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Historischer Zeitroman „furor maris“ von Jörgen Bracker: Spannende Lektüre für Störtebeker-Fans

Mit „furor maris – Gespenstische Lissabonreise“ legt der Hamburger Archäologe und Historiker Jörgen Bracker seinen zweiten Band der Störtebeker-Trilogie vor. Wer das erste Buch bereits gelesen hat, der weiß: Claus Störtebeker ist nicht tot, er lebt!
Das behauptet jedenfalls die Gerüchteküche – und der Autor. Glauben wir ihm. Denn möglich wär`s.

stoertebecker buchumschlagJörgen Bracker, langjähriger Direktor des Museums für Hamburgische Geschichte, hat schließlich all das, was es über Störtebeker zu erforschen gibt, schon in Händen gehabt. Dieses Wissen hat der Autor auch in seinem neuen, zweiten historischen Zeitroman der Störtebeker-Reihe geschickt mit Fiktivem verwoben. Auf diese Weise ist ein fakten- und fantasiereiches Buch entstanden.

In seiner 25jährigen Amtszeit als Museumsdirektor in der Zeit von 1976 bis 2001 hat Jörgen Bracker zahlreiche Sachbücher zur Geschichte von Hamburg und zur Geschichte der Hanse veröffentlicht. Seit der 1989 von ihm in Hamburg und Rostock präsentierten Ausstellung „Die Hanse - Lebenswirklichkeit und Mythos“ gilt sein besonderes Augenmerk der Krise der Hansezeit um 1400. So ist es geradezu folgerichtig, dass Jörgen Bracker seit dem Eintritt in den Ruhestand historische Romane über die Zeit des Claus Störtebeker verfasst. Inzwischen sind es acht an der Zahl, inklusive des neuen, zweiten Bandes seiner geplanten Störtebeker-Trilogie, die der Autor mit „Freund-Feind-Spukgestalt“ untertitelt.

Für die einen ist der legendäre Seeräuber ein Held der Armen. Für die anderen gilt er als Fluch in Person. Für wieder andere ist Störtebeker ein Gespenst, das durch die Geschichte der Hanse weht. Im Roman trennten ihn schicksalhafte Ereignisse von seinem Freund Michel Goedeke. Dieser ist von Norwegen nach der Ems unterwegs. Widrige Winde zwingen Seeräuber Goedeke zur Kursänderung. Er muss Helgoland östlich passieren und fürchtet, dort auf hansestädtische Piratenjäger zu stoßen. Goedeke gelingt es, sich auf die Jade zu retten. Doch dort wird er von Feinden umzingelt. Sie ergreifen und verschleppen ihn samt seiner Mannschaft zum Richtplatz nach Hamburg.

furor maris BuchumschlagAm 20. Oktober 1401 wird Michel Goedeke ebenso wie viele andere Vitalienbrüdern in Hamburg geköpft. Schenken wir Romanautor Jörgen Bracker Glauben, teilt Claus Störtebeker dieses Schicksal nicht. Goedeke jedoch ist von der Enthauptung Störtebekers überzeugt und so kurz vor dem Tod durch das Schwert geradezu ratlos. Denn die beiden Seeräuber verfügen gemeinsam über einen höchst wertvollen Schatz. Für den Fall, dass einer den anderen überlebt, haben die beiden Kumpane einander versprochen, „dass der Überlebende zugunsten der Vitalienbrüder über den gemeinsamen Schatz verfügen darf“ (S. 19). Doch Vitalienbrüder gibt es wegen weiterer Enthauptungsaktionen kaum noch. Auch Störtebeker wurde (vermeintlich) geköpft, und Goedeke steht dieses grauenvolle Schicksal unmittelbar bevor. Was also soll nun mit dem Schatz geschehen? Wer soll über dessen weitere Verwendung entscheiden?

Hier tritt der Hamburger Ratsherr und Richter Nikolaus Schoke auf den Plan: Während das Richtschwert auf Goedeke niedersaust, erscheint Richter Schoke eine nur aus Knochen bestehende Schwurhand, die ihn verpflichtet, den größten Schatz der Vitalienbrüder, die Reliquien des Heiligen Vincentius, nach Lissabon zurückzubringen. Diese, bestehend aus Fingerknöchelchen in Lederbeuteln, hatte man von den Hälsen der gerichteten Vitalienbrüder entfernt. „Sie bedeuten Lebensgefahr für jeden Überbringer, weil es auf der Welt nichts gibt, was teurer wäre […]“ (S. 161). Schoke wird auferlegt, „sie der für das Suffraganbistum Lissabon zuständigen Metropole Santiago de Compostela zu übergeben“ (S. 141). Ein schwieriger Weg beginnt, das Versprechen will und soll eingelöst werden!

Bei Antritt der Reise ahnt der Richter noch nichts von den grauenvollen Begegnungen, Bedrohungen und Anschlägen, die er mit dem Reliquientransport auf sich ziehen wird. Sie bringen ihn nahezu um den Verstand und beinahe dahin, seine Verfolger mit einem Sprung in die Tiefe von einem der beiden Türme der Sé, der Lissaboner Kathedrale, abzuschütteln…

Wie die Sache endet, darauf dürfen alle Fantasy-, Abenteuer- und historische-Romane-Fans gespannt sein. Denn Jörgen Bracker ist auf all diesen Gebieten zu Hause – und dazu noch in der Seefahrt heimisch! Er weiß also, wovon er spricht. Welche der handelnden Figuren fiktiv sind und welche einen realen Hintergrund haben, das erfährt der Leser im Anhang. Ein Glossar erklärt zudem weniger gängige Begriffe. Auf weiterführende Literatur wird hingewiesen.

Jörgen Bracker, „furor maris“. Historischer Zeitroman

2. Band der Trilogie
Books on Demand GmbH 2018
Buch und e-book
ISBN 978-3-7528-0737-0
328 Seiten, Taschenbuch
Probelesen

Nächste Lesung: 1. Oktober 2018 um 20:30 Uhr (moderiert von Schauspieler Peter Franke) im Bistro Roth, Rothestr. 34, Hamburg-Ottensen


Abbildungsnachweis:
Header: Flugblatt von 1701: Die hingerichtete See-Räuber Störtebek und Gödeke Micheel, zum 300. Jahrestag der Hinrichtung der Vitalienbrüder Gödeke Michels und Klaus Störtebekers auf dem Hamburger Grasbook 1401. Gedruckt bei Nicolaus Sauer, Hamburg. Im Bestand des Hamburger Staatsarchivs. Quelle: Staatsarchiv Hamburg, Signatur: 720-1_241-07 = 1402.11
Buchumschläge "Genannt Störtebeker" und "furor maris"

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