Neue Kommentare

Maximilian Buchmann zu „Apocalypse Now - Final Cut”. Der Höllentrip des Francis Ford Coppola: Uff! Nur heute im Kino? Hoffentlich bekomme ich n...
Klaus Schöll zu Am 12. Juli 2019 wird die James-Simon-Galerie eröffnet – in Anwesenheit von Bundeskanzlerin Angela Merkel: Ich finde das die Treppe zur James-Simon-Galerie ...
Cecilie Engen zu „Wo ist Kyra?” Michelle Pfeiffer und die Ästhetik des sozialen Abseits: Das klingt gruseliger als die meisten Horror-Film...
Claus Friede zu „Augmented- und Digital Realities“ – wie Städte und Institutionen mit „erweiterten Realitäten“ Touristen, Besucher und Cyber-Fans motivieren, ihre Orte zu besuchen.: Den korrekten Bildnachweis, sehr geehrter Herr Na...
Jörn Napp zu „Augmented- und Digital Realities“ – wie Städte und Institutionen mit „erweiterten Realitäten“ Touristen, Besucher und Cyber-Fans motivieren, ihre Orte zu besuchen.: Hallo.
Es wäre schon ganz gut, unter Bild...

Lange Nacht der Museen Hamburg

Hamburger Architektur Sommer 2019


Musik

Kammeroper: Spritziger Neustart mit Rossini-Smartphone-Komödie

Drucken
(107 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Montag, den 09. Oktober 2017 um 09:26 Uhr
Kammeroper: Spritziger Neustart mit Rossini-Smartphone-Komödie 3.6 out of 5 based on 107 votes.
Kammeroper: Spritziger Neustart mit Rossini-Smartphone-Komoedie Foto: Joachim Fluegel

Hamburgs kleines Opernhaus an der Max-Brauer-Allee meldet sich unter neuer Leitung furios zurück mit der Rossini-Opera-buffa „La Gazzetta“ – ein herrlich heiterer Opernabend mit grandioser Musik.

Es dauerte bei der Premiere von Rossinis „La Gazzetta“ nur ein paar Sekunden, dann war alles wieder da: die wunderbare Eleganz und Leichtigkeit der Musik, der Ideen-Witz auf der kleinen Bühne und die Intensität und Nähe zu den Künstlern, mit der Hamburgs kleines Opernhaus an der Max-Brauer-Allee über zwanzig Jahre glänzt und bezaubert (im Theater für Kinder sogar schon 50). Überstanden die Querelen, die die Sicherung eines solchen Lebenswerks zuweilen mit sich bringt. Am Eingang begrüßte nun Neu-Intendant Marius Adam das Publikum zur Eröffnung der ersten kompletten Spielzeit neuer Zeitrechnung, bekannt seit vielen Jahren als Säule und Seele des Ensembles und auch an diesem Abend in tragender Rolle auf der Bühne aktiv. Theatergründer Uwe Deeken hielt sich dezent im Hintergrund – sichtbar zufrieden damit, nun eine allseits akzeptierte Intendanz zu haben, die mit neuen Ideen und neuem Elan für die Zukunft des Theater-Juwels antritt.

Rossini also. „La Gazzetta“, entstanden 1816, als originäre Opera Buffa zwischen dem „Barbiere di Siviglia“ und „La Cenerentola“. Und da die Kammeroper im Allee-Theater immer schon Wert auf Exklusivität gelegt hat: Es ist tatsächlich die erste vollständige Aufführung der Oper in deutscher Sprache, das aktuelle Libretto schrieb auch diesmal Barbara Hass, die seit Jahrzehnten immer wieder die Steilvorlagen für Sprach- und Spielwitz liefert. Die arg verschlungene Handlung dreht sich um den neureichen Dickkopf Pomponio Storione, der seine Tochter Lisetta per Heiratsanzeige öffentlich anpreist, um für sie eine gute Partie und für sich Statusgewinn zu ergattern. Doch einen Dickkopf hat das gewitzte Töchterchen ebenfalls. Sie will sich dem Diktat des Vaters listig entziehen, Startpunkt für eine furiose Reihe von Verwechslungen, Prahlereien, Peinlichkeiten, Missverständnissen – zumal noch eine zweite junge Dame die Liebe ihres Lebens finden soll und mit Madame la Rose eine geschickte Strippenzieherin an dem turbulenten Spiel beteiligt ist.
Es bleibt lange Zeit ganz schön spannend, auf welchen Wegen sich am Ende die liebenden Paar in die Arme schließen können. Aber Rossini wäre nicht Rossini, wenn er nicht mit Bravour ein gutes Ende hinbekäme.

