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Laura Winkler - Wabi-Sabi Orchestra  Paper Clips

Fragen Sie sich auch immer, ob das schon dazugehört, wenn das Orchester sich kurz vor Konzerten aufwärmt und die Instrumente stimmt – gerade wenn Modernes auf dem Programm steht? Auch Laura Winkler und das Wabi-Sabi Orchestra beginnen mit so einer scheinbar ungeordneten Klangcollage ihre „Paper Clips“. Eventuelle Irritationen lösen sie jedoch schnell auf. Was auf der CD – ihrer ersten mit den jungen deutschen Musikern – zu hören ist, überrascht. Gewöhnungsbedürftig, weil manchmal dissonant und ungewohnt, vielschichtig, kantig-eigen.

Mit ihrer klaren Stimme reiht sich Winkler nahtlos ein in die Fülle der Instrumente. Haruki Murakamis Texte finden bedeutungsvoll Raum in diesem Geflecht – in Zeilen, ganzen Zitaten oder als Inspiration. Es ist, als rückten die Worte mit jedem Ton näher heran: das Lachen, die Geschichten von himmelhohen Häusern und kalten Stahlbauten oder das Zirpen, Kreischen, Jaulen der Kreaturen, das selbst in Großstädten nicht untergeht. Irgendwann meint man zu hören, wie ein melancholischer Clown verloren und fröstelnd durch den Straßendschungel tänzelt, wie wilde Tiere lachend aus bröckelnden Kellerhöhlen hervorkriechen oder flirrend ein Ufo abhebt. Eindrucksvoll und modern klingt das, an vielen Stellen auch fremd – und doch nicht fremd.

Laura Winkler - Wabi-Sabi Orchestra  Paper ClipsVon einem „Wimmelbild“ spricht der Pressetext zur CD. Das soll die Vielzahl der möglichen Entdeckungen andeuten, die emotionale musikalische Erkundungen ermöglichen, wie man sie nach den ersten Klängen nicht vermuten mochte. Ermöglicht wird das auch durch die Präzision im Zusammenspiel der 12 exzellenten Musiker aus der Berliner Szene. Wabi-Sabi übrigens bedeutet im Japanischen „Schönheit im Schlichten“. Laura Winklers Musiker geben diesem Ausdruck eine eine neue Klangfarbe, eine besondere Facette.


Ungewöhnliche Farben und Höreindrücke entwirft die Musikerin und Komponistin Laura Winkler auf diesem Album – von eigenwillig, anregend, markant bis aufwühlend und brüskierend, leicht brüchig oder auch mild-wehklagend. Das letzte Stück der CD beginnt mit einem Wettlauf: Auf die Plätze, fertig, los! Ganz sicher ist dies das Versprechen, in Kürze weitere, bisher nie gehörte Klangbilder für ein neues Album zu sammeln.

Label: Traumton Records



JazzMe - In Kooperation mit Christoph Forsthoff, Sabine Meinert, Sven Sorgenfrey und Willy Theobald. Weitere CD-Kritiken, Interviews und Informationen aus der Welt des Jazz unter AboutJazz.

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