Anzeige

AktionsPort - Gewinnspiele

Wer ist online?

Wir haben 723 Gäste online

Neue Kommentare

Marlies Lampert zu 100 Jahre Volksspielbühne Hüsung : Hallo liebe Hüsungianer,
ich bin ca. 1999...

SingulART zu Kunstmuseum Wolfsburg: This Was Tomorrow. Pop Art in Great Britain: Grossartige Ausstellung war das! Wir haben unsere...
tommy zu Ensemble Resonanz zu Gast bei NEW HAMBURG: gute sache, dass sie mal aus ihrem bunker rauskom...
Lena Baal zu Zum Tode von Peter Härtling: Peter Härtling war nicht nur ein großartiger Sc...
Elisabeth Warken zu Gurre-Lieder in der Elbphilharmonie: Zu wenig Vertrauen in die leisen Töne: Die Kritik zu den Sängern kann ich nicht ganz ve...

Anzeige


CDs KlassikKompass

Musik aus dem jüdischen Leben: Sol Gabetta – Prayer

Drucken
(0 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Donnerstag, den 06. November 2014 um 14:29 Uhr
Sol Gabetta – Prayer

„Den Anstoß für mein neues Album“, sagt die argentinische Cellistin und mehrfache Echo Klassik-Preisträgerin Sol Gabetta, „war das titelgebende Stück „Prayer“ von Ernest Bloch, das ich häufig als Zugabe spielte. Es löste beim Publikum jedes Mal eine Ergriffenheit und Betroffenheit aus, denn es ist sinnlich und besinnlich zugleich.“

Bloch (1880-1959), der aus Genf stammte und 1916 in die USA emigrierte war nicht nur ein begnadeter Komponist jüdischer Abstammung, sondern ebenso ein hervorragender Fotograf. Seine 6000 Negative sind mittlerweile wissenschaftlich ausgewertet und zeigen wie intensiv die Verbindung von Musik und Bild bei ihm gewesen sein muss. Er ist ein Komponist der sowohl mit der Kamera als auch mit seiner Musik Bilder auslöst – eben „sinnlich und besinnlich zugleich“.

Das Repertoire dieser CD ist sehr anspruchs- und eindrucksvoll. Gabetta tritt wieder einmal in die großen Fußspuren des katalanischen Cellisten und Komponisten Pablo Casals (1876-1973), von dem das abschließende Stück des Albums komponiert wurde.

Cover Sol Gabetta – PrayerEs ist in der Tat eine besinnliche Einspielung die kompositorisch und interpretatorisch sämtliche Gefühlswelten ins uns auslotet. Ist bei Blochs „From Jewish Life“ (1924/25 komponiert), „Baal Shem – Three Pictures of Hasidic Life“ (1923) und den „Méditation Hébraïque“ (1950) die vielschichtige Klangfarbe der jüdischen Liturgie präsent, so wandelt sich bei der Rhapsodie Hébraïque „Schelomo“ diese zu einem genialen dramatischen Raum des Lebens und der Erzählung König Salomons. Sie ist die letzte Komposition des sogenannten „Jüdischen Zyklus’“, fertiggestellt kurz vor seiner Abreise in die USA. Die Phrasierung, die lyrischen Elemente, die Komposition als solche ist nahezu perfekt in ihrer kraftvollen und gleichzeitig transparenten Art, ein Höhepunkt im kompositorischen Schaffen des Meisters. Dies ist ein Stück das in sich selbst wohnt. Das Orchestre National de Lyon unter der Leitung von Leonard Slatkin und Sol Gabetta bewältigen die 22 Minuten bis zum finalen Kollaps, dem Epilog und mündet in das Schweigen Salomons – bravourös. Schließlich streicht das Cello die letzten Atemzüge des Königs schwer dahin. Kompositorische Weisheit pur!

Von Dimitri Schostakowitsch (1906-1975) ist eine Auswahl der elfteiligen „Jewish Folk Poetry“ (1948) zu hören. Die vier jeweils kurzen Stücke von einer bis drei Minuten wirken wie Etüden und sind dennoch wie ein eigener Kosmos. Gemeinsam mit der Amsterdam Sinfonietta unter der künstlerischen Leitung von Candida Thompson geben die musikalischen Gedichte Momente voller Leidenschaft wieder. Jede Note ist mit dem wahren Leben verbunden, ob im Schlaflied (Lullaby), im Lied des Kummers (Song of Misery) oder im leichten Licht der Jugend: das Lied des jungen Mädchens (Young Girl’s Song) das sich tänzerisch zwischen Lebensfreude und Erwartung bewegt.

