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Die Weltgemeinschaft droht ihre Bildungsziele bis 2030 zu verfehlen. Das legen aktuelle Berechnungen der UNESCO nahe. Demnach könnten zu Beginn des nächsten Jahrzehnts mehr als 220 Millionen Kinder und Jugendliche keinen Zugang zu Schulbildung haben.

 

„Die Vereinten Nationen haben 2015 ein klares Ziel ausgegeben“, sagt Prof. Dr. Maria Böhmer, die Präsidentin der Deutschen UNESCO-Kommission. „Bis zum Jahr 2030 soll jedes Kind in den Genuss hochwertiger Schulbildung kommen. Aber davon sind wir noch zu weit entfernt“, so Böhmer. „Wenn wir die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen erreichen wollen, muss weltweit mehr für Bildung getan werden. Dafür haben wir noch genau zehn Jahre Zeit.“
 

Lehrkräfte für hochwertige Bildung entscheidend

„Auf die Lehrkräfte kommt es dabei ganz besonders an. Sie sind der Schlüssel zu hochwertiger und chancengerechter Bildung“, unterstreicht Böhmer. „Weltweit werden bis 2030 nahezu 69 Millionen neue Lehrerinnen und Lehrer benötigt. Auch in Deutschland müssen wir dringend in die Ausbildung von Lehrkräften investieren“, so Böhmer. „Die Zahl der Einschulungen wird in den kommenden Jahren weiter steigen. Die Lehrkräfteausbildung muss damit Schritt halten.“
 

Nach aktuellen Schätzungen der Bertelsmann Stiftung wird die Zahl der Grundschülerinnen und Grundschüler in Deutschland bis 2025 auf 3,232 Millionen anwachsen. In fünf Jahren könnten dann allein im Primarbereich 26.300 Lehrkräfte fehlen. Werde diese Lücke nicht geschlossen, drohe sich der Personalmangel bis 2030 fortzusetzen. Zudem stellt der letzte OECD-Bericht Bildung auf einen Blick fest, dass Deutschland lediglich 0,6 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts für Grundschulbildung aufwendet. Im Durchschnitt liegen die Ausgaben der OECD-Staaten in diesem Bereich bei 1,5 Prozent.
 

„Die Bildungsbeteiligung in Deutschland steigt an. Immer mehr Kinder erhalten immer früher Zugang zu Bildung“, erklärt Böhmer. „Jetzt kommt es darauf an, die Qualität zu halten und weiter zu verbessern. Die letzte PISA-Studie zeigt, dass die Leistungen in Deutschland über dem OECD-Durchschnitt liegen. Dennoch kann ein Fünftel aller Fünfzehnjährigen nicht einmal auf Grundschulniveau lesen“, so Böhmer. „Wir müssen unsere Lehrkräfte durch passgenaue Fort- und Weiterbildung dabei unterstützen, alle Kinder gleichermaßen mitzunehmen.“
 

Bildungschancen von Migrantinnen und Migranten verbessern

Insbesondere Kinder von Geflüchteten sowie Migrantinnen und Migranten sehen sich großen Hürden gegenüber. Das Recht auf hochwertige Bildung wird ihnen in vielen Ländern der Welt noch immer nicht hinreichend gewährt. Zu diesem Schluss kommt der UNESCO-Weltbildungsbericht. Die Maßnahmen zur Integration von Geflüchteten und Migranten in Deutschland hebt das Autorenteam positiv hervor. So sei die Sprachförderung in Deutschland überdurchschnittlich. Geflüchtete mit guten Deutschkenntnissen, Lese- und Schreibfertigkeiten haben laut Weltbildungsbericht eine um 19 Prozentpunkte höhere Chance auf Beschäftigung und 18 Prozent höhere Löhne.
 

„Die großen Investitionen in die Sprachförderung zahlen sich aus, denn Sprache ist der Schlüssel zu unserer Gesellschaft“, betont Böhmer. „Auch bei der beruflichen Bildung sind wir auf dem richtigen Weg. Die Unterstützung von Bund, Ländern und Kommunen hilft schon jetzt, viele Geflüchtete in Ausbildung und Beschäftigung zu bringen“, unterstreicht die Präsidentin der Deutschen UNESCO-Kommission. „Wir müssen aber weiter an den Qualifikationen arbeiten und Bildungsangebote so gestalten, dass alle jungen Menschen davon profitieren können“, so Böhmer.
 

Erwachsenenbildung weiter fördern

„Wenn wir über Bildung sprechen, dürfen wir aber nicht nur an die Jüngsten denken“, macht Böhmer deutlich. „Auch die Erwachsenenbildung ist für die Zukunft unserer Gesellschaft von großer Bedeutung.“ Deutschland habe in diesem Bereich bereits viel geleistet, aber in Zeiten sich schnell wandelnder Anforderungen werde lebenslanges Lernen immer wichtiger. „Deshalb muss die Bildung erwachsener Menschen künftig mehr Gewicht bekommen“, unterstreicht die Präsidentin.
 

Der UNESCO-Weltbericht zur Erwachsenenbildung macht deutlich, dass die Ausgaben für Erwachsenenbildung in den vergangenen zehn Jahren im globalen Vergleich zurückgegangen sind. Dieser Trend zeigt sich in Ländern mit niedrigen ebenso wie in Staaten mit hohem Einkommen. Entgegen der allgemeinen Entwicklung hat Deutschland mit der Verabschiedung des Arbeitslosenversicherungsschutz- und Weiterbildungsstärkungsgesetzes zusätzliche Finanzierungsmöglichkeiten für die Erwachsenenbildung geschaffen. Deutsche UNESCO-Kommission


Quelle: Deutsche UNESCO-Kommission

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