Neue Kommentare

Lydia zu 19. Lange Nacht der Museen in Hamburg. Meine Reise durch die Nacht: Durch die persönliche Darstellung ist der Artike...
Hans Maschek zu 19. Lange Nacht der Museen in Hamburg. Meine Reise durch die Nacht: Wunderbar atmosphärische Beschreibung. Ich habe ...
Matthijs van de Beek zu „Stan & Ollie”. Oder die schmerzliche Seite der Komik : Das klingt wunderbar und wird ganz sicher angesch...
Dr. Frank-Peter Hansen zu Die Wittgenstein-Dekomposition: Frank-Peter Hansens Antwort auf Martin A. Hainz...
NN zu Das Chimei – ein Museum für eine einmalige Privatsammlung in Taiwan: Lasst Euch nicht blenden! Es gibt nichts Gutes, a...

Lange Nacht der Museen Hamburg

Hamburger Architektur Sommer 2019


Musik

Ensemble Resonanz: Gastspiel in der Staatsoper und neue CD mit C.P.E. Bach

Drucken
(98 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Donnerstag, den 13. Oktober 2016 um 09:50 Uhr
Ensemble Resonanz: Gastspiel in der Staatsoper und neue CD mit C.P.E. Bach 4.2 out of 5 based on 98 votes.
Ensemble Resonanz: Gastspiel in der Staatsoper und neue CD mit C.P.E. Bach

Zwei Highlights mit Riccardo Minasi am Pult: Das Ensemble Resonanz spielte bei Glucks „Iphigénie en Tauride“ erstmals im Orchestergraben der Hamburgischen Staatsoper. Und eine neue CD präsentiert Orchestersymphonien von Carl Philipp Emanuel Bach – hochenergetische Musik voller Überraschungen.

Riccardo Minasi am Pult im weit hochgefahrenen Orchestergraben der Staatsoper tanzt jeden einzelnen Ton von Glucks „Iphigénie en Tauride“. Man erlebt eine hinreißende zweite Oper, wenn man ihm zuschaut: Er dirigiert federnd elegant, mit sehr weichen, runden, harmonischen Bewegungen. Mal kriecht er in die Pianissimo-Passagen förmlich hinein, dämpft den Orchesterklang bis an die Grenze zur Unhörbarkeit, mal animiert er zum breiten Auskosten eines Akzents, mal reißt er die Arme hoch, und der Klang explodiert schier vor Energie.

Seine Lippen sprechen jedes Wort prononciert mit, beim Chor wie bei den Solisten. Es ist kein selbstverliebtes Spiel, sondern penible allgegenwärtige Aufmerksamkeit, greifbare physische Präsenz, funkensprühende Hochspannung, sie holt aufregende Emotionen aus der Tiefe des Dramas. Minasi empfindet vor, inspiriert die Resonanz-Musiker, reißt sie mit – wobei die Zusammenarbeit mit dem Ensemble Resonanz ja bestens eingeübt ist.
Es sind „bloß“ Repertoirevorstellungen, Premiere hatte diese „Iphigénie“ schon 2009. Aber wenn Minasi das dirigiert, wird Glucks Musik, Zeugnis einer so empfindsamen wie schon stürmisch drängenden Übergangszeit zwischen Barock und Mozart („Iphigénie“ entstand nur 12 Jahre vor der „Zauberflöte“), für diesen Moment zur spannendsten Sache der Welt.

Ein naheliegender, vorher nie gewagter Glücksgriff, das Ensemble Resonanz zu einer kleinen Gastspiel-Serie als Opernorchester zu verpflichten: Mit silberfeinem Klang, äußerster Präzision und hörbar leidenschaftlichem Einsatz ließen die Resonanzler mit Minasi in großer, fast vierzigköpfiger Besetzung neue, spannende Dimensionen in Glucks Musik aufblitzen.
Was wohl nur zustande kam, weil das Hausorchester, die Philharmoniker, in ihrer Mehrheit auf Südamerikatournee gingen, sollte durchaus zur Wiederholung in Betracht gezogen werden. Vielleicht bekommen so ja auch mal die wunderbaren Händel-Inszenierungen „Alcina“, „Radamisto“ oder „Giulio Cesare in Egitto“ wieder eine Chance, die Hamburg seit Jahren schändlicherweise im Depot verstauben lässt?
Zweimal noch geht die „Iphigénie“ mit dem Ensemble Resonanz über die Hamburger Opernbühne, dann ist erstmal Schluss mit einem Experiment, das im Lauf der Vorstellung durchaus Suchtpotenzial entfaltet.

C.P.E. Bach – Entdeckungen und Überraschungen
Wie gut, dass Resonanz-Fans sich gleich CD-Nachschub besorgen können. Nach den sechs Hamburger (Streicher-)Symphonien Wq 182 von Carl Philipp Emanuel Bach hat die Erfolgskombi Resonanz/Minasi jetzt auch die vier Orchestersymphonien eingespielt. Und wenn sie das spielen, klingt die Musik, als hätte der Hamburger Bach eben erst die Feder beiseitegelegt – so frisch, spannend, überraschend und überwältigend präsent lebendig kommen diese Symphonien aus den Lautsprechern.

