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Filmfest Hamburg 2013: politisch und intermedial

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Mittwoch, den 25. September 2013 um 09:27 Uhr
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Filmfest Hamburg: politisch und intermedial

Das Filmfest Hamburg, das dieses Jahr vom 26. September bis 5. Oktober stattfindet, setzt auf altbewährte Themen-Sektionen, bezieht sich aber auch verstärkt aufs Zeitgeschehen.
Wer das Filmfest Hamburg bereits in seinen Terminkalender eingetragen hat, kann wieder aus einem umfangreichen Programm auswählen: Das mit 151 Filmen gut gefüllte zehntägige Festival widmet sich auch dieses Jahr dem aktuellen Kinoschaffen des deutschen und internationalen Raums. 2013 gibt es trotzdem einige Neuerungen.

Zunächst wird das Filmfest deutlich politischer: Gerade weil Festivalleiter Albert Wiederspiel seit seinem Amtsantritt immer kritische Filme aus Persien zeigte ist nicht umsonst der diesjährige Länderschwerpunkt auf dem Iran gelegen, dessen lebendige Filmkultur unter der repressiven Kulturpolitik des Landes in den letzten Jahren sichtbar in Mitleidenschaft gezogen wurde und Filmemacher gegenwärtig äußerste Risiken auf sich nehmen müssen, um ihrem Beruf nachzugehen. Bestes Beispiel dafür ist iranische Regisseur Jafar Panahi, der wegen seiner regimekritischen Haltung zurzeit in seinem Heimatland unter Hausarrest steht und aufgrund eines Berufsverbots gegenwärtig nur noch im Geheimen Filme drehen kann. Dass das Filmfest Hamburg Jafar Panahi als Kurator für die diesjährige Sektion „Iran Deluxe“ ausgewählt hat, setzt ein deutliches Zeichen: In den vom ihm ausgewählten neun Filmen, die zwischen 1962 bis 1991 entstanden sind, soll die Vielseitigkeit des iranischen Kinos gezeigt werden, das sich trotz der kulturfeindlichen Maßnahmen der Regierung zu behaupten weiß.

Die Filmauswahl von „Iran Deluxe“ stellte die Verantwortlichen dabei auch organisatorisch vor einige Herausforderungen: „Es war wirklich nicht einfach, die Kopien aus dem Land zu bekommen“, erzählt Festival-Programmleiterin Kathrin Kohlstedde. Denn einige der ausgewählten Filme unterliegen Aufführungsverboten und konnten nur über Umwege nach Hamburg gelangen. Den Auftakt der Reihe bildet Jafar Panahis eigener Film „Closed Curtain“ von 2013, den der Regisseur mit Drehbuchautor Kamboziya Partovi heimlich am Kaspischen Meer im Nordiran drehte. Außerhalb der Kategorie zeigt das Filmfest Hamburg zusätzlich mit „The Shallow Yellow Sky“ von Barham Tavakkoli und „Manuscripts don’t burnt“ von Mohammad Rasoulof neue Filme des iranischen Kinos. Letzterer wollte eigentlich auch persönlich beim Filmfest dabei sein – ihm wurde aber erst vor wenigen Tagen am Iraner Flughafen sein Reisepass abgenommen.

Politisch ist das Filmfest Hamburg dieses Jahr auch mit seinem Fokus auf den Exilanten-Film. Sektionsübergreifend werden dabei sieben Filme gezeigt, die das Leben in der Fremde thematisieren, wobei zwei Völker der Diaspora besonders in den Blick genommen werden: die Juden und die Armenier. Während die Exilfilme bekannter Namen wie Max Ophüls, Fritz Lang und Ernst Lubitsch dem Publikum bereits hinreichend bekannt sein dürften, widmet sich das Filmfest Hamburg dem vergleichsweise wenig thematisierten Exodus jüdischer Einwanderer aus arabischen Ländern am Beispiel von Marokko und Ägypten, wie Festivalleiter Albert Wiederspiel erläutert. Dazu werden die Dokumentarfilme „Tinghir-Jérusalem, Echoes from the Mellah“ und „Jews of Egypt” gezeigt. Dagegen beschäftigt sich der Film „Saroyan Land“ von Lusin Dink mit dem Pulitzer-Preisträger William Saroyan und dessen Rückkehr in die Heimatstadt seiner armenischen Eltern. Dass „Exil“ aber nicht immer nur eine geografische Wanderung, sondern auch als inneres Exil verstanden werden kann, demonstriert der Film „Once I Entered A Garden“ von Regisseur Avi Mograbi, der mit seinem Freund Ali Al-Azhari durch eine Reise durch Israel aufbricht und dabei einen kritisch-melancholischen Blick auf seine Heimat wirft.

In seiner thematischen Ausrichtung nimmt das Filmfest Hamburg aber nicht nur Bezug auf gegenwärtige politische Entwicklungen, sondern widmet sich dieses Jahr auch gezielt der filmischen Medialität an sich – und reagiert damit auf neue, genreübergreifende Formen des Kinos, die verstärkt in gegenwärtigen Produktionen zu beobachten sind. Dazu zählt zum einen das Trend-Phänomen der ‚hybriden Filme‘: „Die Kategorie der hybriden Filme haben wir geschaffen, weil sich viele unserer gezeigten Filme nicht mehr so einfach in Kategorien wie ‚Fiktion‘ oder ‚Dokumentarfilm‘ einordnen lassen“, so Albert Wiederspiel. Wie zum Beispiel im Film „Tito on Ice“ von Max Andersson und Helena Ahonen, der dokumentarisches Filmmaterial mit Animationselementen mischt und durch seine collagenartige Erzählweise die technischen und narrativen Möglichkeiten des Mediums spielerisch erprobt und neu auslotet.

Den spezifisch filmischen Darstellungs- und Erzählweisen widmet sich das Filmfest Hamburg aber auch mit Blick auf die intermediale Beziehung von Literatur, Sprache und Film. „In den Vorjahren haben wir uns bereits mit dem Wechselverhältnis von Film und Kunst, Tanz und Musik beschäftigt, dieses Jahr ist das Wort dran“, so Wiederspiel. Dazu gehört die Literaturverfilmung, seit jeher das Paradebeispiel für die narrative Schnittstelle von Buch und Film: Gezeigt wird die Verfilmung „Das große Heft“ nach dem Roman von Ágota Kristóf. Experimenteller ist da das Musical „Opium“ von Arielle Dombasle, die vierzehn Gedichte von Jean Cocteau zu einem surrealen Rausch der Worte und Bilder vermischt.


21. Filmfest Hamburg, vom 26. September bis 5. Oktober 2013. Mehr Informationen zum Programm und den Spielstätten unter: www.filmfesthamburg.de
Das Michel Kinder und Jugend Filmfest lädt vom 27. September bis 05. Oktober 2013 ins Abaton Kino ein.

Abbildungsnachweis:
Header: Filmfest Hamburg-Logo
Galerie:
01. Filmfest Hamburg. Foto: Michael Kottmeier
02. „Bashu the Little Stranger" von Bahram Bayzai (1986)
03. "Runner" von Amir Naderi (1985)
04. Tilda Swinton, Douglas-Sirk-Preis-Gewinnerin 2013. Foto: Pandora Film/Hanway Films
05. "Eröffnungsfilm „Gabrielle“ von Louise Archambault. Foto: Alamode
06. Deutschlandpremiere von „Tore tanzt“ der Regisseurin Katrin Gebbe
07. Aus dem Michel-Programm: "Sputnik" von Markus Dietrich, 2013. Foto: MFA + Filmdistribution

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