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UNESCO-Weltbildungsbericht 2019 zu Flucht und Migration in Berlin vorgestellt

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Dienstag, den 20. November 2018 um 09:33 Uhr

Kindern von Geflüchteten sowie Migrantinnen und Migranten wird das Recht auf eine hochwertige Bildung in vielen Ländern der Welt noch immer nicht hinreichend gewährt. Einige Regierungen verweigern dies gänzlich. Das stellt der Weltbildungsbericht unter dem Titel „Migration, Flucht und Bildung: Brücken bauen statt Mauern“ fest, der am 20. November im Auswärtigen Amt in Berlin vorgestellt wird. In den letzten zwei Jahren haben geflüchtete Kinder und Jugendliche insgesamt 1,5 Milliarden Schultage verpasst. Das Autorenteam des Berichts lobt Deutschland für vielfältige Maßnahmen bei der Integration von Geflüchteten und Migranten, sieht jedoch auch Verbesserungsbedarf bei der Chancengerechtigkeit im deutschen Bildungssystem.


Für das Auswärtige Amt weist Staatsministerin Michelle Müntefering darauf hin: „Kindern und Jugendlichen weltweit Teilhabe an Bildung zu ermöglichen, ist essenziell. Das kann bei Geflüchteten sowie Migrantinnen und Migranten nur durch internationale Zusammenarbeit gelingen, so der am 20. November im Auswärtigen Amt vorgestellte UNESCO-Weltbildungsbericht 2019. Bei Fragen zu Flucht und Migration ist es ganz zentral, sich aufmerksam und mit Respekt zuzuhören und gemeinsam Lösungen zu finden.“

Staatssekretär Martin Jäger im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung unterstreicht: „Wer Kindern die Chance auf Bildung nimmt, der nimmt ihnen die Zukunft. Denn Bildung ist der Schlüssel für die Entwicklung jedes Einzelnen, aber auch für die Entwicklung der ganzen Gesellschaft. Unser Ziel ist es daher, Kindern und Jugendlichen den Schulbesuch auch unter schwierigsten Bedingungen zu ermöglichen – sei es in Krisengebieten oder auf der Flucht."

Auch Deutschland hat sich zur Umsetzung der Globalen Nachhaltigkeitsagenda und damit zu hochwertiger und chancengerechter Bildung verpflichtet. Die Präsidentin der Deutschen UNESCO-Kommission Prof. Dr. Maria Böhmer erklärt: „Deutschland hat bei der Integration von Geflüchteten in das Bildungswesen bereits viel erreicht! Die großen Investitionen in die Sprachförderung zahlen sich aus, denn Sprache ist der Schlüssel für unser Bildungssystem und unsere Gesellschaft. Auch bei der beruflichen Bildung ist klar: Wir sind auf dem richtigen Weg. Verlässliche Unterstützungsstrukturen von Bund, Ländern und Kommunen helfen schon jetzt, Flüchtlinge in Ausbildung und Beschäftigung zu bringen. Hier müssen wir weiter investieren und Bildungsangebote so weiterentwickeln, dass sie für alle Jugendlichen und jungen Erwachsenen ein Gewinn sind."
 

Viele Länder schließen Geflüchtete aus Bildungssystemen aus

Über die Hälfte der weltweit geflüchteten Menschen ist unter 18 Jahre alt. Doch viele Länder schließen diese Kinder und Jugendlichen aus ihren nationalen Bildungssystemen aus. Asylsuchende Kinder, die in Ländern wie Australien, Ungarn, Indonesien, Malaysia und Mexiko in Lagern leben, haben allenfalls nur eingeschränkten Zugang zu Bildung. Rohingya-Flüchtlinge in Bangladesch, burundische Flüchtlinge in Tansania, Karen-Flüchtlinge in Thailand und viele afghanische Flüchtlinge in Pakistan besuchen nur separate und zum Teil nicht anerkannte Schulen. Auch bieten einige dieser Aufnahmeländer Geflüchteten keine Sprachkurse an, die sie für eine soziale Integration und gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt dringend benötigen. In vielen Fällen erhalten Flüchtlinge zwar Zugang zu Bildung, können aber nicht mit Gleichaltrigen aus dem Land lernen.
Das Autorenteam des Weltbildungsberichts beschreibt aber auch Fortschritte: Acht der zehn Länder mit den meisten Geflüchteten haben deutliche Fortschritte bei der Integration von Flüchtlingen in die nationalen Bildungssysteme gemacht, darunter einkommensschwache Länder wie Tschad, Äthiopien und Uganda.
 

Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund noch immer benachteiligt

Der Anteil der Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund in Ländern mit hohem Einkommen ist zwischen 2005 und 2017 von 15 Prozent auf 18 Prozent (36 Millionen) gestiegen. Trotzdem werden sie in der Bildung noch immer benachteiligt.
2017 haben in der Europäischen Union doppelt so viele im Ausland geborene Kinder und Jugendliche die Schule früher verlassen, als die im Land Geborenen. Schülerinnen und Schüler der ersten Zuwanderungsgeneration sind in Ländern der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) weiterhin benachteiligt. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie Grundkenntnisse in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften erwerben, ist 32 Prozent geringer als bei im Land Geborenen.

Kanada hat den höchsten Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund unter den sieben reichsten Industrieländern. Positiv hebt der Bericht hervor, dass das Land den Erwerb von Grundkenntnissen über Migration für Kinder ab der zweiten Klasse sicherstellt. Irland, mit dem höchsten Anteil an Einwanderern der ersten Generation in der Europäischen Union, finanzierte mitten in einer Finanzkrise eine auf Vielfalt und Menschen unterschiedlicher Herkunft ausgerichtete Bildungsstrategie.
 

Das Autorenteam des UNESCO-Weltbildungsberichts fordert:

1.      den Schutz des Rechts auf Bildung von Migranten und Geflüchteten zu gewährleisten,
2.      die Einbindung von Migranten und Geflüchteten in nationale Bildungssysteme zu sichern,
3.      die Bildungsbedürfnisse von Migranten und Geflüchteten zu verstehen und einzuplanen,
4.      Migration und Flucht im Unterricht zu thematisieren, um Vorurteile abzubauen,
5.      Lehrkräfte von Migranten und Geflüchteten auf Diversität vorzubereiten,
6.      das Potenzial von Migranten und Geflüchteten zu nutzen,
7.      Bildung von Migranten und Geflüchteten in der humanitären und Entwicklungshilfe zu unterstützen.

Quelle: Deutsche UNESCO-Kommission e.V.

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