Anzeige

Wer ist online?

Wir haben 787 Gäste online

Neue Kommentare

Hans-Joachim Schneider zu Meine 18. Lange Nacht der Museen in Hamburg: Herrrlisch, würde der Rheinländer in mir sagen....
Wajda Art zu „A Beautiful Day”. Joaquin Phoenix- Racheengel oder Erlöser?: Wir suchen nach Enthusiasten der Kinematographie ...
Manfred Köck zu Im Wunderland der Wünsche. Laila Biali: schade, dass sie nicht mit ihren stammmusikern un...
Helmuth Barth zu Thomas Gainsborough – die moderne Landschaft: Vorausschicken möchte ich, dass ich neben Bilder...
Anna Grillet zu „Call Me by Your Name”. Die Sinnlichkeit des Luca Guadagnino: Leider nein, kann die bitterböse ästhetisch bri...

Klartext

Klartext: Isabelle Hofmann

Drucken
(184 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Mittwoch, den 21. November 2012 um 11:33 Uhr
Klartext: Isabelle Hofmann 4.4 out of 5 based on 184 votes.
Klartext - Isabelle Hofmann

Zeit verschwendet, Steuergelder verschwendet, Arbeitskraft verschwendet: Die Hamburger Stiftung Historische Museen ist gescheitert.

Der Dolchstoß kam von der SPD: Sie brachte den Vorschlag ein, nicht nur das Helms Museum in Harburg wieder auszugliedern, sondern auch zwei Außenstellen, die seit Jahrzehnten zum Hamburg Museum, bzw. zum Altonaer Museum gehören: Das Museum für Bergedorf und die Vierlande, sowie das Rieck Haus in den Vierlanden. Die Sache gilt als beschlossen, obwohl es von allen Seiten Proteste und offene Briefe hagelte. Sowohl die am Montag (19. November) im Kulturausschuss angehörten Experten, wie auch die vier Oppositionsparteien halten das Petitum der SPD für eine kulturpolitische Fehlentscheidung.

Unvoreingenommen betrachtet ist die Idee einer „Bergedorfer Museumslandschaft“ gar nicht mal schlecht. Es spricht grundsätzlich nichts dagegen im entlegenen Osten Hamburgs eine werbewirksame Museums-Marke zu etablieren und ein publikumswirksames Programm zu machen. Es muss dabei nicht unbedingt eine „Eventlocation mit musealem Charakter“ herauskommen, wie empörte Direktoren bereits unken.
Allerdings spricht einiges gegen eine „Verschlankung“ der Stiftung in jetziger Form und unter den derzeitigen Umständen. Zur Erinnerung: Dieser durch Spardruck und Museumskrise entstandene Zusammenschluss aller kulturhistorischen Museen war von Anfang an ungeliebt. Keiner der Direktoren wollte sich zum Abteilungsleiter degradieren lassen, mögliche Synergien wurden nicht genutzt und das vielgerühmte gemeinsame Depot fiel sang- und klanglos Sparmaßnahmen zum Opfer. Und damit sind wir beim eigentlichen Thema – dem Geld. Es macht keinen Sinn, einen amputierten Rumpf am Leben zu erhalten, dem - aus wissenschaftlicher Sicht - wichtige museale Stränge abgeschlagen werden und der nun auch noch finanziell völlig ausblutet. Denn genau das passiert: 413.000 Euro zieht Bergedorf im kommenden Jahr aus der Stiftung raus. Kultursenatorin Barbara Kisseler hatte 257.000 Euro angeboten, konnte sich jedoch gegen die SPD (einmal wieder) nicht durchsetzen. Ihre Behörde leidet ohnehin gewaltig unter den Sparzwängen: Der Kulturhaushalt 2014 sinkt erstmals seit 2000 unter zwei Prozent vom Gesamthaushalt – dazu hat die Senatorin in den kommenden zwei Jahren noch 17 Millionen Euro versteckter Kürzungen zu verkraften. Allein die verbleibenden drei Häuser der kulturhistorischen Stiftung (Altona, Hamburg Museum und Museum der Arbeit) müssen bis Ende 2014 2,7 Millionen einsparen, (rund 10 Prozent ihres Gesamtetats!), egal wie und egal woher.

