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Elbphilharmonie: routinierter Start im TV, Gänsehaut exklusive. Die Eröffnung im Fernsehen

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Donnerstag, den 12. Januar 2017 um 13:59 Uhr
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Elbphilharmonie: routinierter Start im TV, Gänsehaut exklusive. Die Eröffnung im Fernsehen

Der erste Akkord, der erste große Abend in der Elbphilharmonie – das Eröffnungskonzert. Vom NDR live übertragen. Nicht einfach, diese Atmosphäre höchster Erwartungen in einer Live-Sendung zu transportieren.

Da sitzt man nun zu Hause, tiefenerkältet und das ersehnte Ticket für den Bericht über das Elphi-Eröffnungskonzert blutenden Herzens retourniert. Also: Husten vor dem heimischen Fernseher, meine davongekommenen Eröffnungsnachbarn werden’s mir danken. Und der NDR überträgt ja live, schon ab 18 Uhr, da wird mir nicht viel entgehen.

Hamburger Prominenz, ausgeloste Zufallsgäste, Einspielfilme mit Hintergründen aus den Tiefen des komplexen Gebäudes – schwer ist es, an diesem Abend etwas zu finden, das nicht schon dutzende Male erzählt, fotografiert, analysiert ist. Es ist auch nicht leicht, auf der Plaza der Elbphilharmonie umzuschalten von der spannenden Vorgeschichte des Hauses zur Vorfreude auf den noch nicht erlebten Konzert-Modus. Man hätte sich gewünscht, vielleicht etwas mehr zu erfahren über das Drum und Dran der Eröffnung, die ganz pragmatischen Dinge des Elphi-Erlebnisses: Wie lange dauert es, bis man seinen Platz gefunden hat, gibt es Staus vor der Garderobe, wie funktionieren die Bars in den Foyers, wie sitzt man in den Konzertsaal-Sesseln– aber das ist bei einem Ausnahme-Abend wie der Eröffnung wohl nur schwer einzufangen.
Stattdessen hieß es warten auf Bundespräsident und Kanzlerin auf der kühlen Plaza. Und dann, husch hinein zum Festakt. Ein Häppchen Beethoven und launige Reden. Und vor allem das optische Erkunden des Großen Saals. Ein gewaltiger Raum, der förmlich danach schreit, in immer neuen Bildern und Perspektiven entdeckt zu werden, ohne dass man ihn je zur Gänze einfangen könnte. Man muss wirklich drinnen sitzen. Zweidimensional betrachtet ahnt man aus vielen Blickwinkeln Luftigkeit und Weite, die Höhe und Größe durch die Kamera, die über dem Orchester schwebt.

Das Programm wird wie ein Staatsgeheimnis gehütet
Und dann, nach der Tagesschau, die die Vorfreude ganz prosaisch unterbricht, geht es endlich los. Barbara Schöneberger moderiert, man würde spätestens jetzt gern mehr über das Programm erfahren, vielleicht in einem kurzen inhaltsprallen Vorab-Gespräch dazu mit dem Dirigenten. Aber das Programm wird bis zuletzt wie ein Staatsgeheimnis gehütet. Das lüften nach und nach knappe eingeblendete Titel, zu moderieren gibt es da wenig. Hengelbrock kommt wenigstens in der Pause zu Wort.
Der NDR-elbphilharmonische Chefdirigent lotet am Dirigentenpult elegant und kompromisslos den Kosmos der Musik aus, die künftig hier erklingen soll. Webt einen Klangreigen, der abwechselnd Zeitgenössisches mit Alter Musik verbindet wie eine Verheißung für künftige Spielzeiten. Hengelbrock geht vor allem weiträumig der Gefahr aus dem Weg, allzu Bekanntes zu wiederholen, allzu Naheliegendes zu tun und definiert den Großen Saal klug als Möglichkeitsraum für Unerhörtes: erstmal kein Mozart, kein Bach, kein Tschaikowsky, kein Strawinsky. Stattdessen Bernd Alois Zimmermann, Benjamin Britten, Henri Dutilleux, Messiaen und im zweiten Teil die Uraufführung von Wolfgang Rihms „Reminiszenzen – Triptychon in memoriam Hans Henny Jahnn“. Dazwischen, oben in den Rängen platziert, Musik aus dem 16. und 17. Jahrhundert, dank Philippe Jaroussky auf der einen Seite und dem Ensemble Praetorius auf der anderen, himmlische Anklänge an ferne musikalische Zeiten. Hamburger Tupfer liefern Brahms, Mendelssohn und Rolf Liebermann. Ein bisschen Bühnenweihfestspiel muss auch sein – das richtet Wagner mit dem Vorspiel zu „Parsifal“. Und dann natürlich noch der unvermeidliche Götterfunken, der Schlusssatz aus Beethoven 9. Symphonie, der inzwischen als Europahymne fast bekannter ist.

