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Documenta-Chefin Carolyn Christov-Bakargiev: Interview im Tagesspiegel

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Donnerstag, den 19. März 2009 um 08:04 Uhr

Documenta-Chefin Carolyn Christov-Bakargiev spricht im "Tagesspiegel" über Brecht, Multitasking und Frauen an der Macht - und natürlich auch indirekt über die "documenta". Ein Konzept muss sich entwickeln, sagte sie, man braucht Zeit dafür und auch Raum für Zufall.


Selbstbewußt, sicher und zukunftsorientiert stand sie Nicole Kuhn Rede und Antwort.

Carolyn Christov-Bakargiev (geb. 1958 in New Jersey) wird 2012 die Documenta 13 in Kassel leiten. Die alle fünf Jahre stattfindende 100-Tage-Schau gilt weltweit als wichtigste Ausstellung zeitgenössischer Kunst. Die Tochter eines Bulgaren und einer Italienerin hat zuvor als Kuratorin am P.S. 1 in New York gewirkt und leitet heute als Direktorin das Ausstellungshaus Castello di Rivoli in Turin. Im vergangenen Jahr leitete die Kunsthistorikerin, deren Spezialgebiet die Arte Povera ist, die Sydney-Biennale.

Das vollständige Interview ist zu finden unter: www.tagesspiegel.de
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 18.03.2009)

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DOCUMENTA-Machen mit LÜGEN?
Droht der Kunstwelt eine BAKARGIEViade? Was Frau CHRISTOV-BAKARGIEY zu ihrer Wahl als Documenta-Macherin geführt habe, wurde die d13-Macherin gefragt? „Mit welchem KONZEPT haben Sie sich vorgestellt?“ - Ihre Antwort: „Über ein Konzept kann ich nicht reden. Erstens wäre es unklug, dreieinhalb Jahre vorher darüber zu sprechen, zweitens wäre es eine Lüge. Das entwickelt sich im Lauf der Zeit. Der Faktor Zeit gehört zu den wesentlichen Bedingungen der Documenta.“ (Der Tagesspiegel, Interview Nicola KUHN v. 18.03.09.)

Die Macherin steht zu ihrer „Negativität“. Ich „neige dazu, just das zu vermeiden, was man von mir erwartet. In jedem Fall will ich kein Spektakel“, betont sie. Ausstellungen würden heute auf dem „YouTube-Prinzip“ basieren: „Dort klickt man sich von einem Video zum nächsten, alles ist ständig verfügbar, so gut wie nichts hat etwas mit dem anderen zu tun. Es ist eine Erfahrung der Omnipotenz und zugleich eine Erfahrung der Beliebigkeit. Gerne würde ich dazu ein Gegenmodell entwickeln.“ Ein GEGENMODELL zur BUERGELiade (d12) der Beliebigkeiten? „Ist zur d13 eine BAKARGIEViade zu erwarten?“, fragte ich in diversen WEB-Artikeln. (Mehr: Googeln und im WEB https://www.documentakassel.com/?s=bakargieviade.)

Die Allein-„Kuratorin“ sagt im ZEIT-Interview (NR. 28 v. 02.07.09) auch, sie sei „eben nicht an einer Ausstellung interessiert, in der die Kunst als Ware dargeboten wird. Mir missfällt es, aus der Kunst einen Fetisch zu machen. Mich interessieren Prozesse.“ Das klingt nicht schlecht. Auf die Gretchen-Frage „Was heißt das für Ihre Künstlerauswahl?“ erwidert C.B. „Die Frage musste ja kommen. Aber ich werde Ihnen keine Namen nennen.“ RAUTERBERG: „Heißt das, Sie machen aus der Künstlerliste einen Fetisch, so wie viele Ihrer Vorgänger?“ C.B.: (…) „Wichtig ist doch auch in dieser Frage nicht das Wer, sondern das Wie. Ich will doch nicht irgendwelche Namen einladen und diesen Namen dann sagen: Liefert ein Werk bis zu dem und dem Datum! Ich arbeite mit Menschen, das ist es, was mich interessiert. Der Austausch, das gemeinsame Nachdenken und Lernen. Und was ich mit der Künstlerliste mache? Vielleicht schicke ich an jede Zeitung eine andere. Oder ich veröffentliche jede Woche neue Listen mit neuen Namen.“ ZEIT: „Mit anderen Worten, Sie lügen.“ C.B.: „Ja, die Unwahrheit ist eine meiner großen Leidenschaften – ein Ort der eigenen Zerbrechlichkeit. Wahrheiten haben ohnehin viel zu viel Leid hervorgebracht.“
PS: C.B.: „Das Wort „documenta ist die Mehrzahl von documentum, und das heißt Mahnung und Lektion“ - ZEIT: „Ich dachte immer, es hieße so etwas wie Beweisstück.“ (documentum = Urkunde, Beweis(schrift); dokumentieren: beurkunden, beweisen, offenbaren, an den Tag legen,)
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