Zum Anfang

Anzeige

Wer ist online?

Wir haben 883 Gäste online

Neue Kommentare

Friedrich von der Lange zu „Snowden” – Patriot oder Verräter? : Von keinem anderen, als von Ollie Stone hätte ic...
Hein Daddel zu „Alice und das Meer” – oder das Ende der Treue: Ein starker Film über eine starke Frau. Sehr gut...
Gerhard P. zu OKRA – Piano & Field Recordings: Wunderbar und spitzfindig geschrieben. Macht Spa...
Hans G. Gohlisch zu Chefredakteur von ZEIT ONLINE spricht über "Community Engagement und New Storytelling: Eigentlich habe ich einen Bericht über David Hoc...
adarompf@gmx.de zu „Mahana – Eine Maori-Saga”. Zwischen Tradition und Tyrannei : In allen Facetten genaue Beschreibung des Films, ...

Anzeige

Spezial - Lange Nacht der Museen Hamburg 2016

Spezial - Hamburger Architektur Sommer 2015


Meinung

Inkompetenz, Mutlosigkeit, Kungeleien

Drucken
(76 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Geschrieben von Isabelle Hofmann  -  Dienstag, den 18. Oktober 2011 um 10:03 Uhr
Inkompetenz, Mutlosigkeit, Kungeleien 4.5 out of 5 based on 76 votes.
Inkompetenz, Mutlosigkeit, Kungeleien - Stiftung Historische Museen Hamburg

Was sich in und um die Stiftung Historische Museen Hamburg derzeit abspielt, ist so grotesk, dass man es kaum glauben mag.
Der Reihe nach: Im November 2010 erhielt Stiftungs-Vorstand Kirsten Baumann von der Kulturbehörde den Auftrag, ein Konzept zur Weiterentwicklung des Museumsverbundes (Altonaer Museum, Museum für hamburgische Geschichte, Museum der Arbeit, Helms-Museum Harburg) auszuarbeiten. Am 20. September 2011 wurde es im Kulturausschuss der Bürgerschaft mit Vertretern aller Parteien diskutiert und von Kultursenatorin Barbara Kisseler ausdrücklich gelobt und bekräftigt.

Zwei Tage später reichte die Fraktion der alleinregierenden SPD überraschend einen Antrag ein, der die „Verschlankung der Stiftung“ vorsieht, in Wahrheit aber einer Zerschlagung gleichkommt: Das Helms-Museum soll demnach wieder Eigenständigkeit erhalten, das Bergedorfer Schloss (bislang Außenstelle MHG) und das Rieck Haus (bislang Altonaer Museum) zu einer neuen Stiftung zusammengefasst werden. Und das Schönste: Barbara Kisseler begrüßte den Antrag. Kirsten Baumann hingegen erfuhr die Rolle rückwärts aus der Presse und tat das einzig richtige: Sie trat als Stiftungsvorstand zurück (bleibt aber weiterhin Direktorin des Museums der Arbeit).

Die nicht vorhandene Kommunikation zwischen Behörde und Stiftung, die wendehalsige Kultursenatorin, die hier im Handumdrehen auf SPD-Linie getrimmt wurde und eine verbrannte Kirsten Baumann, deren monatelange Konzeptausarbeitung offenbar für die Katz war, sind dabei nur unschöne Aspekte am Rande. Viel schlimmer sind die Auswirkungen auf die Stadtmuseen selbst. Die neuerliche Umstrukturierung bindet wieder auf Monate Kraft, die dringend in Inhalte gesteckt werden müsste. Und sie bindet Geld, das eh nicht vorhanden ist. Hätte die Stadt die Tarifsteigerungen der vergangenen Jahre ausgeglichen, wären die vier Häuser heute schuldenfrei, erklärte unlängst Stiftungs-Geschäftsführer Helmut Sander. Hat die Stadt aber nicht und so krebsen die Museen seit Jahren strukturell unterfinanziert vor sich hin. Der Gipfel der Dauerkrise war vergangenes Jahr die angedrohte Schließung des Altonaer Museums, die Bürgerproteste gerade noch verhindern konnten. Aber gebessert hat sich die Situation seitdem mitnichten. Man muss es auch mal klar sagen: Der 2008 begründete Verbund der Stadtmuseen hat die Erwartungen bislang in keiner Weise erfüllt. Das Kombi-Ticket hätte man auch in der alten Form bewerkstelligen können. Das heißt jedoch noch lange nicht, dass die Idee eines Zusammenschlusses falsch oder schlecht war.

