Anzeige

AktionsPort - Gewinnspiele

Wer ist online?

Wir haben 1223 Gäste online

Neue Kommentare

Herby Neubacher zu Weihnachtsoratorium vom Ensemble Resonanz: Frohlocken unter Freunden: Die Geschmacklosigkeit schreckt wirklich heute vo...
Sabine Carbon zu „Karl Marx, Das Kapital“. Eine Hommage im Museum der Arbeit: Bei zu viel Text hilft vielleicht unser Kinderbuc...
Sabine Albrecht zu Neues Angebot der Kunstmeile Hamburg: Der 3-Tage-Kunstmeilenpass: Guten Tag,
ich suche nach einer Erklärun...

B.F.Schwarze zu 100 Jahre Volksspielbühne Hüsung : Hallo, Frau Lampert,
leider gibt es nicht ...

Angela zu „The Square”. Oder das Zeitalter des Misstrauens: Oh, dann Danke für den Lang-Spoiler - da muss ja...

CDs KlassikKompass

Barokksolistene weltschmerzy: The Image of Melancholy

Drucken
(84 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Donnerstag, den 12. November 2015 um 13:38 Uhr
Barokksolistene weltschmerzy: The Image of Melancholy 4.5 out of 5 based on 84 votes.
Barokksolistene weltschmerzy: The Image of Melancholy

Eine musikalische Erkundungsreise Reise zu den Gefühlswelten, in denen die Traurigkeit regiert: Traumhaft melancholische Improvisationen des norwegischen Alte-Musik-Ensembles „Barokksolistene“.

Das Cover ziert auf der Rückseite die englische Fassung eines Zitats von Victor Hugo: „Melancholy is the pleasure of being sad.“ Und diese CD passt perfekt zu den grau-dunklen Spätherbsttagen: Sie kommt aus Norwegen, wo die Dunkelheit noch dunkler, die Einsamkeit noch einsamer und die Melancholie noch melancholischer ist als anderswo. Und vielleicht muss man die Besessenheit und den Ernst der Gruppe „Barokksolistene“ mitbringen, um zu verstehen, wie man so tief, bis zur Grenze der Haltlosigkeit eintauchen kann in das dunkle Gefühl der Melancholie.

Barokksolistene The Image of MelancholyDie neun Musiker um Bjarte Eike haben sich auf das Experiment eingelassen. Sind hinausgefahren aus Trondheim, haben in einem alten Haus in den Wäldern zusammen gekocht, gewohnt, gearbeitet. Und in der schönen, 850 Jahre alten Kirche von Selbu „The Image of Melancholy“ die Ergebnisse ihrer musikalischen Melancholie-Forschungen aufgenommen. Ihre Musik strahlt eine intensive, beinahe unheimlich Ruhe aus.
Herausgekommen ist eine CD, die man nur mit gefestigter Persönlichkeit allein hören sollte. denn es geht da schon herzzerreißend und tief hinab in die Poren der Seele – Themen wie Verlassenheit, Tod, Trauer tauchen auf, die Angst an der Schwelle zum neuen Leben als Ehefrau spiegelt sich in zwei Brautmärschen, die durchaus dunkle Seiten offenbaren. Manchmal ist es einfach auch nur so weltschmerzy – ein Treibenlassen in lustvoll meditativer Distanz zum Getriebe der Welt, das Spüren von Brüchigkeit und Vergeblich- und Vergänglichkeit des menschlichen Lebens. Perfekt zu genießen mit Schnee draußen, Kaminfeuer und einem guten Portwein. Heilsame Ausflüge für den, der den Weg zurück finden kann. Alle anderen sollten vor dem Anhören besser ihren Arzt oder Apotheker nach Risiken und Nebenwirkungen fragen.

Fantastisch schwebende Improvisationen
Spaß beiseite. Viele Musikstücke, die „Barokksolistene“ in fantastisch schwebenden Improvisationen und großartigem Aufeinander-Hören spielen, stammen aus der Zeit um 1600, als das Melancholische eine grassierende Mode war – wovon nicht nur Shakespeares melancholischer Dänen-Prinz Hamlet kündet: Musik aus der norwegischen, slowakischen, irischen und schottischen Volkstradition wie die erwähnten Brautmärsche, Werke von Anthony Holborne, Musiker zur Zeit Elisabeths I. in England. Vertreten ist natürlich der Erz-Melancholiker John Dowland und der Organist der Chapel Royal, William Byrd. Dann, aus etwas späterer Zeit, ein „Klag-Lied“ vom norddeutschen Dietrich Buxtehude und die „Kreuztragung“ vom böhmischen Heinrich Ignaz Franz Biber. Und eingangs „Savn – a tune for Signe“ – eine Widmung an die Frau des Band-Leaders und Barockgeigers Bjarte Eike.

