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Die arabische Prinzessin – Von Leseratten, Fischverkäufern und einer Märchenoper, die nie geschrieben wurde

Im Opernhaus in Hamburg schallen Kinderstimmen durch die Gänge: Es ist wieder opera piccola-Zeit!
Bevor die Kinderoper im Februar auf die Bühne geht, ist im Hinterhaus jede Menge los. An den Wochenenden sammeln sich rund 30 Kinder und Jugendliche aus Hamburg an der Bühnenpforte, um in die Welt der Oper einzutauchen. Gemeinsam wird gesungen, gespielt und gelesen – auch Akrobatik und Kuchenpausen dürfen nicht fehlen.

Regisseurin Anja Bötcher-Krietsch nimmt jedes der kleinen und größeren Energiebündel ganz genau unter die Lupe, macht die eine zum Bettelkind, den anderen zum Partylöwen. „Wir haben eine unglaublich bunte, agile und sehr neugierige Gruppe“, erzählt sie zwischen den Workshops, „die musikalische Vorbildung ist sehr unterschiedlich, was aber nicht stört, weil die Kinder unglaublich gut aufeinander schauen, sich helfen und motivieren.“ Neben dem musikalischen Gespür, wird nach und nach auch aus jedem der Bücherwurm herausgekitzelt. Denn das Märchen der arabischen Prinzessin steckt in einem alten Buch, das der kleinen Alisa, genannt Ali, in die Hände fällt.

Ali kann gar nicht genug bekommen von der Geschichte von Fischer und Prinzessin, die ihr mal seine Tante, dann ein Fremder und schließlich sie selbst vorliest – und dass obwohl sie sie schon fast auswendig kennt. Immer klarer sieht sie die Bilder vor ihren Augen, bis das Märchen sie völlig verschlungen hat. „Das spannende an Alis Figur ist, dass sich jeder ein bisschen darin wiederfindet“, erzählt die Regisseurin, „jeder, der als Kind gern heimlich gelesen oder ganz leise Hörbücher zum Einschlafen gehört hat, kann sich mit Ali identifizieren und die innere Anspannung, wie die Geschichte wohl weitergehen mag, nachvollziehen.“ Und wer kennt Sie nicht, ob aus Kinder- oder Erwachsenensicht, die kleine Bitte beim Vorlesen: „Nur noch eine Seite, ja?“

Was Ali dort liest, ist kaum zu glauben: Prinzessin Amirah hört eines Morgens in ihrem Schloss eine wunderschöne Stimme. Was tönt da? Fische! Frische Fische! Kommt und kauft frische Fische! – Es ist die Stimme von Jamil, einem jungen Fischer, der Tag für Tag seinen Fang auf dem Markt verkauft. Im Handumdrehen sind die Dienerinnen der Prinzessin ausgesandt, den Fischer ins Schloss zu bringen. Und der hat nicht nur eine phantastische Stimme, sondern sieht auch noch aus wie ein Prinz! Nur seine Sprache, die Manieren und die Bildung – das hatte sich die Prinzessin anders vorgestellt. Und doch lässt sie nicht locker, bis der Fischer ihrem Plan zustimmt: Sie wird ihn lehren und zu ihrem Prinzen machen. Auf dieses Abenteuer lässt sich Jamil unter einer Bedingung ein: Nie darf sie sich über seine niedere Herkunft lustig machen, sonst wird er für immer verstummen. Kaum ist der Hochzeitsmarsch verklungen, passiert es: Amirah macht einen unbedachten Scherz und Jamil schweigt fortan. Es zieht ihn weit weg ins Reich des schillernden Vergessensfürsten. Amirah gibt nicht auf und macht sich auf die Suche nach ihrem Prinzen. Immer schwieriger werden die Prüfungen, die sie bestehen muss. Aber sie ist nicht allein. Irgendwo gibt es da jemanden, der ihre Geschichte ganz genau kennt und im richtigen Moment zur Hilfe eilt.

Diese phantastische Märchenoper nun, in der Ali sich in die Abenteuer von Prinzessin und Fischer stürzt, wurde eigentlich nie geschrieben. Denn der spanische Komponist Juan Crisóstomo de Arriaga starb mit 19 Jahren und seine erste Oper, die er als Jugendlicher schrieb, gilt als verschollen. Er galt als Wunderkind, zog mit 16 zum Studium nach Paris und war unglaublich erfolgreich, doch erlag er kurz darauf der Schwindsucht und völliger Erschöpfung. Seine Orchester-, Vokal- und Kammermusik steht auf der Schwelle von Klassik zu Romantik und fasziniert besonders durch die Schönheit der Melodien. Als seine Werke später wiederentdeckt wurden, gab man ihm den Spitznamen „spanischer Mozart“. Die Märchenoper Die arabische Prinzessin wurde erst vor knapp zehn Jahren auf Initiative der Barenboim-Said Foundation aus den verschiedenen Stücken von Arriaga arrangiert und in Ramallah uraufgeführt. Bei der Hamburger Erstaufführung liegt die musikalische Gestaltung in den Händen von Dirigent Wolf Tobias Maximilian Müller, der in den Workshops fleißig mit den großen und kleinen Sängern probt und am Ende Orchester und Sänger gemeinsam durch den Abend leiten wird.

In den Werkstätten wird währenddessen am Bau des Bühnenbildes gearbeitet, das Aida Guardia erdacht, gezeichnet und in Miniaturform geschaffen hat, damit die Werkstätten eine Vorlage haben. Auch die Kostüme stammen aus ihrer Feder und werden den Kindern ebenso wie den erwachsenen Sängern auf den Leib geschnitten. Wie Alis Märchenbuch, aus dem ein ganzer Kosmos entsteht, entfaltet sich das Skizzenbuch von Aida Guardia Seite für Seite zu einer eigenen kleinen Welt, die uns zum Abtauchen einlädt.

Langsam neigt sich die Phase der Workshops dem Ende zu, die Rollen sind verteilt und die intensive Zeit der täglichen Proben vor der Premiere beginnt. Dann endlich kommen auch die heiß ersehnten Kostüme und das Bühnenbild hinzu. Für Anja Bötcher-Krietsch liegt der Fokus auf dem Spaß, gemeinsam ein beziehungsreiches und vielschichtiges Stück zu entwickeln. Es ist ihr wichtig, dass die Kinder und Jugendlichen „mutig ihre eigene Ideen äußern und sich inspiriert fühlen, über den Tellerrand hinauszuschauen.“ Die regelmäßige szenische Arbeit soll es ihnen ermöglichen, ein körperliches Selbstbewusstsein zu erlangen und zu lernen durchzuhalten, auch wenn mal etwas nicht gelingt. Sie selbst hatte das Glück einer frühen musikalischen Ausbildung. Diese Erfahrung möchte sie jetzt weitergeben und damit vielleicht genau wie bei sich selbst, die Basis für eine lebenslange Liebe zur Oper wecken.

Die arabische Prinzessin

Märchenoper in zwei Akten nach Musik von Juan Crisóstomo de Arriaga (2008) nach einem arabischen Märchen.
Premiere: 10. Februar 2018 in der

opera stabile, Kleine Theaterstraße in 20354 Hamburg

Weitere Aufführungen: bis 28. Februar
Weitere Informationen


Abbildungsnachweis:
Die arabische Prinzessin. Copyright: Brinkhoff/Mogenburg, Aida Guardia

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