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Trialog – Music For The One God

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Donnerstag, den 24. April 2014 um 10:52 Uhr
Trialog – Music For The One God

Das Pera Ensemble, bestehend aus Mehmet C. Yeşilçay (musikalische Leitung), Francesca Lombardi Mazzulli (Sopran), Valer Barna-Sabadus (Countertenor) und als Gast Ahmet Özhan (Gesang) hat kürzlich eine CD herausgebracht, die „Gesänge aus dem Christentum, Islam und dem Judentum – friedlich miteinander vereint“. So ist der Wunsch, der auf dem Cover gedruckt steht. Eine sicherlich gute Absicht, aber das Ergebnis ist nicht umfassend überzeugend, weil nicht zukunftsweisend.

Aber der Reihe nach: Die 20 Stücke auf dem Album spiegeln den Glauben der drei großen monotheistischen Religionen wider und widmen sich deren musikalischen Äußerungen über Jahrhunderte hinweg, insbesondere aber der Zeit des Barocks. Da steht eine Komposition von Dietrich Buxtehude (1637-1707) neben einer von Mehmet, genannt Hafiz Post (1630-1694), Antonio Vivaldi (1678-1741), gefolgt von Sheikh Mesut Efendi. Giovanni Pergolesis (1710-1736) „Amen, Tutti“ folgt dem sephardischen „Kiddush“, dem jüdischen Segensspruch zum Shabbat. Latein, Deutsch, Türkisch, Arabisch und Hebräisch sind die Sprachen dieser CD.

altIn einer Abfolge von Werken hintereinander geht das Konzept der internationalen Musiker auf, in der Abfolge innerhalb eines Stückes nicht. Wenn nach 20 Sekunden das „In Te Domine Speravi“ des dänisch-deutschen Komponisten Dietrich Buxtehude abreißt, um dann in das Sufilied „Vakti Seherde“ von Post zu münden und keine Rückkehr, keine Berührung mehr zu Buxtehude folgt, ist das weder musikalisch nachvollziehbar, noch inhaltlich, es bleibt eine Aneinanderreihung, die lediglich vermittelt, wie nah oder wie fern der Klangraum ist. Dass die Musik des Orients und des Okzidents über Jahrhunderte auch starke Berührungspunkte hatte ist insbesondere im Mittelmeerraum und in der Levante belegt. Wie gegenseitig inspirierend die Musik entstehen konnte ist gerade dort hörbar, wo sich die Religionen friedlich trafen, beispielsweise im Spanien vor der Reconquista und Inquisition. Muslime, Christen und Juden konnten dort mehrere Menschenleben lang sich gemeinsam und annähernd gleichberechtigt entfalten. Das alles liegt lange zurück und wir wissen wie abgeschottet die religiösen Einzelwelten der drei „Brüder“ seither sein können.
In diesem Zusammenhang wirkt das musikalische Projekt „Trialog“ wie eine ferne Erinnerung daran wie es unter der Decke von Geschichte einmal war und wie die „universelle Sprache Gottes“ geklungen haben mag. Wünschenswert wäre bei den formulierten inhaltlichen Ansprüchen eine Vision gewesen, die auch das Heute mitgedacht hätte, aber das bleibt leider auf der Strecke. Diese Musik macht eben heute nicht mehr religiös, noch erscheint es glaubwürdig, dass die Zeit des Barocks in allen drei Religionen mit vergleichbaren Mitteln gearbeitet hätte. Der Trialog wirkt dadurch historisch konstruiert und etwas willkürlich, weil mit Allgemeinplätzen umgegangen wird und auf Feinheiten zu wenig Wert gelegt wurde. Zu wenig interne Informationen über die Wesen der drei Religionsbrüder sind berücksichtigt. Der musikalische, klangliche Schleier bedeckt wie Schnee eine Landschaft, in der man die Formen lediglich schemenhaft sieht.

Instrumental und gesanglich ist wenig zu kritisieren, die Counterstimmen sind wunderbar, mal klar und abgesetzt mal südländisch gezogen. Die Chöre geben den Stücken ein angemessenes Klangvolumen. Dass Mehmet C. Yeşilçay darauf Wert legte, die verschiedenen Allelujas am Ende des Albums in den jeweiligen Kulturen auch unterschiedlich vorzutragen ist hoch anzurechnen, denn Kopismen hätten das ganze Projekt noch mehr in Frage gestellt.

Mehr Transkulturalität und weniger Multikultur wären wünschenswert gewesen.


Pera Ensemble: Trialog – Music For The One God
Label: Berlin Classics, (Edel)
Bestellnummer: 2769719

Zum Video

Abbildungsnachweis:
Pera Ensemble und CD-Cover

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avatar Dr. Werner Paul
+6
 
 
Gute Analyse, Herr Kollege Friede. Gerade Ihr letzter Satz bringt es auf den Punkt.
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avatar Herby Neubacher
+1
 
 
Es ist im Moment eine Unart vieler 'Alte Musik-Ensembles' Pop, Jazz und alte Musik miteinander zu verkoppeln - vermutlich um die Hörerschaft zu erweitern und neue und breitere Verkaufserfolge zu erzielen.

Ein weiteres Beispiel ist die neue CD der Lautenistin Christina Pluhar mit Purcell Adaptionen unter dem Titel 'Music for a While'. Hier wird auf grausamste Wese Jazz aus Purcell gemacht - weder das eine noch das andere funktioniert.

Warum soll sich jemand Jazz auf eine Theorie anhören?

Und zum anderen kann das Ensemble - das früher sehr bemerkenswerte Aufnahmen mit Alter Musik im Originalklang gemacht hat - keinen Jazz. Das ist eine andere Kategorie Musik.

Ich denke niemand braucht diese zwanghaften Crossovers - namenlich wenn sie ohne wirklichen Hintergrund passieren. Ich brauche sie sicher nicht. Ich bevorzuge Originale.
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