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Johannes Brahms: Violin Sonatas – ein warmer, inniger Klang

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Geschrieben von Claus Friede  -  Donnerstag, den 28. August 2014 um 12:11 Uhr
Johannes Brahms: Violin Sonatas - Barati-Wuertz

Das Duo Kristóf Baráti (Violine) und Klára Würtz (Klavier) spielte im August 2013 im ob seiner Akustik preisgekrönten Konzertsaal des Kodály Centre im südungarischen Pécs eine komplette Brahms-Edition ein. Als Auszug daraus liegt ab morgen eine Einzel-CD vor, die die Sonaten 1 bis 3 wiedergibt.

Johannes Brahms (1833-1897) taucht mit diesen kammermusikalischen Stücken tief in die Romantik ein, in die Welt der Empfindsamkeit, der Gottgläubigkeit und der Prozesse vom Entstehen und Vergehen. Die Lebenslust hat in der Romantik eben immer auch einen Hang zum Morbiden. Der Mensch ist durch seine Mittlerrolle zwischen Natur und Gott definiert. Er ist demütig und zurückhaltend. Alle drei Sonaten sind autobiographische, ja intime Bekenntnisse und im Kunstlied sah der Komponist den unmittelbarsten Ausdruck seiner selbst.

alt1878 bis 79 schrieb Brahms an seiner ersten Sonate (G-Dur, Op. 78). Sie ist durch und durch dem romantischen Diskurs verpflichtet – mit lyrischer Intonation spiegelt sie das ruhige Innerste wider. Keine widerstrebenden Gefühlsstrudel, kaum Dramatik, etwas Melancholie, nichts, was darauf schließen könnte, dass Brahms bei dieser Komposition nicht in sich gewohnt und doch plausible Momente eines Lebens dargestellt hätte. Max Kalbeck, Biograph von Brahms, hat den Kern der Sonate so getroffen: die Stimmung sei „so eindringlich niemals wieder ausgesprochen worden”.

Wunderbar, wie sich die Führung von Flügel und Violine abwechselt und dann sofort wieder im innigen Gleichklang egalisiert. Harmonische Bilder des Lebens defilieren entspannt vor dem inneren Auge, alles ist im Fluss. Mit dem warmen Klang der Instrumente und dem narrativen Spiel der beiden Musiker in Sachen Fühlung kommt dieses der Intension Brahms’ außerordentlich nahe.

Die zweite Sonate (A-Dur, Op. 100) entstand 1886/87 und ist eine Reminiszenz an Richard Wagner, nimmt sie doch dessen Motiv aus dem 3. Akt der „Meistersinger von Nürnberg“ auf. Während die Violine weite, ruhige musikalische Kreise zieht, stehen die Pianoparts für Virtuosität. Immer wieder zieht sich als Rondo die Lied- und Tanzform durch die drei Sätze. Brahms’ Freund, der Musikkritiker und Ästhetik-Professor Eduard Hanslick (1825-1904), beschrieb die Sonate als einen „feinen, ruhigen, romantischen Sommerabend“. Das technisch feinsinnige Spiel von Klára Würtz erinnert in der Klangfarbe an ihre Aufnahme der acht Impromptus von Franz Schubert aus dem Jahr 2011. Das mag kein Wunder sein, denn Brahms und Schubert liegen hier musikalisch dicht beieinander.

Die dritte Sonate (d-Moll, Op. 108) entstand in den Jahren zwischen 1886 und 1888. Sie ist die empathischste und dramatischste der drei Aufnahmen und beinhaltet als „Grande Sonate“ vier Sätze. Ein Abschied von der Romantik hat nun auch Brahms erreicht, erste modernistische Anzeichen sind hörbar.

Die Sonate d-Moll ist mehr dem Piano als der Violine gewidmet, obwohl es durchaus Wettstreit gibt. Die Textur der musikalischen Interpretation von Baráti und Würtz nimmt das „Ungarische“ dieser Sonate gut auf. Der alternde Brahms besuchte nämlich häufig die Csárdás-Kapellen im Wiener Prater. „Im Duktus und Tonfall seiner 3. Violinsonate hat Brahms die Musik jener Kapellen eingefangen und zugleich überhöht“ heißt es bei Karl Böhmer im Musikportal von Villa Musica und weiter: „Nicht umsonst ist sie die beliebteste der drei Violinsonaten“.


Brahms Violin Sonatas
Kristóf Baráti, Klára Würtz
Brillant Classics
1094824BRC

Live in concert zu hören sind Baráti and Würtz mit den drei Brahms Sonatas am
Samstag, 6. Dezember 2014 um 19:30h
Im Festetics Palace (Pollack Mihály tér 3, in Budapest, 1088, Ungarn)

Und am Samstag, 20. Dezember 2014 um 20:30h
Im Tindalvilla (Nieuwe's Gravelandseweg 21, Bussum, Haarlemmermeer, 1405 HK, Niederlande)

Obwohl es in diesem Interview mit Baráti und Würtz in erster Linie um Beethoven geht, ist dieses Video ausgesprochen sehenswert.

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