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Hamburger Architektur Sommer 2019

Musik
Regy Clasen Foto Jona Laffin

Meine kleine Schwester im Herzen, Regy Clasen, hat am vergangenen Samstag ihre Flügel ausgebreitet und ist davongeflogen wie das Rotkehlchen vor ihrem Fenster, über das sie sich noch ein paar Stunden zuvor gefreut hatte.
Bis zum letzten Moment ihres Lebens war sie – bewundernswert klar und bewusst – umgeben von ihrer Familie, Freundinnen und Freunden, Kollegen und Kolleginnen, die ihre letzten Monate im Hospiz auf außergewöhnliche Art und Weise begleiteten.

So wurden z.B. Hörbücher mit hunderten Seiten eingelesen und produziert, da Regys Sehkraft rapide nachgelassen hatte, sogar noch als ihr Hörsinn immer beeinträchtigter wurde. Ich habe noch nie erlebt, dass ein Mensch mit soviel Liebe auf dem letzten Weg begleitet wurde. Und ich bin überwältigt davon, wieviel Liebe, Mut und Zuversicht Regy auf ihrem letzten Weg denen zurückgab, die sie verlassen musste. Dafür ein riesen großes ‚Danke‘ an alle und vor allem an Regy, die uns in diesen letzten Monaten so vieles lehrte.

Anfang des Jahrtausends traf ich eines Morgens zufällig Pe Werner in einem Kölner Café, die mir in den höchsten Tönen von Regys Debutalbum erzählte. Neugierig geworden machte ich mich sofort nach unserem Gespräch auf den Weg, um mir dieses Album zu besorgen. Schon auf dem Rückweg schob ich die CD in meinen Player und verliebte mich schlagartig in ihre Stimme, ihre Texte, ihre Songs. Kaum zu Hause angekommen, schrieb ich ihr eine Mail und bald darauf trafen wir uns das erste Mal in Hamburg. Es war ein Treffen von Geschwistern im Herzen. Diese Stimme, dachte ich, diese Songs sollten ALLE erreichen. Egal in welchem Sender ich gerade für ein Interview zu Gast war, ich sprach über Regy Clasen, nahm sie mit nach Berlin in mein Konzert und sang mit ihr auf der Bühne. Auf meinem Album „So und nicht anders“ ist sie mit drei Gastauftritten vertreten ebenso wie auf der Neuproduktion von „Verliebte Jungs“ für die Jubiläumsausgabe der ZDF-Hitparade. Unsere Stimmen passten nicht nur gut zueinander, nein, sie schmiegten sich regelrecht aneinander. Jedes gesungene Wort von Regy war/ist eine klingende Geschichte. Ihre phänomenale Musikalität war das eine, das andere war ihr großes Herz, ihre sonnengleiche Strahlkraft und Bescheidenheit. Für jede Musikerin, jeden Musiker war die Zusammenarbeit mit Regy ein Geschenk, für das man dankbar sein muss.

Am Ende war ich es, der tief enttäuscht war von der Arroganz und Ignoranz der deutschen Radiomacher, die sich weigerten, ihre Songs zu spielen, während Regy damit schon längst ihren Frieden geschlossen hatte.
Wer Regy auf der Bühne erleben durfte, weiß, dass diese kleine Frau mit ihrer Stimme dahin vorstoßen konnte, wohin nicht einmal manche ihrer Hörer*innen vorstießen: in die Tiefe ihrer Herzen.
In meines stieß sie vor 20 Jahren, und da wird sie auch immer bleiben.
Danke an alle Regy-Schätze, die ihr in den letzten drei Monaten zur Seite standen und an die MitarbeiterInnen des Hospizes in Altona.

Regy Clasen (26.07.1971-28.03.2020)

Weitere Informationen sind auf ihrer Homepage zu finden.

KulturPort.De dankt Purple Schulz für die Überlassung seines Nachrufs sowie dem Büro für Künstler – Hasko Witte GmbH.


Abbildungsnachweis:
Regy Clasen, Foto: Jona Laffin

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