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Europäer durch Filme verbinden: European Film Forum auf der Berlinale 2018

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Dienstag, den 27. Februar 2018 um 08:31 Uhr
Die Zukunft des MEDIA Programms nach 2020 war zentrales Thema des European Film Forum der Europäischen Kommission anlässlich der diesjährigen Berlinale. Mariya Gabriel, EU-Kommissarin für digitale Wirtschaft und Gesellschaft, würdigte in ihrer Keynote den hohen Stellenwert der Berlinale für das europäische und internationale Kino.

Das Kino habe eine immense Bedeutung für unser heutiges Europa, das durch die technologische Revolution stark im Umbruch sei: "Als Kommissarin für die digitale Wirtschaft und Gesellschaft räume ich der Medienpolitik und der Unterstützung des audiovisuellen Sektors eine einzigartige Stellung ein, die mir am Herzen liegt. Ich bin der Überzeugung, dass wir die politischen und gesellschaftlichen Herausforderungen nicht ohne eine reiche, freie und vielfältige Filmlandschaft überwinden können."

Filme als Botschafter europäischer Werte
Europa sei im Aufschwung, so Gabriel, die Wirtschaft wachse und damit auch das Vertrauen in sie. Zugleich sei das Bewusstsein bei den Regierenden da, dass die kulturelle Produktion Europas essentiell und zu unterstützen sei. Dies wurde im Rahmen eines Gipfels in Göteborg im November 2017 deutlich, bei dem die Europäische Kommission mit Unternehmen und Institionen und Themen wie faire europäische Arbeitsmärkte, wirksame und nachhaltige Systeme der sozialen Absicherung sowie die Förderung des sozialen Dialogs auf allen Ebenen diskutierte. Dabei wurden die gemeinsamen europäischen Werte und Identität betont, zu der die Filmbranche bedeutend beitragen könne, so Gabriel.
Zu den Prioritäten der Kommissarin für die Zukunft zählen die finanzielle Ausstattung des MEDIA Programms nach 2020, die Strategie #Digital4Culture, deren Ziel es ist, die digitale Revolution zu einem Vorteil für die Branche zu entwickeln sowie die Modernisierung des regulatorischen Umfelds für einen gemeinsamen Binnenmarkt.
All diese Ziele und Anforderungen finden sich im MEDIA Programm wieder, so Gabriel: "MEDIA soll die Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Sektors stärken und zugleich zur kulturellen Vielfalt beitragen. Diese doppelte Rolle dient der Öffnung unserer Gesellschaften und unterstützt den Kampf gegen die Intoleranz, die Ungerechtigkeit und gegen Rassimus.ö In 27 Jahren MEDIA Programm sind 2,5 Milliarden Euro in die europäische Filmbranche geflossen. Fast 2.000 Projekte jährlich werden gefördert.

Digital4Culture
Das neue Programm ab 2020 steht laut Gabriel unter dem Motto "Digital4Culture", der Verbindung von Kultur und Digitalwirtschaft. Sie kündigte eine B2B-Datenbank von online verfügbaren europäischen Filmen an. Ein Prototyp wird voraussichtlich Ende 2018 im Europäischen Kulturerbejahr vorgestellt. Der Zugang solle zukünftig auch für die Öffentlichkeit weiterentwickelt werden, mit dem Ziel, europäische Filmwerke einem breiten Publikum zur Verfügung zu stellen.
Gabriel betonte, sie würde sich dafür einsetzen, dass Angebote über Online-Plattformen besser vergütet werden sowie dafür, Online-Anbieter zu mehr europäischen Inhalten zu verpflichten.
Weitere Pläne der Europäischen Kommission sind die Reformierung des Urheberrechts, eine damit einhergehende Stärkung der Autoren sowie die Überarbeitung der Richtlinie für audiovisuelle Medien. Hierbei steht vor allem der Kampf gegen illegale Inhalte auf der Agenda.
Um die Zukunft des Programms mitzugestalten, ruft die Kommissarin alle Kulturschaffenden auf, sich an einer öffentlichen Umfrage zu beteiligen, die noch bis zum 8. März online verfügbar ist.

