Anzeige

Wer ist online?

Wir haben 1380 Gäste online

Neue Kommentare

Hans-Joachim Schneider zu Meine 18. Lange Nacht der Museen in Hamburg: Herrrlisch, würde der Rheinländer in mir sagen....
Wajda Art zu „A Beautiful Day”. Joaquin Phoenix- Racheengel oder Erlöser?: Wir suchen nach Enthusiasten der Kinematographie ...
Manfred Köck zu Im Wunderland der Wünsche. Laila Biali: schade, dass sie nicht mit ihren stammmusikern un...
Helmuth Barth zu Thomas Gainsborough – die moderne Landschaft: Vorausschicken möchte ich, dass ich neben Bilder...
Anna Grillet zu „Call Me by Your Name”. Die Sinnlichkeit des Luca Guadagnino: Leider nein, kann die bitterböse ästhetisch bri...

CDs JazzMe

Bette Smith: Jetlagger

Drucken
(99 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Mittwoch, den 21. Februar 2018 um 10:46 Uhr
Bette Smith: Jetlagger 4.0 out of 5 based on 99 votes.
Bette Smith Jetlagger F Melanee Brown

Wow – diese Frau degradiert einen Hurrikan zu einem lauen Lüftchen.
(Interessante Frage: Lande ich nach einem solchen Satz sofort in der „MeToo“-Rasterfahndung?) Bette Smith hat eine Phrasierungstechnik, die sich vor Soul-Heroen von Etta James bis Otis Redding nicht verstecken muss – und verballert dermaßen viel Energie, dass sie ihre Zuhörer achtkantig aus den Latschen pustet.

Das aktuelle Album („Jetlagger“) der New Yorker Sängerin ist ein großes Versprechen: zehn Songs von denen knapp die Hälfte echte Qualitätsware sind. Doch einiges wirkt an der Dame mysteriös: Ihre US-Plattenfirma (Big Legal Mess/Fat Possum) promotet „Jetlagger“ als ein Newcomer-Album. Das ist für Miss Bette Smith auch nicht falsch. ABER: Bette Smith hieß früher mal Bette Stuy und brachte seit 2006 schon einige CDs auf den Markt, die – das kann man ganz klar sagen – ziemlich klasse waren, aber kommerziell herbe floppten. Auch der leider schon 2004 verstorbene Ray Charles war von ihrem Talent beeindruckt und wollte mit ihr zusammenarbeiten. 2012 schaffte es die gute Frau Stuy in die „New York Blues Hall of Fame“ – eine „Newcomerin“ mit einem „Debut-Album“ ist sie also keinesfalls. Und (Überraschung) Bette Stuy heißt laut Geburtsurkunde tatsächlich Smith – genau genommen Sharon M. Smith.

Egal – die routinierte Musikerin aus dem Stadtteil Bedford Stuyvesant (für Connaisseure: abgekürzt auch Bed Stuy genannt) in Brooklyn ist nicht die erste Künstlerin, die von der Plattenfirma eine neue Identität verpasst bekommt um von ihrem Management neu aufgebaut zu werden. Und das, was die Sängerin und Songwriterin an musikalischer Substanz mitbringt, ist außergewöhnlich gut. Sogar ihr neuer Styling-Berater, der Miss Stuy ihre damenhaften Kleider gestrichen hat und Miss Smith in engsitzende grelle Sixties-Retro-Klamotten gezwängt hat, machte keinen schlechten Job. “It’s like a Cinderella story”, erläuterte sie in einem Interview. Die etwas rührselige Familiengeschichte, die man ihr samt Gospelchor-Vergangenheit zu PR-Zwecken verpasst hat, übergehen wir hier besser.

Bette Smith Jetlagger CoverNun aber zu „Jetlagger“: Das Album ist musikalisch wesentlich rockiger ausgefallen als die Vorgänger. „From The Well Of My Inner Child“ (2006) und die EP “This Is Neo-Blues“ (2015) waren blues- und Soul-lastiger. Und nun, 2018, bricht die Sängerin zu einer Tour de Force durch die Sixties-Soul-Ära auf – unterlegt die Coverversionen von Isaac Hayes (“Do Your Thing”), den Staple Singers (“City in the Sky”) bis Lone Justice (“I Found Love“) mit erdigen Rock-Teppichen. Dieses Fremdmaterial gehört – so viel sei schon mal verraten – zu den Glanzstücken des Albums.
Richtig los geht es eigentlich erst ab Song vier: „I found love“ kommt als knallharter Rocker daher und reißt einen sofort mit. Da versucht die geborene Miss Smith weniger ihre unumstrittenen Power-Qualitäten in den Vordergrund zu stellen, sondern singt schnörkellos nach vorne.
Einen ähnlichen Eindruck vermittelt „Manchild“, ein ebenfalls geradliniger Rocker der mit seinen satten Bläsersätzen aber wesentlich komplexer klingt. Trotz holprigem Power-Schlagzeug wirkt der Song den der Produzent Jimbo Mathus der kraftstrotzenden Sängerin auf den Leib geschrieben hat, ziemlich rund.
Das trifft auch auf die Mathus-Songs “Durty Hustlin“ und “Shackle & Chain” zu. Ein Rätsel bleiben jedoch die häufig überladen unstrukturierten Arrangements, die manchmal so klingen als hätte man eine Jam-Session mitgeschnitten. „Es war wirklich wundervoll. Alles wurde live aufgenommen“, berichtete die Sängerin von den Recording-Sessions. Doch bei diesem sympathisch klingenden aber oft nur preiswerteren Aufnahmeverfahren bewahrheitet sich der alte Spruch: Etwas weniger (Instrumental-Gewusel) wäre mehr! Und viele Kompositionen sind einfach bei irgendwelchen Standard-Riffs abgekupfert. Das ist bei Live-Auftritten mit Sicherheit kein Fehler, auf einem Studio-Album stellen sich dabei jedoch jede Menge Déjà-vu-Momente ein.

