Neue Kommentare

Lothar Hamann zu „Cold War – Der Breitengrad der Liebe” - Oder die Magie einer schwarzen Leinwand: GEWINNER DES EUROPÄISCHEN FILMPREISES 2018!...
Rafael Gunnarsson zu „Climax”. Die unwiderstehlichen Abgründe des Gaspar Noé: Zeit, Bild und KulturPort sind sich alle einig? D...
Cornelie Müller-Gödecke zu 100 Jahre Lettland: Handschuh-Daumen hoch: Danke für diesen Artikel!
Und Danke für...

Herby Neubacher zu Peter de Vries – Hut- und Urnenhüllen-Macher: Mal auf die Website des Hutmachers geguckt? 500 E...
Hedi Schulitz zu Thomas Mann Preis 2018 für Mircea Cărtărescu: Was für ein wirklich gut geschriebener Artikel! ...

Lange Nacht der Museen Hamburg

Hamburger Architektur Sommer 2015


Festivals, Medien & TV

Stummfilmtage in Bonn zeigen den „Homunculus“

Drucken
(127 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Montag, den 21. Juli 2014 um 09:01 Uhr
Stummfilmtage in Bonn zeigen den „Homunculus“ 4.6 out of 5 based on 127 votes.
Stummfilmtage in Bonn

Stummfilme im Kino? Heute eine Seltenheit.
Die Bonner Stummfilmtage dagegen begeben sich alljährlich auf ambitionierte Archivrecherche, und bringen zum 30. Jubiläum den verloren geglaubten Serienhit „Homunculus“ wieder auf die große Leinwand.

Der Stummfilm gilt vielerorts als medienhistorisches Relikt. Zum einen ist ein Großteil des frühen Filmschaffens bereits unwiederbringlich verloren, da zahlreiche Stummfilme stark beschädigt, unzureichend erhalten und archiviert, verschollen oder gar mutwillig zerstört worden sind. Zum anderen ist die heutige Lagerung und Restaurierung des empfindlichen Filmmaterials aufwendig, Vorführungen sind selten. Daher gehören die Internationalen Stummfilmtage in Bonn zu einer der wenigen Gelegenheiten, die frühe Filmkunst überhaupt aufgeführt zu sehen. Bei der Kino-Veranstaltungsreihe, das dieses Jahr vom 7. bis 17. August stattfindet, werden ausgewählte Stummfilmproduktionen als Open-Air-Veranstaltung im Arkadenhof der Bonner Universität gezeigt, untermalt von live eingespielter Musikbegleitung – und dazu noch kostenlos.

Ein Konzept, das auch bei Zuschauern ankommt, die sonst wenig mit Stummfilmen anfangen können: Denn obwohl – oder gerade weil – bei dem Programm bewusst auf übliche Stummfilmklassiker verzichtet wird, um auch bislang unbekanntere Produktionen vorzustellen, können die Bonner Stummfilmtage inzwischen mehr als 25.000 Besucher anlocken. Das diesjährige Festival-Plakat wirbt mit dem „Homunculus“, einem künstlich erschaffenen Menschen auf der verzweifelten Suche nach Liebe, ursprünglich eine sechsteilige Serie, die unter der Regie von Otto Rippert zwischen 1916-1917 entstand. Die bis dato nur fragmentarisch vorhandene Arbeit kommt in der vom Filmmuseum München rekonstruierten Fassung hier erstmals zur Aufführung. Weiterer Fokus der Stummfilmtage ist dieses Jahr der Erste Weltkrieg: Gezeigt wird z.B. „Ich klage an“ („J’accuse!“), ein später als pazifistisches Werk gefeierter Film von Abel Gance über den Horror des Krieges, vor dessen Hintergrund sich ein unglückliches Liebesdreieck entspinnt. Ähnlich widmet sich der Sonderprogrammpunkt „In Treue fest!“ den Kriegsjahren: Die Laterna-Magica-Performance, also einer frühen Projektionstechnik, bei der farbig gestaltete Glasplatten an die Wand projiziert werden, zeigt Lichtbilder aus der Zeit von 1914 bis 1918, die für die Zurückgebliebenen das Leben an der Front illustrieren sollten.

Eröffnet werden die Stummfilmtage allerdings mit etwas leichterem Stoff: Den Auftakt macht „Der Angeber“ („The Show Off“), eine auf dem gleichnamigen Broadway-Stück basierende Komödie mit der jungen Louise Brooks, einer späteren Stummfilm-Ikone, und Ford Sterling, der als einer der größten Konkurrenten von Charlie Chaplin gehandelt wurde. Von Chaplin selbst wird „Die Rollschuhbahn“ („The Rink“) bei den Bonner Stummfilmtagen zu sehen sein, der erste Chaplin-Film, der nach dem Ersten Weltkrieg in Deutschland gezeigt wurde. Zu den bekannteren Namen des Festivals gehört auch Buster Keaton, dessen Film „Der Boxer“ („Battling Butler“) laufen wird, ebenso wie Hitchcocks Frühwerk „Der Schrecken von London“ („The Lodger“) oder Ernst Lubitsch mit seiner Musical-Komödie „Monte Carlo“. International gesehen sind Stummfilme aus Tschechien, Spanien, Frankreich, Großbritannien, USA, der UdSSR, Österreich, Schweden und sogar China beim Bonner Sommerkino mit vertreten.

