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Jürgen Habermas: Auch eine Geschichte der Philosophie.

Ganz zweifellos war es die Sensation des Buchherbstes 2019: Endlich erschien die Philosophiegeschichte, an der Jürgen Habermas mehr als zehn Jahre gearbeitet hat.
Der große Habermas, der wohl einzige noch lebende deutsche Philosoph, dem sogar ein Handbuch gewidmet ist, Habermas, der kritische Intellektuelle, der in der öffentlichen Diskussion präsent ist wie kein anderer Vertreter seines Faches. Jetzt also noch ein Opus Magnum: Zwei mächtige Bände, zusammen mehr als 1700 Seiten.

Verständlich, dass bei der Weltgeltung dieses Autors das deutsche Feuilleton elektrisiert war. Dürfte man es übersehen, wie man philosophische Bücher weniger prominenter Autoren so gerne übersieht? Dürfte man Verlag, Autor und dessen Verehrer zwei, drei oder noch mehr Jahre auf eine Rezension warten lassen?

Das kam gar nicht in Frage. Kaum war das Werk erschienen, nein, schon am Wochenende, bevor die beiden Folianten tatsächlich auf dem Ladentisch lagen, fanden sich in der überregionalen Presse Besprechungen, deren Verfasser vor der Lebensleistung des Autors auf die Knie gingen. Wann hatten diese Leute – „diese Leute“ meint die Rezensenten, teils prominente Journalisten, teils bekannte Universitätslehrer – wann hatten sie ihr Vorabexemplar bekommen? Monate vorher? Hatten sie es wirklich gelesen, vielleicht sogar beide Bände? Hatten sie es so studiert, wie sie es hätten studieren müssen, um es seriös zu besprechen? Oder hatten sie es nur so obenhin durchgeblättert, um flink etwas Preisendes auf das Papier zu werfen, weil es darum ging, pünktlich mit dem Erscheinen des Buches auf Sendung zu sein und die Kollegen wahrscheinlich ebenfalls loben würden? Nein, niemand wollte zu spät kommen, und so überflog man schnell den Eingang, in dem von der „Achsenzeit“ die Rede ist (ein Ausdruck des sonst ziemlich vergessenen Karl Jaspers‘), und schrieb ein wenig darüber. Bei dem Buch handle es sich um „Schwarzbrot fürs Gehirn“, merkte ein Rezensent an; aber was alles ins Schwarzbrot hineingebacken wurde, wusste man nach der Lektüre seiner Ergießungen immer noch nicht.

Jürgen Habermas: Auch eine Geschichte der Philosophie. Band 1An Philosophiegeschichten herrscht nun wirklich kein Mangel. Sogar solche aus dem 19. Jahrhundert wie etwa das mehrbändige Werk Karl Vorländers kann man bis heute für kleines Geld kaufen, von jüngeren Arbeiten zu schweigen. Ja, und auf CD kann man leicht auf Klassiker wie jene von Friedrich Albert Lange oder Wilhelm Windelband zurückgreifen. Die stilistischen und sachlichen Unterschiede zwischen den einzelnen Werken sind enorm, wobei zwei extreme Positionen einander gegenüberstehen. Die einen sind als Problemgeschichten konzipiert und machen deutlich, dass es niemals eine abschließende Antwort geben kann. Vielmehr erscheint in ihnen die Philosophie als ein Prozess, dessen Unendlichkeit besonders von den Philosophen der Marburger Schule hervorgehoben wurde. Die Konkurrenz dagegen stellt das (kultur-) historische Moment in den Vordergrund, beschreibt also Herkunft und Charakter des Philosophen oder der Philosophin und geht auch auf die individuellen sozialen oder politischen Umstände ein.

Habermas‘ Buch gehört im Wesentlichen in die erste Gruppe, denn in diesem Werk geht es fast nur um den Gegensatz von Glauben und Wissen, sprich von Theologie / Religion auf der einen, Wissenschaft auf der anderen Seite. Aber von einer Unabschließbarkeit des Prozesses will dieser Autor nichts wissen, sondern er denkt, dass die Geschichte der Philosophie zumindest ihren Zenit überschritten, wenn nicht gar ihren Abschluss gefunden hat. Denn hin zu einer metaphysikfreien oder nachmetaphysischen Philosophie geht, nein ging die Entwicklung. Im Grunde also hin zu ihm, denn er selbst vertritt eine solche nachmetaphysische Philosophie; und er tut es seit Jahrzehnten. Wirklich neu sind die Thesen dieses Buches nicht.

