Neue Kommentare

Peter Schmidt zu Hamburger Autorenvereinigung: Erinnern und Gedenken – zum 27. Januar 2014: Stadthaus- Gedenkstätte? Da fragt man sich heute...
Lothar Hamann zu „Cold War – Der Breitengrad der Liebe” - Oder die Magie einer schwarzen Leinwand: GEWINNER DES EUROPÄISCHEN FILMPREISES 2018!...
Rafael Gunnarsson zu „Climax”. Die unwiderstehlichen Abgründe des Gaspar Noé: Zeit, Bild und KulturPort sind sich alle einig? D...
Cornelie Müller-Gödecke zu 100 Jahre Lettland: Handschuh-Daumen hoch: Danke für diesen Artikel!
Und Danke für...

Herby Neubacher zu Peter de Vries – Hut- und Urnenhüllen-Macher: Mal auf die Website des Hutmachers geguckt? 500 E...

CDs JazzMe

Jacob Karlzon: "Shine"

Drucken
Freitag, den 07. November 2014 um 14:31 Uhr
Jacob Karlzon

Da geht die Sonne auf: Es rappelt ein wenig, ein paar einleitende Akkorde und schon gehts los; in Musik gegossene Lichtreflexionen, ein einziges Glitzern wie Sonne auf gekräuseltem Wasser. Karlzon lässt perlen – ein bisschen wie Lyle Mays. Das Stück liegt in Sound, Stimmung und Charakter sehr nahe an den Klassikern der Pat Metheny Group. Man erwartet jeden Moment das notorische Gitarrensynthesizer-Quaken des blauweißgeringelten Grinsemanns.

Das nächste Stück heißt “Bubbles” und hat auch noch was von dieser kalifornischen Sonntagmorgenfröhlichkeit, zu der Drummer Robert Mehmet Ikiz viel beiträgt, nur ist die Melodie von einer schlichten Naivität, zu der sich Metheny wohl eher nicht hätte durchringen können. “Inner Hills” und U2-Klassiker “I still haven’t found, what I’m looking for” setzen tiefgrünelnd sentimentale Kontraste. Die U2-Hymne mal ohne das narzisstische Dauerpathos von Bono zu hören, hat was, aber so richtig überzeugend finde ich Karlzons Soloklavier-Interpretation nicht. Mag sein (und das wollte ich immer schon mal schreiben), dass sich die weibliche Hörerschaft davon zu Träumen inspierieren lässt, sich gleich Betty (von den Peanuts) auf Karlzons Piano zu drapieren und mit der Perlenkette zu klimpern…

Jacob Karlzon “Outsourced” versucht sich zu “Slave-To-The-Rhythm”-Beats am Döner-Sound (George Harrisons “Within You Without You” ist dagegen ein authentisch exotistisches Stück), und “Metropolis” wartet mit Bass ‘n’ Drum-Habitus auf. Dafür geht in “One More Day” nichts, aber auch gar nichts zusammen.

Für meinen Geschmack ist das alles ein bisschen zu sehr “holla hier trauen wir uns aber mal was, und hossa, das kann ich auch und das hier erst recht”. Dabei blitzt zwischen dem ganzen elegischen Zeugs auf, dass Karlzon ein ganz, ganz feiner Klavierspieler ist, der ein breites Spektrum an (Jazz-) Stilen exzellent und überzeugend abrufen kann. Das Album wirkt, als spiele Karlzon fröhlich aber mit der Beliebigkeit eines Hochbegabten mal ein bisschen mal hiermit mal damit herum. Wie herrlich wäre es, wenn er etwas fände, woran er sein Herz hängen könnte – wie das wohl klänge?

Sein eigener Anspruch ist aber anders. Er wünsche sich, dass sein Publikum seine Musik in allen möglichen Situationen des Lebens höre. Das habe ich ausprobiert und mir das Album in die Ohren gekippt beim Kochen, Baden, S-Bahn-Fahren, Aufräumen, Mit-dem-Hund-durchs-Feld-Laufen, Fahrradreparieren, Mailslöschen usw. Dabei ging der Filter des Jazz-Kritikers irgendwann verloren. Und siehe da: Die Musik wurde bei jedem Hören angenehmer, die Melodien lassen sich trefflich mitsummen, der Groove lädt zu Bewegung ein. Nicht nur der Opener macht gute Laune sondern beinahe das ganze Album. Und so freue ich mich geläutert darüber, dass ich mit Jacob Karlzon einen Begleiter gefunden habe, der mir in der dunklen Jahreszeit Licht und Leichtigkeit schenkt.

Foto: © PR/Olaf Heine
Label: Act


KulturPort.De-Interview mit Jacob Karlzon
15 Fragen an Jacob Karlzon
Tourdaten von Jacob Karlzon
Video: Jacob Karlzon “Shine” (Albumvideo, YouTube)


JazzMe - In Kooperation mit Christoph Forsthoff, Sabine Meinert, Sven Sorgenfrey und Willy Theobald. Weitere CD-Kritiken, Interviews und Informationen aus der Welt des Jazz unter AboutJazz.

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Kolumne > CDs JazzMe > Jacob Karlzon: "Shine"

Mehr auf KulturPort.De

Bernd Meiners – Fotografie und Film
 Bernd Meiners – Fotografie und Film



Wenn man sich die biographischen Daten des Kameramanns und Fotografen Bernd Meiners anschaut, so erhält man schnell ein recht klares und präzises Bild der Pers [ ... ]



Saskia Henning von Lange: „Hier beginnt der Wald“ – ein Roman so mehrdeutig wie das Leben
 Saskia Henning von Lange: „Hier beginnt der Wald“ – ein Roman so mehrdeutig wie das Leben



„Hier sitzt er und würde doch lieber woanders sitzen“, so beginnt das dritte Buch der 42jährigen Autorin Saskia Henning von Lange. Der Mann befindet sich h [ ... ]



„Capernaum – Stadt der Hoffnung”. Nadine Labaki und die Wiederentdeckung der Kompromisslosigkeit
 „Capernaum – Stadt der Hoffnung”. Nadine Labaki und die Wiederentdeckung der Kompromisslosigkeit



Beirut. Das Alter von Zain (Zain al Rafeea) wird auf zwölf Jahre geschätzt, genau weiß es keiner. Der schmächtige magere Junge sieht viel jünger aus, aber d [ ... ]



„Margiana – Ein Königreich der Bronzezeit in Turkmenistan“
 „Margiana – Ein Königreich der Bronzezeit in Turkmenistan“



„Margiana“ – hört sich an wie der Titel eines neuen Fantasyfilms. Dabei ist es eine so gut wie unbekannte Zivilisation in Zentralasien 2300-1700 v. Chr.,  [ ... ]



Michael Wolf: Life in Cities
 Michael Wolf: Life in Cities



Kunst oder Dokumentation? Diese Frage erübrigt sich angesichts der fantastischen Fotografien und Installationen von Michael Wolf. Erstmals in Deutschland zeigen [ ... ]



„Shoplifters – Familienbande”. Der sanfte Zorn des Hirokazu Kore-eda
 „Shoplifters – Familienbande”. Der sanfte Zorn des Hirokazu Kore-eda



„Shoplifters” ist Hirokazu Kore-edas radikalster Film, die Familie bleibt zentrales Thema seines Werks, in ihr spiegelt sich die Kälte einer gnadenlos Konsu [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.