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Stefan Panhans: „We Just Left Shore“ Foto Claus Friede

Stefan Panhans ist Künstler, bildender Künstler. Geradezu akribisch arbeitet er an seinen Werken, überwiegend Video- und Fotoarbeiten, Installationen mit inszenierten Fragmenten und, sofern vorhanden, fein ausgearbeiteten Dialogen.

Nun hat der in Hamburg und Berlin lebende Stefan Panhans seinen Debüt-Roman geschrieben.
Ob dieser Begriff wirklich passgenau sitzt, sei zunächst dahingestellt, denn seine Geschichte hat nur scheinbar einen narrativen Faden, vielmehr sind seine zwölf Kapitel eine Collage von skriptiven Bildern und Inszenierungs-, sowie Handlungsräumen. Der Videokünstler in ihm, ist auch im Gutenberg-Medium nicht zu verstecken. Wie eine nicht enden wollende Wanderung durch urbane, bildorientierte Szenerien, von unsichtbaren Assoziationen geleitet, zieht uns der Autor von einem Erlebnis in das nächste. Die Orte bleiben namenlos und wir tauchen quasi ein in ein TV-Koma, in die Phantasiewelt von teilweise verpixelten Vorstellungen, die geradezu an Halluzinationen erinnern. Gedanken so kurz wie Twitter-Posts – wir zappen uns durch die Programme aus Film, TV, Werbung und Konsum. Wir werden zu bionischen Wesen, Medienmenschen. Der Autor führt uns die Absurdität der medial überfrachteten Gesellschaft vor. Im Wahn des Mithalten-, Mitmachen-Müssens; ständig scheint eine imaginäre Jury darüber zu befinden, ob die Protagonisten und wir drinbleiben oder rausfliegen. Beim Lesen jedoch müssen wir uns vergegenwärtigen, dass wir noch selbstbestimmt sind und nicht an einem gesteuerten, vermeintlichen Roten Faden durchs Computerspiel-Leben gezogen werden.

Stefan Panhans WJLSWir kommen nicht zur Ruhe, sind Getriebene vom Treibenlassen, aktive Fremdbestimmtheit in einer Welt der morbiden Künstlichkeit. Längst weit weg von den Stränden dieser Welt, aber doch immer wieder irgendwo gestrandet. Ein wenig Forscher- und Abenteuergeist sowie eine Obsession zur „Augmented Reality“ stecken in der Erzählung, das auch als Skript gedacht werden kann.
Aggregatsveränderungen im Minutentakt, ohne dass es eine physikalische Taktung gäbe. Die Ruhelosigkeit wechselt in einen kurzen Moment der Entleerung, aber es geht nicht entspannt weiter. Der Roman ist ein permanenter Balanceakt. Nichts ist klassisch daran, weder als eindeutiger Gattungsbegriff noch in einer fiktionalen Erzählung, weil faktuale Szenen und Elemente ganze Passagen zu dominieren scheinen. Alles ist vorstellbar, weil es passende Kopfkino-, und Erinnerungsbilder dazu gibt.

Panhans’ Sprache ist mit Anglizismen durchsetzt und viele von denen sind in Versalien geschrieben, wie neon-flackernde, kaum decodierbare Herausstellungen aus einer realen Welt. Er liebt überdies die Aneinanderreihung von indifferenten Hülsen, oft bleiben die Momente – zumeist zu Beginn des Romans – in der Andeutung stecken, sind vage, wirken sogar zwischendurch unsicher: oder so... / aus irgendwelchen Gründen... / vermutlich... / glaube ich... / irgendwoher... / wahrscheinlich... etc.

Stefan Panhans führt das methodische Rollenspiel weiter, was er bildkünstlerisch seit eineinhalb Jahrzehnten kontinuierlich fokussiert – Sinnhaftigkeit ist nicht ausgeschlossen.

Stefan Panhans: „We Just Left Shore“
Textem Verlag, Hamburg, 2017
120 Seiten.
ISBN: 978-3-86485-166-7

Soundtrack zum Roman: Janniuk Giger, Lukas Huber
Soundcloud


Abbildungsnachweis:
Headerfoto: © Claus Friede
Buchumschlag Textem Verlag

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