Neue Kommentare

Karin zu „La Vérité” Hirokazu Kore-eda und der Mythos Familie : Der Mann/die Frau (?) spricht wahr. Ich vermisse ...
rene füsli zu Thomas Gainsborough – die moderne Landschaft: vergleiche fördern bewusstsein und wahrnehmung. ...
Eva zu Kunst oder Pornographie? "Die nackte Wahrheit und anderes" Aktfotografie um 1900: Das Wort Knaben trifft auch für männliche Jugen...
Herbert Klimmesch zu Kunst oder Pornographie? "Die nackte Wahrheit und anderes" Aktfotografie um 1900: "Zudem entstanden Kinder- und Knabenakte in unsch...
Nora Seibert zu Thomas Gainsborough – die moderne Landschaft: Man muss nicht immer Dinge vergleichen, die nicht...

Hamburger Architektur Sommer 2019


CDs JazzMe

Jan Bang & Eivind Aarset: „Snow catches on her Eyelashes"

Drucken
Freitag, den 13. März 2020 um 09:11 Uhr
Jan Bang & Eivind Aarset

Klangforschen, so könnte man die gemeinsame Arbeit der Norweger Jan Bang und Eivind Aarset bezeichnen und die Ergebnisse sind außergewöhnlich.
Und obwohl beide Musiker – Live-Sampler, Programmierer und DJ Bang und Gitarrist Aarset – viele gemeinsame Kooperationen in ihrer Historie haben, ist dies ihr erstes wahres Duo-Album: „Snow catches on her Eyelashes“!

Der Sound vieler der zehn Stücke ist oft sehr komplex: düster, mystisch, kontemplativ, spannungsreich, hypnotisch, dunkel, melancholisch, rätselhaft, stellenweise fast traurig und erinnert weite Strecken an wirkungsvolle und bassklangliche Science-Fiction-Filmmusik. Diese dichte und auf dem ganzen Album durchgehaltenen Atmosphäre wird auch dadurch unterstützt, dass der Gitarrenklang von Aarset nicht typologisch gleich als solcher erkannt wird. Bang verfremdet diesen elektronisch, zieht Töne und Abfolgen in vollkommen ungewohnte Sphären und Klangspektren. Das Instrument wird regelrecht aus seinem Begriff und seiner festen Vorstellung herausgeschält, ja, regelrecht befreit. Es entsteht etwas, das ungewohnt klingt und dennoch vorstellbar bleibt. Weg mit Kategorisierungen, weil es die beiden Musiker schaffen, einen sehr individuellen, musikalischen, klanglichen und „hör-un-gewohnheitlichen“ Raum zu erobern – und darin steckt eine unglaubliche innovative Leistung!
Mit dem Einsatz manipulierter Field Recordings und Samples sowie dem Live-Sampling von Aarsets Spiel kreiert er ein Klangdickicht, das vielmehr poetisch als bedrohlich ist. Mit Nils Petter Molvær (Trompete), Hilde Norbakken (Klavier), Anders Engen (Schlagzeug / Percussion), Audun Erlien (Bass) und einem Vocalsample von Sidsel Endresen featuret „Snow catches on her Eyelashes“ zahlreiche Gastauftritte, die durch Bangs elektronisches Treatment bis zur Unkenntlichkeit gefiltert werden.

