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Peter Schreier war durch drei Jahrzehnte „der“ Tenor der Schubertiade: Bei der ersten Schubertiade im Mai 1976 war er der Interpret des Liederzyklus „Die schöne Müllerin“. Seiner maßstäblichen Interpretation dieses Schubert-Zyklus sollten in unserem Rahmen noch viele weitere folgen – zuletzt 2005 in Schwarzenberg, wenige Wochen vor seinem 70. Geburtstag. Seine Vorbehalte gegenüber einer Interpretation der „Winterreise“ konnte ich  zerstreuen, nachdem mir Sviatoslav Richter zugesagt hatte, Peter Schreier bei diesem Zyklus zu begleiten.

(Nachdem Richter kurz nach dieser Zusage seinen Auftrittskalender auf sehr kurzfristige Planung umgestellt hatte, kam es dann nur in Dresden, Moskau und Prag zu „Winterreisen“ in dieser Besetzung – aber leider nicht bei der Schubertiade, wo die Idee entstanden war.) Eine Ablehnung von Peter Schreier hatte ich mir bei der Frage erwartet, ob er die Partie des Florestan in Nikolaus Harnoncourts erster Aufführung von Beethovens „Fidelio“ – konzertant bei der Schubertiade 1986 – zu singen bereit wäre. Vom anderen Ende der Telefonleitung war aber nur ein schlichtes „Ja“ zu hören. Mit Nikolaus Harnoncourt folgten dann auch noch dessen erste „Missa solemnis“ von Beethoven und Opernarien von Schubert. Als Dirigent hat Peter Schreier sich unter anderem auch Singspielen von Schubert gewidmet und Beethovens Klavierkonzerte Nr. 4 und 5 mit András Schiff aufgeführt, mit dem er bei der Schubertiade auch eine intensive Zusammenarbeit bei Liederabenden begonnen hat.
 
Am 8. Dezember 2005  hat Peter Schreier seinen allerletzten Liederabend, der gleichzeitig sein 75. Auftritt bei der Schubertiade war, im Markus-Sittikus-Saal in Hohenems gesungen. Wenige Tage danach folgte noch eine Aufführung von Bachs „Weihnachtsoratorium“ in Prag – und danach war diese Jahrhundertstimme nicht mehr zu hören. Zur Schubertiade kam er dann weiter als Dirigent sowie zu Meisterkursen und Gesprächsmatineen.
 
Wir trauern um eine der langjährigen, tragenden „Säulen“ der Schubertiade und sind in Gedanken bei seiner Familie. Peter Schreier hat immer die Komponisten in den Mittelpunkt seiner Arbeit und nie sich selbst in den Vordergrund gestellt. Seine Lieblingskomponisten Bach, Mozart und Schubert können sich nun in einer anderen Welt an ihrem, von allen körperlichen Mühsalen der letzten Jahre befreiten, singulären Interpreten erfreuen.
 
Gerd Nachbauer

Quelle: Schubertiade GmbH

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