Anzeige

Wer ist online?

Wir haben 629 Gäste online

Neue Kommentare

Manfred Köck zu Im Wunderland der Wünsche. Laila Biali: falsch, das erste Konzert der Tour hatte lange vo...
Ulrich Blumenbach zu Dorothy Parker: „Denn mein Herz ist frisch gebrochen“ – Zwischen Sehnsucht und Satire: Vielen Dank für die schöne, fundierte und zitat...
Herby Neubacher zu Kang Mu-xiang: „Unlimited Life“ – Monumentale Plastik auf Hamburgs Rathausmarkt: Schoen das der Bauschutt aus Taipeh ein neues Zuh...
Herby Neubacher zu Zu Ehren von John Neumeier: Nijinsky-Gala: ... und ausserdem steht Neumeier fuer den geschma...
Peter Watzen zu Im Wunderland der Wünsche. Laila Biali: Kommentar vom 18.4. und das erste Konzert ist am ...

CDs JazzMe

Snorre Kirk: Europa

Drucken
(208 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Donnerstag, den 19. Mai 2016 um 10:04 Uhr
Snorre Kirk: Europa 4.1 out of 5 based on 208 votes.
Snorre Kirk

Das zweite Album des jungen dänischen Schlagzeugers Snorre Kirk nach „Blues Modernism“ ist mit dem alt ehrwürdigen Kontinent „Europa“ betitelt. Für ihn scheint die Wechselbeziehung zu Amerika allerdings bedeutungsvoll, denn der Drummer benutzt bei einer ganzen Reihe von Stücken den ureigenen amerikanischen Sound. Auch die Vorstellung von „Europa“ gleicht mutmaßlich eher einer nostalgischen Idee. Inhaltlich und auch typografisch sowie der visuelle Look des CD-Covers der Grafik-Designerin Maria Tran Larsen ist deutlich retro und in den 1930er-Jahren beheimatet als im Hier und Jetzt.

Nichtsdestotrotz ist das Album, das bereits vor einem Jahr in Dänemark auf den Markt kam, ein Genuss. Gerade für jene, die den Sound der halbdunklen Bars Nordamerikas und Nordeuropas lieben. Skandinavien hat Jazz-musikalisch viel und gutes zu bieten. Die Nähe zu den USA zeigt sich nicht nur auf der CD, sondern auch daran, dass seit den 1950er-Jahren so einige US-amerikanische Musiker in Dänemark leben dort arbeiten und die Szene bis heute gegenseitig beeinflussen, Stan Getz, Ben Webster, Idrees Sulieman, Marylin Mazur und Kristin Korb beispielsweise. New York, Paris, Kopenhagen war in den 1960er- und 70er-Jahre eine bedeutsame Bewegungsrichtung im europäischen Jazz.

Auch als junger Musiker darf man selbstverständlich den Klang lieben, der sich seit fast einhundert Jahren frisch gehalten hat. Ein wenig Bigband, ein wenig Modernismus, ein wenig klassische Nostalgie und nicht zu vergessen dieser besondere Swing-Sound, mit besonderem Timbre und Vibe, der Emotionen kreiert. Wichtig ist es, von den großen Vorbildern so weit entfernt zu sein, dass deren Schatten nicht zu übermächtig werden. Die Entfernung ist bei „Europa“ und Snorre Kirk ausreichend eingehalten, um davon sprechen zu können, dass das Sextett es geschafft hat, einen durchaus eigenen, intelligenten „Forward-Retro-Sound“ entwickelt zu haben. Jeder einzelne Musiker hat viel zu bieten, die Lässigkeit und Selbstverständlichkeit der einzelnen Stücke zeugt von viel gemeinsamer Arbeit, Erfahrung und Entwicklung.