Weil Habermas, ganz nebenbei auch ein Soziologe, immer wieder auf Entwicklung und Veränderung der Gesellschaft eingeht, ist das Buch auch so etwas wie eine Philosophie der Geschichte. Vielleicht ist es sogar vor allem eine solche und nur zusätzlich – „auch“ – eine Geschichte der Philosophie. Und noch dazu ist es eine Geschichte der Theologie, besonders im ersten Band, wo Habermas in extenso die Religion der Griechen und im Anschluss die Gnosis und andere Richtungen des Christentums behandelt, ohne den Buddhismus zu vergessen. Schließlich ist er in den abschließenden, der Hochscholastik gewidmeten Kapiteln darum bemüht, die Hinwendung der Ontotheologie (einer religiös dominierten Metaphysik) zur neuzeitlichen Wissenschaft nachzuzeichnen.
Ja, Habermas hat im Laufe seines Lebens das eine und das andere Buch gelesen… Seine Belesenheit ist schon imponierend, und dazu konnte er ja auch auf die Hilfe einiger prominenter Kollegen zurückgreifen, deren Namen er in seiner Danksagung ganz am Ende des Buches auflistet.

Ganz selbstverständlich ist es ein seriöses Buch, das allen Anforderungen an eine Universitätsschrift genügt. Es ist nicht weniger als die Summe eines langen Gelehrtenlebens, und Habermas war nie ein Spezialist, sondern als Forscher und als Autor vielseitig interessiert. Dabei ist dem Leser die von seinen Anhängern gerühmte Fähigkeit angenehm, auch komplizierte Argumentationen mit einer schon fast journalistischen Geschmeidigkeit in einigen wenigen Wendungen zusammenzufassen. Eingangs zeigt er dieses Talent, wenn er auf verschiedene Ansätze eingeht, den die Neuzeit einleitenden Prozess der Säkularisation zu beschreiben und zu verstehen – er schreibt dort über Carl Schmitt, Hans Blumenberg, Karl Löwith und andere. Und am Ende des ersten Bandes geht er mit großer Gelehrsamkeit auf die Scholastik ein.

Habermas, der letzte Mohikaner der Frankfurter Schule, legt hier eine „Genealogie nachmetaphysischen Denkens“ vor – dieser Ausdruck findet sich immer und immer wieder. Der Autor will zeigen, wie es zu der einzig zeitgemäßen „nachmetaphysischen“ Philosophie – seiner eigenen Philosophie – gekommen ist. Eine Genealogie denkt vom Ende her, von dem, was erst überlebt und sich dann fortgepflanzt hat, und Neben- oder Seitenlinien werden deshalb ganz konsequent ausgeblendet. Sie erscheinen nicht einmal am Rand. Nichts von dem, was zu einem metaphysischen Denken gehört oder oder zu ihm hinführt, spielt irgendeine Rolle. Das alles bedeutet, dass man selbst bedeutendste Philosophen in dieser Geschichte der Philosophie vermissen wird.

Ich ahnte das natürlich – man kennt ja seine Pappenheimer –, und kaum hielt ich das Buch in der Hand, suchte ich im Index nach den Namen, von denen ich vermutete, dass sie nicht vor dem strengen Blick des Meisters bestehen konnten. Ist so etwas legitim – nach den Namen zu suchen, die einem selbst wichtig sind, und eine Philosophiegeschichte zu verdammen, in der diese fehlen? Ich glaube schon, denn ich habe nicht nach meinen persönlichen Lieblingen gesucht, sondern nach großen Philosophen, die die eigentlichen philosophischen Fragen aussprachen und schon damit einen großen, lang andauernden Einfluss ausübten.

