Anzeige

Wer ist online?

Wir haben 969 Gäste online

Neue Kommentare

Phil zu "A Ghost Story". Der wehmütige Minimalismus des David Lowery: Rooney Mara ist wirklich zu bewundern für ihren ...
Herby Neubacher zu Kopf-Hörer 19 - für den Advent geeignet: Ja, da war doch was mit dem Advent? Ach ja, da wu...
franky zu 10 Jahre Lichte Momente 2017 – Outdoor-Videoprojektionen in Osnabrück : Lichte Momente sind großartig und machen richtig...
Dr. Seán Ó Riain, Irische Botschaft, Wien zu Hamburg vergibt Förderpreise für Literatur und literarische Übersetzungen 2017: Ich gratuliere recht herzlich Frau Gabriele Haefs...
Herby Neubacher zu Weihnachtsoratorium vom Ensemble Resonanz: Frohlocken unter Freunden: Die Geschmacklosigkeit schreckt wirklich heute vo...

Meinung

KlassikKompass – Musik im Mittelalter: Blut der Schlachten und Mut der Helden. Kampf den Mauren und Sepharden

Drucken
(216 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Mittwoch, den 29. Januar 2014 um 10:22 Uhr
KlassikKompass – Musik im Mittelalter: Blut der Schlachten und Mut der Helden. Kampf den Mauren und Sepharden 4.6 out of 5 based on 216 votes.
Friedliche Schlachten: Estampie & Battaglia
Altfranzösisch ‚Estampie’ und alt-okzitanisch ‚Estampida’ war der Name einer bei den Trouvères und Trobadors seit der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts verbreiteten höfischen Gattung des Tanzliedes sowie verwandter rein instrumentaler Stücke und wurde in Traktaten des 14. und 15. Jahrhunderts gelegentlich auch für eine Musikgattung ohne Bezug zu diesen mittelalterlichen Estampien gebraucht.
Der Name leitet sich her von gotisch ‚stampjan’, ‚stampfen’, bedeutet also vermutlich ‚Stampflied’ oder ‚Stampftanz’, und fand in der Folgezeit als italienisch ‚Stampita’ oder auch ‚Istanpitta’, deutsch ‚Stampenie’ oder ‚Stampania’, sowie englisch ‚Stamp’ oder ‚Staump’ auch in weiteren Ländern Europas – namentlich in Spanien – Verbreitung.
Aus dem wilden Stampfen der attackierenden Schlachtrosse und dem Takt der marschierenden Soldaten wurde das starke Auftreten auf dem höfischen Tanzboden – friedliche Schlachten, begleitet von Cornemusen, Fiddeln, Drehleiern und Schellen und Trommeln.
In der Neuzeit der Frührenaissance hat sich dann die französische Form ‚Estampie’ als der übliche Name durchgesetzt, mit dem in der Musik- und Literaturgeschichte nicht nur speziell die nordfranzösische, sondern allgemein diese aus dem Mittelalter stammende Tanzform bezeichnet wird. Die Estampie als mittelalterliches Tanzlied ist mehrstrophig, charakterisiert durch einen Wechsel langer und kurzer Verse innerhalb der einzelnen Strophe. Der Strophenbau selber variiert ebenfalls von Strophe zu Strophe so zumindest bei den altfranzösischen Trouvères, weshalb man an Herleitung aus der lateinischen Sequenz gedacht hat, während der Strophenbau bei den altokzitanischen Trobadors auch gleich bleiben kann. Die Chronologie und Überlieferung der sechs altokzitanischen und 19 altfranzösischen Estampien erlaubt keine ganz eindeutige Schlussfolgerung, ob das Genre zuerst bei den Trouvères oder bei den Trobadors aufkam.
Das bekannteste okzitanische Exemplar der Gattung, Kalendas Maias von Raimbaut de Vaqueiras (gestorben 1202), ein im Schlussvers als ‚Estampida’ bezeichnetes, sechstrophiges Lied, zu dem auch eine Melodie überliefert ist. Demnach verfasste Raimbaut das erste Estampie-Lied am italienischen Hof des Markgrafen Bonifatius I. von Montferrat (1150-1207), dem Anführer des Vierten Kreuzzugs nach Konstantinopel 1203, nachdem er dort zuvor zwei Spielleute aus Frankreich eine instrumentale Estampie auf der Fidel vortragen hörte.
Die vielen Kriege hinderten Bonifatius nicht daran, an seinem Hof die ritterliche Kultur und den Minnesang zu fördern.
Neben Raimbaut de Vaqueiras verkehrten an seinem Hof auch die provenzalischen Trobadore Peire Vidal (1160–1205), Gaucelm Faidit (1185-1202) und Arnaut de Mareuil, die ob der Unruhen um die Albigenser ) in Montferrat im Exil lebten. Über diese Albigenser-/Katharer-Kriege berichtete ich im KlassikKompass in Folge II der Mittelalterlichen Musikserie.
Das neben der ‚Estampie’ zweite musikalische Schlachtengemälde, die ‚Battaglia’, hergeleitet von dem italienischen Begriff für ‚Schlacht‘ ist eine Gattung der Programmmusik und stellt den Kampf konkurrierender Armeen, Gruppen oder Personen musikalisch dar. Diese Form entstand im Spätmittelalter aus der Tanzmusik der Estampies gemischt mit den Schlachterzählungen der Troubadoure. Sie übernimmt zunächst reine Kriegsschilderungen geht aber später auch – überhöht - von der Idee aus, das namentlich die Liebe eine immerwährende ‚Schlacht’ zwischen Frauen und Männern ist. Die Battaglia enthält meist zahlreiche Instrumentaleffekte, so die ‚col-legno’-Technik der Streicher (mit der Bogenstange), oder Fanfaren als Schlachtenrufe der Blechbläser, Glockengeläut als Triumph- und Friedenszeichen, Orgel und gegebenenfalls ein erweitertes Schlaginstrumentarium zur Imitation von Gewehrschüssen und Kanonensalven.