Selbst Rodins Plastik „Der Denker" starrt auf sein Smartphone
Regisseur Alfonso Romero Mora macht aus den sieben Sängerinnen und Sängern eine smartphone-versessene Gesellschaft, immer mit einem Blick auf dem Display, ja – ganze Dialog-Szenen werden per SMS und abschließendem Pling ausgetragen. Kommt so natürlich im Original nicht vor, hat aber hohen Unterhaltungs- und Wiedererkennungswert, wenn man weiß, dass heute selbst in der Staatsoper bis weit in die Ouvertüre hinein Mails gecheckt werden und Nachrichten verschickt werden. Die Personenregie ist so munter und beweglich wie Rossinis Musik, sie sorgt für viel Heiterkeit, ohne die Grenze zum Klamauk allzu häufig zu überschreiten. Lisa Überbacher sorgt mit ihrem Bühnenbild für große Abwechslung, es kann sich schnell von einer Hotellobby zur Boris-Besenkammer oder zu einem Labyrinth wandeln, das die verwirrten Fäden der Handlung spiegelt. Hübscher Augenfang am Bühnenrand: Rodins Denker, der ebenfalls auf sein Smartphone starrt. Überbachers Kostüme harmonieren reizvoll mit der modernen Smartphone-Realität.
Große Oper in kleinster Besetzung. Ettore Prandi, der Dirigent des Abends, hat mal wieder das Wunder vollbracht, die Partitur auf nur fünf Instrumentalstimmen einzudampfen – Geige, Kontrabass, Oboe, Klarinette und Fagott – und doch in den Ohren des Publikums den kompletten Rossini-Sound aufblühen zu lassen: einschmeichelnde Melodien, fetzige Ensembleszenen, bebendes Flirren, sogar das berühmte lang gezogene Orchester-Crescendo doch des Meisters – alles da, nie kommt auch nur eine Sekunde lang der Gedanke auf: Da fehlt was. Man hört Trompeten, wo gar keine sind, und gewaltige Orchester-Tutti, für deren Originalbesetzung im Graben nicht mal ansatzweise Platz wäre. Chapeau! Auch an die fünf Instrumental-Solisten, die das grandios gemeistert haben.
Auf der Bühne tummeln sich mehr Sängerinnen und Sänger als das Orchester Mitglieder hat. Rossini möchte von seinen Stimmen süßen Schmelz, knackfrische Staccato-Koloraturen, freches Spielen und, besonders in „La Gazzetta“, ein absolutes Ohr fürs Einfügen ins Ensemble. Wobei präzise Artikulation ein Muss ist beim hohen Tempo des gemeinsamen Singens.

