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Kopf-Hörer 20 – Oper, Oper, Oper

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Mittwoch, den 20. Dezember 2017 um 10:23 Uhr
Kopf-Hörer 20 – Oper, Oper, Oper 4.4 out of 5 based on 108 votes.
Kopf-Hörer 20 – Oper, Oper, Oper

Vom ‚Melodramma‘, zum Melodram, zur heutigen Oper. Von der Krise der Oper ist die Rede, vom Streit was eine Regisseur mit seinen Dramaturgen zu leisten hätte und was man unter Werktreue verstehen kann. Jede noch so kreative Inszenierung scheint rechtfertigbar zu sein. Vom Publikumsärger, von der Freiheit der Kunst, von Spektakel und reiner Provokation, und von Dekonstruktion der Schönheit ist zu lesen.
Der französische Universalregisseur Patrice Chereau (1944-2013) meint zum Thema Werktreue und in Hinblick auf seine umjubelte Ring-Aufführung (1976): „Haben wir Wagner einen Dienst erwiesen? Habe ich Wagner einen Dienst erwiesen? Ich werde es nie erfahren”.
Nun, es stellt sich immer die Frage von wem man was wissen und beantwortet haben möchte. Wagner hätte anders geantwortet als der Regietheaterregisseur der deutschen Hauptstadt und auch anders als der Hamburger Opernfreund aus der 3. Reihe.
Die Bandbreite des Umgangs mit Oper hat sich jedenfalls wesentlich vergrößert und eine einzelne Inszenierung spricht – wie auch übrigens in allen anderen Kunstsparten – lediglich ein in sich zersplittertes Teilpublikum an. Eine großflächige und befriedigende Antwort gibt es in diesem Fall jedenfalls nicht. Das gilt es auszuhalten. Trifft es die Haltung der Mehrheit und ist vermeintlich Werk-treu – gut, trifft sie nicht – Protest.
Es gibt auf der musikalischen Speisekarte in jedem Fall was für Veganer, Traditionalisten, Fleischfanatiker und Vegetarier, was sich selbstredend auch ohne direkten musikpolitischen Bezug in den Neuerscheinungen der Alben widerspiegelt.

Wagner fliegenden Holländer COVERKlemperers Wagner-Großtat – Oper Deluxe. Ein Klassiker der Klassik, höchst appetitlich zubereitet, dicht am Original der Erstveröffentlichung, künstlerisch brillant. Der Fluch, der auf dem Kapitän lastet und ihn nach Erlösung suchen lässt, die Welt auf seinem Geisterschiff umsegeln muss und sich den aufgepeitschten Naturgewalten und sich selbst stellen muss, um schließlich dem Höheren entgegenzutreten. Nirgendwo sonst konnten so viele Windmaschinen eingesetzt werden wie in dieser Oper. Klemperer sorgte 1968 in den Londoner Abbey-Road-Studios bei der Aufnahme für dieses Meisterwerk für technische Innovation: „Ambiophonic System“ nannte sich das 360° High-End-Verfahren mit Surround-Sound. Ein akustisches Erlebnis, wenn man technisch entsprechend ausgestattet ist. Mit Kopf-Hörer jedenfalls funktionstüchtig und ein wirkliches Erlebnis, das eine Bildwelt im Kopftheater kreiert. Am Ende ist der Hörer, obwohl er das schwarze Geisterschiff mit seinen blutgetränkten roten Segeln vor sich vorbeijagen sah, keinesfalls vom Unglück betroffen!

Richard Wagner: Der Fliegende Holländer
Otto Klemperer, Anja Silja, Theo Adam, Matti Talvela, Gerhard Unger, Ernst Kozub, Annelies Burmeister, BBC Chorus, New Philharmonia Orchestra London
Label: Warner Classics
2 CDs, Booklet, 147 Seiten
EAN: 190295817442



Offenbach OverturesDeutsch-französische Eröffnung. Jacques Offenbach. Neun seiner Ouvertüren aus Operette und Oper sind dem Werk des in Deutschland geborenen französischen Komponisten Jaques Offenbach (1819-1880) entnommen und vom jungen Dirigenten Darrell Ang mit dem Nationalorchester aus dem nordfranzösischen Lille eingespielt worden. Beginnend mit seiner ersten, bis heute allseits beliebten auskomponierten Operette „Orphée aux enfers“ (Orpheus in der Unterwelt, 1858) und der Erfindung des Cancan (1830), über „La Belle Hélène“ (Die schöne Helena,1864) und „La Vie Parisienne“ (Pariser Leben, 1865) bis zu „La Grande-Duchesse de Gérolstein“ (Die Großherzogin von Gerolstein, 1867) findet sich eine Art Offenbach’sche Hitparade auf dem Tonträger. Mit dem Orchester aus Lille, das nicht auf einen bestimmten Publikumstypus oder eine begrenzte Stilrichtung ausgerichtet ist und über ein ausgezeichnetes digitales Aufnahmestudio verfügt, ist eine musikalische Frohnatur gelungen. Wenn diese 65-minütige Aufnahme beim Publikum – Teilpublikum, muss es natürlich heißen – nicht ankommt, weiß ich auch nicht mehr weiter.

