Neue Kommentare

Alex zu Film Festival Cologne - Von starken Spielfilmdebüts und schwächelnden Stars: Wer bist du? Halten Sie Ihre Meinung besser, wenn...
Emanuel Ackermann zu „Werk ohne Autor” – Oder die Alchemie der Kreativität : Bisher habe ich nur Schlimmes über den Film gele...
Richard Voigt zu Offener Brief führender Grafikdesigner*innen fordert die Stiftung Buchkunst heraus: Lehrauftrag verfehlt?
Die Professores such...

Herby Neubacher zu Es läuft und läuft und läuft: 15 Jahre „Heiße Ecke“ im Schmidt's Tivoli: Rund 42000 Kondome, 25 000 Würstchen, 16800 Wasc...
Patrick Dissinger zu „Foxtrot”. Samuel Moaz und das Konzept des Zufalls: Ein exzellenter, sehr kluger Film. Danke für den...

CDs JazzMe

Jens Düppe: Dancing Beauty. Eine Hommage an John Cage

Drucken
(179 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Montag, den 18. September 2017 um 09:13 Uhr
Jens Düppe: Dancing Beauty. Eine Hommage an John Cage 4.0 out of 5 based on 179 votes.
Jens Düppe: Dancing Beauty Foto Gerhard Richter

Wie kann ein Künstler heute ungebunden und frei arbeiten? Ungebunden ist durchaus möglich – frei arbeiten stößt aus unterschiedlichen Gründen an Grenzen. Eine der Grenzen der Freiheit ist das historische Eingebettet-Sein. Kein Künstler ist losgelöst von der Geschichte und dem Tun der Vorgängergenerationen. Die Freiheit endet zudem an physikalischen und mathematischen Systemen. Die Einschränkungen lassen sich fortführen.

Und dennoch kann der Begriff der „Freiheit“, den Jens Düppe für sein neues Album konstant bemüht, wirkungsvoll eingesetzt werden, zumal wenn er diese bedeutungshoheitlich mit Musik per se in Verbindung bringt. „Musik bedeutet Freiheit!“ Wer mag da wiedersprechen? Die Freiheit liegt im Individuum begründet und in der Chancenauswertung, in der Philosophie und konkret in der Befreiung von realen und vermeintlichen Zwängen. John Cage (1912-1992), einer der wichtigsten Musiker und Künstler des 20. Jahrhunderts hat Freiheit für sich so definiert: „Befreien wir uns von Zwängen, das Beste aussuchen zu wollen. Damit sind unsere Möglichkeiten unbegrenzt, alles wird interessant.“
Interessant wurde diese Befreiung von Zwängen auch deswegen, weil Cage nicht in engen Schubladen dachte und wie selbstverständlich genreübergreifend arbeitete: ein Freigeist eben, der die Musik- und Kunstwelt nachhaltig veränderte – ergänzte, erweiterte und produktive, paradigmatische Veränderungschancen eröffnete. So sind Paradigmenwechsel wichtige Impulsgeber für die Kultur und permanente Horizontverschiebungen. Darauf aufzubauen, sich aus dieser Haltung Anregungen zu holen, dem zitierten Freiheitbegriff nachzuspüren ist ein interessanter Antrieb. Führt wohlmöglich die Befreiung vom Zwang gar zum Besten?

