle der Stadt Dortmund

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