Neue Kommentare

Lydia zu 19. Lange Nacht der Museen in Hamburg. Meine Reise durch die Nacht: Durch die persönliche Darstellung ist der Artike...
Hans Maschek zu 19. Lange Nacht der Museen in Hamburg. Meine Reise durch die Nacht: Wunderbar atmosphärische Beschreibung. Ich habe ...
Matthijs van de Beek zu „Stan & Ollie”. Oder die schmerzliche Seite der Komik : Das klingt wunderbar und wird ganz sicher angesch...
Dr. Frank-Peter Hansen zu Die Wittgenstein-Dekomposition: Frank-Peter Hansens Antwort auf Martin A. Hainz...
NN zu Das Chimei – ein Museum für eine einmalige Privatsammlung in Taiwan: Lasst Euch nicht blenden! Es gibt nichts Gutes, a...

Lange Nacht der Museen Hamburg

Hamburger Architektur Sommer 2019


Musik

Hype um Haim: Mädels-Trio aus Kalifornien mischt den Pop-Rock auf

Drucken
(163 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Donnerstag, den 28. November 2013 um 11:21 Uhr
Hype um Haim: Mädels-Trio aus Kalifornien mischt den Pop-Rock auf 4.3 out of 5 based on 163 votes.
Hype um Haim: Mädels-Trio aus Kalifornien mischt den Pop-Rock auf

Wenn jemand den Titel als meist gehypte Band des Jahres 2013 verdient, dann ist es Haim.
Das Trio aus Los Angeles, bestehend aus den Schwestern Este (27), Danielle (24) und Alana (22), hat Kritiker weltweit von sich begeistern können. Auf der aktuellen Europa-Tour „Days Are Gone“ machte Haim auch in Hamburg Halt – ein Grund mehr, die Band einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Haim haben einen regelrechten Senkrechtstart durch die Decke hingelegt. In den letzten zwei Jahren hat die Band nicht nur auf so renommierten Festivals wie Glastonbury auf der Hauptbühne gespielt, sie wurden auch bei dem BBC-Voting „Sound of 2013“ auf Platz Eins der vielversprechendsten Musik-Acts des Jahres gewählt und haben inzwischen einen Vertrag beim Label „Roc Nation“ von Rapper Jay Z in der Tasche. Und das alles wohlgemerkt noch vor dem Release ihres Debütalbums „Days Are Gone“, das Ende September 2013 herausgekommen ist und dabei in der Erscheinungswoche sogar Pop-Ikone Justin Timberlake beim Rennen auf die Spitzenposition der britischen Albumcharts schlagen konnte. Musikkollegen wie Katy Perry, One Direction und Kesha sowie der britische Premierminister David Cameron haben sich bereits als bekennende Haim-Fans geoutet.

Es wäre also nicht übertrieben zu sagen, dass für Haim die Erfolgskurve gerade ganz steil nach oben geht. Dabei überraschen die drei Schwestern aus Kalifornien mit einem Sound, der sich zwischen Indie-Pop, Oldschool-Rock, R&B und Folk bewegt und dabei gleichzeitig fleißig Elemente der eigenen Pop-Jugend der 90er-Jahre mit einbaut. „Es ist schwer zu erklären, weil wir unser ganzes Leben in unseren Sound mischen. Als wir klein waren, waren wir in einer Band mit unseren Eltern, die Rochinhaim hieß, und wir wuchsen mit der Musik von den Rolling Stones, Tina Turner und viel von Shaka Khan auf. Aber wir sind auch in den Nineties aufgewachsten, der besten Ära für Pop. Die Stimmen von Britney, Christina, N Sync, Backstreet Boys, Destiny’s Child und Mariah Carey begleiteten mich als Kind“, so versuchte es Haim-Schwester Alana im Interview mit der britischen GQ zu fassen.

Ein Musik-Mix, der Hit-Garantie zu haben scheint. Mit Songs wie „The Falling“, „Don’t Save Me“, „Forever“ und „The Wire“ haben sich Haim gleichermaßen in die Herzen von Fans und Kritikern gespielt. Dabei scheinen die drei Mädels den Spagat zwischen Anpassen und Anecken genau richtig hinzubekommen: Mit langen Lockenmähnen und knallrotem Lippenstift stürmen sie die Bühne, die E-Gitarren fest im Griff. Dabei sind Haim keine hauchzart-süß singende Girlband, sondern multi-instrumentale Rock-Musikerinnen – alle drei Geschwister spielen Gitarre, zusätzlich beherrscht Danielle das Schlagzeug, Alana Keyboard und Percussions und Este den Bass, wobei letztere bei ihrer Performance ihr Gesichts stets so angespannt verzieht, dass es ihr bereits den Spitznamen „Estes Bass Face“ eingebracht hat. Eines ist klar: Die drei Schwestern scheren sich nicht um herkömmliche Konventionen, sie sind ruppig, laut und fallen auf, kratzen und schrammen energisch auf ihren Instrumenten herum und beanspruchen ihre Stimme bis zur Heiserkeit, auch wenn sie hin und wieder ganz sensible Töne in ihre Musik mischen.