Was bleibt? Eine kraftstrotzende Sängerin mit einer mitreißenden Stimme – die aber auch nach dem Karriere-Neustart noch nicht ganz in die Spur gefunden hat. Für mich ist diese Platte ein Versprechen an die Zukunft. Etwa die Hälfte der Stücke sind große Klasse – der Rest aber klingt nach Füllmaterial. Singen kann Bette Smith wie nur ganz wenige andere. Das hat sie auch mit diesem Album bewiesen.

Bette Smith: Jetlagger

Label: Big Legal Mess/Fat Possum
Vinyl, CD
EAN: 854255005446

YouTube-Video:
- Bette Smith - Manchild (Official Video)
- Bette Smith - Shackle & Chain (Official Video)

Konzerte in Deutschland:
7. Mai 2018 YUCA, Köln
8. Mai 2018 QUASIMODO, Berlin


JazzMe – In Kooperation mit Christoph Forsthoff, Sabine Meinert, Sven Sorgenfrey und Willy Theobald. Weitere CD-Kritiken, Interviews und Informationen aus der Welt des Jazz unter www.aboutjazz.de.


Abbildungsnachweis:
Header: Bette Smith Band. Foto: Melanee Brown.
CD-Cover

Eigenen Kommentar verfassen (Gasteintrag möglich - Bitte achten Sie auf unsere Email ggf. in Ihrem Spam-Order und klicken den Bestätigungslink)

Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
Kommentar abschicken
 

Home > Kolumne > CDs JazzMe > Bette Smith: Jetlagger

Mehr auf KulturPort.De

Aspekte Festival 2018 – frozen gesture
 Aspekte Festival 2018 – frozen gesture



Welche kulturellen Spartenschubladen haben wir im Kopf? Wo ist der urbane, kulturelle Humus zu finden? Wieviel Bereitschaft zeigt Publikum für Entwicklungsphase [ ... ]



Meine 18. Lange Nacht der Museen in Hamburg
 Meine 18. Lange Nacht der Museen in Hamburg



...beginne ich, indem ich mit meinem Navi streite. Das tut so, als wüsste es nicht von der traurigen Tatsache, dass es in dieser Stadt mehr Baustellen als Kultu [ ... ]



Yvonne von Schweinitz: Syrien – Fragmente einer Reise. Fragmente einer Zeit
 Yvonne von Schweinitz: Syrien – Fragmente einer Reise. Fragmente einer Zeit



Wie nähert man sich in einer Fotoausstellung einem Land, deren Menschen tagtäglich durch Gewalt sterben, auf der Flucht, im Exil, traumatisiert sind, deren mat [ ... ]



„A Beautiful Day”. Joaquin Phoenix- Racheengel oder Erlöser?
 „A Beautiful Day”. Joaquin Phoenix- Racheengel oder Erlöser?



Lynne Ramsay inszeniert ihre virtuosen Thriller-Impressionen als Exkursion in die Abgründe der Seele.
Ein Auftragskiller ist Joe (Joaquin Phoenix) nicht, er t [ ... ]



Günter Grass-Haus Lübeck: George Bernard Shaw und die Fotografie
 Günter Grass-Haus Lübeck: George Bernard Shaw und die Fotografie



George Bernard Shaw (1856-1950) ist vor allem bekannt für sein dramatisches Werk, das über 50 Theaterstücke umfasst. Doch der Künstler hat sich zeitlebens in [ ... ]



Im Wunderland der Wünsche. Laila Biali
 Im Wunderland der Wünsche. Laila Biali



Wie konnte sich eine 16jährige Kanadierin, die Opernarien singt und klassische Pianistin werden will, zu einer über jeden „No street credibility“-Verdacht  [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.