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Hamburger Architektur Sommer 2019

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Vom 11. bis 26. November ist die Ausstellung »Flucht ins Ungewisse – Hamburger Persönlichkeiten im Exil« im Hamburger Rathaus zu sehen. Sie porträtiert 22 Politiker, Wissenschaftlerinnen und Kulturschaffende, die während des Nationalsozialismus ins Exil fliehen mussten. Hamburg ist in den Werdegängen der Porträtierten teils Ausgangs-, teils Rückkehrort. Einige wurden hier ihrer Existenz beraubt und fortgejagt, andere fanden nach dem Exil in der Hansestadt eine neue Wirkungsstätte.


»Wir erinnern an das Schicksal und Wirken der Menschen, die während der NS-Zeit aus ihrer Heimatstadt Hamburg fliehen mussten. Ihre ganz persönlichen Geschichten halten die Mahnung wach, dass unsere historische Verantwortung nicht abläuft, sondern immer währt«, sagt Carola Veit, Präsidentin der Hamburgischen Bürgerschaft. »Angesichts der vielen Menschen, die auch heute in unserer Stadt im Exil leben, weil sie vor Hunger, Verfolgung und Krieg geflohen sind, ist die Ausstellung eine Aufforderung, Hass und Intoleranz etwas entgegenzustellen, nämlich Solidarität, Empathie und Demokratie.« Die Ausstellung ist anlässlich des 30-jährigen Jubiläums der Herbert und Elsbeth Weichmann-Stiftung und im Rahmen des Fokusthemas »Neues Leben im Exil« der Körber-Stiftung als Kooperationsprojekt entstanden. Sie ist vom 11. November an täglich Montag bis Freitag von 7 bis 19 Uhr, samstags von 10 bis 18 Uhr und sonntags von 10 bis 17 Uhr im Hamburger Rathaus zu sehen.

 

Flucht und Exil heute wie früher ein Thema

»Vor dem Hintergrund heutiger Erfahrungen von Ausgrenzung und Verfolgung möchten wir mit der Ausstellung eine Brücke in die Vergangenheit schlagen, um Kontinuitäten der Exilerfahrung aufzuzeigen und die historische Verantwortung Deutschlands als Exilland bewusst zu machen«, sagt Dr. Lothar Dittmer, Vorstandsvorsitzender der Herbert und Elsbeth Weichmann-Stiftung und der Körber-Stiftung. Die gegenwärtigen Angriffe auf Minderheiten und Geflüchtete erinnern daran, dass aus Deutschland während des Nationalsozialismus rund eine halbe Million Menschen ins Exil vertrieben wurden. Verbunden war damit der Verlust der Familie und des Freundeskreises, der Sprache und der beruflichen Karriere. Aus Hamburg flohen zwischen 1933 und 1939 bis zu 10.000 Männer, Frauen und Kinder ins Ausland. Die Mehrheit war jüdischer Herkunft, rund 800 waren als Sozialdemokraten, Sozialisten oder Kommunisten politische Gegner des Regimes.

 

Von Max Brauer bis zu Herbert und Elsbeth Weichmann

Auch Herbert Weichmann wurde als Jude und Sozialdemokrat von den Nationalsozialisten verfolgt, 1933 ging er mit seiner Frau Elsbeth zunächst nach Paris, dann nach New York ins Exil. 1948 kehrte er nach Hamburg zurück, wo er von 1965 bis 1971 Erster Bürgermeister der Hansestadt war. Elsbeth Weichmann folgte ihm 1949 zurück in die Heimat. Von 1957 bis 1974 war sie Abgeordnete der SPD in der Hamburger Bürgerschaft. Sie trat für die Förderung von Kultur ein und initiierte in der Hansestadt die erste Verbraucherzentrale Deutschlands. Neben den Weichmanns werden unter anderem die Exilschicksale des Hamburger Bürgermeisters Max Brauer, des Intendanten des Deutschen Schauspielhauses Peter Zadek, der Kunsthistorikerin Rosa Schapire und des Schriftstellers Georges-Arthur Goldschmidt, dem einzigen noch lebenden Porträtierten der Ausstellung, vorgestellt. »So unterschiedlich die Schicksale waren, so eindrücklich und berührend führen sie vor Augen, welche Verluste, Unsicherheiten und Brüche mit dem Exil verknüpft waren und heute noch sind«, sagt Dittmer.

 

»Flucht ins Ungewisse – Hamburger Persönlichkeiten im Exil«

11. bis 26. November 2019

Hamburger Rathaus, Rathausmarkt 1, 20095 Hamburg

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 7-19 Uhr, Samstag 10-18 Uhr, Sonntag 10-17 Uhr

Der Eintritt ist frei.

 

Die Herbert und Elsbeth Weichmann-Stiftung besteht seit 1989. Sie bewahrt das Andenken ihrer Namensgeber, des Ehepaars Weichmann, das 1933 über die Tschechoslowakei zunächst nach Frankreich und dann in die USA floh und dort Jahre des Exils verbrachte. 1948/1949 kehrte das Ehepaar nach Deutschland zurück und wirkte maßgeblich am Aufbau der Demokratie mit. Ziel der Stiftung ist, das Wirken der demokratischen Opposition im Exil gegen die totalitäre Herrschaft Hitlers sowie die Folgen dieses Wirkens für Deutschland nach dem Krieg in Erinnerung zu rufen und diese Erinnerung für künftige Generationen zu bewahren.

 

Das Fokusthema »Neues Leben im Exil« der Körber-Stiftung

Mit dem Fokusthema »Neues Leben im Exil« engagiert sich die Körber-Stiftung für Menschen, die in Deutschland im Exil leben und hier ihre Erfahrungen von Krieg und Flucht, vom Verlust der Heimat und vom Ankommen in einer fremden Kultur reflektieren. Sie möchte die journalistischen, künstlerischen, wissenschaftlichen und politischen Aktivitäten der Menschen sichtbar machen und ihnen eine Stimme im gesellschaftlichen Dialog geben. Dabei wird auch die Brücke zum Exil in der Vergangenheit geschlagen, um Kontinuitäten aufzuzeigen und die historische Verantwortung Deutschlands bewusst zu machen.

 
Quelle: Körber-Stiftung

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