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Der französische Percussionist Mino Cinelu und der norwegische Trompeter Nils Petter Molvær sind beide für sich schon lebende Jazz-Legenden.

Kurz vor dem 60. Geburtstag des Norwegers am 18. September erscheint zwei Wochen zuvor „SulaMadiana“, ein erstes gemeinsames Album der beiden, oberflächlich gesehen, recht unterschiedlichen Ausnahmemusiker. Bei einem ersten Zusammentreffen in einer Höhle im zentralanatolischen Kappadokien/Türkei, 2015 (Molvær spielte ein elektronisches Solokonzert, Cinelu saß am Mixer) beschlossen sie, zukünftig ein gemeinsames Projekt anzugehen.

 

Jedoch können derlei sehr unterschiedlichen Charaktere – musikalisch gesehen – im Ergebnis ihrer Arbeit entweder keinen wirklichen Zugang generieren, weil es zu wenig Verbindendes gibt oder sie sind von einer Muse mit Genialität ummantelt. Letztes gilt für das neue, fein ausziselierte Album und das liegt natürlich nicht an der Professionalität der Künstler allein oder gar mit guten bis widrigen Studio- oder Bühnensituationen klarzukommen. Vielmehr ist das Verbindende im vergleichbaren Umgang mit Klangräumen zu finden, beide lassen Räume atmen und auch schon mal platzen, beide haben Ruhe und Temperament in sich, beide haben Geduld und ein unglaublich akzentuiertes und feines Zeitgefühl.

 

Etwas über eine Dreiviertelstunde zeigen der mehrfache Grammy-Gewinner Mino Cinelu, der mit Miles Davis, Herbie Hancock, Pat Metheny, Sting, Santana, Peter Gabriel oder Laurie Anderson arbeitete und der ebenfalls mehrfach preisgekrönte Nils Petter Molvær, der schon seit seinem ersten Album „Khmer“ (1997) Erfahrung mit unterschiedlichen Kulturen sammelte und in seinem 35 Bühnenjahren klangliche Forschungsreisen unternahm, eine ungeheure Vielfalt. Die ihnen innewohnenden Erfahrungsschätze, die Virtuosität und der Ideenreichtum speisen sich aus einem ethnologischen, transkulturellen, historischen sowie akustischen und elektronischen Reservoir.

 

Molvaer Cinelu SulaMadiana COVERDer Albumtitel „SulaMadiana“ fokussiert die Herkunft der beiden Musiker. Molvær wurde auf der kleinen Insel Sula, südlich von Ålesund, in West-Norwegen geboren, Cinelu hingegen wurde zwar im Speckgürtel von Paris/Frankreich geboren, sein Vater stammt jedoch aus Martinique – einer der ursprünglichen Namen der Blumeninsel ist Madiana oder Madinina und findet bis heute Verwendung. Diese geographische Verortung, die Tatsache in der Abgeschiedenheit einer Insel zu leben spiegelt sich in der Produktion des Albums wider, musikalisch und unfreiwillig auch durch die Covid-19-Pandemie. Zwar konnte man sich anfangs noch im Osloer Studio gemeinsam treffen, fertiggestellt werden musste es, indem Daten in die jeweilige Isolation gesandt wurden – zwischen Oslo und Brooklyn, wo Cinelu lebt.

 

„Der beste Weg, etwas anzufangen, ist es anzufangen“, sinniert Mino Cinelu tautologisch. Nils brachte einen Groove mit, ich mochte ihn, wir reicherten ihn um Sounds und andere Grooves an, wollten eine Melodie finden und entwickeln. Das war wirklich eine Reise.“ Und Molvær ergänzt: „Wir sind unterschiedlich, aber eine Gemeinsamkeit von uns besteht darin, dass wir den Dingen gerne Raum geben. Ich schaffe Raum für ihn, er schafft Raum für mich, und wir beide schaffen Raum für die Musik.“


Der Reisevergleich passt zu der immens großen Bandbreite an Stilen, die die Musiker darbieten. Immer wieder sind sie zwar als Solomusiker erkennbar, aber oft ist die gemeinsame Kraft geradezu übermächtig. Karibisches Temperament ist ebenso auf „SulaMadiana“ zu finden wie ruhige, meditative und visualisierte Klangstrecken.


Mino Cinelu & Nils Petter Molvær: „SulaMadiana“

CD, Vinyl und Download

Label: BMG / Modern Recordings

EAN: 4050538631852

VÖ: 4.9.2020

 

YouTube-Video:

- Nils Petter Molvær & Mino Cinelu – Sulamadiana (Trailer, 2:56)

- Nils Petter Molvær & Mino Cinelu – SulaMadiana (Music Video, 4:02)

 

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