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Meinung

Alon Sariel: Telemandolin

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(86 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Dienstag, den 04. Juli 2017 um 09:18 Uhr
Alon Sariel: Telemandolin 4.4 out of 5 based on 86 votes.
Alon Sariel. Foto Gregor Hohenberg

Was tut ein Mandolinenspieler, wenn für sein Instrument lediglich eine übersichtliche Menge an Originalkompositionen zu finden sind? Er arrangiert für sein Instrument neu und bestärkt damit außerdem die momentane Renaissance der Mandoline.
Alon Sariel, Musikprofessor in Hannover und aus dem südisraelischen Be’er Scheva stammend, hat dies getan. In der Barockmusik lässt sich offensichtlich besonders gut das finden, wonach Sariel immer wieder suchen muss. Georg Philipp Telemann (1681-1767) steht auf seinem 10. Album im Mittelpunkt – das Jubiläum zu dessen 250. Todesjahr verlangt quasi danach – aber auch Carl Philipp Emanuel Bach (1714-1788), Carl Friedrich Abel (1723-1787) und Johann Friedrich Fasch (1688-1758) sind mit von der Partie. Alle Komponisten sind nicht nur durch ihre Lebensdaten miteinander verbunden, sondern durch vieles weitere mehr: So wirkten Telemann und Bach ausgiebig in Hamburg, Fasch schätze nachweislich insbesondere die Kompositionen Telemanns und Abel war der Familie Bach in besonderer Weise verbunden.
Abel war einer der letzten Vertreter der Gamben-Kunst und da die Viola da Gamba aus den Orchestern recht unwiderruflich verschwand, kann sie hier im Gewand einer Mandoline wiederkehren. Überhaupt eignet sich die Barockmusik zum Neu-Arrangement, denn die Komponisten jener Zeit hatten wenig Probleme beispielsweise eine Fantasie für Violine oder ein Konzert für die Laute auch auf anderen Instrumenten zu hören, weil sie keine Vorgaben machten. Wobei in diesem Fall Alon Sariel das Lautenkonzert von Fasch tatsächlich auf einer Erzlaute spielt. Bei Telemann mit seinen tausenden von Kompositionen ist man eine Weile auf der Suche, um präzise das zu entdecken, was zum Konzept von inhaltlich großer Emotionsbandbreite und künstlerischer Virtuosität passt. Und keine einzige verwendete Komposition ist für Mandoline geschrieben worden!

telemondolin, CoverAuf die Frage was der mehrfach ausgezeichnete Sariel an Telemann so besonders findet, antwortet dieser, ihm gefalle die Universalität. Da gehen Komponist und Spieler/Arrangeur parallele Wege. Die französischen, italienischen und polnischen Kompositionselemente bei Georg Philipp Telemann zu kennen ist das eine, etwas Eigenes daraus zu machen, das andere. Die Vielseitigkeit Telemanns ist die Vielsaitigkeit Sariels – und dies mit einer Leichtfüßigkeit wie bei einem fröhlichen Tanz.
Alon Sariel beschreibt in seiner Telemann-Entdeckung, dass dieser in Hamburg einen üppigen Blumengarten angelegt habe, seine Kompositionen als „ein Meer voller bunter Blüten“. Diese Aussage ist selbstredend weniger als florale Verzückung zu verstehen, sondern als eine Entdeckung von natürlicher Vielfältigkeit. Vielleicht gelingt es Sariel gerade mit diesem Bild auch junges Publikum mit dieser Stilrichtung in dessen musikalischen Garten zu locken.

Gemeinsam mit den Ensemble Concerto Foscari, dessen künstlerische Leitung Alon Sariel innehat, gelingt es mit der Kompilation „Telemandolin“ nicht nur, den barocken Charakter zu erhalten, sondern diesen auch auf eine sehr moderne Weise fortleben zu lassen. Klänge und Volumina werden zu transparenten, lebenspositiven Aussagen aller hier ausgewählten Komponistenwerke. Die in ihrer Bauweise besonderen, und zur Einspielung verwendeten Instrumente geben darüber hinaus individuelle, starke und zeitgemäße Akzente.

Dieses Album kommt keineswegs als Experiment daher, es ist vielmehr wie ein eigenständiges Gesamtwerk, das zwar paradigmatisch Bezug zum Barock aufnimmt, aber mal pizzicato, mal arco in der Zeit weit vorangeschritten ist.

Alon Sariel: Telemandolin
Alon Sariel, Mandoline; Ensemble Concerto Foscari
Label: Berlin Classics
CD, Booklet mit 25 Seiten
EAN: 885470009346

YouTube-Videos:
- Alon Sariel - Telemandolin (Trailer)
- Alon Sariel - Telemandolin - Suite "La Bizarre", TWV 55:G2 Rossignol (feat. Concerto Foscari)


Abbildungsnachweis:
Header: Alon Sariel. Fotos: © Gregor Hohenberg
CD-Cover
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