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Die Fronten im Streit zwischen den Erben des Künstlers Joseph Beuys und dem Museum Schloss Moyland sind nach wie vor verhärtet. Witwe Eva Beuys und ihre beiden Kinder werfen dem Museum einen dilettantischen Umgang mit den Werken des weltbekannten Künstlers vor. Sogar der Ruf des Künstlers habe darunter zu leiden. Doch es geht nicht nur um die Befindlichkeiten der Erben, der Stachel sitzt tiefer und auch die Landesregierung Nordrhein-Westfalens spielt eine Rolle.

Der Künstler Jospeh Beuys starb 1986 im Alter von nur 64 Jahren in seinem Atelier in Düsseldorf. Er war ein weltweit bedeutender Künstler des 20. Jahrhunderts. Einen Großteil seiner Werke befand sich in der Kunstsammlung der Brüder van der Grinten. Die Brüder haben diese Sammlung mit in die Stiftung Moyland eingebracht. So wird auf dem Schloss auch ein Joseph
Beuys-Archiv geführt, welches als Institut an die Kunstakademie Düsseldorf angeschlossen ist. Die Stiftung Moyland wurde 1990 unter maßgeblicher Beteiligung des damaligen Ministerpräsidenten Johannes Rau, den Brüdern van der Grinten und der Familie von Steengracht gegründet. Die Familie von Steengracht brachte das Schloss mit in die Stiftung ein, dass sich seit mehr als 20 Jahren im Besitz der Familie befand. Doch besonders glücklich war Eva Beuys nie über die Tatsache, dass sie als Erbin keinen direkten Einfluss mehr auf das hat, was mit den Werken ihres Mannes geschieht.
Außerdem soll sie am Aufbau des Hauses nicht mit einbezogen worden sein. Sind es also nur persönliche Befindlichkeiten oder ist an den Vorwürfen, dass die Werke im Beuys-Archiv der Zerstörung ausgesetzt seien, etwas dran?

Renommierte Künstler und Museumsfachleute stehen dabei auf der Seite der Witwe. So soll der ehemalige Ministerpräsident des Landes NRW, Jürgen Rüttgers, in einem offenen Brief aufgefordert worden sein, die Sammlung von Beuys-Zeichnungen aus dem Museum abzuziehen. Insgesamt 72 Künstler, darunter auch Name wie Gursky, Baselitz und Koons, sollen die Petition
unterzeichnet haben. Rüttgers wird außerdem vorgeworfen, die Stiftung nie so unterstützt zu haben wie seine Vorgänger Clement und Steinbrück. So muss sich Rüttgers auch den Vorwurf gefallen lassen, die Landesregierung als Mitglied der Museumsstiftung spare die Einrichtung zugrunde. Auch Gerhard van der Grinten, der Sprecher der Sammlerfamilie, erhob ähnlich lautende Vorwürfe gegen die Landesregierung. Sie spekuliere mit ihrem Sparkurs darauf, die Museumsstiftung aufzulösen, um die Beuys-Sammlung anschließend von Schloss Moyland in die Landeshauptstadt Düsseldorf zu verlagern. Dies würde jedoch der Stiftungssatzung widersprechen. Außerdem birgt die Zerschlagung der Sammlung ein hohes Risiko für NRW, denn in diesem Fall würden sich die Eigentümer der Sammlung nach neuen Partnern umsehen und so könnte diese bedeutende Sammlung für NRW sogar ganz verloren gehen.
Die Staatskanzlei wies die Vorwürfe zurück. Staatssekretär Grosse-Brockhoff empfand die Behauptungen als unerhört, unwahr und verleumderisch. Zu allem Überfluss goss van der Grinten noch mehr Öl ins Feuer, in dem er behauptete, die Stiftung hätte nie Eigentum an der Sammlung erlangt, sondern dies läge noch immer bei der Familie van der Grinten. Eine der Grundfeste der Stiftung käme damit zu Fall.

Wie es weitergehen soll, weiß keiner. Allerdings gibt es erfreuliches über das Schloss zu berichten. Das bleibt nämlich voraussichtlich bis September 2011 wegen Renovierung geschlossen. Anschließend soll die Sammlung neu präsentiert werden. Das Museum bleibt während dessen geöffnet.

Autoren: RA Jens O. Brelle & Denise Jurack - Art Lawyer Kanzlei
Quelle: Art Lawyer Magazin v. 23.07.2010

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