Werbung

Neue Kommentare

Ulrike Tempel zu Adventsmessen und Handwerkermärkte in Hamburg – Alle Jahre wieder...: Leider sind die Termine veraltet 2017 / 2018...
Irmgard Gottschlich zu 50 Jahre Sammlung Ulla und Heinz Lohmann: Herzliche Gratulation zu diesem Ereignis, nicht n...
Dr. Carola Siepmann zu Flucht ins Ungewisse - Ausstellung im Hamburger Rathaus: Hallo, gern hätte ich die Ausstellung heute ange...
Claus Friede zu „The Irishman”. Martin Scorsese und die Demaskierung des Gangsterfilms : Danke für Ihren Kommentar, Herr Zurch.
We...

Bernd Zurch zu „The Irishman”. Martin Scorsese und die Demaskierung des Gangsterfilms : Vielen Dank. Warum gibt es keine Sternchen mehr? ...

Hamburger Architektur Sommer 2019


Reisen

Das Chimei – ein Museum für eine einmalige Privatsammlung in Taiwan

Drucken
(104 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Freitag, den 29. März 2019 um 07:36 Uhr
Das Chimei – ein Museum für eine einmalige Privatsammlung in Taiwan 4.4 out of 5 based on 104 votes.
Das Chimei ein Museum für eine einmalige Privatsammlung in Taiwan

Ein Reisebericht über ein ungewöhnliches Museum in Taiwan.

Es ist eine Geschichte, die filmreif wäre, nach der Devise: vom „Tellerwäscher zum Milliardär“.

Im Pazifik tobt der Krieg, Taiwan (damals: Formosa) ist japanische Kolonie seit 1895 und unter vollständiger Kontrolle. In diesen Kriegszeiten wuchs Wen-Long Shi in einer armen Familie mit zehn Geschwistern in Tainan auf. Der Vater ist fast zwei Jahrzehnte lang arbeitslos und kann die Familie nur schwer durchbringen. Der kleine Junge vertreibt sich die Zeit in einem nahegelegenen kleinen Museum – der Eintritt ist frei.
Damals sagte er sich: ein Museum möchte er auch einmal haben. Und Shi arbeite an seinem Traum...

Der heute 91-jährige Milliardär (laut Forbes 2018: Platz 23 der reichsten Menschen der Welt), der durch die Gründung und den Aufbau des Petrochemie-Unternehmens Chi Mei Group – eine der größten Kunststofffirmen Asiens – ein Vermögen gemacht hat, hat sich seinen Traum längst erfüllt.
Das 1992 im Verwaltungsgebäude der Chi Mei Corporation untergebrachte Museum wurde 2014 in den Tainan Metropolitan Park verlegt und 2015 in einem neuen Gebäude und neuem alt-wirkenden Glanz eröffnet.

„Mein Museum dient nur einem Zweck: für jeden zu existieren", schreibt der Philanthrop auf der Homepage seines Museums. Und auch die folgenden Aussagen passen zur Geschichte von Herrn Shi. „Viele Menschen in Taiwan fragen uns, warum wir fast ausschließlich westliche Kunstwerke statt chinesischer oder taiwanischer Kunst sammeln“, erklärt Patricia Liao, stellvertretende Direktorin der Chimei Museum Foundation und antwortet auch gleich: „Der Grund liegt darin, dass unser Gründer die Vorstellung hat, dass es für arme Leute (wie er es einst war) sehr schwierig wäre, nach Europa, nach Großbritannien, Deutschland, Italien, Frankreich oder in die Vereinigten Staaten zu reisen, um all diese verschiedenen Werke sehen zu können. Deswegen sind sie nun hier in Taiwan zu sehen."

Chimei Museum (Aussen)
Von außen erinnert der Museumsbau an europäische Vorbilder und überhaupt hat der Museumsgründer eine augenscheinliche Liebe zur europäischen Kultur. Architektonisch angesiedelt zwischen dem Schloss von Versailles und dem Bundesverwaltungsgericht in Kassel.

Chimei Museum Skulpturenhalle
Innen wirken Foyers, Hallen, Aufgänge, Flure und viele der Ausstellungsräume gewaltig. In der hellen Skulpturenhalle mit Oberlicht wirken die Antiken Standbilder wie zuhause.

Wie bei den meisten großen privaten Sammlungen sind nur wenige Menschen an den Entscheidungen beteiligt, unter welchen persönlichen Prämissen gesammelt wird, wie eine Sammlung aufgebaut ist und wie sie schließlich ausschaut. Das ist das Vorrecht eines Sammlers, nach seinen Vorlieben zu gehen. Selten geht es um Vollständigkeit, aber es geht um Beziehungen, Bezüge und Kommunikationen und da nimmt die Chimei Museum Foundation eine positive Sonderstellung ein, denn in allen aufgezählten Bereichen, insbesondere in der Art und Weise der Präsentation, hat die Stiftung hervorragendes geleistet.