Film und Europa
Es folgte ein Gespräch mit den Regisseuren Cristian Mungiu und Radu Mihaileanu zur europäischen Identität, zu den Werten und der Einzigartigkeit des europäischen Kinos. Ein wichtiger Aspekt laut Mungiu sei die frühzeitige Heranführung von Kindern und Jugendlichen an europäische Arthouse-Filme, denn die junge Generation sei nach wie vor vom Disney- und Pixar-Mainstream geprägt. Genauso wie von der "Umsonst-Kulturö des Internets, weshalb auch Piraterie nach wie vor ein großes Thema sei. Eine mögliche Lösung könnten hierfür die VoD-Pläne der Kommissarin für europäische Filme bieten. Im späteren Verlauf des Tages wurde dann auch eine Technologie aus Spanien vorgestellt, mit deren Hilfe illegale Inhalte im Netz aufgespürt werden können.
Mihaileanu präsentierte eine Petition der Society of Audiovisual Authors, in der die EU aufgefordert wird, das Urheberrecht zu modernisieren.

Die Zukunft des MEDIA Programms nach 2020
Eine Keynote zur Zukunft des MEDIA Programms hielt Rodolphe Buet, President International von Global Road Entertainment. Eine der wichtigsten Maßnahmen der EU sei es, die grenzüberschreitende Zirkulation und kulturelle Vielfalt von audiovisuellen Werken zu stärken, auch, um ein besseres Gleichgewicht zu den USA herzustellen. Weniger als die Hälfte der europäischen Filme sind außerhalb ihres Ursprungslands zu sehen. Nur 47% europäischer Kinofilme gibt es auf digitalen Plattformen im Gegensatz zu 86% der US-Filme. Um dieser Realität entsprechend zu begegnen, so Buet, müssen die sprachliche und kulturelle Vielfalt verstärkt unterstützt werden. Das MEDIA Programm sei seit 25 Jahren praktisch unverändert, jetzt sei es an der Zeit, eine neue globale Vision zu entwickeln, um mit den Veränderungen mithalten zu können. Das Budget sei nach wie vor limitiert, 100 bis 120 Millionen Euro seien aufgeteilt auf 14 Förderlinien und 20 weitere Maßnahmen. Der Brexit würde zusätzliche Herausforderungen mit sich bringen.
Buets Empfehlungen für das MEDIA Folgeprogramm ab 2021 liegen somit in den Bereichen Filmerziehung schon für die jüngste Generation sowie Weiterbildung. Aber auch Audience Development, Big Data Monitoring und das Potential von VR werden in Zukunft eine entscheidendere Rolle spielen. Das Europa Cinemas Netzwerk sieht er als ein wichtiges Element, das in Zukunft noch weiter ausgebaut werden sollte, um die Zuschauer auch in kleineren Städten zu erreichen.

Petra Kammerevert, MEP
"Das MEDIA Programm hat geholfen, den europäischen Film als eine Marke und als ein Qualitätslabel zu etablieren.ö lobte Petra Kammerevert, Vorsitzende des Ausschuss für Kultur und Bildung des Europäischen Parlaments in ihrer Rede und schloss mit einem Appell an die Mitgliedsstaaten: Das MEDIA Programm müsse mit mehr Geld ausgestattet werden. Für den ehrgeizigen Programmvorschlag der Kommission müsse man die Unterstützung der Mitgliedsstaaten im Rat sowie die Finanzminister gewinnen. Europäische Filme überschreiten immer noch zu selten die Grenzen im Vergleich zu US-Filmen, so Kammerevert. Innovative Vertriebswege müssten daher gestärkt werden. Zugleich betonte auch sie die nötigen Investitionen in kulturelle Bildung. Leider würden Kinobesuche durch Schulklassen vielfach als Unterrichtsausfall gesehen, dies müsse sich ändern.

Quelle: Creative Europe Desk Hamburg

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