Die Aufnahmen und das ganze Projekt hat über zwei Jahre andauert. Das lag daran, dass Sol Gabetta die ideale Auswahl und Reihenfolge der Stücke suchte, Ideen immer wieder verwarf und schließlich bei dieser Auswahl ein wirklich gutes Gefühl dabei hatte. Wie sehr choreographisch diese CD auf dem Punkt gebracht ist und der Hörer sich durch eine Welt der wohlvertrauten Melancholie und der wohltuenden Lebenslust bewegt zeigt das letzte, ruhige und weiche Stück: „Das Lied der Vögel“ (El Cant dels Ocells) von Pablo Casals. Ursprünglich als katalanisches Weihnachtslied bekannt, machte Casals seine Komposition und Interpretation daraus zur Hymne – während der Franco-Diktatur – für alle Exil-Katalanen. Hier schließt sich nun auch der choreographische Kreis formal, denn Casals spielte dieses Stück seit 1945 als Zugabe am Ende seiner Konzerte.
Auch wenn Sol Gabetta acht Jahre nach Casals Tod geboren wurde, so wurde hier ein Cellobogen würdig und qualitätsvoll weitergereicht.


Sol Gabetta – Prayer
Cello Ensemble Amsterdam Sinfonietta, Amsterdam Sinfonietta, Orchestre National de Lyon, Candida Thompson, Leonard Slatkin
Sony Classical
888837621724

YouTube: Sol Gabetta - E. Bloch: Schelomo
Hörprobe

Termine Sol Gabetta:
08.12.2014 Köln Philharmonie
12.12.2014 Berlin Staatsoper
14.12.2014 Hamburg Laeiszhalle
15.12.2014 Berlin Konzerthaus
16.12.2014 Berlin Philharmonie


Abbildungsnachweis:
Header: Sol Gabettas Hände mit Cello. Foto: Marco Borggreve © Sony Classical
CD-Cover

Eigenen Kommentar verfassen (Gasteintrag möglich - Bitte achten Sie auf unsere Email ggf. in Ihrem Spam-Order und klicken den Bestätigungslink)

Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
Kommentar abschicken
 

Home > Kolumne > CDs KlassikKompass > Musik aus dem jüdischen Leben: Sol Gabetta ...

Mehr auf KulturPort.De

Mariano Pensotti: „Loderndes Leuchten in den Wäldern der Nacht“
 Mariano Pensotti: „Loderndes Leuchten in den Wäldern der Nacht“



Was für ein ungewöhnliches Stück! Eines? Nein: Was für drei ungewöhnliche Stücke – so intelligent, humorvoll und hintersinnig!
Mariano Pensottis „Lod [ ... ]



Vienna Vocal Consort: Nostre Dame
 Vienna Vocal Consort: Nostre Dame



Das Vienna Vocal Consort zählt seit Gründung im Jahr 2007 zu Österreichs renommiertesten Vokalensembles für Alte Musik. Deren neues Album „Nostre Dame“  [ ... ]



„Dalida”. Oder die Angst vor der Dunkelheit
 „Dalida”. Oder die Angst vor der Dunkelheit



Wie viel Tragik verkraftet ein Film in Zeiten von „Wonder Woman” oder „Atomic Blonde”? Tough ist angesagt, und viele Kritiker reagierten eher störrisch  [ ... ]



Chilly Gonzales in Lübeck – atemberaubend mitreißend
 Chilly Gonzales in Lübeck – atemberaubend mitreißend



Der Schlafrock war schwarz und nicht rot, wie am Vorabend in der Elbphilharmonie. Entsprechend seriös, ganz leise und melodisch der Einstieg.
Chilly Gonzales l [ ... ]



Sommerliche Musiktage in Hitzacker: Durchwoben vom ständigen Wandel
 Sommerliche Musiktage in Hitzacker: Durchwoben vom ständigen Wandel



Dass „die Tonkunst eine rührend-kurze Freude (ist), die aus dem Nichts entsteht und ins Nichts vergeht... eine kleine fröhliche Insel... die auf dem dunklen, [ ... ]



Kassé Mady Diabaté – ein Ausflug in die westafrikanische Musik
 Kassé Mady Diabaté – ein Ausflug in die westafrikanische Musik



„La parole des anciens est secrée.“ (Das Wort des Ältesten ist heilig)

Das Mandingo-Reich (Manding) wurde im 13. Jahrhundert vom sagenhaften Mali-Kaiser [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.