Ganz klar: Die Stummfilmtage sind ein Herzblutprojekt, wie auch Leiterin Sigrid Limprecht herausstellt. Denn neben dem organisatorischen Mehraufwand an Recherche, Filmbeschaffung, Projektionstechnik und Musikbegleitung müssen die Stummfilmtage immer wieder um ihre Finanzierung kämpfen – und bestehen dennoch weiterhin auf freien Eintritt. Das diesjährige Budget von 160.000 Euro wird von einer Mischfinanzierung aus Mitteln der Stadt, der Filmstiftung NRW und der Filmförderung des Bundes getragen, zusätzlich gestützt von Eigenmitteln und Sponsorengeldern. Ein Engagement, das belohnt wird: Dieses Jahr feiern die Internationalen Stummfilmtage ihr 30. Jubiläumsjahr, und das, obwohl das ursprüngliche Rahmenfestival „Bonner Sommer“ längst eingestellt worden ist. „Hauptsache ist, dass möglichst viele Leute die Filme zu sehen bekommen“, so unterstreicht Leiterin Limprecht das erklärte Ziel der Bonner Stummfilmtage. Ganz in diesem Sinne finden die Film-Vorführungen auch bei schlechtem Wetter statt – Regencapes gibt es zur Not vor Ort zu erwerben.
 

Informationen zu den Stummfilmtagen
Das Programm zum Herunterladen
Datum: vom 7.-17. August 2014
Veranstaltungsort: Arkadenhof der Universität Bonn; Sonderveranstaltungen im LRV LandesMuseum Bonn.
Eintritt: Kostenlos. Im Arkadenhof ist die Platzzahl auf 1500 Personen begrenzt, Plätze können nicht reserviert werden.


Abbildungsnachweis:
Header: Blick in den Arkadenhof mit Stummfilmleinwand.
Galerie:
01. "Homunculus". Foto: Filmmuseum München
02. "Der Angeber". Foto: Förderverein Filmkunst Bonn e.V.
03. Arkadenhof der Universität Bonn.

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 

Mehr auf KulturPort.De

Biografischer Roman von Jana Revedin: „Jeder hier nennt mich Frau Bauhaus – das Leben der Ise Frank“
 Biografischer Roman von Jana Revedin: „Jeder hier nennt mich Frau Bauhaus – das Leben der Ise Frank“



1919 hat Walter Gropius die Kunstschule „Staatliches Bauhaus in Weimar“ gegründet. Obwohl die Bauhaus-Schule nur 14 Jahre bestand, wirkt sie bis in die heut [ ... ]



einfach gut. Design aus Dänemark
 einfach gut. Design aus Dänemark



Design aus Dänemark genießt einen sehr guten Ruf. Den Fragen „warum“ und „was ist einfach und deswegen gut“, geht das Wilhelm Wagenfeld Haus in Bremen  [ ... ]



Der Chor der Hamburgischen Staatsoper: Gute Stücke, gute Arbeit
 Der Chor der Hamburgischen Staatsoper: Gute Stücke, gute Arbeit



Ob Bach, Mozart, Verdi, Wagner, Schumann oder Ruzicka, das Spektrum der Aufgaben erscheint unermesslich und verlangt höchste Flexibilität: Der Chor der Hamburg [ ... ]



Das Bauhaus und seine Frauen. Die Avantgarde war auch weiblich
 Das Bauhaus und seine Frauen. Die Avantgarde war auch weiblich



Walter Gropius, Josef Albers, Lászlo Moholy-Nagy oder Wassily Kandinsky und Ludwig Mies van der Rohe gelten heute als Ikonen des modernen Designs und der Kunst  [ ... ]



Jasper Frederik: Beautiful
 Jasper Frederik: Beautiful



Er ist ein Mysterium – keinerlei Angaben wer sich hinter dem Pseudonym Jasper Frederik verbirgt. Nur so viel lässt sich, trotz intensiver Recherche herausfind [ ... ]



Weihnachtszeit – Messezeit
 Weihnachtszeit – Messezeit



Was, schon wieder Weihnachten? Jedes Jahr das gleiche Erstaunen, der innere Kalender will mit dem äußeren einfach nicht zusammenpassen. Doch wenn mit einem Sch [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.