Neue Kommentare

Kentin Abalo zu „Assassination Nation” – Leinwandheldinnen in Zeiten von #MeToo : WAS FÜR EIN FOTO!!!
Großartig. Hoffe der...

Sybille zu Das Chinesenviertel auf Hamburg St. Pauli: Danke für den Beitrag. Ich sehe gerade den Film ...
Nikias Geschke zu „The Guilty”. Der beklemmende Minimalismus des Gustav Möller: Das klingt superspannend. Danke für den Tipp. ...
Harry zu „Otto. Die Ausstellung“: OTTO ist großartig. Ich wusste nicht, dass er ei...
Alex zu Film Festival Cologne - Von starken Spielfilmdebüts und schwächelnden Stars: Wer bist du? Halten Sie Ihre Meinung besser, wenn...

Klartext

Klartext: Isabelle Hofmann

Drucken
(185 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Mittwoch, den 21. November 2012 um 10:33 Uhr
Klartext: Isabelle Hofmann 4.4 out of 5 based on 185 votes.
Klartext - Isabelle Hofmann

Zeit verschwendet, Steuergelder verschwendet, Arbeitskraft verschwendet: Die Hamburger Stiftung Historische Museen ist gescheitert.

Der Dolchstoß kam von der SPD: Sie brachte den Vorschlag ein, nicht nur das Helms Museum in Harburg wieder auszugliedern, sondern auch zwei Außenstellen, die seit Jahrzehnten zum Hamburg Museum, bzw. zum Altonaer Museum gehören: Das Museum für Bergedorf und die Vierlande, sowie das Rieck Haus in den Vierlanden. Die Sache gilt als beschlossen, obwohl es von allen Seiten Proteste und offene Briefe hagelte. Sowohl die am Montag (19. November) im Kulturausschuss angehörten Experten, wie auch die vier Oppositionsparteien halten das Petitum der SPD für eine kulturpolitische Fehlentscheidung.

Unvoreingenommen betrachtet ist die Idee einer „Bergedorfer Museumslandschaft“ gar nicht mal schlecht. Es spricht grundsätzlich nichts dagegen im entlegenen Osten Hamburgs eine werbewirksame Museums-Marke zu etablieren und ein publikumswirksames Programm zu machen. Es muss dabei nicht unbedingt eine „Eventlocation mit musealem Charakter“ herauskommen, wie empörte Direktoren bereits unken.
Allerdings spricht einiges gegen eine „Verschlankung“ der Stiftung in jetziger Form und unter den derzeitigen Umständen. Zur Erinnerung: Dieser durch Spardruck und Museumskrise entstandene Zusammenschluss aller kulturhistorischen Museen war von Anfang an ungeliebt. Keiner der Direktoren wollte sich zum Abteilungsleiter degradieren lassen, mögliche Synergien wurden nicht genutzt und das vielgerühmte gemeinsame Depot fiel sang- und klanglos Sparmaßnahmen zum Opfer. Und damit sind wir beim eigentlichen Thema – dem Geld. Es macht keinen Sinn, einen amputierten Rumpf am Leben zu erhalten, dem - aus wissenschaftlicher Sicht - wichtige museale Stränge abgeschlagen werden und der nun auch noch finanziell völlig ausblutet. Denn genau das passiert: 413.000 Euro zieht Bergedorf im kommenden Jahr aus der Stiftung raus. Kultursenatorin Barbara Kisseler hatte 257.000 Euro angeboten, konnte sich jedoch gegen die SPD (einmal wieder) nicht durchsetzen. Ihre Behörde leidet ohnehin gewaltig unter den Sparzwängen: Der Kulturhaushalt 2014 sinkt erstmals seit 2000 unter zwei Prozent vom Gesamthaushalt – dazu hat die Senatorin in den kommenden zwei Jahren noch 17 Millionen Euro versteckter Kürzungen zu verkraften. Allein die verbleibenden drei Häuser der kulturhistorischen Stiftung (Altona, Hamburg Museum und Museum der Arbeit) müssen bis Ende 2014 2,7 Millionen einsparen, (rund 10 Prozent ihres Gesamtetats!), egal wie und egal woher.

