Neue Kommentare

Lydia zu 19. Lange Nacht der Museen in Hamburg. Meine Reise durch die Nacht: Durch die persönliche Darstellung ist der Artike...
Hans Maschek zu 19. Lange Nacht der Museen in Hamburg. Meine Reise durch die Nacht: Wunderbar atmosphärische Beschreibung. Ich habe ...
Matthijs van de Beek zu „Stan & Ollie”. Oder die schmerzliche Seite der Komik : Das klingt wunderbar und wird ganz sicher angesch...
Dr. Frank-Peter Hansen zu Die Wittgenstein-Dekomposition: Frank-Peter Hansens Antwort auf Martin A. Hainz...
NN zu Das Chimei – ein Museum für eine einmalige Privatsammlung in Taiwan: Lasst Euch nicht blenden! Es gibt nichts Gutes, a...

Lange Nacht der Museen Hamburg

Hamburger Architektur Sommer 2019


Musik

So geht Oper fürs junge Publikum: „Erzittre, feiger Bösewicht!“

Drucken
(56 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Montag, den 24. April 2017 um 09:31 Uhr
So geht Oper fürs junge Publikum: „Erzittre, feiger Bösewicht!“ 3.7 out of 5 based on 56 votes.
Erzittre, feiger Bösewicht

Die Staatsoper Hamburg nimmt junges Musiktheater ernst: Mit GMD Kent Nagano am Pult und Intendant Georges Delnon als Regisseur präsentieren sie eine Zauberflöte im hamburgischen Mileu – gespielt und gesungen vom Nachwuchs. Ein kleines Juwel auf der Probebühne 1.

Darüber, dass ein Opernbesuch bei den meisten Jugendlichen nicht eben die Nr.1 auf dem Wunschzettel ist, kann man klagen – oder etwas dagegen tun. So wie die Staatsoper Hamburg es mit ihren opera-piccola-Produktionen seit vielen Jahren tut. Oder mit der Opern-„Katze Ivanka“ im vergangenen Herbst. Und jetzt wieder mit der neuen piccola-Produktion „Erzittre, feiger Bösewicht“ – einem 80-Minuten-Stück auf der Basis von Mozarts Allzeit-Hit „Die Zauberflöte“. Die musikalische Kurzfassung stammt von Johannes Harneit, die Dialoge (jugendlich knackig, nicht peinlich angebiedert) schrieb Johannes Blum. Ausgewiesen für Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren – aber auch Jüngere sind fasziniert, ebenso begleitende Eltern und Großeltern, Onkels und Tanten.

Die Staatsoper macht klar, wie wichtig ihr dieses Thema Nachwuchs ist: Regie führt der Intendant Georges Delnon, und am Pult steht der Generalmusikdirektor Kent Nagano, der sich dieses Dirigat nicht nehmen lässt, obwohl er in diesen Tagen mit „Frau ohne Schatten“ und Dialogues des Carmelites“ im Großen Saal und mit den Proben für Mahlers Achte in der Elbphilharmonie schon gut ausgelastet wäre.
Hier, auf der Probebühne 1, geht es um den Nachwuchs. Um den bei Sängern und Instrumentalisten und um den im Publikum. Was für ein Ansporn für die jungen Musiker des Felix Mendelssohn Jugendsinfonieorchester und der Akademie des Philharmonischen Staatsorchesters, eine ganze Mozartoper unter Profibedingungen mit Kent Nagano zu spielen! Der mit mehreren Assistenten auch die jungen Sänger von The Young ClassX und die Solisten aus dem Opernensemble und dem Internationalen Opernstudio auf Kurs hält – im Dunkeln verstärkt durch einen Co-Dirigenten, der am anderen Ende des Raums einen Leuchtstab schwingt.