Gespielt werden sie von Violine, Viola, Laute, Theorbe, Barockgitarre, Cello und Violone. Dazu kommen Orgel und Cembalo und die irisierenden, fast überirdischen Klangeffekte von Jon Bale. Dazu gesellt sich manchmal faszinierend und eisklar die Stimme von Berit Norbakken Solset.

Eine wunderschöne melancholische Stunde, und das von Musikern, die man gerade erst in Hamburg sehr viel munterer erleben konnte: in einer furiosen Konzertsession der NDR-Reihe „Das Alte Werk“ bei deren Seitensprung in den Resonanzraum im Medienbunker an der Feldstraße. Dessen erster Teil war Werken des englischen Barock-Großmeisters Henry Purcell gewidmet – die jungen Wilden der Alten Musik interpretierten seine Kompositionen in geradezu atemberaubender Präzision und Lebendigkeit. Und dann gab’s als zweiten Teil eine turbulente Alehouse-Session – gespielt auf denselben Instrumenten, die Kneipen- und Tanzmusik aus den Tavernen der Purcell-Zeit, eine in Zeitlupe inszenierte Wirtshausschlägerei inklusive. Es wurde ein sehr, sehr langer Abend.

Bjarte Eike und Barokksolistene: The Image of Melancholy
BIS Records CD
2057-SACD

Hörbeispiel
YouTube-Videos:
alehouse session with Barokksolistene and Bjarte Eike
und
alehouse sessions with Bjarte Eike and the alehouse boys (Official promo 2014)


Abbildungsnachweis:
Header: Barocksolistene; Alehouse. Foto: Tor Brodreskift
CD-Cover

Eigenen Kommentar verfassen (Gasteintrag möglich - Bitte achten Sie auf unsere Email ggf. in Ihrem Spam-Order und klicken den Bestätigungslink)

Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
Kommentar abschicken
 

Home > Kolumne > CDs KlassikKompass > Barokksolistene weltschmerzy: The Image of Me...

Mehr auf KulturPort.De

Kopf-Hörer 18
 Kopf-Hörer 18



Alexander M. Wagner ist 22 Jahre jung. Er brilliert bei TYXart mit Tschaikowskys b-Moll-Klavierkonzert und präsentiert seine eigene zweite Symphonie. Außerdem  [ ... ]



Andreas Brandhorst: „Das Erwachen“ – Maschinenintelligenz außer Kontrolle
 Andreas Brandhorst: „Das Erwachen“ – Maschinenintelligenz außer Kontrolle



Dieser Thriller hat es in sich. „Das Erwachen“ bestätigt all unsere Ängste und Befürchtungen: Maschinenintelligenz (MI) bemächtigt sich der Künstlichen  [ ... ]



All Johr Wedder – Schöne Bescherungen im Ohnsorg Theater
 All Johr Wedder – Schöne Bescherungen im Ohnsorg Theater



Oje, du Fröhliche! Das Ohnsorg Theater stimmt mit „All Johr wedder“, der plattdeutschen Fassung von Alan Ayckbourns „Schöne Bescherungen“, auf die Weih [ ... ]



add art 2017 – von der Wirkung von Kunst in Unternehmen
 add art 2017 – von der Wirkung von Kunst in Unternehmen



Seit dem Jahr 2013 findet die „add art“ in Hamburg statt und seit jenem Jahr nehmen unterschiedliche Unternehmen der Hansestadt daran teil, ihre Türen für  [ ... ]



Weihnachtsoratorium vom Ensemble Resonanz: Frohlocken unter Freunden
 Weihnachtsoratorium vom Ensemble Resonanz: Frohlocken unter Freunden



Seit 2014 spielt das Ensemble Resonanz jedes Jahr seine ganz eigene Fassung von Bachs „Weihnachtsoratorium“ im Resonanzraum im Bunker an der Feldstraße in H [ ... ]



„Die Geburt des Kunstmarktes. Rembrandt, Ruisdael, van Goyen und die Künstler des Goldenen Zeitalters“
 „Die Geburt des Kunstmarktes. Rembrandt, Ruisdael, van Goyen und die Künstler des Goldenen Zeitalters“



Reproduktionen und Variationen sind keine Erfindung der Moderne. Wie „Die Geburt des Kunstmarktes“ im Bucerius Kunst Forum zeigt, gingen schon „Rembrandt,  [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.