Unter diesen Voraussetzungen ist die „Verschlankung“ der Stiftung schlicht und ergreifend tödlich. Was soll man dazu sagen, wenn reiche Unternehmer wie Michael Otto in der armen Stadt da noch von privaten Kunsthallen träumen? Mit der Bereitstellung eines städtischen Grundstücks für Frank Stellas Konzept und 75 Millionen für den Bau (diese Zahl hatten wir doch schon mal?!) ist es jedenfalls nicht getan. Hand und Fuß hat der Plan nur, wenn Otto noch 40 Millionen für Betriebskosten zur Verfügung stellt – und damit den Bestand für mindestens zehn Jahre sichert. Die Stadt jedenfalls wird für den Betrieb einer neuen Kunsthalle garantiert nicht aufkommen. Die schafft es ja noch nicht einmal, ihre Traditions-Museen zu erhalten.  

Ihre Isabelle Hofmann


Isabelle Hofmann ist stellvertrende Chedredakteurin bei KulturPort.De und arbeitet als Autorin für viele Tages- und Fachzeitungen.

Hinweis: Die Inhalte von "Klartext" geben die Meinung der jeweiligen Autoren wieder. Diese muss nicht im Einklang mit der Meinung der Redaktion stehen.

Fotonachweis:
Headerfoto: Claus Friede

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Kolumne > Klartext > Klartext: Isabelle Hofmann

Mehr auf KulturPort.De

Thomas Mann Preis 2018 für Mircea Cărtărescu:
 Thomas Mann Preis 2018 für Mircea Cărtărescu:



Mit dem Thomas Mann Preis 2018 wurde am 17. November der rumänische Schriftsteller Mircea Cărtărescu ausgezeichnet. Den Akt der Preisverleihung in den Kammers [ ... ]



„add art 2018 – Hamburgs Wirtschaft öffnet Türen für Kunst"
 „add art 2018 – Hamburgs Wirtschaft öffnet Türen für Kunst



„Zu einem attraktiven Arbeitsplatz gehört auch eine ästhetische Umgebung“, sagt Caspar Philipp Woermann, Geschäftsführer von ims, Internationaler Medien  [ ... ]



100 Jahre Lettland: Handschuh-Daumen hoch
 100 Jahre Lettland: Handschuh-Daumen hoch



Eine Handschuh-Aktion passt wie die Faust aufs Auge, wenn die lettische Hauptstadt Riga, der baltische Staat Lettland und der Rest der Welt heute, am 18. Novembe [ ... ]



Peter de Vries – Hut- und Urnenhüllen-Macher
 Peter de Vries – Hut- und Urnenhüllen-Macher



Wie muss man sich eine Person vorstellen, die Freunde und Kollegen als „Naturereignis“ bezeichnen?
In jedem Fall als einen charismatischen Menschen mit üb [ ... ]



Maria Austria. Eine jüdische Fotografin aus Amsterdam in Berlin
 Maria Austria. Eine jüdische Fotografin aus Amsterdam in Berlin



Das Verborgene Museum in Berlin-Charlottenburg präsentiert bis zum 10. März 2019 Fotoarbeiten und Dokumente der niederländischen Fotografin Maria Austria (191 [ ... ]



„Cold War – Der Breitengrad der Liebe” - Oder die Magie einer schwarzen Leinwand
 „Cold War – Der Breitengrad der Liebe” - Oder die Magie einer schwarzen Leinwand



Paweł Pawlikowski hat das schwermütige, visuell atemberaubende Noir-Drama „Cold War” seinen Eltern gewidmet, deren stürmische On- und Off-Beziehung ihn zu [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.