Paminas Bildnis leuchtet auf dem Smartphone
Aus dem großen Drama um Gut und Böse, dem Ringen zwischen Mann und Frau, zwischen Sarastro und der Königin der Nacht wird hier in Delnons Regie das Jugenddrama um „Liebt er mich oder nicht?“, „Wohin geht eigentlich mein Weg?“, „Halte ich das auch alles durch?“. Die Geschichte ist nach Hamburg gewandert, spielt in Speicherstadt, Elbtunnel (im Graphic-Novel-Stil per Video von „fettFilm“ auf die leeren Wände gebeamt) oder auf dem Kiez – da, wo sich Sarastros zwielichtiges Etablissement befindet, bewacht von einem Türsteher mit rauer Hand und Schnauze und weichem Herz.
Paminas bezaubernd schönes Bildnis wird auf Taminos Smartphone geschickt, und Pamina darf auch mal stöhnen: „Mir geht’s echt schlecht jetzt.“ Die dritte Dame (Renate Spingler) entpuppt sich als Königin der Nacht, die Mord und Rache verlangt, ihre Kolleginnen (Lini Gong und Karina Repova) als deren Bond-Girls, und da die Königin Mezzosopran ist, teilt sie sich der Hölle Rache stressfrei mit der treffsicheren Pamina aus Korea (Narea Son), eine hübsche Idee, die gleichwohl nicht zur Tat führt. Monostatos ist kein Mohr, sondern ein weißer Grapscher, Papageno (großartig in Spiel und Gesang: Zak Kariithi) ist kein Vogelmensch, sondern dunkelhäutig und bekommt nach seiner Klage, dass ihn keine mag, gleich vier Papagenas präsentiert, von denen er sich schließlich eine über die Schulter wirft und abschleppt. Ein bisschen zu kämpfen hat Sascha Emanuel Kramer als Tamino, er muss seinen Tenor hier und da doch forcieren.

Das Orchester schlägt sich wacker und wird von Nagano punktgenau geführt, da ist konzentrierte Spannung im Klang bis zum letzten Ton. Genau wie beim Chor, der in zwei Blöcken im Publikum sitzt und von dort wunderbar engagiert singt (Einstudierung Peter Schuldt, Chor, und Clemens Malich, Orchester). Großer Applaus für alle am Ende.

Selbst die albernsten Kicher-Teenies sind irgendwann gefesselt
Die Oper ist mit feiner Hand gekürzt, ohne dass es im Gebälk der Handlung knirscht. Es geht um die erwachende Liebe zwischen Tamino und Pamina, eine nervige Mutter, um Mutproben für den Eintritt in Sarastros Gang und um den finalen Entschluss Paminas, sich denen an Taminos Seite zu stellen und ihren Geliebten zu schützen. Und es berührt schon, zu sehen, wie bei den Chorsängern manche fasziniert tonlos die Solistenpartien fast schon mitsingen und wie selbst die albernsten Kicher-Teenies im Publikum irgendwann von Handlung und Musik eingefangen werden und gebannt zuschauen.
Mozarts allmächtiger Zauber wäre nur durch Langeweile kaputt zu machen, aber hier hat man keine Sekunde das Gefühl, eine weichgespülte und abgespeckte Kurzfassung serviert zu bekommen. Die meisten von Mozarts Ohrwürmer sind drin, und was draußen bleiben musste, ist noch spannend und überraschend genug, um einen Besuch der „extended version“ – Jette Steckels heiß diskutierter „Zauberflöte“ im Großen Haus – zum Ereignis zu machen.

Möglich gemacht haben dieses Opernereignis auf der kleinen Bühne die Michael Otto Stiftung, The Young ClassX, die Stiftung zur Förderung der Hamburgischen Staatsoper und die Nordakademie – Hochschule der Wirtschaft. Ihnen gilt der große Beifall am Ende mindestens ebenso herzlich wie dem singenden und spielenden Personal.

Und damit möglichst viele in der Stadt damit erreicht werden, wandert das kleine Juwel „Erzittre, feiger Bösewicht!“ nach einer kleinen Serie auf der Probebühne 1 gleich an drei andere Orte weiter.

