Neue Kommentare

Harry zu „Otto. Die Ausstellung“: OTTO ist großartig. Ich wusste nicht, dass er ei...
Alex zu Film Festival Cologne - Von starken Spielfilmdebüts und schwächelnden Stars: Wer bist du? Halten Sie Ihre Meinung besser, wenn...
Emanuel Ackermann zu „Werk ohne Autor” – Oder die Alchemie der Kreativität : Bisher habe ich nur Schlimmes über den Film gele...
Richard Voigt zu Offener Brief führender Grafikdesigner*innen fordert die Stiftung Buchkunst heraus: Lehrauftrag verfehlt?
Die Professores such...

Herby Neubacher zu Es läuft und läuft und läuft: 15 Jahre „Heiße Ecke“ im Schmidt's Tivoli: Rund 42000 Kondome, 25 000 Würstchen, 16800 Wasc...

CDs JazzMe

Golnar & Mahan – Derakht

Drucken
(160 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Donnerstag, den 14. Dezember 2017 um 10:19 Uhr
Golnar & Mahan – Derakht 3.9 out of 5 based on 160 votes.
Golnar & Mahan Trio

Ein Repertoire zwischen Weltmusik und Jazz: die Album-Neuerscheinung der beiden in Teheran geborenen – der Komponistin und Sängerin Golnar Shahyar und des Oud-spielende Mahan Mirarab – verspricht einen besonderen Reiz.
Dazu der Wiener Perkussionist Amir Wahba und schon bildet sich ein schlagkräftiges Trio. Wenn noch namhafte Gäste dazukommen, wie der türkische Meistergitarrist Erkan Ogur und Alain Perez am Bass, dann ist die Erwartungshaltung endgültig ultimativ.

Das persische Wort „Derakth“ (deutsch: Baum) beschreibt ein verästeltes Lebewesen, das sich aus dem Wurzelwerk der Musiktradition des Irans zum Stamm persischer Identität, der Poesie und des Klangs bis hin zu den Zweigen der Feinsinnigkeit von Text, Sprache und Melodie emporlebt und im Blattwerk mit weltumspannenden Grooves ein Musikprojekt präsentiert, das intensiver kaum sein kann. Zyklisch im trans-, multi- und interkulturellen Anspruch wie es schon 2014 beim Vorgängeralbum „Sormeh“ (Name eine kleinen Ortes im Iran) mit der Kombination aus sephardischem Klezmer, Jazz und persischer Klassik zu hören war.

Golnar & Mahan – Derakht COVERFür westliche Ohren ist da mittlerweile nur noch wenig ausgesprochen Fremdes zu finden, außer dass wohl die meisten die persische Sprache ‚Farsi‘ leider nicht verstehen können, was grundsätzlich ein Manko bedeutet, denn die orientalische, musikalische Erzähltradition ist etwas Ganzheitliches. So ist der inhaltliche Spagat zwischen Natur und Geist, respektive in der Natur auch die philosophische Weisheit zu finden und dies verbunden mit einem Begriff wie Freiheit und Schönheit kaum ohne zusätzliches, detailliertes Wissen und tiefergehendes Interesse zu finden. Die Verortung des Albums wird dennoch klar auch ohne die – wie ich mir sagen lassen habe – wundervollen lyrischen Texte zeitgenössischer (Stücke 4 und 10 „Mahi“ und „Man Moj Raa“– Texte von Ahmad Shamlou) und historischer, teil unbekannter Dichter (Stücke 8 und 9 „Ba Man Sanama“) aus dem 13. Jahrhundert, folgende. Die Verortung liegt nämlich in der Suche nach derselben, in der Migration, im Wechsel und in der Sehnsucht nach Heimat.
Das wird auch in der biographischen Aussage der KünstlerinGolnar Shahyar deutlich. „Es ist sehr typisch für iranische Familien, dass sie auf der ganzen Welt verstreut leben... Nach der Revolution, die dem Iran/Irak Krieg folgte, verließen viele Familien das Land auf der Suche nach Frieden und Freiheit. Auch unsere Kultur und Musik ist voller Melancholie, voll der Sehnsucht von Rückkehr in die Heimat und dem Wiedersehen mit unseren Lieben. Meine Familie und ich immigrierten vor 16 Jahren nach Kanada, ich danach nach Österreich und seit dieser Zeit haben wir nicht mehr wirklich zusammen gelebt!“
Die Verortung muss sich demnach über etwas Immaterielles, über Landesgrenzen, Orte hinweg definieren, es ist also jeweils ein Raum in uns, den es zu finden gilt. Sprache und Musiktradition sind die sichtbaren architektonischen Pylonen, um das immaterielle Gebäude dahinter finden zu können.