In ihrer musikalischen Botschaft bleiben die Kalifornierinnen ebenfalls mehrdeutig. Ganz klar, hört man sich die elf Tracks starke Debütalbum „Days Are Gone“ an, dann geht es um die starke, emanzipierte Frau, die sich von den Typen gar nichts sagen lässt. Liebeskummer wird weggelacht, der Kopf hochgehalten, und angesichts von Schwierigkeiten aufzugeben kommt überhaupt nicht infrage. Dabei gibt es aber kein belehrendes Finger-Gehebe oder anstrengenden Emanzen-Krawall, sondern eher tiefsinnig-nachdenkliche Texte, die auch vor weichen Seiten und Verletzlichkeit nicht zurückschrecken und dennoch mit buntem Pop-Synthesizer-Beat so leicht und unbeschwert daherkommen, dass sie auch bei einer breiteren Zuhörerschaft Anklang finden dürften.

Das Rezept scheint zu wirken: Bei ihrem Auftritt im proppevollen Hamburger „Grünspan“ konnte Haim sowohl die jungen Teenie-Mädels zum Kreischen bringen, als auch die deutlich gesetztere Zuhörerschaft der vierzig Jahre plus begeistern. Dazwischen fand sich alles von Festival-T-Shirts tragenden Rockern zum „Fuck the Patriarchy“-schreienden weiblichen Fangirls bis zur örtlichen Hipster-Fraktion. War dann ja auch egal, denn spätestens als die drei Haim-Ladies auf die Bühne kamen und ihren ersten Hit anstimmten, gab es für die Menge kein Halten mehr. Dabei überzeugten Este, Danielle und Alana mit einer Live-Performance, die stimmlich stark mit dem rockig-dreckigen Gitarren-Sound locker mithalten konnte, wobei dieser beim Auftritt eindeutig noch eine Ecke rauher und rücksichtsloser daher kam als die vergleichsweise cleane Abmischung auf „Days Are Gone“. Dabei blieb Haim entspannt, sympathisch und publikumsnah: „Ey, unser Konzert heute wäre fast abgesagt worden, weil der Fluganbieter unsere komplette Ausrüstung verschlampt hat. Aber wir canceln doch nicht unser Konzert bei euch in Hamburg“, rief Danielle der Menge zu – und hatte dabei endgültig die Herzen der Anwesenden gewonnen.

Eine gute Stunde wurde gehopst, geschwitzt und geschrien, dann hatten Haim alle ihre Songs zum Besten gegeben und verschwanden im Backstage-Bereich. Kein Wunder, schon einen Tag später stand der Gig in Köln an. Wer Haim jetzt noch erwischen will, hat wahrscheinlich Pech, die diesjährigen Europa-Tournee-Daten sind restlos ausverkauft. Allerdings kommen Haim noch einmal im Februar 2014 in unsere Nachbarländer – da heißt es schnell sein beim Ticketkauf.


Weitere Informationen zu Haim
Zum Album „Days Are Gone“
Hörbeispiele
Musikvideo 1 und Musikvideo 2
Zu den Tourdaten

Fotonachweis: (c) Big Hassle
Header: Haim
Galerie:
01. Album Cover
02. Este, Danielle und Alana
03. Haim

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Blog > Musik > Hype um Haim: Mädels-Trio aus Kalifornien mi...

Mehr auf KulturPort.De

Giving Art a Face von Michael Knepper in der Galerie Kunstraum Hamburg
 Giving Art a Face von Michael Knepper in der Galerie Kunstraum Hamburg



Wie schreibt man eine Kunstkritik, wenn man mit dem Künstler seit Kindertagen befreundet ist? Vielleicht lieber gar nicht!? Gerade auch, weil sich die Kunst ein [ ... ]



Dimitri Monstein Ensemble: Landscape
 Dimitri Monstein Ensemble: Landscape



Das Schlagzeug als Solo-Instrument ist nicht unbedingt das, was man auf einer Jazz-Platte erwartet. Denn eigentlich ist es nichts selbstverständlicher, beweist  [ ... ]



Privattheatertage 2019: „Die Schulz-Story“. Oder wie „verzwerge“ ich mich selbst
 Privattheatertage 2019: „Die Schulz-Story“. Oder wie „verzwerge“ ich mich selbst



Keine andere Partei zelebriert die Selbstzerfleischung so exzessiv wie die SPD! Nun hat ein Kapitel Leidensgeschichte jüngster Zeit sogar Bühnenreife erlangt:  [ ... ]



„Sunset”. László Nemes’ Metaphorik des Abgrunds
 „Sunset”. László Nemes’ Metaphorik des Abgrunds



„Sunset” ist eine atemberaubende verstörende Vision, hinter deren unfassbar exquisiter Schönheit sich der Horror selbstzerstörerischer Zivilisationen verb [ ... ]



Focusyear Band: Open Paths
 Focusyear Band: Open Paths



Eigenartiger Name für eine Band! Ein fokussiertes Jahr – was hat es mit der zeitlichen Limitierung auf sich?
Focusyear ist ein einjähriges Programm für ein [ ... ]



Thomas Zoglauer: Ethische Konflikte zwischen Leben und Tod. Über entführte Flugzeuge und selbstfahrende Autos.
 Thomas Zoglauer: Ethische Konflikte zwischen Leben und Tod. Über entführte Flugzeuge und selbstfahrende Autos.



Manchmal findet sich der Mensch in Situationen wieder, in denen er sich gar nicht richtig verhalten kann – was auch immer er tut, er wird jemanden verletzen od [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.