Unter diesen Voraussetzungen ist die „Verschlankung“ der Stiftung schlicht und ergreifend tödlich. Was soll man dazu sagen, wenn reiche Unternehmer wie Michael Otto in der armen Stadt da noch von privaten Kunsthallen träumen? Mit der Bereitstellung eines städtischen Grundstücks für Frank Stellas Konzept und 75 Millionen für den Bau (diese Zahl hatten wir doch schon mal?!) ist es jedenfalls nicht getan. Hand und Fuß hat der Plan nur, wenn Otto noch 40 Millionen für Betriebskosten zur Verfügung stellt – und damit den Bestand für mindestens zehn Jahre sichert. Die Stadt jedenfalls wird für den Betrieb einer neuen Kunsthalle garantiert nicht aufkommen. Die schafft es ja noch nicht einmal, ihre Traditions-Museen zu erhalten.  

Ihre Isabelle Hofmann


Isabelle Hofmann ist stellvertrende Chedredakteurin bei KulturPort.De und arbeitet als Autorin für viele Tages- und Fachzeitungen.

Hinweis: Die Inhalte von "Klartext" geben die Meinung der jeweiligen Autoren wieder. Diese muss nicht im Einklang mit der Meinung der Redaktion stehen.

Fotonachweis:
Headerfoto: Claus Friede

Eigenen Kommentar verfassen (Gasteintrag möglich - Bitte achten Sie auf unsere Email ggf. in Ihrem Spam-Order und klicken den Bestätigungslink)

Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
Kommentar abschicken
 

Home > Kolumne > Klartext > Klartext: Isabelle Hofmann

Mehr auf KulturPort.De

Aspekte Festival 2018 – frozen gesture
 Aspekte Festival 2018 – frozen gesture



Welche kulturellen Spartenschubladen haben wir im Kopf? Wo ist der urbane, kulturelle Humus zu finden? Wieviel Bereitschaft zeigt Publikum für Entwicklungsphase [ ... ]



Meine 18. Lange Nacht der Museen in Hamburg
 Meine 18. Lange Nacht der Museen in Hamburg



...beginne ich, indem ich mit meinem Navi streite. Das tut so, als wüsste es nicht von der traurigen Tatsache, dass es in dieser Stadt mehr Baustellen als Kultu [ ... ]



Yvonne von Schweinitz: Syrien – Fragmente einer Reise. Fragmente einer Zeit
 Yvonne von Schweinitz: Syrien – Fragmente einer Reise. Fragmente einer Zeit



Wie nähert man sich in einer Fotoausstellung einem Land, deren Menschen tagtäglich durch Gewalt sterben, auf der Flucht, im Exil, traumatisiert sind, deren mat [ ... ]



„A Beautiful Day”. Joaquin Phoenix- Racheengel oder Erlöser?
 „A Beautiful Day”. Joaquin Phoenix- Racheengel oder Erlöser?



Lynne Ramsay inszeniert ihre virtuosen Thriller-Impressionen als Exkursion in die Abgründe der Seele.
Ein Auftragskiller ist Joe (Joaquin Phoenix) nicht, er t [ ... ]



Günter Grass-Haus Lübeck: George Bernard Shaw und die Fotografie
 Günter Grass-Haus Lübeck: George Bernard Shaw und die Fotografie



George Bernard Shaw (1856-1950) ist vor allem bekannt für sein dramatisches Werk, das über 50 Theaterstücke umfasst. Doch der Künstler hat sich zeitlebens in [ ... ]



Im Wunderland der Wünsche. Laila Biali
 Im Wunderland der Wünsche. Laila Biali



Wie konnte sich eine 16jährige Kanadierin, die Opernarien singt und klassische Pianistin werden will, zu einer über jeden „No street credibility“-Verdacht  [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.