Als erstes fand ich weder Hermann Cohen noch Paul Natorp, die Häupter der Marburger Schule, von der derselbe Autor in „Der philosophische Diskurs der Moderne“ noch geschrieben hatte, sie sei zu ihrer Zeit die „einzige Philosophie von Weltgeltung“ gewesen. Ebenso wenig erscheint Nicolai Hartmann, als Meisterschüler Natorps ein Gigant des 20. Jahrhunderts. Ernst Cassirer wird wenigstens beiläufig erwähnt – er ist dem Autor ungefähr so wichtig wie Max Scheler, nämlich überhaupt nicht.

Neben der philosophischen Anthropologie sind andere philosophische Richtungen, die tatsächlich nicht vorkommen, Lebensphilosophie und Phänomenologie. Ludwig Klages in einem Buch von Habermas? Hinfort! Irrational! Ebenso Henri Bergson… Aber Georg Simmel? Oder Ortega y Gasset? Warum nicht diese, zumal beide doch zu den ersten Sozialwissenschaftlern zählen? Aber richtig, Simmel veröffentlichte ja „Lebensanschauung. Vier metaphysische Kapitel“ – damit hatte er sich disqualifiziert. Und dass einer der originellsten, von Klages wie von Scheler angeregten Denker der Gegenwart, Hermann Schmitz, keines Wortes gewürdigt wird, kann mich ebenso wenig für diese Philosophiegeschichte einnehmen.

Ach, dazu sieht sich die gesamte Phänomenologie ausgeschlossen, wenngleich Edmund Husserl als ihr Begründer im Index erscheint. Aber seine Philosophie selbst kommt nicht vor. Ein Buch, in dem wir diese (und noch andere!) erlauchten Namen vergeblich suchen, erzählt ganz gewiss nicht die Geschichte der modernen Philosophie.

Noch ein ganz Großer fehlt – Alfred North Whitehead, mit Bertrand Russell zusammen der Autor der „Principia mathematica“, dem Grundbuch der modernen Logik; aber ein Philosoph, der sich selbst als Metaphysiker verstand („Prozeß und Realität“), durfte in diesem Buch natürlich nicht auftauchen. Der größte aller Namen, nach dem ich im Index gar nicht erst suchte, weil ich es für absolut unmöglich hielt, dass er nicht erwähnt werden könnte, dieser Name gehört Gottfried Wilhelm Leibniz. Wie kann er in irgendeiner Philosophiegeschichte fehlen? Seine Bedeutung, die bis in unsere Tage reicht (zum Beispiel bis zu Whitehead), wird in der Neuzeit wohl allein von der Kants übertroffen. Eine Vielzahl größter Köpfe bezog und bezieht sich immer noch auf ihn. Ohne eine wenigstens oberflächliche Kenntnis seines Werks wird man vieles nicht verstehen können.

nifest Wiener Kreis Foto Institut Wiener KreisAuf diese Weise hat Habermas die Philosophie buchstäblich kastriert und ihr so die Fruchtbarkeit genommen. Alles das, was wirklich wichtig ist, kommt in dieser Philosophiegeschichte nicht vor. So ist es nur konsequent, wenn sich Habermas im Stil des „Wiener Kreises“ um Moritz Schlick und Rudolf Carnap fragt, „ob die Philosophie, wie wir sie kennen, noch eine Zukunft hat – ob sich nicht das Format jener Fragestellungen überlebt hat, sodass die Philosophie als Fach nur noch mit ihren begriffsanalytischen Fertigkeiten und als die Verwalterin ihrer eigenen Geschichte überlebt.“ Damit wiederholt er die Behauptung von Schlick, dass sich alle „typischen philosophischen Probleme […] darauf zurückführen [lassen], daß wir unsere Worte gebrauchen, ohne daß wir Regeln dafür angeben; es entstehen so lauter Scheinfragen, die berühmten ‚unlösbaren‘ Probleme. Sowie man die Bedeutung der Worte festlegt, verschwin¬¬den die Probleme gewöhnlich, da man einsieht, daß diese Fragen in der Art gar nicht gestellt werden können.“ Ich habe mich immer darüber gewundert, dass man jemanden, der Philosophie für Unsinn hält, Philosophie an einer Universität lehren lassen konnte. Aber die Geschichte wiederholt sich, denn wie zuvor für Schlick existieren für Habermas keine metaphysischen Probleme, und was nach ihrer Kastration bleibt, ist Begriffsanalyse als der angebliche „Königsweg der Philosophie“.