COVER Jens Dueppe Dancing BeautyDer Kölner Jazzmusiker, Schlagzeuger und Dozent Jens Düppe ist ein Suchender, der teilweise recht unkonventionell an die Dinge herangeht.
Paradoxien („Perpetuum Paradox“) gehören gleichberechtigt dazu wie der Frage nach Schönheit („Sleeping Beauty“) nachzugehen. Wann ist etwas schön? Warum lässt die Festigkeit von Haltung nach („Consistence“) und wo ist der Punkt Null („From Zero“) als Ausgangspunkt erreichbar? „Everything We Do Is Music“ klingt nach generalisierter Anschauungsweise, nach systematischem Ausruf, bekommt im Stück rhythmische Gestalt, voller Kraft und Leidenschaft.
Drei Plastiktüten machen Musik, vier Minuten lang, machen Geräusche wie mehr als drei, scheinen zu leben, zu atmen, sich aufzubäumen, verausgaben sich schier. Sie sammeln Energie und gleiten dann wieder in einen ungeregelten Kreislauf ab. Der Sound variiert, weckt Hörerinnerungen von Meeresrauschen, über Regengeprassel bis zum abstrakt-raumgreifenden Geknitter: „Dancing Plastic Bag“. Und zieht sich auch in weiteren Stücken fort. Bettet sich in „From Zero“ ein, nistet hier und dort, will allgegenwärtig sein und doch unaufdringlich bleiben.
„Make Some Noise“ ist nicht nur akustisch zu verstehen, sondern auch als Hinterlassenschaft gemeint, als Aufforderung etwas weiterzugeben und zurückzulassen.
„This Is Not The End“ kommt da nach einer Dreiviertelstunde gerade passend und recht. Es gibt kein Ende! Der Gedanke darf sich immer wieder neu erfinden, die Musik darf es auch. Begleitet vom herrlichen Trompetenklang von Frederik Köster entlässt uns die tanzende Schönheit in die Zeit.

Großartige Stücke von einem großartigen Quartett. Die Musiker gestehen sich gegenseitig Freiheiten zu und offerieren sie uns.

Jens Düppe: Dancing Beauty

Jens Düppe (dr), Frederik Köster (tr), Lars Duppler (p), Christian Ramond (bs)
CD
Label: Personality Records (PR26)/in-akustik/Ordis
EAN: 4260089371132
VÖ: 22.09.2017

YouTube-Video:
"Everything we do is music" - new CD Dancing Beauty (1:56 Min.)


Abbildungsnachweis:
Headerfoto: Gerhard Richter
CD-Cover

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Kolumne > CDs JazzMe > Jens Düppe: Dancing Beauty. Eine Hommage an ...

Mehr auf KulturPort.De

„Dogman” - Matteo Garrone und der gescheiterte Erlöser
 „Dogman” - Matteo Garrone und der gescheiterte Erlöser



Mit seinem hinreißenden Kleingangster-Epos „Dogman” kreiert Regisseur Matteo Garrone einen düster-poetischen Parallelkosmos und den vielleicht berührendst [ ... ]



Theater Festival Hamburg: „Vor Sonnenaufgang“ nach Gerhard Hauptmann
 Theater Festival Hamburg: „Vor Sonnenaufgang“ nach Gerhard Hauptmann



Was für ein Schauspielerfest! „Vor Sonnenaufgang“ nach Gerhard Hauptmann, das von Ewald Palmetshofer in die Gegenwart transportierte Sozialdrama, begeistert [ ... ]



Fay Claassen & WDR Big Band: My Dutch Songbook
 Fay Claassen & WDR Big Band: My Dutch Songbook



Es ist erst ein paar Wochen her, dass Fay Claassen den niederländischen Edison Jazz Award (Vocals) gewann – und zusätzlich den Publikumspreis einheimste.
 [ ... ]



Florian Henckel von Donnersmarck und Sebastian Koch stellen den Film „Werk ohne Autor“ in Lüneburg vor
 Florian Henckel von Donnersmarck und Sebastian Koch stellen den Film „Werk ohne Autor“ in Lüneburg vor



Vorstellung des neuen Films „Werk ohne Autor im ‚Filmpalast‘ in Lüneburg – nach den drei überaus eindrucksvollen Stunden kann das Publikum den Regisseu [ ... ]



Film Festival Cologne - Von starken Spielfilmdebüts und schwächelnden Stars
 Film Festival Cologne - Von starken Spielfilmdebüts und schwächelnden Stars



Nach einem eher dürftigen Festivaljahr 2018 ging schon das Raunen durch die Reihen: Wo sind all die guten Filme hin? Die Antwort ist einfach: Man muss nur richt [ ... ]



Balthus – eine Ausstellung des umstrittenen Malers in Basel
 Balthus – eine Ausstellung des umstrittenen Malers in Basel



Die Augen sind geschlossen, die Arme hinter dem Kopf verschränkt, das linke Bein auf die Stuhlkante gestellt. Der rote Rock ist nach oben gerutscht und gibt den [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.