Neue Kommentare

Ada Rompf zu „The Rider”. Die zärtlich-raue Poesie der Chloé Zhao : Besser kann man meinen Lieblingsfilm dieses Früh...
yolo 456 zu Die Juden vom Altrhein: man sollte einen artikel erst einmal lesen bevor ...
yolo123 zu Die Juden vom Altrhein: Das jüdische Leben in Deutschland ist vorbei und...
Achenar Myst zu Nils Landgren with Janis Siegel: some other time: Die CD ist ein absoluter Genuss, tolle Auswahl de...
Achim zu Golnar & Mahan – Derakht: Musik, die glücklich macht - Danke !!!...

CDs JazzMe

Snorre Kirk: Europa

Drucken
(221 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Donnerstag, den 19. Mai 2016 um 10:04 Uhr
Snorre Kirk: Europa 4.2 out of 5 based on 221 votes.
Snorre Kirk

Das zweite Album des jungen dänischen Schlagzeugers Snorre Kirk nach „Blues Modernism“ ist mit dem alt ehrwürdigen Kontinent „Europa“ betitelt. Für ihn scheint die Wechselbeziehung zu Amerika allerdings bedeutungsvoll, denn der Drummer benutzt bei einer ganzen Reihe von Stücken den ureigenen amerikanischen Sound. Auch die Vorstellung von „Europa“ gleicht mutmaßlich eher einer nostalgischen Idee. Inhaltlich und auch typografisch sowie der visuelle Look des CD-Covers der Grafik-Designerin Maria Tran Larsen ist deutlich retro und in den 1930er-Jahren beheimatet als im Hier und Jetzt.

Nichtsdestotrotz ist das Album, das bereits vor einem Jahr in Dänemark auf den Markt kam, ein Genuss. Gerade für jene, die den Sound der halbdunklen Bars Nordamerikas und Nordeuropas lieben. Skandinavien hat Jazz-musikalisch viel und gutes zu bieten. Die Nähe zu den USA zeigt sich nicht nur auf der CD, sondern auch daran, dass seit den 1950er-Jahren so einige US-amerikanische Musiker in Dänemark leben dort arbeiten und die Szene bis heute gegenseitig beeinflussen, Stan Getz, Ben Webster, Idrees Sulieman, Marylin Mazur und Kristin Korb beispielsweise. New York, Paris, Kopenhagen war in den 1960er- und 70er-Jahre eine bedeutsame Bewegungsrichtung im europäischen Jazz.

Auch als junger Musiker darf man selbstverständlich den Klang lieben, der sich seit fast einhundert Jahren frisch gehalten hat. Ein wenig Bigband, ein wenig Modernismus, ein wenig klassische Nostalgie und nicht zu vergessen dieser besondere Swing-Sound, mit besonderem Timbre und Vibe, der Emotionen kreiert. Wichtig ist es, von den großen Vorbildern so weit entfernt zu sein, dass deren Schatten nicht zu übermächtig werden. Die Entfernung ist bei „Europa“ und Snorre Kirk ausreichend eingehalten, um davon sprechen zu können, dass das Sextett es geschafft hat, einen durchaus eigenen, intelligenten „Forward-Retro-Sound“ entwickelt zu haben. Jeder einzelne Musiker hat viel zu bieten, die Lässigkeit und Selbstverständlichkeit der einzelnen Stücke zeugt von viel gemeinsamer Arbeit, Erfahrung und Entwicklung.