Erzittre, feiger Bösewicht!

Musiktheater für Jugendliche nach W. A. Mozart. Neufassung der „Zauberflöte“ von Johannes Harneit
Musikalische Leitung: Kent Nagano
Regie: Georges Delnon
Video: fettFilm
Kostüm: Eva-Maria Weber
Dramaturgie: Johannes Blum
Musiktheaterpädagogik: Eva Binkle

Die nächsten Termine:
Dienstag 25.04.2017, 19.00 Uhr, Probebühne 1;
Donnerstag 27.04.2017, 19.00 Uhr, Probebühne 1;
Sonntag 30.04.2017, 20.00 Uhr, Grund- und Stadtteilschule Alter Teichweg;
Mittwoch 03.05.2017, 19.00 Uhr, Kultur- und Kommunikationszentrum Fabrik, Altona;
Freitag 05.05.2017, 15.00 Uhr, Haus im Park, Bergedorf.
Ermäßigter Eintritt für Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre: 10,00 Euro.
Karten unter Tel.: (040) 3568 68
Weitere Informationen

YouTube-Video:
Probeneinblick "Erzittre, feiger Bösewicht!"


Abbildungsnachweis: Alle Fotos: Brinkhoff/Mögenburg
Header: Lini Gong, Karina Repova
Galerie:
01. Renate Spingler, Sascha Emanuel Kramer
02. Karina Repova, Lini Gong, Renate Spingler
03. Sascha Emanuel Kramer, Karina Repova, Renate Spingler, Lini Gong
04. José Barros
05. Narea Son
06. Zak Kariithi, Sascha Emanuel Kramer, Narea Son

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Blog > Musik > So geht Oper fürs junge Publikum: „Erzittr...

Mehr auf KulturPort.De

Daniel Fuhrhop: Verbietet das Bauen! Eine Streitschrift.
 Daniel Fuhrhop: Verbietet das Bauen! Eine Streitschrift.



In diesen Tagen ist die Wohnungsnot eines der wichtigsten Themen der Politik. Sonst kann man sich ja auf überhaupt nichts einigen, aber hier kennt man über all [ ... ]



Giving Art a Face von Michael Knepper in der Galerie Kunstraum Hamburg
 Giving Art a Face von Michael Knepper in der Galerie Kunstraum Hamburg



Wie schreibt man eine Kunstkritik, wenn man mit dem Künstler seit Kindertagen befreundet ist? Vielleicht lieber gar nicht!? Gerade auch, weil sich die Kunst ein [ ... ]



Dimitri Monstein Ensemble: Landscape
 Dimitri Monstein Ensemble: Landscape



Das Schlagzeug als Solo-Instrument ist nicht unbedingt das, was man auf einer Jazz-Platte erwartet. Denn eigentlich ist es nichts selbstverständlicher, beweist  [ ... ]



Privattheatertage 2019: „Die Schulz-Story“. Oder wie „verzwerge“ ich mich selbst
 Privattheatertage 2019: „Die Schulz-Story“. Oder wie „verzwerge“ ich mich selbst



Keine andere Partei zelebriert die Selbstzerfleischung so exzessiv wie die SPD! Nun hat ein Kapitel Leidensgeschichte jüngster Zeit sogar Bühnenreife erlangt:  [ ... ]



„Sunset”. László Nemes’ Metaphorik des Abgrunds
 „Sunset”. László Nemes’ Metaphorik des Abgrunds



„Sunset” ist eine atemberaubende verstörende Vision, hinter deren unfassbar exquisiter Schönheit sich der Horror selbstzerstörerischer Zivilisationen verb [ ... ]



Focusyear Band: Open Paths
 Focusyear Band: Open Paths



Eigenartiger Name für eine Band! Ein fokussiertes Jahr – was hat es mit der zeitlichen Limitierung auf sich?
Focusyear ist ein einjähriges Programm für ein [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.