Werbung

Neue Kommentare

Claus Friede zu „Der Leuchtturm” – Robert Eggers und die Metaphorik des Wahnsinns: Nein, nur eine kurze Pause......
Kalle mit der Kelle zu „Der Leuchtturm” – Robert Eggers und die Metaphorik des Wahnsinns: Seit November nichts Neues. Ist der Film-Blog ges...
Geli zu Impressionismus – Meisterwerke aus der Sammlung Ordrupgaard: Mal eine nette Eigenwerbung zur Abwechslung... gl...
Rudi Arendt zu Impressionismus – Meisterwerke aus der Sammlung Ordrupgaard: Reflexion der Landschaft - aktuelle impressionist...
Ulrike Tempel zu Adventsmessen und Handwerkermärkte in Hamburg – Alle Jahre wieder...: Leider sind die Termine veraltet 2017 / 2018...

Hamburger Architektur Sommer 2019


Follow Book

Das Wende-Bilderbuch

Drucken
(110 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Donnerstag, den 01. Oktober 2009 um 14:23 Uhr
Das Wende-Bilderbuch 3.5 out of 5 based on 110 votes.
Empfohlen: Das Wende-Bilderbuch

Kinderbücher, Bilderbücher schmeicheln sich normalerweise über die Emotion ein. Irgendwelche knuffeligen Figürchen erleben irgendwelche drolligen Sachen, der kleine Leser (oder der kleine Vorgelesen-Krieger) können die Hauptpersonen gewissermaßen knuddeln wie ein Stoffhäschen und behalten sie oft ein Leben lang im Herzen.
Bücher dieser Art verfasste Harriet Grundmann auch schon: Herr König, der Pinguin auf Glück-Suche oder der liebenswerte verkleidete Wolf aus ‚Das fünfte Schaf’ sind solche Typen. Nun aber hat sie, passend zum 20jährigen Jubiläum des Mauerfalls, mal ein politisches Buch geschrieben.
Ja, ein politisches Kinderbuch. Doch, für Kinder ab sechs Jahre.

Die Idee dazu stammte von Susanne Vogt, einer Grundschullehrerin, der auffiel, wie (einerseits) verständnislos und (andererseits) interessiert die meisten Kinder der ehemaligen Existenz zweier Deutschlands gegenüberstehen.
Susanne Vogt schrieb denn auch die kurzen eingefügten Sachtexte die, schlicht und sehr verständlich, über die geschichtlichen Hintergründe aufklären, etwa über den Zweiten Weltkrieg, die Zonen der Besatzungsmächte oder die Planwirtschaft.

Das Wende-Bilderbuch erzählt die Geschichte von Anni und Janosch, die als Kinder, beide im Osten Berlins lebend, gute Freunde sind. Doch dann fliehen Janoschs Eltern, die sich unter der DDR-Regierung eingeengt fühlen, mit ihren Sohn in den Westen der Stadt. Bald darauf wird die Mauer gebaut. Anni im Osten und Janosch in der Bundesrepublik denken noch aneinander, aber sie wissen nicht mehr, wie es dem Anderen geht.

Ein hübscher Aspekt des Wende-Bilderbuchs ist, dass man es wenden kann, (endlich hat diese uralte Idee mal wirklich Sinn!), von vorn nach hinten ebenso wie von hinten nach vorn lesen und angucken.
Die eine Seite zeigt Janoschs Leben im Westen, sehr freiheitlich und mit tausend Möglichkeiten, aber auch mit Neid auf die, denen es noch besser geht.
Die andere Seite schildert Annis Schicksal im Osten, die selten lernen, arbeiten, kaufen oder alles sagen kann, was sie gern möchte, die jedoch dafür viel Zusammenhalt mit Freunden und Verwandten erlebt – und genügend Hortplätze für alle Kinder!
Das ist unterhaltsam und kindgerecht vermittelt. Es fragt sich, ob jeder Erwachsene die verschiedenen Fakten der Deutschen Teilung so parat hätte.

In der Mitte des Buches, im Freudenstrudel von Mauerfall und Wiedervereinigung, finden Anni und Janosch sich, zwischen vielen glücklichen, sich umarmenden Menschen, wieder. Eine sehr raffinierte Art, ein Buch ohne Ende zu schreiben.

Illustriert ist das Wende-Bilderbuch von Lars Baus, klar, redlich und ohne Verniedlichung, Experten der Stiftung ‚Berliner Mauer’ haben überprüft, ob alles seine Richtigkeit hat.

Mir gefällt besonders, dass der Vor- und Nachsatz mit kleinen bunten Klischees der Ossis und Wessis gesprenkelt ist. Da sehen wir die sprichwörtliche Banane, nach der man im Osten so geschmachtet hat und hier wieder die berühmten Spreewaldgurken, die Ost-Ampelmännchen stehen den West-Ampelmännchen gegenüber wie die Coke der Club-Cola, die Barbie den russischen Puppen-in-der-Puppe, der Trabi dem VW und das West-Sandmännchen dem Kollegen von drüben. Daraus ergibt sich wunderbarer Gesprächsstoff zwischen Eltern und Kindern. Schon deshalb: ein empfehlenswertes Buch!

Das Wendebilderbuch

Die Geschichte von Janosch aus West-Berlin / Die Geschichte von Anni aus Ost-Berlin

von Harriet Grundmann, Susanne Vogt / Lars Baus

Coppenrath Verlag


Abbildungsnachweis:
Buchumschlag

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Kolumne > Follow Book > Das Wende-Bilderbuch

Mehr auf KulturPort.De

Buddenbrook-Debütpreis 2019: „Otto“, ein tragisch-komischer Roman von Dana von Suffrin
 Buddenbrook-Debütpreis 2019: „Otto“, ein tragisch-komischer Roman von Dana von Suffrin



Die Gewinnerin des Debütpreises des Buddenbrookhauses und des Lions Clubs Lübeck-Hanse für 2019 steht fest: Dana von Suffrin erhielt den mit 2.000 Euro dotier [ ... ]



Aspekte Festival 2020 – Die Programmatik
 Aspekte Festival 2020 – Die Programmatik



Woraus besteht die Musik unserer Zeit, was macht sie aus? Und überhaupt: Ist es die, die wir hören, ist es die, die komponiert wird oder die, die zeitgenössis [ ... ]



Über die Mathematik des Wassers
 Über die Mathematik des Wassers



Pascal Dusapin, 1955 in Nancy geboren, ist einer der wichtigsten Impulsgeber der Gegenwartsmusik.
Im Gespräch zum 5. Philharmonischen Konzert des Philharmonis [ ... ]



Paolo Pellegrin. Un’Antologia
 Paolo Pellegrin. Un’Antologia



„Fotografie ist wie schreiben für mich“, sagt Paolo Pellegrin. „Es ist eine Stimme.“
Diese „Stimme“ ist extrem berührend, mitunter fast unerträg [ ... ]



Silvan Joray Trio: cluster
 Silvan Joray Trio: cluster



Als Student der Gitarristen Wolfgang Muthspiel und Lionel Loueke hat sich Silvan Joray zwei Schwergewichte als Musiker und Lehrer ausgesucht. Seinen Bachelor hat [ ... ]



Jürgen Habermas: Auch eine Geschichte der Philosophie.
 Jürgen Habermas: Auch eine Geschichte der Philosophie.



Ganz zweifellos war es die Sensation des Buchherbstes 2019: Endlich erschien die Philosophiegeschichte, an der Jürgen Habermas mehr als zehn Jahre gearbeitet ha [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.