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Raus in die Natur, raus in den Wald – eine musikalische Hommage an Freiräume.
Musik, Auffassung, Wording und Bildsprache erinnern an den Norden Europas – an Skandinavien und das Baltikum – Florian Hartz und seine Mitstreiter suggerieren auf ihrem neuen Album Erfahrungen, die sehnsuchtsgleich besonders in einem jungen Leben definiert werden. Es ist die Sehnsucht nach etwas Unverbrauchtem – rein und ursprünglich, idyllisch und lebensräumlich.

 

Der Wunsch, in den Garten Eden oder in eine Art arkadisches Leben zurückzukehren, bleibt in einigen von uns, die nach Alternativen suchen, als eine Art Sehnsuchtsort bestehen. Die Suche nach einer verlorengegangenen Unschuld, nach Freiheit, Unbekümmertheit, eine zwangloser Kindheit und dem Eins-Sein mit der Natur oder präziser mit etwas Natürlichem steht dem Zeitalter des metropolen Pandämoniums, der Arbeitsüberlastung, der digitalen Übersättigung und dem täglichen Stress gegenüber.

 

Florian Hartz Flo Fauna COVERDas Trio um den Bassisten Florian Hartz findet auf dem Album eine zutiefst ästhetische musikalische Deutung der oben erwähnten Begriffssammlung. In der Vorstellung sind dies Bilder und Gedanken, Interpretationen und Gefühle.

Der jazzige Fusion-Sound durchdringt jede Pore des Albums, das am 15. Januar 2021 seine Release haben wird.


Alles beginnt mit einem warmen „Sommerregen“ (1). Ein einsamer Bass erzwingt das Schlagzeug zum Mitmachen, das Piano tröpfelt schließlich mit. Die Melodie ist eingängig, rhythmisch prasselnd. Wir werden nass, ohne nass zu werden.

 

Wie versteht man es mit Einsamkeit umzugehen oder ist es doch schließlich nur das Allein-Sein? „The Honour of Being Lonely“ (2) führt uns die individuelle Gefühlswelt des Musiker Hartz, der nach einer Weile in den Ferien zuhause „nichts mehr mit sich selbst anfangen kann“. Offensichtlich hat er es geschafft, da raus zu kommen, denn das abwechslungsreiche Stück ist ein Tanz von abgesetzten Noten, die in einen sehr melodischen Raum führen.

 

Das viel diskutierte amerikanische Teen-Drama und 4 Staffel-Serie „Tote Mädchen lügen nicht“ (Originaltitel: 13 Reasons Why) war Inspiration für das Stück „Close Your Eyes“. (3) Auf der Suche nach Erleichterung durch Freitod – für Angehörige und Freunde eine oft lebensprägende Erfahrung mit Erinnerungen, Kämpfen und Schmerz, aber manchmal auch Hoffnungen. Es ist ein ganz ruhiges, fließendes Stück und kommt daher wie die Transition in etwas Neues, Anderes, hoffnungsvoll eingefangen in kleinen harmonischen Pianosequenzen.

 

Auch das vierte Stück ist emotional geprägt: In „Outing“ (4) beschäftigt sich Florian Hartz bereits über einen längeren Zeitraum und in verschiedenen Stücken mit dem Thema unaussprechliches in die Welt zu implementieren. „Dieser Song ist kühl, Melodie und Begleitung stolpern auseinander, bis sie später hochemotional werden“, erläutert der Musiker.

 

Eine Synthesizer-Linie im Stil der britischen Gruppe „Level 42“ und eine Reminiszenz an den Sound der früher 1980er Jahre leitet „Wild Horses“ (5) ein. Funky galoppiert das Stück durch Zeit und Raum, wie es die fünfzehn Namensgeber tun. Hartz betitelt das Stück nämlich nach dem „Wild Horses Monument“ im US-Bundesstaat Washington, das bei Yakima auf einer Anhöhe, parallel zu Columbia River seit 1989 installiert ist und vom Chewelah-Bildhauer David Govedare stammt.

 

„Freiraum“ (6) – ein großer Titel, um etwas Zeit für sich selbst zu haben und diese musikalisch zu fassen. Inspiriert von Schlagzeuger Christoph Müllers „Flowin Tension“ spielt es mit den brasilianischen Fusion-Jazz-Sounds. Ein Abstecher in den Regenwald? Man kann es fast hören.

 

Ameisen seien die Polizei des Waldes, heißt es oft. An den „Ants“ (7) bewundert Florian Hartz die Schwarm-Intelligenz. Die konnte er immer wieder und lange beobachten als es an einer Waldbühne arbeitete. Der Basslauf verrät sein eigenes Krabbeln, leichtfüßig, flüssig – aber keineswegs ziellos, und das schließlich im glockenklaren Klang des Synthesizer seine Vollendung findet.

 

„Wird es halten?“ (8). Dieser Titel provoziert Weiterfragen: Was soll halten? – die Schnur das Gewicht, das Versprechen, das Taxi auf Pfiffruf oder die Beziehung? Es ist die Beziehung, die Konstellation einer Band. Keine vier Wochen nach Fertigstellung des Stücks ging der damalige Pianist Nico andere Wege. Wird die Veränderung halten?

 

Konzerte von anderen Künstlern können motivierend sein. Nach einem Auftritt des britischen Fusion-Keyboarders Bill Laurence und Ex-Snarky-Puppy-Mitglieds komponierte Florian Hartz „Bill“ (9). Vielleicht gibt es eine nicht zu unterschätzende Verbindungslinie zu Snarky Puppy, die 2016 das Instrumentalalbum „Sylva“ herausbrachten – ein hypnotisches Werk mit dem Überthema „Wald".


Florian Hartz' Flo & Fauna – Wald : live

Florian Hartz: Bass | Jacob Dinnebier: Drums | Lukas Langguth: Keys
Live recorded in Nürnberg
Label: QFTF (Galileo)
LV 51341

 

Weitere Informationen
YouTube-Video:
Flo & Fauna - Wald: live Snippets

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