Das Konzert drinnen und das optische Spektakel draußen
Über all das hätte man gern ein paar Sätze erfahren, dem schiebt aber Hengelbrocks Wunsch einen Riegel vor, die beiden Programmteile ohne Zwischenpausen und Applaus als einen großen Musik-Stream zu zelebrieren. Was der Konzentration und der Konzertdauer sehr bekommt. Und das Programmheft kann man sich schließlich aus dem Internet herunterladen.

Barbara Schöneberger als Moderatorin muss man mögen. Sie erledigt ihren Job, routiniert, gewitzt, schnodderig und schlagfertig, und man kann ihr nicht vorwerfen, dass sie sich allzu weit in die Tiefen der Hochkultur vorgewagt hätte. Man hätte sich auch nicht gewundert, wenn sie der Kanzlerin noch ein Kochrezept abgeschnackt hätte.
Eines der Highlights der Fernsehübertragung neben dem Konzert ist die Verbindung der Bilder vom Innen und Außen. Innen die konzentrierte Arbeit der Musiker, draußen das mit ungeheurem Aufwand inszenierte optische Spektakel, das weltweit einzigartige Bilder produzieren soll. Was gelingt: Die Musik von drinnen erscheint synästhetisch umgesetzt in fließenden Grafiken in Echtzeit auf den Wänden des Kaispeichers, die Fenster der Elphi wechseln ihre Farbstimmungen, Hunderte Scheinwerfer tanzen synchron mit der Live-Musik ihr elegantes Ballett. Hübsch und sehr bunt. Es gibt der stürmischen und kühlen Regen-Eröffnungsnacht einen Hauch weltstädtischen Flairs.

Im TV ist wenig Feierlaune zu spüren
Das ist drinnen nicht unbedingt so, suggeriert die Fernsehübertragung. In ihr erlebt man eher hanseatisch unglamouröse Freude – so in etwa: Ok, ist doch nur ne Eröffnung. Gänsehaut ob des einzigartigen Moments ist Fehlanzeige. Wetter und Security mögen ihren Anteil dran gehabt haben, auch die beiden Nachrichtenblöcke in der Dauerübertragung schnitten die optische Feierlaune zurück. Und nach dem Schlussakkord, als man begeisterte Zuhörer in Feierlaune hätte ins Gespräch verwickeln können, war recht fix Schluss mit Elphi.
Welche Bilder bleiben? Die Spitzen des Staates, die dem neuen Kulturtempel in seltener Eintracht ihre Reverenz erweisen – ein gutes, ein notwendiges Bild. Das optische Farb- und Formenkonzert draußen. Mein Favorit unter den Konzertperspektiven: die einzige Kamera, die inmitten der Übertragungsroutine so etwas wie Dramatik im Geschehen einfängt: Sie ist Thomas Hengelbrock gerichtet, und in seinem Gesicht kann man die elektrisierende Höchstspannung und Konzentration ablesen und die Freude an den ungewöhnlichen Stilkombinationen, die seine ungewöhnlich weit gespannten zeitlichen Programmsprünge hervorbringt.
Über die Akustik des neuen Saals kann der Fernsehzuschauer naturgemäß nichts sagen, da haben ihm die Eröffnungsgäste die entscheidende Erfahrung voraus. Mehr dazu gibt es, die Erkältung beginnt schon nachzugeben, gleich nach der ersten Live-Erfahrung.


Abbildungsnachweis:
Header: Außeninszenierung / Eröffnung Foto: © Ralph Larmann
Galerie:
01. v.l.n.r.: Christoph Lieben-Seutter / Norbert Lammert / Joachim Gauck / Olaf Scholz / Angela Merkel / Andreas Voßkuhle Foto: © Bertold Fabricius
02. Olaf Scholz / Festakt © Michael Zapf
03. Joachim Gauck / Festakt © Michael Zapf
04. Eröffnungskonzert / © Michael Zapf
05.
Thomas Hengelbrock / Konzert © Michael Zapf
06. Eröffnungskonzert / © Michael Zapf

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avatar Herby Neubacher
-7
 
 
Ich denke - und das wird sicher wieder nicht veroeffentlicht - Musik gehoert nicht in einen 700 Millionen Tempel fuer die Wohlhabenden.

Und dieser grausame 'Greatest Hit Mix' den 'Staatsdirigent" Hengelbrock (wo ist dieser ehemalige musikalische Innovator bloss gelandet?!) da vorgefuehrt hat zeigt das dieses Publikum keine Ahnung hat - irgendwie was zum Mitpfeifen udn Mitreden und dabei gewesen sein - ob nun Wagner, Cavalli, Zwoelftoener, what have you. Klassik Gretaest Hits. Haeppchen zu den Haeppchen.

Stillos meiner Anssicht nach.

Eine gut dirigierte und gespielte Beethoven Sionfonie waere genug gewesen. Aber stattdessen ein wildes Potpourri aus Besitzenden mit Best of Klassik - meiner Ansicht nach kuenstlerisch peinlich wie der ganze Saal. Musik die zaehlt wird immer noch woanders gemacht. Nicht so.
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