Werbung

Neue Kommentare

Claus Friede zu „Der Leuchtturm” – Robert Eggers und die Metaphorik des Wahnsinns: Nein, nur eine kurze Pause......
Kalle mit der Kelle zu „Der Leuchtturm” – Robert Eggers und die Metaphorik des Wahnsinns: Seit November nichts Neues. Ist der Film-Blog ges...
Geli zu Impressionismus – Meisterwerke aus der Sammlung Ordrupgaard: Mal eine nette Eigenwerbung zur Abwechslung... gl...
Rudi Arendt zu Impressionismus – Meisterwerke aus der Sammlung Ordrupgaard: Reflexion der Landschaft - aktuelle impressionist...
Ulrike Tempel zu Adventsmessen und Handwerkermärkte in Hamburg – Alle Jahre wieder...: Leider sind die Termine veraltet 2017 / 2018...

Hamburger Architektur Sommer 2019


CDs JazzMe

Silvan Joray Trio: cluster

Drucken
Mittwoch, den 08. Januar 2020 um 08:15 Uhr
Silvan Joray Trio: cluster

Als Student der Gitarristen Wolfgang Muthspiel und Lionel Loueke hat sich Silvan Joray zwei Schwergewichte als Musiker und Lehrer ausgesucht. Seinen Bachelor hat er in der Tasche, nun wird am Master in Basel gearbeitet. Studium ist das eine, Auftritte das andere.
Joray tritt mit verschiedenen Formationen auf und mit seinem eigenen Trio – nichts Ungewöhnliches. Ungewöhnlich und bemerkenswert hingegen ist das Album „cluster“, das er mit seinem Trio eingespielt hat und von derart guter Qualität ist, dass man aufhorcht. So junge Musiker und ein so gutes, meisterliches Album? Respekt.

Die CD weist einige gute Kombinationen auf: eine gute Melodik, einen Flow, der den Hörer festhält, etwas (Selbst-)ironie – oder besser gesagt – hier und dort ein leicht ironischer Umgang mit Jazz. Das abgestimmte Engagement der Band und das Feingefühl für Rhythmik und Improvisation ist teilweise atemberaubend. Es ist als ob sich das Trio sich und uns in kontemplative Trance spielen kann, mit herrlichen Gitarrenläufen und einem gehaltvollen Klang. Die erzählerische Stimmung ähnelt dem Wechselspiel von dramatischem und ruhigem Fluss des Vorlesensbekommen, es ergibt sich automatisch ein bilaterales und gleichschwingendes Stimmungsverhältnis zwischen Bühne und Publikumsraum, zwischen Musikern und Hörern.
Und dennoch, Individualität ist der Band kein Fremdwort, immer wieder dominiert mal eines der Instrumente – solistischer als die anderen, ohne diese an die Wand zu spielen. Die Räume werden gemeinsam beschritten, aber das Verhalten innerhalb derer variiert.

Silvan Joray Trio: cluster COVER„See You In June“ ist ein wundervolles Einstiegsstück, das von „Gyrotwister“ abgelöst wird, und parallel wie beim gleichnamigen Spiel zur Verbesserung der Koordinationsfähigkeit, drehen sich die Gitarrenläufe wie von selbst, angetrieben von nur minimaler Bewegung.
„Blutmond“, eine Kernschattenfinsternis der musikalischen Art, ruhig, bedacht und vollkommen natürlich. „High Heels On A Mountain Road“ beginnt mit trippelnden Spannungsmomenten, das Zupfen der Saiten wird zum Fragment von Melodie und kehrt doch immer wieder zur ihr zurück. Mit dem „Cluster Song“ spielen sich die drei Musiker ins experimentierfreudige Metier, um es kurz danach wieder zu verlassen und die Sternensammlungen zu durchqueren. Wie sie Zeit vergeht! „See You In September“ ist nicht nur ein kurzer Zeitsprung, sondern auch mit der Melancholie des Herbstes ausgestattet. Der Wind riecht nach Wehmut. Und dann passiert es doch noch „Something Happy“, etwas Fröhliches passiert, anfangs ein wenig nervös, angedeutet in seinem eigenen melodischen Aufbau, findet sich ein harmonischer Klang. Wie könnte es anders sein: „Bass Space“ gehört für knapp anderthalb Minuten dem großen Streichinstrument ganz allein. Eine Hommage folgt „Wolfgang’s Choral“. Der steirische Lehrer Wolfgang Muthspiel hat sich unaufdringlich mit diesem Stück empfohlen. „Space 7“ und „Space 12“ gehen scheinbar ineinander über, kleine Ausflüge in vermeintlich unbekanntes Terrain, oder doch ganz ohne Materie – schwebend? Vom „Sonnenwind“ gezogen zurück in irdische Sphären, kristallin, glöckchenartig, leicht und schwebend zu einem Ort an dem man wieder hochschauen kann: „Looking Up“ und die herrliche Erinnerungen an eine Reise dort hinauf, umhüllt uns zu guter Letzt.

