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Meinung

Richard Wagner - Musikalischer Revolutionär und rätselhaftes Ärgernis: Wahn und Weihe

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Donnerstag, den 18. Juli 2013 um 08:32 Uhr
Richard Wagner - Musikalischer Revolutionär und rätselhaftes Ärgernis: Wahn und Weihe 3.8 out of 5 based on 142 votes.
Richard Wagner - 1861 in Paris

Wissen was Wotan will
Er wäre in diesem Jahr 200 Jahre alt geworden und er ist – offensichtlich – nach wie vor ein deutsches Problem – der Komponist Richard Wagner (geboren am 22. Mai 1813 in Leipzig, gestorben am 13. Februar 1883 in Venedig).

Denn wenn man die „tiefbraune Sauce“ liest, die sich durch die Kulturkolumnen ergießt die Wagner ja eigentlich nur „ehren“ wollen, sich aber an ausgiebigen Darstellungen der Wagner Liebe der Nazis und Wagners (angeblicher) Judenhetze, die seine Musik zu Hitlers Lieblingsklängen gemacht hat, ergehen, der kann dem ‚Führer Wort’ folgen: „Solange Wagners Musik erklingt, wird man sich meiner erinnern...“, Adolf Hitler (1889-1945)

Die medialen Wagner-Elogen gedeihen zu Wahn und Weihe des Dritten Reiches – und machen letztlich nur eins wirklich – gute PR für die Nazis.
Mir ist das alles eigentlich gleich – ich liebe Wagners Musik. Punkt.

Wagner, der latente deutsche Problemfall. Darf man Wagners Musik überhaupt gut finden, wo Hitler den doch auch so gerne hören mochte? Die deutsche Oper am Rhein in Düsseldorf versteigt sich im Wagner-Jahr daher zu einer Inszenierung des ‚Tannhäuser’ in Nazi-Uniformen – die gottesfürchtigen Pilger auf dem Weg nach Rom in dieser Oper wurden zu Juden auf dem Weg in die Gaskammer ‚künstlerisch’ umgestaltet.
Einige im Publikum bekamen deshalb gleich Herzbeschwerden und der Spiegel-Kommentator Jakob Augstein meinte dazu zynisch: „Sie hätten im Dritten Reich sicher keine Herzbeschwerden bekommen, wo man die Juden tatsächlich nach Auschwitz schaffte...“

In diesem Stil geht das weiter – die ZEIT veröffentlicht ein Sonderheft in dem Wagner gar als „genialer Gauner“ apostrophiert wird und natürlich reichlich über Adolf Hitler und seine Liebe zu Bayreuth zu lesen steht.

Das gibt es nur in Deutschland und es entsteht aus dem gleichen selbstzerstörerischen, kulturellen Bodensatz der Ratten im ‚Lohengrin’ über die Bühne wuseln lässt und Menschenzoos auf Hamburgs Kampnagel aufmacht. Letzteres hat zwar nichts mit Wagner zu tun – entspringt aber der gleichen zynischen und menschenverachtenden, kulturell dekadenten Mentalität.
Dabei ist Wagner einer der echten ‚Hitschreiber’ der Opernwelt – er füllt jedes (Opern-) Haus bis zum letzten Platz und sein Monumental Werk, der 17-stündige ‚Ring des Nibelungen’ ist immer wieder Herausforderung und willkommener Ideenlieferant für die besten Theaterleute der Welt.
Siehe nur die enorme Ring-Inszenierung im vergangenen Jahr an der Metropolitan Opera ‚Wagners Dream’ in New York, die für fast ein Kinofilmbudget von 16 Millionen US-Dollar auf die Bühne gestellt wurde und auch in internationalen Lichtspieltheatern zum Kassenknüller wurde.

Wagner ist vielleicht der größte Musiktheaterdramaturg aller Zeiten, Drehbuchautor, Komponist und Regisseur in einem – der Erfinder des musikalischen Gesamtkunstwerks, das bis heute trotz aller negativen Propaganda Opernfans aus aller Welt anzieht.

Wagner wäre heute bestimmt ein millionenschwerer, hoch erfolgreicher Hollywood-Regisseur und würde sicher das Medium Kino zu ganz neuen Ufern führen – der abgegriffene Begriff „Klassik“ bekommt da eine ganz neue Bedeutung.

Ich persönlich habe Inszenierungen an der Staatsoper Berlin, dirigiert von Daniel Barenboim sehen dürfen, in denen das Publikum in der Tat aus der ganzen Welt angereist ist – Japaner, Koreaner, Amerikaner, Kanadier, Australier kamen in hellen Scharen, um Barenboim Wagner dirigieren zu sehen. Nur die Deutschen haben ein Problem...


Aus dem Prolog der “Götterdämmerung”Zu End' ewiges Wissen!
Der Welt melden Weise nichts mehr.
Hinab! Zur Mutter! Hinab!


Aus dem Prolog der “Götterdämmerung”

Die Nornen. (Abb. aus „Die Helden und Sagen des Nordens oder Das Buch der Sagen“ von Amalia Schoppe, 1832)



Ihr Herby Neubacher

Herby Neubacher stammt aus Wuppertal und wurde in Salzburg zum Musikliebhaber: Mit sieben Jahren hat er als Sopranist im Salzburger Dom Bach-Kantaten aufgeführt. Nach einem Kunststudium arbeitere er 20 Jahre in der Musikindustrie. Heute ist er als Journalist und PR-Experte tätig. Seit 2012 schreibt er regelmäßig für Kultur-Port.De über Alte Musik, Barock bis zur Romantik. Er lebt und arbeitet in Vietnam.

Hinweis: Die Inhalte der "Kolumne" geben die Meinung der jeweiligen Autoren wieder. Diese muss nicht im Einklang mit der Meinung der Redaktion stehen.
Fotonachweis Header: Richard Wagner, 1861 in Paris. Detail aus einem Foto von Pierre Petit (1832-1909), welches er anlässlich der Premiere von 'Tannhäuser' aufnahm.

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