Hier folgen einige berühmte Beispiele für bekannte Renaissance- und Frühbarock-Komponisten und ihre musikalische ‚Battaglias’:
• Clément Janequin (1472-1560) ‘La battaglia francese’ oder ‘La Guerra’
• Giovanni Gabrieli (1557-1612) ‘Aria Della Battaglia’
• Samuel Scheidt (1587-1654) ‘Galliard battaglia à 5’
• William Byrd (1543-1623) ‘The Battell’ aus ‘My Ladye Nevells Booke of Virginal Music’ (1591)
• Marco Uccellini (1603-1680) ‘Sinfonia Boscarecia A Gran Battaglia, op.8’
• Dario Castello (1600-1658) ‘La Battaglia’ Sonata a quattro
• Cyriacus Wilche (1620-1667) ‘Battaglia’ für 2 Violinen, 3 Violen und Basso Continuo (1659)
• Heinrich Ignaz Franz Biber (1644-1704) ‚Battalia’ mit den Beschreibungen: ‚Das liederliche Schwärmen der Musquetirer’, ‚Mars’, ‚Die Schlacht’ – ‚Lamento der Verwundeten’ und ‚Baccho dedicirt’.

Diese musikalischen Schlachtengemälde stehen bis zum 18. Jahrhundert im Zusammenhang mit martialischen Zeremoniellen und können auch oft eine Bühnenmusik zu großen höfischen Theateraufführungen sein. Wichtiges Mittel in der mittelalterlichen Tanzmusik der Estampie wurde der Einsatz von aller Art von Schlaginstrumenten und Percussion.

‚Cum Tympano’ heißt eine CD die sich diesem Thema widmet. Tympano oder Tympanon war der aus dem Griechischen hergeleitete Name des Tambourins das bei keiner Vaganten Gruppe im Mittelalter fehlen durfte. Das Tympanon war im Antiken Griechenland und auch im antiken Rom eine kreisrunde, zweifellige Rahmentrommel. Sie wurde mit der rechten Hand getrommelt und meist von Frauen beim Dionysos-Kult benutzt.
Auch im ursprünglich aus Phrygien stammenden, später aber im gesamten römischen Reich verbreiteten Kybele-Kult spielte das Tympanon eine bedeutende Rolle. Auf Statuetten und Abbildungen wird entweder die Göttin selbst oder aber ihr Gefolge mit diesem Instrument gezeigt. Verwandt mit dem Tympanon ist das nur einseitig bespannte Tambourin.
Neben dem Tympanon kommen Katagnetten, Klappern, hoch und tief gestimmte Trommeln und Schellen zum Einsatz. Die Gruppe Freiburger Spielleyt führt auf ihrer CD Gesangs- und Instrumentalstücke zumeist von 1200 bis 1400 auf die für diese Schlagwerk begleitete Musik typisch waren. Unter anderem auch Lieder aus dem Buch ‚Cantigas de Santa Maria’ des spanischen Königs Alfons des Weisen (1221-1284) und verschiedene Estampien aus Spanien, Frankreich und Italien.


 

Home > Kolumne > Meinung > KlassikKompass – Musik im Mittelalter: Blut...

Mehr auf KulturPort.De

Golnar & Mahan – Derakht
 Golnar & Mahan – Derakht



Ein Repertoire zwischen Weltmusik und Jazz: die Album-Neuerscheinung der beiden in Teheran geborenen – der Komponistin und Sängerin Golnar Shahyar und des Oud [ ... ]



Mike Stern: Trip
 Mike Stern: Trip



Eigentlich war Mike Stern auf dem Weg zum Flughafen, um eine Europatournee zu starten. Ein Unfall, bei dem er sich beide Oberarmknochen brach, brachte ihn dann i [ ... ]



Anton Melbye: Maler des Meeres
 Anton Melbye: Maler des Meeres



Unter dem Titel „Anton Melbye – Maler des Meeres“ findet im Altonaer Museum in Hamburg eine umfangreiche Ausstellung des dänischen Künstlers statt, der v [ ... ]



Johann Joachim Winckelmann – dem Stammvater der Archäologie zum 300. Geburtstag
 Johann Joachim Winckelmann – dem Stammvater der Archäologie zum 300. Geburtstag



Am 9. Dezember 2017 jährt sich der 300. Geburtstag von Johann Joachim Winckelmann.
Als Sohn eines armen Schuhmachermeisters 1717 in Stendal, Sachsen-Anhalt geb [ ... ]



„Drei Zinnen". Oder die Abgründe einer Kinderseele
 „Drei Zinnen



Jan Zabeil inszeniert sein subtiles, visuell virtuoses Familiendrama als verstörendes Survival-Epos.
Mag er eigentlich diesen kräftigen, sportlich durchtraini [ ... ]



Jhumpa Lahiri sagt: "Mit anderen Worten – Wie ich mich ins Italienische verliebte"
 Jhumpa Lahiri sagt:



Als die Pulitzer-Preisträgerin des Millenniumjahrs 2000 Jhumpa Lahiri vor zwei Jahren vom amerikanischen Ex-Präsidenten Barack Obama die "National Humanities M [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.