Trotz den vielen Reminiszenzen an die Tradition des Orients ist das Album größtenteils modern-zeitgenössisch. Gerade die großartigen Kombinationen mit Jazz wie bei „Man Moj Raa“ im Gegengewicht zum transzendent-traditionell wirkenden „Haj Ghorban“, dem letzten Stück des Albums, machen das Album zu etwas Besonderen und verdeutlichen den großen schöpferischen Fundus.

Die Triebe des Baumes bestehen aus den eigenen klar umrissenen künstlerischen Haltungen und offerieren uns eine allem innewohnende Schönheit in einer Variation an Ausprägungen. Glücklich, wer solche Künstler beheimatet – Felix Austria!

Golnar & Mahan – Derakht
Golnar Shahyar (Komposition, Gesang, Gitarre, Piano), Mahan Mirarab (Oud, Gitarren, Gesang), Amir Wahba (Percussion), Erkan Ogur (Kopuz, Gitarre), Alain Perez (Bass), Kaveh Savarian (Ney) und Luis Guerra (Piano).
Lotus Records
CD
LR 17047CD

YouTube-Videos:
- Golnar & Mahan – Derakht (live im Sunset, Paris)
- Golnar & Mahan – Negaram (live im Burgtheater, Wien)
- Golnar & Mahan -- Javdanegi


Abbildungsnachweis:
Header: Golnar & Mahan Trio. Foto: Ina Aydogan
CD-Cover
alt

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

avatar Achim
+3
 
 
Musik, die glücklich macht - Danke !!!
Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
ChronoComments by Joomla Professional Solutions
Meinen Kommentar abschicken
Abbrechen
Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Kolumne > CDs JazzMe > Golnar & Mahan – Derakht

Mehr auf KulturPort.De

Hamburger Tradition seit 1894 – die 11. Spielzeit im Hansa-Theater
 Hamburger Tradition seit 1894 – die 11. Spielzeit im Hansa-Theater



Die Saison ist wieder eröffnet – nicht irgendeine, es ist die Hundertfünfundzwanzigste! Und zu dieser Jubiläumsspielzeit im Hansa Theater in Hamburg haben T [ ... ]



Baltijas Ozoli – Baltic Oaks – Baltische Eichen im Kunstmuseum Rigaer Börse
 Baltijas Ozoli – Baltic Oaks – Baltische Eichen im Kunstmuseum Rigaer Börse



Was hat Flämische Malerei des 16. und 17. Jahrhunderts aus den Niederlanden und Flandern mit den Baltikum zu tun? Auf den ersten Blick recht wenig, jedoch gab e [ ... ]



Hans-Jürgen Hennig: „Zwei gegen Ragnarøk" – Bekehrung mit dem Schwert
 Hans-Jürgen Hennig: „Zwei gegen Ragnarøk



Bei diesem Titel mag es neugierige und zugleich verwunderte Leser geben, die sich fragen, was soll die Christianisierung des Nordens mit der heutigen Zeit zu tu [ ... ]



„Otto. Die Ausstellung“
 „Otto. Die Ausstellung“



Otto hier, Otto da. „Otto, hier bitte auch noch mal“, riefen die drängelnden Fotografen und Herr Waalkes, lächelte, feixte und hoppelte, bis alle Aufnahmen [ ... ]



Max Slevogt – eine Retrospektive zum 150. Geburtstag
 Max Slevogt – eine Retrospektive zum 150. Geburtstag



Das Landesmuseum Hannover widmet dem Jubilar, der neben Max Liebermann und Lovis Corinth zum „Dreigestirn des deutschen Impressionismus“ gehört, eine großa [ ... ]



„Dogman” - Matteo Garrone und der gescheiterte Erlöser
 „Dogman” - Matteo Garrone und der gescheiterte Erlöser



Mit seinem hinreißenden Kleingangster-Epos „Dogman” kreiert Regisseur Matteo Garrone einen düster-poetischen Parallelkosmos und den vielleicht berührendst [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.