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Barokksolistene weltschmerzy: The Image of Melancholy

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(84 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Geschrieben von Hans-Juergen Fink  -  Donnerstag, den 12. November 2015 um 14:38 Uhr
Barokksolistene weltschmerzy: The Image of Melancholy 4.5 out of 5 based on 84 votes.
Barokksolistene weltschmerzy: The Image of Melancholy

Eine musikalische Erkundungsreise Reise zu den Gefühlswelten, in denen die Traurigkeit regiert: Traumhaft melancholische Improvisationen des norwegischen Alte-Musik-Ensembles „Barokksolistene“.

Das Cover ziert auf der Rückseite die englische Fassung eines Zitats von Victor Hugo: „Melancholy is the pleasure of being sad.“ Und diese CD passt perfekt zu den grau-dunklen Spätherbsttagen: Sie kommt aus Norwegen, wo die Dunkelheit noch dunkler, die Einsamkeit noch einsamer und die Melancholie noch melancholischer ist als anderswo. Und vielleicht muss man die Besessenheit und den Ernst der Gruppe „Barokksolistene“ mitbringen, um zu verstehen, wie man so tief, bis zur Grenze der Haltlosigkeit eintauchen kann in das dunkle Gefühl der Melancholie.

Barokksolistene The Image of MelancholyDie neun Musiker um Bjarte Eike haben sich auf das Experiment eingelassen. Sind hinausgefahren aus Trondheim, haben in einem alten Haus in den Wäldern zusammen gekocht, gewohnt, gearbeitet. Und in der schönen, 850 Jahre alten Kirche von Selbu „The Image of Melancholy“ die Ergebnisse ihrer musikalischen Melancholie-Forschungen aufgenommen. Ihre Musik strahlt eine intensive, beinahe unheimlich Ruhe aus.
Herausgekommen ist eine CD, die man nur mit gefestigter Persönlichkeit allein hören sollte. denn es geht da schon herzzerreißend und tief hinab in die Poren der Seele – Themen wie Verlassenheit, Tod, Trauer tauchen auf, die Angst an der Schwelle zum neuen Leben als Ehefrau spiegelt sich in zwei Brautmärschen, die durchaus dunkle Seiten offenbaren. Manchmal ist es einfach auch nur so weltschmerzy – ein Treibenlassen in lustvoll meditativer Distanz zum Getriebe der Welt, das Spüren von Brüchigkeit und Vergeblich- und Vergänglichkeit des menschlichen Lebens. Perfekt zu genießen mit Schnee draußen, Kaminfeuer und einem guten Portwein. Heilsame Ausflüge für den, der den Weg zurück finden kann. Alle anderen sollten vor dem Anhören besser ihren Arzt oder Apotheker nach Risiken und Nebenwirkungen fragen.

Fantastisch schwebende Improvisationen
Spaß beiseite. Viele Musikstücke, die „Barokksolistene“ in fantastisch schwebenden Improvisationen und großartigem Aufeinander-Hören spielen, stammen aus der Zeit um 1600, als das Melancholische eine grassierende Mode war – wovon nicht nur Shakespeares melancholischer Dänen-Prinz Hamlet kündet: Musik aus der norwegischen, slowakischen, irischen und schottischen Volkstradition wie die erwähnten Brautmärsche, Werke von Anthony Holborne, Musiker zur Zeit Elisabeths I. in England. Vertreten ist natürlich der Erz-Melancholiker John Dowland und der Organist der Chapel Royal, William Byrd. Dann, aus etwas späterer Zeit, ein „Klag-Lied“ vom norddeutschen Dietrich Buxtehude und die „Kreuztragung“ vom böhmischen Heinrich Ignaz Franz Biber. Und eingangs „Savn – a tune for Signe“ – eine Widmung an die Frau des Band-Leaders und Barockgeigers Bjarte Eike.

Gespielt werden sie von Violine, Viola, Laute, Theorbe, Barockgitarre, Cello und Violone. Dazu kommen Orgel und Cembalo und die irisierenden, fast überirdischen Klangeffekte von Jon Bale. Dazu gesellt sich manchmal faszinierend und eisklar die Stimme von Berit Norbakken Solset.

Eine wunderschöne melancholische Stunde, und das von Musikern, die man gerade erst in Hamburg sehr viel munterer erleben konnte: in einer furiosen Konzertsession der NDR-Reihe „Das Alte Werk“ bei deren Seitensprung in den Resonanzraum im Medienbunker an der Feldstraße. Dessen erster Teil war Werken des englischen Barock-Großmeisters Henry Purcell gewidmet – die jungen Wilden der Alten Musik interpretierten seine Kompositionen in geradezu atemberaubender Präzision und Lebendigkeit. Und dann gab’s als zweiten Teil eine turbulente Alehouse-Session – gespielt auf denselben Instrumenten, die Kneipen- und Tanzmusik aus den Tavernen der Purcell-Zeit, eine in Zeitlupe inszenierte Wirtshausschlägerei inklusive. Es wurde ein sehr, sehr langer Abend.

Bjarte Eike und Barokksolistene: The Image of Melancholy
BIS Records CD
2057-SACD

Hörbeispiel
YouTube-Videos:
alehouse session with Barokksolistene and Bjarte Eike
und
alehouse sessions with Bjarte Eike and the alehouse boys (Official promo 2014)


Abbildungsnachweis:
Header: Barocksolistene; Alehouse. Foto: Tor Brodreskift
CD-Cover

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