Neue Kommentare

Achenar Myst zu Nils Landgren with Janis Siegel: some other time: Die CD ist ein absoluter Genuss, tolle Auswahl de...
Achim zu Golnar & Mahan – Derakht: Musik, die glücklich macht - Danke !!!...
Frederik Meester zu Weltmusikalisches Crossover – fließende Gefühle. Etta Scollo zum 60. Geburtstag: tanti auguri, etta scollo!!!...
ede und andrea zu Weltmusikalisches Crossover – fließende Gefühle. Etta Scollo zum 60. Geburtstag: Auguri di buon compleanno, liebste Etta! lass es ...
Marion Hinz zu Dorothy Parker: „Denn mein Herz ist frisch gebrochen“ – Zwischen Sehnsucht und Satire: Lieber Herr Blumenbach, Ihr Kommentar freut mich ...

CDs JazzMe

Golnar & Mahan – Derakht

Drucken
(139 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Donnerstag, den 14. Dezember 2017 um 10:19 Uhr
Golnar & Mahan – Derakht 4.0 out of 5 based on 139 votes.
Golnar & Mahan Trio

Ein Repertoire zwischen Weltmusik und Jazz: die Album-Neuerscheinung der beiden in Teheran geborenen – der Komponistin und Sängerin Golnar Shahyar und des Oud-spielende Mahan Mirarab – verspricht einen besonderen Reiz.
Dazu der Wiener Perkussionist Amir Wahba und schon bildet sich ein schlagkräftiges Trio. Wenn noch namhafte Gäste dazukommen, wie der türkische Meistergitarrist Erkan Ogur und Alain Perez am Bass, dann ist die Erwartungshaltung endgültig ultimativ.

Das persische Wort „Derakth“ (deutsch: Baum) beschreibt ein verästeltes Lebewesen, das sich aus dem Wurzelwerk der Musiktradition des Irans zum Stamm persischer Identität, der Poesie und des Klangs bis hin zu den Zweigen der Feinsinnigkeit von Text, Sprache und Melodie emporlebt und im Blattwerk mit weltumspannenden Grooves ein Musikprojekt präsentiert, das intensiver kaum sein kann. Zyklisch im trans-, multi- und interkulturellen Anspruch wie es schon 2014 beim Vorgängeralbum „Sormeh“ (Name eine kleinen Ortes im Iran) mit der Kombination aus sephardischem Klezmer, Jazz und persischer Klassik zu hören war.

Golnar & Mahan – Derakht COVERFür westliche Ohren ist da mittlerweile nur noch wenig ausgesprochen Fremdes zu finden, außer dass wohl die meisten die persische Sprache ‚Farsi‘ leider nicht verstehen können, was grundsätzlich ein Manko bedeutet, denn die orientalische, musikalische Erzähltradition ist etwas Ganzheitliches. So ist der inhaltliche Spagat zwischen Natur und Geist, respektive in der Natur auch die philosophische Weisheit zu finden und dies verbunden mit einem Begriff wie Freiheit und Schönheit kaum ohne zusätzliches, detailliertes Wissen und tiefergehendes Interesse zu finden. Die Verortung des Albums wird dennoch klar auch ohne die – wie ich mir sagen lassen habe – wundervollen lyrischen Texte zeitgenössischer (Stücke 4 und 10 „Mahi“ und „Man Moj Raa“– Texte von Ahmad Shamlou) und historischer, teil unbekannter Dichter (Stücke 8 und 9 „Ba Man Sanama“) aus dem 13. Jahrhundert, folgende. Die Verortung liegt nämlich in der Suche nach derselben, in der Migration, im Wechsel und in der Sehnsucht nach Heimat.
Das wird auch in der biographischen Aussage der KünstlerinGolnar Shahyar deutlich. „Es ist sehr typisch für iranische Familien, dass sie auf der ganzen Welt verstreut leben... Nach der Revolution, die dem Iran/Irak Krieg folgte, verließen viele Familien das Land auf der Suche nach Frieden und Freiheit. Auch unsere Kultur und Musik ist voller Melancholie, voll der Sehnsucht von Rückkehr in die Heimat und dem Wiedersehen mit unseren Lieben. Meine Familie und ich immigrierten vor 16 Jahren nach Kanada, ich danach nach Österreich und seit dieser Zeit haben wir nicht mehr wirklich zusammen gelebt!“
Die Verortung muss sich demnach über etwas Immaterielles, über Landesgrenzen, Orte hinweg definieren, es ist also jeweils ein Raum in uns, den es zu finden gilt. Sprache und Musiktradition sind die sichtbaren architektonischen Pylonen, um das immaterielle Gebäude dahinter finden zu können.

