Werbung

Neue Kommentare

Claus Friede zu „Der Leuchtturm” – Robert Eggers und die Metaphorik des Wahnsinns: Nein, nur eine kurze Pause......
Kalle mit der Kelle zu „Der Leuchtturm” – Robert Eggers und die Metaphorik des Wahnsinns: Seit November nichts Neues. Ist der Film-Blog ges...
Geli zu Impressionismus – Meisterwerke aus der Sammlung Ordrupgaard: Mal eine nette Eigenwerbung zur Abwechslung... gl...
Rudi Arendt zu Impressionismus – Meisterwerke aus der Sammlung Ordrupgaard: Reflexion der Landschaft - aktuelle impressionist...
Ulrike Tempel zu Adventsmessen und Handwerkermärkte in Hamburg – Alle Jahre wieder...: Leider sind die Termine veraltet 2017 / 2018...

Hamburger Architektur Sommer 2019


CDs JazzMe

Daniel Garcia Trio: Travesuras

Drucken
(131 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Donnerstag, den 16. Mai 2019 um 07:26 Uhr
Daniel Garcia Trio: Travesuras 3.7 out of 5 based on 131 votes.
Daniel Garcia Trio Travesuras

Ob tosende Akkord-Sturzbäche, Staccato-Piano oder ausufernde Tastenläufe: Zurückhaltung gehört nicht unbedingt zu den musikalischen Qualitäten des spanischen Pianisten Daniel Garcia. Warum auch? Flamenco-Jazz ist ein Genre, in dem mehr geklotzt als gekleckert wird.

Und Klotzen kann der 1983 in Salamanca geborene Musiker wie kein zweiter. Dass er am renommierten Berklee College of Music auch eine traditionelle klassische Ausbildung erhalten hat, lässt er trotzdem immer wieder aufblitzen. Dann fließen in ruhigeren Passagen aus der europäischen Kunstmusik über Gregorianik bis hin zu modalen arabisch-afrikanischen Einflüssen auch gemäßigte, fast lyrische Partikel in seine Kompositionen und Interpretationen ein. “Jazz und Flamenco haben ähnliche Wesensmerkmale“, glaubt Garcia. Quasi als Beweis für diese These lässt er die Zuhörer auf „Traversuras“ – so der Titel des Albums – in einer Art musikalischem Wechselbad zwischen Heiß und Kalt zirkulieren. Kein Zufall also, dass Garcia mit „Dream Of Miles“ sogar Miles Davis‘ Cool-Phase Tribut zollt.

Doch einen Song weiter geht es schon wieder in eine ganz andere Richtung – treibt er sich und seine beiden Begleitmusiker mit „Vengo De Moler“ in eine Art spanisches Volkslied, das mit seinen Staccato-Passagen fast schon wie ein störrisches Zirkuspferd wirkt. Unterstützt wird er dabei von der Flöten-Legende Jorge Pardo, der schon in den Bands des Fusion-Altmeisters Paco de Lucia eine herausragende Rolle spielte und im Titelstück des Albums („Traversuras“) in sein Arbeitsgerät bläst, als wolle er den Leibhaftigen an die Wand spielen. „Völlige Hingabe im Moment des Musizierens sowie das tiefe Erleben im Augenblick“, fordert Garcia von seinen Musikern – und bleibt selbst den Beweis für diese Herangehensweise keine Sekunde schuldig.

Daniel Garcia Trio: Travesuras COVERDamit wären wir dann beim Thema Flamenco-Jazz, einer Fusion-Gattung, die schon 1960 aufflackerte – aber mit Miles Davis‘ „Sketches Of Spain“ noch eher behutsam die harmonischen Möglichkeiten des neuen Genres auslotete. Mitte der Sechziger überraschten dann bei den Berliner Jazztagen Saxofonist Pedro Iturralde und Gitarrist de Lucía nicht nur das Publikum mit ihrem Flamenco-Jazz, sondern auch Experten wie Joachim Ernst Berendt und Siggi Loch, die das noch junge Genre sofort in ihr musikalisches Herz schlossen. Loch produzierte bis heute einige Klassiker dieser Musik-Melange: So war es kein Zufall, dass Garcia nun auch bei Lochs Plattenlabel ACT anheuerte – und Loch das dritte Album des Trios mit produzierte.