Snorre Kirk Europa CoverAlle acht Stücke auf „Europa“ kreieren in erster Linie Erinnerungen aus der Vergangenheit, mehr als sie zeitgenössische Vorstellungen konstituieren. Mit den Titeln „Coco“, „Art Noveau“ und „St. German-des-Prés“ sind Orte, Stimmungen und Zeiten in Paris verknüpft. Insofern ist „zeitlos“ – das Wort, das in den Ankündigungen zur Deutschland-Veröffentlichung der CD Ende Mai zum Album mehrfach auftaucht – nicht überzeugend. Nimmt man vielmehr den Begriff der „Moderne“ ernst, dann sind wir im richtigen Stilgenre. Demnach ist die musikalische Moderne gekennzeichnet durch ein Nebeneinander von Altbewährtem und Neuem – durch eine Koexistenz, was besonders für das 20. Jahrhundert anwendbar wäre.
Die Kompositionen des mehrfach preisgekrönten dänischen Newcomers sind eine Mischung aus Tradition, Jazz-Romantik und Duke Ellington-Sound. Anspruchsvoll, temperamentvoll, mit der notwenigen eleganten Sparsamkeit, ohne Schnörkel, so dass keine Note zu viel die Klarheit stören könnte. Vielleicht ist dies zumindest ein weiteres europäisches Element des Albums: auf die in den USA oft zu hörende und mittlerweile inflationär stilisierte, fast barocke Verzierung, wird verzichtet.

Musikalisch nachvollziehbar ist „Europa“ des Snorre Kirks Quintets allenthalben, aber der Europa-Begriff oder die Vorstellung davon ist historisch, teilweise amerikanisch geprägt und insofern obsolet.

Snorre Kirk: Europa
Tobias Wiklund (cornet), Jan harbeck (tenor sax), Oilly Wallace (alt sax), Lasse Mörck (bass), Magnus Hjorth (piano), Snorre Kirk (drums)
Label: Calibrated / Danish Music & Entertainment
EAN: 5706725101446

Tracklist:
1. Europa
2. Unsentimental
3. Coco
4. Art Noveau
5. Yesteryear
6. Varsity
7. St. Germain-des-Prés
8. New Traditional

Hörprobe
YouTube-Video:
Snorre Kirk: Europa


Abbildungsweis:
Header: PR Foto DME

CD-Cover

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Kolumne > CDs JazzMe > Snorre Kirk: Europa

Mehr auf KulturPort.De

Elisabeth Weinek: „Was Sie sah“ – Andalusien, Marokko, Iran
 Elisabeth Weinek: „Was Sie sah“ – Andalusien, Marokko, Iran



Passend zur Festspielzeit werden in der Margarethenkapelle von St. Peter, eine der ältesten Kirchen Salzburgs, Fotografien gezeigt, die sich als „interkulture [ ... ]



Ilse Helbich: Kluge Chronistin des Alters – „Im Gehen“ gefundene Gedichte
 Ilse Helbich: Kluge Chronistin des Alters – „Im Gehen“ gefundene Gedichte



Auch heute noch geschehen beglückende Wunder: Mit 80 Jahren veröffentlichte die 1923 in Wien geborene Ilse Helbich ihren ersten Roman unter dem Titel „Schwal [ ... ]



Thierry van Werveke: Schauspieler, Rockstar, Troublemaker, Thierry National
 Thierry van Werveke: Schauspieler, Rockstar, Troublemaker, Thierry National



Thierry! – allein sein Vorname löst in Luxemburg schon entzücken aus und wird mit der Addition von „National“ zum Kult. In Deutschland und Österreich fr [ ... ]



„Foxtrot”. Samuel Moaz und das Konzept des Zufalls
 „Foxtrot”. Samuel Moaz und das Konzept des Zufalls



Samuel Moaz kreiert mit dem Antikriegsdrama „Foxtrot” einen atemberaubenden ästhetischen Kosmos: zornig, visuell kühn, emotional hochexplosiv, oft grausam, [ ... ]



Alexandre de La Patellière und Matthieu Delaporte: „Der Vorname“
 Alexandre de La Patellière und Matthieu Delaporte: „Der Vorname“



Das Stück brillant, die Schauspieler große Klasse, die Inszenierung rundum gelungen und der kleine Saal der Komödie Winterhuder Fährhaus restlos ausverkauft. [ ... ]



Vergessen und wiederentdeckt: „Ludwig Meidner – Im Nacken das Sternemeer“
 Vergessen und wiederentdeckt: „Ludwig Meidner – Im Nacken das Sternemeer“



Der Titel der Ausstellung „Im Nacken das Sternemeer“ verweist auf das Buch mit Texten von Ludwig Meidner, das 1918 in Leipzig erschien. Meidner (1884-1966),  [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.