Alle dreizehn Stücke tragen etwas Kosmisches in sich, das verraten allein die Titel. So ist es kein Wunder, dass das Bild auf dem Cover eine Ansammlung von Sternen, Gaswolken und Planeten, regelrechte hell-leuchtende Galaxienhaufen zeigt – ein Ergebnis des Hubble-Teleskops – nur der Inhalt wird hier ganz nah herangeholt durch drei junge Musiker!

Silvan Joray Trio: cluster

Silvan Joray: Gitarre, Komposition | Nadev Erlich: Kontrabass | Josep Cordobés: Schlagzeug
Label: Neuklang
EAN: 4012116422832
VÖ: 31.01.2020

YouTube-Video:
- Silvan Joray Trio – Cluster (Album EPK)
- See You In June - Silvan Joray Trio – Studio Session


Abbildungsnachweis:
Silvan Joray trio. Foto:
CD-Cover

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Kolumne > CDs JazzMe > Silvan Joray Trio: cluster

Mehr auf KulturPort.De

Noëmi Lerch: Willkommen im Tal der Tränen
 Noëmi Lerch: Willkommen im Tal der Tränen



Glücklich schaut die Autorin Noëmi Lerch drein – kein Wunder, sie erhielt gerade einen der begehrten Schweizer Literaturpreise 2020 des Bundesamts für Kultu [ ... ]



„1917” – Sam Mendes zwischen Realitätsanspruch und Illusion
 „1917” – Sam Mendes zwischen Realitätsanspruch und Illusion



Mit zehn Nominierungen avanciert Sam Mendes’ Kriegsepos „1917” zum Favoriten der Oscar-Verleihung. Selten priesen die Feuilletonisten ein Werk so einhellig [ ... ]



Vittorio Hösle: Globale Fliehkräfte. Eine geschichtsphilosophische Kartierung der Gegenwart.
 Vittorio Hösle: Globale Fliehkräfte. Eine geschichtsphilosophische Kartierung der Gegenwart.



Ein Buch über die tiefe Spaltung der westlichen Gesellschaft und das mögliche Scheitern der liberalen Demokratie hat der in den USA lebende Philosoph Vittorio  [ ... ]



Vom Wasser und von der Sicht aufs Leben: Ulrike Draesners Roman „Kanalschwimmer“
 Vom Wasser und von der Sicht aufs Leben: Ulrike Draesners Roman „Kanalschwimmer“



Biochemiker Charles hat „zu sicher gelebt“. Das begreift er leider erst im Alter von zweiundsechzig Jahren, also kurz vor dem Ruhestand.
Als seine Frau ihm [ ... ]



„Tattoo-Legenden. Christian Warlich auf St. Pauli“
 „Tattoo-Legenden. Christian Warlich auf St. Pauli“



Überall – nur nicht im Gesicht. Für einen „anständigen Tätowierer“ ein ungeschriebenes Gesetz. Christian Warlich (1891-1964) war mehr als nur anständi [ ... ]



Welten: Akureyri
 Welten: Akureyri



Akureyri ist eine Stadt im äußersten Norden Islands. In dem idyllisch, an einem Fjord gelegenen Zwanzigtausend-Seelen-Ort sind mehrere Kulturzentren, dort lebe [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.