Bassist Reinier Elizarde und Schlagzeuger Michael Olivera bilden eine ideale Rhythmn-Section, die dem Bandleader und Tastenvirtuosen auch in den kleinsten Nuancierungen folgt. „Wir tauschen ständig Informationen aus und reagieren darauf“, sagt Garcia. Im Bereich Antizipation haben die beiden Sidemen einen Sonderpreis verdient. Ähnlich wie Fußballer für ihre Mitspieler in Sekundenbrauchteilen Räume öffnen, scheinen sie schon im Voraus zu ahnen, was der Mann am Klavier in den nächsten Sekunden plant. Großartig!

„Flamenco und Jazz sind Brüder“, behauptet García. Zumindest bei diesem furiosen und energiegeladenen Album hat er damit absolut recht!

Daniel Garcia Trio: Travesuras

Daniel García: piano, Fender Rhodes, synths
Reinier Elizarde "El Negrón": bass
Michael Olivera: drums
Special guest:
Jorge Pardo: flute (on 04 & 10)
Label: ACT
EAN: 614427988027

Hörproben


JazzMe – In Kooperation mit Christoph Forsthoff, Sabine Meinert, Sven Sorgenfrey und Willy Theobald. Weitere CD-Kritiken, Interviews und Informationen aus der Welt des Jazz unter www.aboutjazz.de.


Abbildungsnachweis:
Foto: Juanjo Diego
CD-Cover ACT

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Kolumne > CDs JazzMe > Daniel Garcia Trio: Travesuras

Mehr auf KulturPort.De

Vittorio Hösle: Globale Fliehkräfte. Eine geschichtsphilosophische Kartierung der Gegenwart.
 Vittorio Hösle: Globale Fliehkräfte. Eine geschichtsphilosophische Kartierung der Gegenwart.



Ein Buch über die tiefe Spaltung der westlichen Gesellschaft und das mögliche Scheitern der liberalen Demokratie hat der in den USA lebende Philosoph Vittorio  [ ... ]



Vom Wasser und von der Sicht aufs Leben: Ulrike Draesners Roman „Kanalschwimmer“
 Vom Wasser und von der Sicht aufs Leben: Ulrike Draesners Roman „Kanalschwimmer“



Biochemiker Charles hat „zu sicher gelebt“. Das begreift er leider erst im Alter von zweiundsechzig Jahren, also kurz vor dem Ruhestand.
Als seine Frau ihm [ ... ]



„Tattoo-Legenden. Christian Warlich auf St. Pauli“
 „Tattoo-Legenden. Christian Warlich auf St. Pauli“



Überall – nur nicht im Gesicht. Für einen „anständigen Tätowierer“ ein ungeschriebenes Gesetz. Christian Warlich (1891-1964) war mehr als nur anständi [ ... ]



Welten: Akureyri
 Welten: Akureyri



Akureyri ist eine Stadt im äußersten Norden Islands. In dem idyllisch, an einem Fjord gelegenen Zwanzigtausend-Seelen-Ort sind mehrere Kulturzentren, dort lebe [ ... ]



Buddenbrook-Debütpreis 2019: „Otto“, ein tragisch-komischer Roman von Dana von Suffrin
 Buddenbrook-Debütpreis 2019: „Otto“, ein tragisch-komischer Roman von Dana von Suffrin



Die Gewinnerin des Debütpreises des Buddenbrookhauses und des Lions Clubs Lübeck-Hanse für 2019 steht fest: Dana von Suffrin erhielt den mit 2.000 Euro dotier [ ... ]



Aspekte Festival 2020 – Die Programmatik
 Aspekte Festival 2020 – Die Programmatik



Woraus besteht die Musik unserer Zeit, was macht sie aus? Und überhaupt: Ist es die, die wir hören, ist es die, die komponiert wird oder die, die zeitgenössis [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.