Jacques Offenbach: Overtures
Orchestre National de Lille, Darell Ang
Label: Naxos
CD, zweisprachiges Leporello, 6 Seiten
EAN: 747313369478



Berloiz Les Troyens COVERFranzösisch-deutsches Zusammenspiel. Es ist ein höchst umfangreiches Projekt mit sechzehn Solosängern, drei Chören und einem riesig großen Orchester – nach eigenen Angaben, das größte jemals für eine Oper zusammengestellte. Aus Deutschland unterstützt der in Karlsruhe beheimatete Badische Staatsopernchor – nicht zufällig, fand doch dort die erste inszenierte Aufführung 1890 statt, ohne dass Komponist Hector Berloiz (1803-1869) das miterleben konnte. Chefdirigent John Nelson erläutert im Begleittext, warum er die nicht-orchestrierte Simon-Szene im ersten Akt gestrichen und warum er den fünften Akt mit dem langatmigen und für ihn überflüssigen Epilog vorgezogen hat. Ansonsten gibt es keine Kürzungen. Seine Erläuterungen sind nachvollziehbar.
Der Vergil-Fan Berloiz trug sich lange, sehr lange mit den „Trojanern“ herum, um zu seinem „poetischen und musikalischen Testament“ zu kommen. Gleichzeit war es auch für den Komponist mindestens eine Schlacht – nicht zwischen Karthago und Kleinasien, sondern gegen das Pariser Publikum mit dem er – und es mit ihm – haderte. Oder auch eine zweite Schlacht, eine innere. 1854 war seine geliebte Ehefrau Harriet verstorben. Der Kampf gegen den Schmerz sollte durch Gewalt und Melancholie seines historischen Namensvetters Hektor gelindert werden. Drama, Melodrama und Antike verschmelzen.
Das Ergebnis ist ein Ereignis – großartig. Das dramatische Tempo der Oper ist konsequent bis zur letzten Note durchgehalten, trotz und gerade weil der Längen, die die Komposition selbst für Liebhaber in sich birgt.

Berloiz: Les Troyens
Richard Rittelmann, Joyce DiDonato, Marie-Nicole Memieux, Michel Spyres, Marianne Crebassa, u.a. Les Choeurs de l’Opera national du Rhin, Badischer Staatsopernchor, Choeur philharmonique de Strasbourg, Orchestre philharmonique de Strasbourg; John Nelson
Label: Erato/Warner Classics
4 CDs, dreisprachiges Booklet, 153 Seiten
EAN: 190295762209



Pretty Yende Dreams COVERNachwuchskünstlerin des Jahres 2017. Für ihr letztes Album „A Journey“ erhielt die südafrikanische Koloratursopranistin den „Echo Klassik“. Nun träumt sie sich gefühlsbetont, mal voller Sehnsucht, mal voller Wahnsinn über die großen Opernbühnen: Donizetti, Bellini, Gounod und Meyerbeer.
Den Titel „Königin des Belcanto“ verliehen ihr ihre Auftritte in Berlin und Paris. Eigentlich, so sagt sie, wollte sie sich ursprünglich für die CD lediglich auf „Wahnsinnszenen“ konzentrieren, dann aber fiel ihr Blick auf die Nachbartür des Wahns und auf jenen Raum, hinter dessen Tür sich Menschen in eine Traumwelt geflüchtet haben. So oszillieren die dreizehn Einzelgesangsstücke zwischen Albtraum und Luftschloss. Yendes strahlende und reifere Stimme trägt facettenreich positive leidenschaftliche wie negative tragische Erfahrungen der Opernfiguren in einer wundervollen Klarheit. Kein Wunder also, dass sie seit ihrer Ausbildung an der Mailänder Scala immer wieder Preise für Ihre harte Gesangsarbeit erhält. Verdienstvoll ist außerdem die Auswahl der Stücke, die das emotionale Wechselspiel der sehr unterschiedlichen Charaktere in eine gute Choreographie bringen. Ihr Lebensmotto ist auch auf diesem Album spürbar: sich zunächst durch Gefühle verführen lassen, Entscheidungen mit klarem Verstand treffen.

Pretty Yende Dreams.
Pretty Yende, Ilaria Sicignano, Piero bPretti, Mattia Olivieri, Carlo Lepore, Orchestra Sinfonia di Milano „Giuseppe Verdi“; Giacomo Sagripanti
Label: Sony
CD, dreisprachiges Booklet, 43 Seiten
EAN: 889854301521



Nina Stemme COVERDas Phänomen Stemme. Dominique Meyer, seit 2010 Direktor der Wiener Staatsoper würdigt die besondere Kraft, die im unverfälschten, nicht-retuschierten Musiktheater läge. Nur hier würden sich die Sternstunden der Oper entzünden.
Nina Stemme sorge in Wagners Frauenpartien genau dafür. Und in der Tat, die aus Schweden stammende und mittlerweile als Kammersängerin ausgezeichnete Sopranistin hat eine Gänsehaut-Stimme.
Die Mitschnitte aus Wagners Opern sind alle live und somit ist dieses Album eine Hommage an sie und ihre Wagner-Interpretationen. Vielseitig ist sie, „...ihre fabelhafte Stimmtechnik ermöglicht es ihr, alle nur denkbaren Gefühlsregungen optimal über die Rampe zu bringen...“, heißt es im Begleitheft. An stimmlicher Dramatik ist sie kaum zu überbieten und so wundert es nicht, dass es heißt: Die Stemme singt nicht die Rolle der Isolde, sie ist Isolde, sie ist die Verkörperung ihrer Bühnenfiguren überhaupt.
Dies alles ist auch ohne Bühnenbild in den neun Partien, die das Album zur Verfügung stellt, profund erlebbar.

Nina Stemme: Wagner
Der fliegende Holländer, Die Walküre, Siegfried, Tristan und Isolde.
Chor und Orchester der Wiener Staatsoper
Label: Orfeo
CD, dreisprachiges Booklet, 26 Seiten
EAN: 4011790937120




Abbildungsnachweis:
Header, CD-Cover

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