Großer Opernspaß in kleinster Besetzung
Da hat Marius Adam eine glückliche Hand bei der Sängerauswahl: Cecilia Rodríguez-Morán ist eine wunderbar quirlige und spielfreudige Lisetta, die ihre Koloraturen punktgenau bis in höchste Höhen treibt und wenn nötig auch mal allerliebste Quietscher von sich gibt. Der Philipe, den sie schließlich in eigener Wahl ehelicht, spielt und singt Robert Elibay-Hartog. Titus Witt gibt den zweiten Brautvater, der mehr auf Handy-Börsenkurse schaut und für seine Doralice einen Mann sucht, der auch in seine Geschäfte investieren kann. Natascha Dwulecki singt die Doralice mit verlässlichem jugendlichen Charme. Den Wettbewerb, wer die Rossini-Koloraturen am lustvoll knackigsten darbietet, gewinnt allerdings mit Abstand Feline Knabe in der Rolle der intrigen-erfahrenen Madame la Rose, die immer wieder mit ordnender Hand ins Gefühlschaos eingreift. Ein wenig Mühe mit der schwebenden Leichtigkeit von Rossinis Tenorhöhen und wohl auch mit der eignen Nervosität hatte bei der Premiere noch Ljuban Zivanovic, dem aber zunehmend lyrische Passagen und strahlende Schlusstöne gelangen. Der Intendant singt und spielt den protzenden, großmäuligen, sich schlau glaubenden Pomponio, der am Ende als verulkter Esel dasteht und selbst ein Selfie des Pagen (Josef Brunkhorst) über sich ergehen lassen muss. Eine Rolle ganz nach seinem Gusto.
Ein großer Theaterspaß, schon während der Aufführung immer wieder mit Szenenapplaus belohnt und am Ende ausgiebig und lautstark bejubelt und mit Bravo-Rufen und Rosenwürfen bedacht. Ein Teil galt dabei sicher der Tatsache, dass das Publikum in dem guten Gefühl nach Hause gehen konnte, dass das kleine Opernhaus im Allee-Theater wieder eine große Zukunft vor sich hat.

Gioachino Rossini: La Gazetta
In der Kammeroper im Allee-Theater, Max-Brauer-Allee 76.
Noch bis zum 9. Dezember 2017 und vom 1. bis 30. Juni 2018.
Alle Termine, Preise und Ticketbuchung (auch für das spezielle Theater-Menü) unter www.alleetheater.de oder Kartentelefon (040) 3829 59


Abbildungsnachweis: © alle Fotos: Dr. Joachim Flügel
Header und Galerie: Szenen der Aufführung, Kammeroper Hamburg.

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Blog > Musik > Kammeroper: Spritziger Neustart mit Rossini-S...

Mehr auf KulturPort.De

Nigel Kennedy spielte beim SHMF in der ausverkauften Musikhalle Lübeck
 Nigel Kennedy spielte beim SHMF in der ausverkauften Musikhalle Lübeck



Diese Energie ist phänomenal: Nigel Kennedy spielte beim SHMF in der ausverkauften Lübecker Musikhalle alle schwindelig – die Zuschauer ebenso, wie das Schle [ ... ]



4 Wheel Drive – Landgren, Wollny, Danielsson, Haffner
 4 Wheel Drive – Landgren, Wollny, Danielsson, Haffner



In unterschiedlicher Zusammensetzung haben sie schon gemeinsam gespielt, doch noch nie fanden sich alle vier zusammen. „High-performance four-cylinder engine [ ... ]



„Apocalypse Now - Final Cut”. Der Höllentrip des Francis Ford Coppola
 „Apocalypse Now - Final Cut”. Der Höllentrip des Francis Ford Coppola



Hubschrauber bombardieren ein Dorf zu den dröhnenden Klängen von Wagners „Walkürenritt”. „Mein Film ist nicht über Vietnam, er ist Vietnam”, sagte U [ ... ]



Europas Krise(n) 2019: Migration – Brexit – neue Weltordnung
 Europas Krise(n) 2019: Migration – Brexit – neue Weltordnung



In rund 90 Jahren wird wohl jeder Dritte auf unserer Welt Afrikaner sein: Europa muss sich auf gewaltige Migrationsbewegungen aus dem südlichen Kontinent einste [ ... ]



Familie Floez: Dr. Nest
 Familie Floez: Dr. Nest



Beklemmend melancholisch, irrsinnig komisch und von wahrhafter Magie: Die Berliner Masken-Truppe Familie Flöz begeisterte mit ihrem SHMF-Gastspiel „Dr. Nest [ ... ]



„Kursk”. Thomas Vinterberg und die raue Poesie des Zorns
 „Kursk”. Thomas Vinterberg und die raue Poesie des Zorns



In seinem bildgewaltigen Polit-Thriller schildert Thomas Vinterberg jene Katastrophe, die zur Jahrhundertwende die Welt neun Tage lang in Atem hielt. Das U-Boot  [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.