Trotz den vielen Reminiszenzen an die Tradition des Orients ist das Album größtenteils modern-zeitgenössisch. Gerade die großartigen Kombinationen mit Jazz wie bei „Man Moj Raa“ im Gegengewicht zum transzendent-traditionell wirkenden „Haj Ghorban“, dem letzten Stück des Albums, machen das Album zu etwas Besonderen und verdeutlichen den großen schöpferischen Fundus.

Die Triebe des Baumes bestehen aus den eigenen klar umrissenen künstlerischen Haltungen und offerieren uns eine allem innewohnende Schönheit in einer Variation an Ausprägungen. Glücklich, wer solche Künstler beheimatet – Felix Austria!

Golnar & Mahan – Derakht
Golnar Shahyar (Komposition, Gesang, Gitarre, Piano), Mahan Mirarab (Oud, Gitarren, Gesang), Amir Wahba (Percussion), Erkan Ogur (Kopuz, Gitarre), Alain Perez (Bass), Kaveh Savarian (Ney) und Luis Guerra (Piano).
Lotus Records
CD
LR 17047CD

YouTube-Videos:
- Golnar & Mahan – Derakht (live im Sunset, Paris)
- Golnar & Mahan – Negaram (live im Burgtheater, Wien)
- Golnar & Mahan -- Javdanegi


Abbildungsnachweis:
Header: Golnar & Mahan Trio. Foto: Ina Aydogan
CD-Cover
alt

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

avatar Achim
+3
 
 
Musik, die glücklich macht - Danke !!!
Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
ChronoComments by Joomla Professional Solutions
Meinen Kommentar abschicken
Abbrechen
Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Kolumne > CDs JazzMe > Golnar & Mahan – Derakht

Mehr auf KulturPort.De

Die Juden vom Altrhein
 Die Juden vom Altrhein



Biografische Dokumentation von den Anfängen bis zum Holocaust und dem Weiterleben in der Emigration, von Gabriele Hannah, Martina Graf und Hans-Dieter Graf.

 [ ... ]



„Wenn man Mozart kann, dann kann man alles andere auch.“
 „Wenn man Mozart kann, dann kann man alles andere auch.“



Die sich zum Ende neigende Spielzeit in der Staatsoper Hamburg könnte man leicht unter folgendes Motto stellen: Ehemalige Mitglieder des Hamburger Opernstudios, [ ... ]



Triennale der Photographie: „WILL – The Livesaving Machines“ von Reiner Riedler in der Galerie Hengevoss-Dürkop
 Triennale der Photographie: „WILL – The Livesaving Machines“ von Reiner Riedler in der Galerie Hengevoss-Dürkop



Hochästhetisch, artifiziell, und immer etwas irritierend. Die Serie „Will – The Livesaving Machines“ des Wiener Fotografen Reiner Riedler in der Galerie H [ ... ]



Eurasians Unity. Das Debüt-Album
 Eurasians Unity. Das Debüt-Album



5 Sprachen, 7 Länder, 8 Musiker und Musikerinnen

Sie kommen aus Deutschland, der Ukraine, Bulgarien, Aserbaidschan, Usbekistan, Polen und aus dem Iran und be [ ... ]



„Hereditary – Das Vermächtnis”. Horror als Gesamtkunstwerk
 „Hereditary – Das Vermächtnis”. Horror als Gesamtkunstwerk



Während Krisenzeiten lechzt das Kino-Publikum nach Schauder und Schrecken besonderer Art, der US-amerikanische Regisseur Ari Aster ist ein Meister darin.
Sein [ ... ]



Manfred Otto: Stein auf Stein dem Himmel entgegen.
 Manfred Otto: Stein auf Stein dem Himmel entgegen.



Ein DDR-Arbeiter gibt zu Protokoll: Mit Presslufthammer und Maurerkelle
Manfred Otto: Stein auf Stein dem Himmel entgegen. Aus dem Arbeitsleben eines Schornstei [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.