Snorre Kirk Europa CoverAlle acht Stücke auf „Europa“ kreieren in erster Linie Erinnerungen aus der Vergangenheit, mehr als sie zeitgenössische Vorstellungen konstituieren. Mit den Titeln „Coco“, „Art Noveau“ und „St. German-des-Prés“ sind Orte, Stimmungen und Zeiten in Paris verknüpft. Insofern ist „zeitlos“ – das Wort, das in den Ankündigungen zur Deutschland-Veröffentlichung der CD Ende Mai zum Album mehrfach auftaucht – nicht überzeugend. Nimmt man vielmehr den Begriff der „Moderne“ ernst, dann sind wir im richtigen Stilgenre. Demnach ist die musikalische Moderne gekennzeichnet durch ein Nebeneinander von Altbewährtem und Neuem – durch eine Koexistenz, was besonders für das 20. Jahrhundert anwendbar wäre.
Die Kompositionen des mehrfach preisgekrönten dänischen Newcomers sind eine Mischung aus Tradition, Jazz-Romantik und Duke Ellington-Sound. Anspruchsvoll, temperamentvoll, mit der notwenigen eleganten Sparsamkeit, ohne Schnörkel, so dass keine Note zu viel die Klarheit stören könnte. Vielleicht ist dies zumindest ein weiteres europäisches Element des Albums: auf die in den USA oft zu hörende und mittlerweile inflationär stilisierte, fast barocke Verzierung, wird verzichtet.

Musikalisch nachvollziehbar ist „Europa“ des Snorre Kirks Quintets allenthalben, aber der Europa-Begriff oder die Vorstellung davon ist historisch, teilweise amerikanisch geprägt und insofern obsolet.

Snorre Kirk: Europa
Tobias Wiklund (cornet), Jan harbeck (tenor sax), Oilly Wallace (alt sax), Lasse Mörck (bass), Magnus Hjorth (piano), Snorre Kirk (drums)
Label: Calibrated / Danish Music & Entertainment
EAN: 5706725101446

Tracklist:
1. Europa
2. Unsentimental
3. Coco
4. Art Noveau
5. Yesteryear
6. Varsity
7. St. Germain-des-Prés
8. New Traditional

Hörprobe
YouTube-Video:
Snorre Kirk: Europa


Abbildungsweis:
Header: PR Foto DME

CD-Cover

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 

Home > Kolumne > CDs JazzMe > Snorre Kirk: Europa

Mehr auf KulturPort.De

Trio Laccasax: In Music At Home
 Trio Laccasax: In Music At Home



Einen Ort zu haben, an dem man zuhause ist, ist an Wert kaum zu überschätzen. Ein Ort, an dem man die Seele baumeln lassen kann, an dem man ganz selbst sein da [ ... ]



„Edgars und Aina Šēnbergi. Modernisti" im Lettischen Architekturmuseum Riga
 „Edgars und Aina Šēnbergi. Modernisti



Eine kleine, aber feine Ausstellung ist im Lettischen Architekturmuseum in der Altstadt von Riga zu sehen. Gezeigt werden Arbeiten, Zeichnungen und Modelle des A [ ... ]



„The Cleaners” – Oder die Schattenindustrie digitaler Zensur
 „The Cleaners” – Oder die Schattenindustrie digitaler Zensur



Unsere Bilderflut ist apokalyptisch: Jede Minute 500 Stunden Video auf YouTube, 450.000 Tweets auf Twitter. Nicht alles was hochgeladen wird, bleibt. Die Silicon [ ... ]



Der wahre Reichtum – „Wir Sonnenkinder – Authentische Lebensbilder“
 Der wahre Reichtum – „Wir Sonnenkinder – Authentische Lebensbilder“



Vor mir liegt der Lebensbericht – der Autor Harry Popow nennt ihn „authentische Lebensbilder“ eines Zeitgenossen, der vom wahren Leben in der DDR berichtet [ ... ]



Still in the Woods: Rootless Tree
 Still in the Woods: Rootless Tree



Indie-Jazz – Musik, die Weite kennt, auch innerhalb der bekannten Spielräume. Mit dem Debüt-Album „Rootless Tree“ kappen die vier Musiker aus Berlin, Dre [ ... ]



Karl Marx zum 200. Geburtstag: „Karl Marx 1818-1883. Leben. Werk. Zeit.“
 Karl Marx zum 200. Geburtstag: „Karl Marx 1818-1883. Leben. Werk. Zeit.“



Ein Gespenst geht um in Trier: Karl Marx, vor 200 Jahren am 5. Mai 1818 in Trier geboren, braust wie ein Orkan über das Städtchen an der Mosel hinweg. Allerdin [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.