Chimei Museum Waffensammlung
Die Sammlung des Museums umfasst ungefähr 4.000 Objekte, hauptsächlich europäische Kunst, historische Musikinstrumente und Waffen und Rüstungen aus europäischer und orientalischer Produktion.

Chimei Museum Naturkunde und Fossilien
Eine eigene Abteilung setzt sich auch mit Naturgeschichte auseinander, Räume voller Tierpräparate und Fossilien, sowie (dem) Fischen (als Kreatur und als persönliches Hobby verstanden).

Chimei Museum Kunstsammlung
Besonders bedeutungsvoll sind die Sammlungen von Gemälden und Skulpturen von der Frührenaissance bis ins frühe 20. Jahrhundert.

Chimei Museum Lucas Cranach dJ
Auch hier gilt der bemerkenswerte Reiz von Einzelwerken, die in den Räumen mit anderen Gemälden in einen Dialog treten, der in anderen Museen so nicht stattfinden würde. Das Meisterwerk von Lucas Cranach d.J. (1515-1586): „Christus segnet die Kinder“ (1540) korrespondiert mit Werken von Hans von Aachen und anderen Gemälden des europäischen Barocks. Chronologie und nicht Themen sind der Führungstenor durch die Sammlungsräume.


Chimei Museum Raum mit Mobiliar
Herr Shi liebt es, selbst zu malen und so hat seine riesige Sammlung ab und zu den Charakter, als ob er sich mit diesen Werken privat umgibt. Zwischen den puren Ausstellungsräumen, an deren Wänden ausschließlich Gemälde hängen, wird man im nächsten Raum von Mobiliar überrascht, das aus der gleichen Epoche stammt wie die Bildwerke. Die Atmosphäre wird wohnlich und die Bilder scheinen mit dem damaligen Leben zu pulsieren und im Einklang zu stehen.

Chimei Museum - Rodin
Besonders stolz – und das ist nachvollziehbar – sind Sammler, Stiftung und Museum auf den Auguste Rodin (1840-1917) gewidmeten Raum. Nicht nur eine Bildhauerwerkstatt – die von Albert-Ernest Carriere-Beleuse – ist dort eingerichtet und es riecht förmlich noch nach Arbeit und natürlichen Materialien, sondern auch berühmte Werke des in Meudon bei Paris gestorbenen Bildhauers Rodin. Neben dem großen und schweren Bronzenachguss „Der Denker“ (Le Penseur), inmitten des Raumes unter einer hohen Kuppel, ist ein weiterer zu sehen „Der Kuss“ (Le Baiser).

Violinen Sammlung
Es ist eine der weltweit größten Instrumentensammlungen der Violinenfamilie – mit mehr als 1.370 Geigeninstrumenten – im Museum präsentiert. Nicht alle der wertvollen Stücke sind in den Vitrinen zu sehen: wie das älteste spielbare Cello der Welt, das vom Gründer der Cremona-Tradition, dem Geigenbauer Andrea Amati, um 1566 angefertigt wurde. Dafür aber die „Carlo IX“ (1709), eine Violine von Antonio Stradivari sowie die „Viotti-Marie Hall“ und „The Ole“ (1744) von Giuseppe Guarneri del Gesu zu Klang gebracht.

Chimei Museum - Orchesterraum
Eine weitere Besonderheit ist der sogenannte Walk-in-Orchester-Raum. Einem Konzert gleich angeordnet werden einzelene Instrumente vorgestellt, an ihrem üblichen und im Orchester vorgesehenen Platz – so wie Beethoven oder Brahms es gerne gesehen/gehört haben. Auf großen Flatscreens sind Musiker zu sehen und hören, die das jeweilige Instrument im Zusammenspiel mit den anderen vorführen. Wer den Raum betritt hört Musik des späten 19. Jahrhunderts: aus Bedřich Smetanas sechsteiligem Dichtungszyklus' – Die Moldau. Die interaktive Installation von Chimei Museum Music wurde vom Nationalen Symphony Orchester Taiwan eingespielt und technisch von Muse Art and Culture Management CO. und Pauliphonic erlebenswert und brillant umgesetzt.