Auch wenn er ein wenig verbindlicher formuliert, reduziert Habermas gleichwohl die Philosophie („das Format jener Fragestellungen“) auf die wenigen Krümel, die ihr vom Wiener Kreis zugeworfen werden. Immerhin findet er, dass es zusätzlich ihre Eigenart ist, das „verfügbare Weltwissen auf die eigene Person“ zu projizieren. Zwar lässt er mit dieser Erweiterung das Programm des Positivismus hinter sich – es geht ein ganz klein wenig in Richtung Existenzialismus, der herrschenden Richtung seiner Jugend, und Søren Kierkegaard wird tatsächlich in einem eigenen Kapitel behandelt, sogar mit Biographie –, aber insgesamt handelt es sich um eine Reduktion der Philosophie, die nicht jeder akzeptieren wird. Umso überraschender sollte die uneingeschränkt positive Aufnahme seines Buches sein. Gab es da wirklich nichts zu meckern? Vertreten wir jetzt alle die Positionen des Wiener Kreises?

Von der Metaphysik über die Bewusstseinsphilosophie zur analytischen Philosophie im Zeichen des Pragmatismus: in dieser ziemlich banalen Form stellt sich für Habermas die Geschichte der Philosophie dar. Es geht um den Prozess der Emanzipation des Wissens vom Glauben, an dessen Ende die Analyse der Sprache steht, die alle weitere Philosophie überflüssig macht, weil sie das Scheinhafte ihrer Fragen offenlegt. Das Ende der Geschichte der Philosophie wird auf diese Weise durch die Lebensdaten eines Herrn Jürgen H. markiert.

In dem Werk dieses einsamen Geistes, so scheint er selbst es zu sehen, lodert die Flamme der Philosophie noch einmal zu einmaliger Höhe auf, um dann erschöpft zusammenzusinken und für immer zu erlöschen.

Aber in Wahrheit lodert oder flackert überhaupt nichts, und von einer himmelwärts strebenden Flamme kann vollends keine Rede sein. Denn diese Schrumpfform einer Philosophie sieht an den wesentlichen Fragen konsequent vorbei – mit bloßer Wortanalyse kam man noch niemals weiter. Am Beispiel der Darstellung Heraklits durch Habermas lässt sich leicht zeigen, wie wenig das, was wirklich zählt, in seinen wortreichen Darlegungen erscheint. Heraklit war nicht allein eine halb mythische Figur mit herzhaften Kernsprüchen, sondern ein früher Denker, dem es gelang, einige der wesentlichen philosophischen Probleme erstmals zur Sprache zu bringen, zum Beispiel die Frage nach der Identität von etwas, das sich fortlaufend ändert.

In Vorländers Philosophiegeschichte sind Heraklit nur wenige Seiten gewidmet, die seine Fragestellung aber auf den Punkt bringen. „Heraklit geht es um nichts anderes als um die Ordnung, die das Geschehen in der Spannung der Gegensätze ganzheitsstiftend und maßgebend zur Einheit zusammenfügt.“ In Paul Natorps „Philosophischer Systematik“ (1924 / 1958) kommt der Autor immer wieder auf eben diese Thematik zu sprechen, weil es ihm um eine dynamische Darstellung des Werdens und des Wechsels geht; das erst Jahrzehnte nach Natorps Tod veröffentlichte Werk reflektiert damit eben die Probleme, die auch die Prozessphilosophie Whiteheads und noch anderer Metaphysiker des 20. Jahrhunderts bestimmen. Habermas als ein geschickter Autor findet für diese Problematik durchaus die richtigen Worte – aber nur, um ihr sogleich den Rücken zuzudrehen. Heraklit, schreibt er, „begreift den Logos, der ‚aus Allem Eins und aus Einem Alles‘ macht […], als das Gesetz, das in der dynamischen Mannigfaltigkeit der fließenden Erscheinungen die Einheit einer spannungsreichen Balance aufrechterhält“.