Alle vier Museen sind große, schwerfällige Apparate mit eingefahrenen Strukturen. Die Dauerausstellungen sind veraltet, das Personal ebenso. Der ständige Kampf ums Überleben hat alle Mitarbeiter frustriert und ermüdet. Ein „General“, der mit Blick von außen neu gewichtet, ein einheitliches Marketing installiert und frischen Wind in die Häuser bringt, macht da durchaus Sinn. Dazu braucht er aber nicht nur Phantasie und Durchsetzungskraft – dazu braucht er auch GELD. Die Marschrichtung der SPD „Vorwärts in die Vergangenheit“ ist jedenfalls keine Lösung. Der Rückfall in einzelne „Fürstentümer“ hat keine stärkere Profilierung zur Konsequenz, sondern Provinzialität. Und „kostenneutral“, wie im Antrag formuliert, wird das Ganze auch nicht. Im Gegenteil: Für die beiden eigenständigen Stiftungen werden wieder zwei zusätzliche Geschäftsführer gebraucht. Deshalb wohl auch der Vorschlag, den Ausstellungs-Sondertopf von zwei Millionen Euro zu halbieren und eine Million den Museen direkt zur Verfügung zu stellen. Gleichzeitig will die SPD natürlich noch mehr und noch attraktivere Sonderausstellungen, noch mehr Events, noch mehr interaktive Angebote für Jugendliche. Alles „kostenneutral“, versteht sich. Sander sprach von einem „großen Kuddelmuddel“ bei Annahme des Antrags. Ach was, es wäre der schiere Wahn.

Ihre Isabelle Hofmann


Foto Header: Fotomontage

Eigenen Kommentar verfassen (Gasteintrag möglich - Bitte achten Sie auf unsere Email ggf. in Ihrem Spam-Order und klicken den Bestätigungslink)

Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
Kommentar abschicken
 

Mehr auf KulturPort.De

Reeperbahn Festival 2016: Auf der Suche nach der Kunst
 Reeperbahn Festival 2016: Auf der Suche nach der Kunst



Die Autorin dieses Beitrags ist begeisterte Reeperbahn Festival-Besucherin, schaut sich aber neben dem umfassenden Konzertangebot besonders gerne im „Arts& [ ... ]



Die Zauberflöte in Hamburg: Herzattacke in der Staatsoper
 Die Zauberflöte in Hamburg: Herzattacke in der Staatsoper



Radikal entschlackt, mit großen Lichtvorhängen ins Computerzeitalter gebeamt, lässt Regisseurin Jette Steckel die Neuinszenierung von Mozarts Opernhit „ [ ... ]



„Snowden” – Patriot oder Verräter?
 „Snowden” – Patriot oder Verräter?



Das Schlachtfeld heißt Cyberspace, und für US-Regisseur Oliver Stone ist sein Protagonist ein Widerstandskämpfer mit Vorbildfunktion. Ziviler Ung [ ... ]



Ars apodemica – Foto-Text-Reisen mit Boris von Brauchitsch
 Ars apodemica – Foto-Text-Reisen mit Boris von Brauchitsch



„Manchmal fotografiert man die Welt, um sie und sich selbst besser verstehen zu können, eignet sich Dinge durch Abbilder an, um sie sich zu gegebener Zeit [ ... ]



Saisonstart mit philharmonischem Glück und symphonischem Tiefgang
 Saisonstart mit philharmonischem Glück und symphonischem Tiefgang



Die Hamburger Philharmoniker mit Kent Nagano punkten bei ihrer Saisoneröffnung mit Brahms’ Erster. Die Symphoniker Hamburg holen mit Thomas Adè [ ... ]



OKRA – Piano & Field Recordings
 OKRA – Piano & Field Recordings



Die Okra, auch Gemüse-Eibisch, ist eine Gewächsart aus der Familie der Malvengewächse. Sie ist eine aus dem Hochland Ostafrikas stammende Pflanze, [ ... ]



Weitere aktuelle Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live