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Musik

20 Jahre Internationales Opernstudio in Hamburg

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Freitag, den 24. Oktober 2014 um 12:41 Uhr
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20 Jahre Internationales Opernstudio in Hamburg Foto JKipping

Was ist die spezifische Aufgabe eines Internationalen Opernstudios?
Es sollte jungen Opernsängern als Initialzündung für ihre berufliche Laufbahn dienen. Alle Aspekte der Arbeit am Musiktheater, vom Rollenstudium bis hin zur Aufführung – aber auch Meis­­ter­­kurse, Konzertauftritte und Wettbewerbe – sind Schritte auf dem Weg in dieses sehr besondere und he­rausfordernde Metier. Seit der Gründung des Internationalen Opernstudios in Hamburg 1994 ist es uns umfassend gelungen, junge Sängerinnen und Sänger zu diesem Ziel zu begleiten.

Bei der Ausrichtung und Profilierung des Opernstudios ist es für mich selbst sehr hilfreich, Vergleiche mit ähnlichen Institutionen ziehen zu können. Ich schöpfe aus meiner Erfahrung mit entsprechenden Tätigkeiten an verschiedenen Häusern, etwa dem National Opera Studio London, dem Atelier Lyrique de l’Opéra de Lyon, dem Opernstudio der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf und dem Opéra Studio de La Monnaie in Brüssel. Verglichen mit diesen hat Hamburg einen immensen Vorteil: als Repertoiretheater bringt es pro Saison über 30 verschiedene Opern auf die Bühne. Das ist keine Selbstverständlichkeit im internationalen Opernbetrieb. An der Staatsoper Hamburg bilden die jungen Künstler vom ersten Moment an eine Einheit innerhalb des Sängerensembles. Um diesen hochprofessionellen Ansprüchen gerecht zu werden, legt die Ausbildung besonderen Wert auf Sprachen und Diktion. Denn schließlich müssen innerhalb einer einzigen Spielzeit Rollen in Deutsch, Italienisch, Französisch, Russisch, Tschechisch und Englisch gesungen werden. Nicht die phonetische Aussprache allein ist entscheidend – auch das Gespür für literarische und dramaturgische Hintergründe wird geschult, um Inhalte positiv und individuell vermitteln zu können. Jeder Sänger soll zunächst seine eigene Persönlichkeit in die studierte Partie einbringen können, um sich dann mit dem Charakteristischen des jeweiligen musikalischen Stils zu beschäftigen.

Es ist uns ein besonderes Anliegen, musikalische Impulse sowohl für das Repertoire der Staatsoper Hamburg als auch für Gastauftritte, Konzerte und Wettbewerbe außerhalb zu geben. Das ist wichtig für die Entwicklung eines jeden Sängers oder Musikers und spielt eine bedeutende Rolle für weitere Engagements. Während des zweijährigen Stipendiums im Opernstudio werden oft Grundsteine für spätere Entwicklungen gelegt. 2008, zum 100. Geburtstag von Olivier Messiaen, konnte ich Christiane Karg dessen »Trois Mélodies« vorstellen. Schon bald knüpfte Christiane Karg daran an, als sie den großen Messiaen-Zyklus »Chants de terre et de ciel« mit großem Erfolg im NDR und in der Kölner Philharmonie sang. Wichtig ist auch die Teilnahme an Wettbewerben, um den musikalischen Horizont zu erweitern und internationale Erfahrung zu sammeln. Hier setzte Katerina Tretyakova, damals bereits Ensemblemitglied, 2013 einen Glanzpunkt: Sie gewann den Ersten Preis beim Internationalen Francisco Viñas-Gesangswettbewerb in Barcelona.

Das Erweitern des Horizonts wird besonders groß ge­schrieben beim Internationalen Gesangswettbewerb »Stella Maris«: die Teilnehmer müssen sich nicht nur mit Opernarien präsentieren, sondern auch die Bereiche Oratorium und Lied abdecken. In den letzten beiden Jahren schickte das Internationale Opernstudio die Sopranistin Mélissa Petit und die Mezzosopranistin Ida Aldrian erfolgreich ins Rennen: Sie erhielten insgesamt drei Auszeichnungen beim »Stella Maris«-Wettbewerb. Und immerhin mussten sich die beiden Sängerinnen dort gegen Kolleginnen und Kollegen aus der Wiener Staatsoper, dem Nationaltheater München, der San Fran­cisco Opera, dem Royal Opera House Covent Garden und der Metropolitan Opera New York durchsetzen: ein schönes Gütesiegel für die Ausbildung in Hamburg.

In Zeiten, wo eine so große Anzahl von qualifizierten Sängern die Musikhochschulen verlässt, ist es auf dem kompakten Markt extrem schwer, an das erste Engagement zu kommen. Die Brücke dahin muss die praktische Erfahrung bilden: bei der Ensemblearbeit aufeinander zu hören, die Impulse des Dirigenten ab der ersten musikalischen Probe umzusetzen, schrittweise in die szenische Arbeit hineinzuwachsen bis schließlich hin zur Verkörperung großer Rollen. Vor allem muss jedes Opernstudiomitglied individuell lernen, wie man das nötige Durchhaltevermögen entwickelt, um den täglichen Belastungen dieses Berufs standzuhalten. Dafür ist die Arbeit eines Internationalen Opernstudios unabdingbar.

Das Gala-Konzert zum 20jährigen Jubiläum des Internationalen Opernstudios der Hamburgischen Staatsoper findet statt am: 2. November 2014, um 18.00 Uhr.
Musikalische Leitung: Simone Young
Solisten: Christiane Karg, Inga Kalna, Mélissa Petit, Vida Mikneviciute, Ann-Beth Solvang, Martin Homrich, Hoyoon Chung, Dominik Köninger, Andreas Hörl, Oliver Zwarg, Katja Pieweck, Katerina Tretyakova, Maria Markina, Jun-Sang Han, Dovlet Nurgeldiyev, Chris Lysack, Jan Buchwald, Moritz Gogg, Wilhelm Schwinghammer, Anat Edri, Christina Gansch, Ida Aldrian, Benjamin Popson, Daniel Todd, Vincenzo Neri und Stanislav Sergeev.
Philharmoniker Hamburg

Karten sind an der Tageskasse der Hamburgischen Staatsoper, unter der Telefonnummer (040) 3568 68, im Internet unter www.staatsoper-hamburg.de sowie an allen bekannten Vorverkaufsstellen erhältlich.


Dieser Artikel erscheint in Kooperation mit der Hamburgischen Staatsoper, Alexander Winterson schrieb diesen Beitrag für das Journal Nr. 2 2014/2015. Seit 2010 ist Alexander Winterson Musikalischer Leiter des Internationalen Opernstudios. 2011 dirigierte der Künstler die Opernstudio-Produktion »Wir sind daheim«. 2013 leitet er ebenfalls die Produktion des Internationalen Opernstudios, Luke Bedfords "Seven Angels", sowie in der Reihe Black Box 20_21 die Produktion "USA: poetry on stage".


Abbildungsnachweis:
Die Mitglieder des Internationalen Opernstudios der Hamburgischen Staatsoper 2014/15: Benjamin Popson, Anat Edri, Vincenzo Neri, Stanislav Sergeev, Christina Gansch und Daniel Todd. Foto: © Jörn Kipping.

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