Jan Bang & Eivind Aarset: „Snow catches on her EyelashesIm hellvioletten Rausch von „Purplebright“, dem mit knapp drei Minuten kürzesten Stück auf der Neuerscheinung ist gleich zu Beginn ein programmatischer Einstieg möglich, denn die sich scheinbar wiederholenden Tonfolge- und Klangmuster zeigen die musikalische Richtung. Man muss sich auf die Feinheiten des Spiels unbedingt einlassen, um zu begreifen, dass sich die Reihungen verändern. „Asphalt Lake“ ist ein rhythmusbetontes, tranceartiges Stück, das schon als Single ausgekoppelt wurde. Für kurze Abwechslung sorgt die Trompete, die sich unaufdringlich einschmuggelt hat.
Wenn man denn die gewohnte Klangfarbe des Gitarristen sucht, dann findet der Hörer diese – wenn überhaupt – in „Serenade“ und auf „Two Days in June“. Letztgenanntes ist ein zartes, liebevolles und siebeneinhalb Minuten dauerndes Stück, das Aarset für die 2017 verstorbene Tänzerin und Choreographin Christine Brunel schrieb. Eine wahre Hommage. „Before the Wedding“ kommt noch mit einem bekannten Klaviersound daher, doch die Begleitung wirkt wie in Auflösung begriffen. Rauschen, Verzerrung – als ob sich ein undurchdringlicher Nebel niederlegt und alles Gehörte in die entfernte Erinnerung verdrängen würde. „Monochrome“ festigt sich als Collage und sollte das Einfarbige längst verlassen haben und sich in einer
Vielschichtigen Welt ansiedeln. Mit einem nächtlichen Zauber verlassen wir dieses neuschöpferische Gesamtwerk. Wie ein leiser, gefühlvoller Übergang in eine andere Welt.

Jan Bang & Eivind Aarset: „Snow catches on her Eyelashes"

Label: Jazzland/ Edel
CD/Vinyl
EAN: 0687437792502


Tracklist: Jan Bang & Eivind Aarset
01. Purplebright 02:51
02. Asphalt Lake 05:28
03. Before the Wedding 03:03
04. Two days in June 07:35
05. Outer Sphere 02:31
06. The Witness 06:19
07. Inner Sphere 02:36
08. Serenade 04:08
09. Monochrome 03:06
10. Nightspell 04:32


Weitere Informationen


Abbildungsnachweis:
Headerfoto: Aaset & Bang © Anders Nilsen
CD-Cover

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Kolumne > CDs JazzMe > Jan Bang & Eivind Aarset: „Snow catches...

Mehr auf KulturPort.De

Aktualität einer alten Studie: „Macht und Masse“
 Aktualität einer alten Studie: „Macht und Masse“



Eine unerwartete Aktualität hat in diesen Tagen die Studie „Masse und Macht“ gewonnen, die der spätere Nobelpreisträger Elias Canetti 1960 erscheinen lie [ ... ]



Axel Simon: Eisenblut
 Axel Simon: Eisenblut



Das alles für was?
„Eisenblut“ ist der erste Band einer Reihe, in der Gabriel Landow, gefallener Sohn einer ostpreußischen Getreidejunker-Dynastie, als Er [ ... ]



The Henry Girls: Shout, Sister Shout
 The Henry Girls: Shout, Sister Shout



Sie sind Irish, sie sind Geschwister, sie sind gut!
In dem Dreihundert-Seelen-Nest Malin (Irish: Málainn), in der Grafschaft Donegal, ganz im äußersten Norde [ ... ]



Meine kleine Schwester im Herzen, Regy Clasen. Ein persönlicher Nachruf von Purple Schulz
 Meine kleine Schwester im Herzen, Regy Clasen. Ein persönlicher Nachruf von Purple Schulz



Meine kleine Schwester im Herzen, Regy Clasen, hat am vergangenen Samstag ihre Flügel ausgebreitet und ist davongeflogen wie das Rotkehlchen vor ihrem Fenster,  [ ... ]



Anime: Psycho Pass – Sinners of the System
 Anime: Psycho Pass – Sinners of the System



Ein spannender Cyperpunk-Thriller, angesiedelt im 21ten Jahrhundert und gepaart mit actiongeladener Science-Fiction erzählt von drei verschiedenen Fällen rund  [ ... ]



Die letzten zehn Tage im Leben einer Ikone: „Ach, Virginia“. Ein Roman über Virginia Woolf
 Die letzten zehn Tage im Leben einer Ikone: „Ach, Virginia“. Ein Roman über Virginia Woolf



Virginia Woolf (1882-1941) ist eine Ikone der literarischen Moderne. Wie kaum eine andere Frau ihrer Zeit steht sie für das Ringen um Eigenständigkeit und Raum [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.