Chimei Museum – A Museum For All

No. 66, Sec. 2, Wenhua Rd., Rende Dist., Tainan City 71755, Taiwan
Täglich, außer mittwochs 9:30-17:30h. An Feiertagen geschlossen
Eintritt für Kinder und Bewohner Tainans frei, sonst Eintrittspreise zwischen 150 und 400 TW$

Weitere Informationen (engl.)
Virtueller Rundgang durch die Gemäldesammlung
Virtueller Rundgang durch die Rodin-Galerie

Virtueller Rundgang durch die Violinen-Sammlung
Google-Maps


KulturPort.De — Follows Art dankt dem „Ministery for Foreign Affairs", Taipeh und der Taipeh Vertretung in der Bundesrepublik Deutschland, Büro Hamburg sowie den Mitarbeiterinnen des Chimei Museum Foundation in Tainan für die Unterstützung.



Abbildungsnachweis:
Header: Der Apollo-Brunnen vor dem Museum. Foto: Chimei Museum Stiftung, Tainan
Bild 1. Rückfassade des Chimei Museums. Foto: Claus Friede
Bild 2. Skulpturenhall. Foto: Chimei Museum Stiftung, Tainan
Bild 3. Waffen und Rüstungen. Foto: Chimei Museum Stiftung, Tainan
Bild 4. Naturkunde Abteilung. Foto: Chimeei Museum Stiftung, Tainan
Bild 5. Gemäldesammlung. Foto: Chimei Museum Stiftung, Tainan
Bild 6. Lucar Cranach d.J. "Christus segnet die Kinder", 1540, Öl auf Eichenholz. Foto: Claus Friede
Bild 7. Ausstellungsraum mit Mobiliar. Foto: Claus Friede
Bild 8. Auguste Rodin-Skupturen. Links: Der Denker, rechts: Der Kuss (61 cm). Foto: Claus Friede
Bild 9. Violinensammlung. Foto: Chimei Museum Stiftung, Tainan
Bild 10.Orchester-Ausstellung. Foto: Chimei Museum Stiftung, Tainan.

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

avatar NN
-2
 
 
Lasst Euch nicht blenden! Es gibt nichts Gutes, außer man tut es! Cui bono?
Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
ChronoComments by Joomla Professional Solutions
Meinen Kommentar abschicken
Abbrechen
Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Reisen > Das Chimei – ein Museum für eine einmalige...

Mehr auf KulturPort.De

Impressionismus – Meisterwerke aus der Sammlung Ordrupgaard
 Impressionismus – Meisterwerke aus der Sammlung Ordrupgaard



Zum zweiten Mal zeigt die Hamburger Kunsthalle Meisterwerke aus dem dänischen Museum Ordrupgaard. Erst im Frühjahr war „Im Licht des Nordens“ zu Gast. Nun  [ ... ]



Kunstbetriebe3 – Skulptur verändert.
 Kunstbetriebe3 – Skulptur verändert.



11 Künstlerinnen und Künstler – 11 Betriebe: Künstler und Betriebe der Region Lübeck zusammenzubringen, ist das Vorhaben der „KunstBetriebe“, das in di [ ... ]



„Das unverlierbare Leben“ von Marion Tauschwitz – Unvergessliche Erinnerungen an Hilde Domin
 „Das unverlierbare Leben“ von Marion Tauschwitz – Unvergessliche Erinnerungen an Hilde Domin



„Hilde Domins Dichtung ist Spiegelbild ihres Lebens. Werk und Leben sind eng miteinander verknüpft. Das eine ohne das andere nicht denkbar“, schreibt Marion [ ... ]



Les Passions de l'Ame: Variety – The Art of Variation
 Les Passions de l'Ame: Variety – The Art of Variation



Johann Heinrich Schmelzer (1623-1680), Heinrich Ignaz Franz Biber (1644-1704) und Johann Joseph Fux (um 1660-1741) gehören nicht zu den österreichischen Kompon [ ... ]



„Der Leuchtturm” – Robert Eggers und die Metaphorik des Wahnsinns
 „Der Leuchtturm” – Robert Eggers und die Metaphorik des Wahnsinns



Der US-amerikanische Regisseur Robert Eggers inszeniert seinen Film „Der Leuchtturm” ästhetisch virtuos als expressionistische finstere Horror-Mär zwischen [ ... ]



Add art – zum 7. Mal Einblicke in die vielfältige unternehmerische Beschäftigung mit Kunst
 Add art – zum 7. Mal Einblicke in die vielfältige unternehmerische Beschäftigung mit Kunst



Hamburgs Unternehmen können sich der Öffentlichkeit als Kunstförderer vorstellen, die Öffentlichkeit hat die einmalige Chance, Sammlungen kennenzulernen, zu  [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.