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Der 81-jährige amerikanische Regisseur, Produzent, Autor und Filmverleiher Radley Metzger gilt als stilvollster Vertreter des erotischen Autorenfilms, der das amerikanische Mainstream-Kino in den Siebzigern mit einer Mischung aus künstlerischem Anspruch und Sexploitation revolutionierte.

Er ist legendär, revolutionär, provokativ und künstlerisch höchst anspruchsvoll. Er war Laufbursche, Cutter, realisierte während des Koreakrieges Propaganda-Filme, anschließend Trailer für Truffaut und Bergman, erlebte die radikale Zensur am Film hautnah mit und war einer der ersten, die es im prüden, konservativ-amerikanischen Mainstream-Kino wagten, nackte Haut zu zeigen. Metzgers große Kunst ist es, sexuelle Sehnsüchte immer auch in Seh-Süchte zu verwandeln und gleichzeitig die eigene Fantasie anzuregen. Seine ästhetisch-sinnlichen Bilder sind derart betörend und verführerisch, dass man sich ihnen kaum entziehen kann. Doch es sind nicht nur diese atemberaubend schönen Kameraeinstellungen, auch Metzgers klug konstruierten Geschichten, die oftmals lose auf literarischen Vorlagen basieren, schauspielerisch hervorragende Leistungen, sinnig-brillante Dialoge und das berüchtigte satirische Augenzwinkern auf die eigene Branche verleihen seinen Filmen ihre unverwechselbare Handschrift. Er versteht es wie kein anderer diese prickelnden, magischen Momente hervorzuzaubern – eben genau jene seltenen Augenblicke, für die das Kino erfunden wurde. Doch nicht nur seine eigenen Werke bereicherten das amerikanische Kino um anspruchsvolle erotische Kunst, sondern auch die Filme, die er mit seinem Filmverleih „Audubon Film“ herausbrachte (u.a. „I, A Woman“). 1984 zog sich Radley Metzger aus dem Filmgeschäft zurück.

Im Rahmen der ihm gewidmeten Retrospektive wird Radley Metzger während des Filmfest Oldenburg u.a. folgende Filme persönlich vorstellen: „Carmen, Baby“ (1967) ist ein wichtiger Meilenstein, weil Metzger sich erstmals dazu entschloss, den Film in Farbe zu drehen. Als „sexiest film with no nudity“ bescherte ihm der Film den größten finanziellen Erfolg seiner Karriere. Um Kosten zu sparen, realisierte Metzger viele seiner Filme in Europa, die er zudem vornehmlich im gutbürgerlichen Milieu ansiedelte. Aus diesem Grund wird er auch gerne als „Aristokrat der Erotik“ bezeichnet. „Therese and Isabelle“ (1968) wird als sein bester Film gehandelt: Basierend auf Violette Leducs autobiographischem Roman schildert er eine aufkeimende Liebe in einem Mädcheninternat. Der Film erschien auch in Deutschland, erhielt hervorragende Kritiken und gilt ebenso wie „The Lickerish Quartet“ (1970) als ein Meisterwerk des erotischen Films. Metzger arbeitete mehrfach mit dem deutschen Kameramann Hans Jura zusammen, der in den sechziger Jahren zweimal mit dem Bundesfilmpreis für seine herausragenden Fähigkeiten als Kameramann ausgezeichnet wurde. Radley Metzger wird während des gesamten Festivals vom 15. bis 19. September in Oldenburg zu Gast sein.

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