Kaum sind einige hundert Seiten vergangen – er hat sich zwischendurch vor allem mit Kirchen- und Dogmengeschichte aufgehalten –, schon kommt der Autor ganz unvermittelt auf „De ente et essentia“ des Thomas von Aquin und damit auf das Problem der Individualität zu sprechen. Seine Interpretation ist sehr anspruchsvoll, seine Belesenheit imponierend, aber man wundert sich, dass der Autor seine kirchenpolitischen Vorträge unterbricht, um sich metaphysischen Problemen zuzuwenden, die er bei Heraklit noch liegenließ und ja später auch bei Leibniz oder Philosophen des 20. Jahrhunderts nicht findet, weil er sie gar nicht erst sucht. „Wenn die individuelle Natur des Einzelnen“, erläutert er, „allein durch die Verbindung der Form mit der Materie erklärt werden kann, bleibt das entscheidende, über die raumzeitliche Identifizierung von Körpern hinausweisende Moment der Individualität unbegriffen.“ Geht es nach ihm, wird es wohl auch weiterhin unbegriffen bleiben.

Denn genau an dieser Stelle hätte er weiterdenken müssen, hätte den Problemen der Gegenstandskonstitution nachgehen oder die Dialektik von Allgemeinem und Individuellem bedenken sollen, zum Beispiel im Ausgang von Leibniz und dessen Kontinuitätsgesetz und seinem Kontrapunkt, dem Satz der Identität des Ununterscheidbaren, nach dem alles Reale individuell ist. Aber alles das wäre ja das alte Format jener Fragestellungen.

Im zweiten Band setzt Habermas zunächst seine Überlegungen zur Religionsgeschichte fort, indem er ausführlich auf Luther und die Reformation eingeht, und dann macht er einen großen Sprung (über Leibniz und andere hinweg…) und kommt auf die „Wegscheide nachmetaphysischen Denkens“ zu sprechen, die er in den Werken David Humes und Immanuel Kants zu finden glaubt. Dabei geht es ihm allein um die praktische, nicht aber um die theoretische Philosophie, die hier überhaupt keine Rolle spielt, sondern erst ganz am Ende im Referat der Überlegungen von Peirce aufgenommen wird. Und alles zielt wie gehabt auf die Emanzipation der Philosophie von der Religion. Dass Kant ein Buch namens „Prolegomena zu einer künftigen Metaphysik“ und noch ein anderes namens „Metaphysik der Sitten“ geschrieben hat, findet dabei keine Berücksichtigung. Vielmehr schreitet Habermas fort zur Philosophie Hegels, zu Feuerbach und Marx und endlich, weil bei Habermas alles auf den durch und durch nachmetaphysischen „linguistic turn“ zusteuert, zu dem Begründer von Pragmatismus und Semiotik, zu Charles Sanders Peirce.

Eine besondere Bemerkung gilt den Fußnoten. Unverständlicherweise fehlt dem Buch ein Literaturverzeichnis, und wenn man dann irgendwann auf Literaturhinweise vom Typ „J. Habermas, ebenda“ oder „ders. (2009), S.277“ trifft, dann darf man lange (und vielleicht vergeblich) blättern, bis man endlich jene Fußnote viele hundert Seiten vorher findet, auf die sich das „ebenda“ bezieht. So etwas ist eine Zumutung, die bei studentischen Referaten recht gern rot angestrichen wird – und in der typischen Seminararbeit muss man nicht ganz so lange herumsuchen, denn sie umfasst in aller Regel etwas weniger als 1700 Seiten.

Nein, weder Erwerb noch Lektüre dieses Buches kann man guten Gewissens empfehlen. Habermas präsentiert in seinem grundgelehrten Buch eine trockene Mixtur aus Linguistik und Soziologie, die vor allem für (Studien-) Anfänger nicht nur ungeeignet ist, sondern sie von wirklicher Philosophie abhalten würde.

Jürgen Habermas: Auch eine Geschichte der Philosophie.

Band 1: Die okzidentale Konstellation von Glauben und Wissen
Suhrkamp 2019
Band 2. Vernünftige Freiheit. Spuren des Diskurses über Glauben und Wissen.
Suhrkamp 2019
1752 Seiten
978-3518587362
Leseprobe


Abbildungsnachweis:
Header:Foto StockSnap
Der Wiener Kreis Manifest, September 1929. Foto: Institut Wiener Kreis
Buchumschlag

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