Ensemble Resonanz neue CD mit C.P.E. BachBach lässt im Orchester erstmals die Bläser von Leine, er gibt ihnen eigenständige Parts und lässt sie nicht nur Streicherlinien doppeln und erweitert so die Ausdrucksmöglichkeiten des Orchesterklangs enorm. Vier Jahre nur vor Glucks „Iphigénie“ geschrieben, reißen sie ein Universum neuer musikalischer Ausdrucksmöglichkeiten auf: kühne Konventionsbrüche, überraschende melodische Einfälle, verwegene Modulationen – diese Musik braucht den Vergleich mit der des dem Salzburger Wunderknaben kein bisschen zu scheuen, der denn später auch lobte: „Er ist der Vater, wir sind die Bub’n.“. Und es ist wieder Riccardo Minasi, der das Ensemble Resonanz zu Höchstleistungen anspornt, die mit unüberhörbarer Freude geliefert werden, ob bei irrwitzigen Tempi oder dem betörenden vibratolosen Streicherklang im Larghetto aus Wq 183/3.
Das C.P.E.-Bach-Jubiläum – 200.Geburtstag im Jahr 2014 – hat gezeigt, dass bei diesem Sohn des Leipziger Bachs noch viel zu entdecken ist. Eine solche Entdeckung enthält auch diese CD: die sechs Bläsersonaten Wq 184, ein Beitrag Bachs zu den damals gerade als Outdoor-Entertainment oder Tafelmusik in Mode kommenden Harmoniemusiken für Holz und Blechbläser. Für Bach waren das auch hübsche Fingerübungen beim Entwickeln seiner neuen symphonischen Bläserparts.

Symphonien wie Sonaten sind keine Dutzendware aus einer blassen Übergangszeit, sondern man hört, vom Ensemble Resonanz klug geführt, Takt für Takt, wie der Hamburger Bach musikalisches Neuland betritt. Ein spannendes Hörabenteuer.

Gluck: Iphigénie en Tauride
Mit dem Ensemble Resonanz und Riccardo Minasi. Hamburgische Staatsoper,
Do, 13.10. und Sa, 15.10., jeweils 19:30.
Karten im Internet oder unter (040) 3568 68.

C.P.E. Bach: 4 Symphonies Wq 183 und 6 Sonatas Wq 184
Carl Philipp Emanuel Bach (1714-1788); Orchester-Sinfonie D-Dur Wq 183/1
Joseph Haydn (1732-1809); Konzert G-Dur für Violine und Orchester
Carl Philipp Emanuel Bach; Orchester-Sinfonie Es-Dur Wq 183/2
Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791); Sinfonie Nr. 40 g-Moll KV 550
Riccardo Minasi (Violine und Dirigent), Ensemble Resonanz
CD Es-Dur
ES 2070
CD-Release-Konzert: Fr 14.10.2016, 18:30 Uhr
resonanzraum St. Pauli
Der Eintritt ist frei.

Abbildungsnachweis:
Headerfoto: Jann Wilken
CD-Cover

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Blog > Musik > Ensemble Resonanz: Gastspiel in der Staatsope...

Mehr auf KulturPort.De

Daniel Fuhrhop: Verbietet das Bauen! Eine Streitschrift.
 Daniel Fuhrhop: Verbietet das Bauen! Eine Streitschrift.



In diesen Tagen ist die Wohnungsnot eines der wichtigsten Themen der Politik. Sonst kann man sich ja auf überhaupt nichts einigen, aber hier kennt man über all [ ... ]



Giving Art a Face von Michael Knepper in der Galerie Kunstraum Hamburg
 Giving Art a Face von Michael Knepper in der Galerie Kunstraum Hamburg



Wie schreibt man eine Kunstkritik, wenn man mit dem Künstler seit Kindertagen befreundet ist? Vielleicht lieber gar nicht!? Gerade auch, weil sich die Kunst ein [ ... ]



Dimitri Monstein Ensemble: Landscape
 Dimitri Monstein Ensemble: Landscape



Das Schlagzeug als Solo-Instrument ist nicht unbedingt das, was man auf einer Jazz-Platte erwartet. Denn eigentlich ist es nichts selbstverständlicher, beweist  [ ... ]



Privattheatertage 2019: „Die Schulz-Story“. Oder wie „verzwerge“ ich mich selbst
 Privattheatertage 2019: „Die Schulz-Story“. Oder wie „verzwerge“ ich mich selbst



Keine andere Partei zelebriert die Selbstzerfleischung so exzessiv wie die SPD! Nun hat ein Kapitel Leidensgeschichte jüngster Zeit sogar Bühnenreife erlangt:  [ ... ]



„Sunset”. László Nemes’ Metaphorik des Abgrunds
 „Sunset”. László Nemes’ Metaphorik des Abgrunds



„Sunset” ist eine atemberaubende verstörende Vision, hinter deren unfassbar exquisiter Schönheit sich der Horror selbstzerstörerischer Zivilisationen verb [ ... ]



Focusyear Band: Open Paths
 Focusyear Band: Open Paths



Eigenartiger Name für eine Band! Ein fokussiertes Jahr – was hat es mit der zeitlichen Limitierung auf sich?
Focusyear ist ein einjähriges Programm für ein [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.