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Hamburger Architektur Sommer 2019

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Spektakuläre Rückführung von Kriegsverlusten.
Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) hat aus Privatbesitz über das Berliner Auktionshaus Historia zehn kostbare Gemälde zurück erhalten, die bis 1942 ihren Platz in der Bildergalerie von Sanssouci hatten und seit 1945 als verschollen galten, darunter schmerzlich vermisste Meisterwerke von Antoine Pesne, Jean Raoux und aus der Werkstatt von Peter Paul Rubens.

Die Gemälde gehören zu jenem umfassenden Gemäldebestand der Bildergalerie von Sanssouci, den die Preußische Schlösserverwaltung 1942 zum Schutz vor Kriegseinwirkungen nach Schloss Rheinsberg ausgelagert hatte. Ein Großteil hiervon wurde 1945 in die Sowjetunion abtransportiert, einzelne Werke fanden über verschlungene Wege in den Besitz der Bevölkerung Rheinsbergs und umliegender Orte. Obwohl 1958 insgesamt knapp 40 Gemälde der Bildergalerie von der sowjetischen Regierung zurückgegeben wurden, mussten noch 99 Werke als Verlust bezeichnet werden. Insgesamt beläuft sich die Anzahl der seit dem Zweiten Weltkrieg verschollenen oder zerstörten Gemälde aus den Schlössern der Stiftung auf nahezu 2.000 Werke.

Nachdem die Rote Armee das Schloss mit den darin befindlichen Kunstwerken unter ihre Kontrolle gebracht hatte, wurde auch die Gattin des Kastellans aus ihrer im Seitenflügel liegenden Wohnung verwiesen. Aus der Motivation, wenigstens einen Teil der Kunstwerke vor dem Zugriff der Besatzungsmacht zu retten, nahm sie diese zehn Gemälde in ihren persönlichen Gewahrsam – in Anbetracht der Umstände ein sehr riskantes Unterfangen. Da sie in ihrer neu gefundenen Unterkunft kaum Platz hatte, übergab sie die Bilder ihrer Schwester in Berlin. Der Gemäldeschatz blieb so respektvoll verborgen, zumal bei einer Rückgabe nach der Besatzungszeit wohl auch Konsequenzen zu befürchten waren. Die Angehörigen hatten die Geschichte immer anders gehört, da in der Familie die Gemälde als Kompensation für den Verlust von Hab und Gut dargestellt worden waren. Als sie sich nun davon trennen wollten, fiel dem Eigentümer des Auktionshauses Historia die Qualität der Bilder und die Inventarnummern auf, so dass letztlich der für die Schlösser historisch so kostbare Fund nun gegen einen angemessenen Finderlohn wieder an die Stelle zurückkehrt, wo er seit dem 18. Jahrhundert seinen Platz hatte. Nicht nur den Besitzern, die die Gemälde aus freien Stücken rasch und komplikationslos restituierten gebührt besonderer Dank, auch das Auktionshaus ist hierbei dem allgemeinen kulturellen Auftrag des Kunsthandels vorbildlich nachgekommen.

1755–1763 erbaut und ausgestattet, beinhaltet die Bildergalerie von Sanssouci seit ihrem Entstehen kostbarstes Interieur, darunter zahlreiche Spitzenwerke der niederländischen und italienischen Malerei des 16. und 17. Jahrhunderts. Die Gemälde und ihre aufwändig geschnitzten Rahmen sind gemeinsam mit Statuen, Konsoltischen, erlesenem Marmor und Dekorationen aus vergoldetem Stuck zu einem Gesamtkunstwerk vereint, das zu den Höhepunkten des friderizianischen Rokoko gehört.

1786, im Todesjahr Friedrichs des Großen, umfasste die Galerie 178 Gemälde. Seitdem veränderte sich der Bestand mehrfach, unter anderem 1830 durch Abgabe von 56 Bildern in das neu gegründete Königliche Museum in Berlin.


Liste der Werke:

1) Peter Paul Rubens (Werkstatt): Maria lactans, um 1614,
Öl auf Eichenholz, 65,8 x 51,2 cm
GK I 7594
Seit 1786 in der Bildergalerie nachweisbar (Kabinett)

2) Cornelis van Haarlem: Diana und Kallisto, 1623
Öl auf Leinwand, 58,4 x 83,7 cm
GK I 2232
1779 in der Bildergalerie des Berliner Schlosses, 1891 in der Bildergalerie von Sanssouci

3) Hendrik van Limborch: Heilige Familie mit Elisabeth und dem Johannesknaben
Öl auf Eichenholz, 68,7 x 53,4 cm
GK I 7719
Seit 1764 in der Bildergalerie nachweisbar (Kabinett)

4) Nicolas Vleughels: Loth und seine Töchter, 1718
Öl auf Leinwand, 57 x 68 cm
GK I 1806
1794 im Potsdamer Stadtschloss, 1806&ndas;29 in der Bildergalerie (Kabinett)

5) Jean Raoux: Bathseba im Bade, 1719
Öl auf Leinwand, 57 x 68 cm
GK I 1807
1794 im Potsdamer Stadtschloss, 1806–29 in der Bildergalerie (Kabinett)

6) Gerard Dou-Kopie: "Rembrandts Vater", Gegenstück zu GK I 1685
Öl auf Eichenholz, 23,5 x 19 cm (oval)
GK I 7684
Seit 1767 in der Bildergalerie (Kabinett) nachweisbar
Kopie nach dem um 1630 entstandenen Original in der Gemäldegalerie Kassel

7) Gerard Dou-Kopie: "Rembrandts Mutter", Gegenstück zu GK I 1684
Öl auf Eichenholz, 24 x 19,5 cm (oval)
GK I 7685
Seit 1767 in der Bildergalerie (Kabinett) nachweisbar
Kopie nach dem um 1630 entstandenen Original in der Gemäldegalerie Kassel

8) Gerard Dou-Nachfolger (Domenicus van Tol?): Betender Einsiedler
Öl auf Eichenholz, 25 x 19 cm (oval)
GK I 7677
1763 aus der Sammlung Lormier erworben, seit 1764 in der Bildergalerie (Kabinett) nachweisbar

9) Peter Paul Rubens (Kopie): Himmelfahrt Mariä, nach 1618–20
Öl auf Eichenholz, 75,3 x 57,5 cm
GK I 7597
Seit 1767 in der Bildergalerie (Kabinett)

10) Antoine Pesne: Santina Olivieri, genannt La Reggiana, mit Maske
Öl auf Leinwand, 80 x 64 cm
GK I 9405
Um 1902 aus dem Nachlass Prinz Georg von Preußen. Danach im Potsdamer Stadtschloss und im Neuen Palais

Öffnungszeiten: Mai bis Oktober. Dienstag bis Sonntag, 10–18 Uhr, Montag geschlossen.

Eintritt: 3 Euro / ermäßigt 2,50 Euro, ohne Führung

Quelle: www.spsg.de

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