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Klartext Herby Neubacher: Der gemachte ‚Skandal von Limburg’ – Ihr Pforten von Zion

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Geschrieben von Herby Neubacher  -  Sonntag, den 20. Oktober 2013 um 09:37 Uhr
Klartext Herby Neubacher: Der gemachte ‚Skandal von Limburg’ – Ihr Pforten von Zion 4.5 out of 5 based on 140 votes.
Klartext Herby Neubacher: Der gemachte ‚Skandal von Limburg’ – Ihr Pforten von Zion

Ein deutsches Kulturgut – Limburgs Dom auf dem 1.000 D-Mark Schein.
Auch der religiöse Glaube hat etwas mit Kultur zu tun. Auch katholischer Glaube. Und seit ihrer Existenz hat die katholische Kirche mit – im BILD Jargon verbleibend – ‚Protz-Bauten’ errichtet zur höheren Ehre Gottes. Kathedralen die ‚ein Abbild des Himmels’ sein und die gläubigen Herzen erheben sollten.
Das war nicht und niemals billig. Ein Spaßvogel in den Medien hat errechnet, das zum Beispiel der über fast fünf Jahrhunderte errichtete Kölner Dom nach heutigen Maßstäben mehrere hunderte von Milliarden Euro Baukosten verschlungen hätte.

Nun der ‚Skandal von Limburg’ – ein Bischof leistet sich einen Amtssitz mitten in einem mittelalterlichen Domkapitel von 31 Millionen Euro Baukosten. Das ist nicht wenig– klar! Ist ja auch nicht für ihn allein und seine ‚Prunksucht’ – wie BILD sofort mutmaßt – sondern für alle seine Nachfolger ebenso.

Aus der Geschichte des Doms zu Limburg;
Die Einweihung erfolgte 1235 durch den Trierer Erzbischof Theoderich von Wied. Kirchenpatrone waren St. Georg und Nikolaus von Myra. Auch der Bauherr des heutigen Domes ist nicht mehr bekannt, die Limburger Kaufleute dürften jedoch einen erheblichen Beitrag zum Bau geleistet haben.
Es gilt als gesichert, dass der Dom in vier Bauphasen errichtet wurde. Die erste Bauphase umfasste die Westfront, das südliche Seitenschiff, den Chor und das Querhaus bis zur Empore. Dieser Bauabschnitt schloss die Konradinische Kirche ein.
Die zweite Bauphase umfasste den Einbau der Innenpfeiler des südlichen Langhauses. In dieser Bauphase wurde erst das gebundene System eingeführt. In der dritten Bauphase wurde die südliche Langhausempore errichtet. Die vierte Bauphase umfasste die Nordseite des Querhauses und die Chorempore. Hier zeigt sich der gotische Einfluss am deutlichsten.
Als teilweises Vorbild des Limburger Doms gilt, für die dritte und vierte Bauphase, die Kathedrale von Reims. Zeitgleich zum Limburger Dom wurde die Kirche Maria Himmelfahrt in Andernach errichtet. Es ist wahrscheinlich, dass es zwischen beiden Bauhütten zum Austausch gekommen ist.
(Auszug aus Wikipedia)

War sicher auch nicht billig das Ganze ...

Ausgerechnet die Finanzhauptstadt der ‚Gier-Banker’, Frankfurt am Main, erhebt sich. Die Gläubigen dort sind auf der Palme. Bürgerbegehren, Kirchenaustritte, Wutschreiben, Drohungen.
Nicht etwa weil dort in ‚Main-hattan’ der x-te Geldtempel zum Himmel gebaut wird, und man im Zentrum das Mittelalter-Stadtbild im ‚Disney Stil’ für Millionen neu zimmert.
Oder etwa weil dort zur Einführung haushohe Euro-Zeichen in Gold prangten, oder weil man an der Messe ein völlig geschmack- und sinnloses milliardenschweres weiteres Einkaufszentrum zum Abzocken der Besucher errichtete.
Nein, mit der deutschen moralischen Hauptinstanz, der BILD-Zeitung regt man sich über den Limburger Bischof und sein ‚Prunkgebäude’ auf.
Dieser Prunk schließt eine ziemlich geschmackvoll modern gestaltete architektonisch schöne Kapelle und Gemeinde- wie Konferenzräume ein und definiert den Dom und seine Umgebung stilvoll neu.
Genüsslich macht man sich nun über den kirchlichen Würdenträger her und – neben seinen ‚Bausünden’ über die Tatsache das er sich schon hat auf einem Indienflug hat ‚upgraden’ lassen. Schlimm, schlimm, der Mann – wollte weich sitzen. Das passiert natürlich einem Banker oder Politiker nie! Wie war das noch mit Herrn Wulff?! Und Herrn Ackermann?! Die fliegen natürlich Economy.

Wie sagte Jesus Christus so schön: ‚Ich will die Heuchler ausspeien aus meinem Munde.’

Wer in Frankfurt guckt eigentlich mal nach Brüssel oder Berlin – dort kostet jedes noch so widersinnige Ministerium mehrere hundert Millionen. In Berlin wird mit Bundesmitteln gar der Dom wieder hochgezimmert – wer hat eigentlich danach gefragt?

In Dresden baute man gar unter dem Jubel der Öffentlichkeit die im 2. Weltkrieg zerstörte Frauenkirche neu (leicht Gelsenkirchener Barock millionenschwer recycelt-) schwiegen wir von all den vergoldeten Stadttoren im Osten die man mit Steuergeldern großzügig hochzog.
Im Sinne der Parole von den ‚blühenden Landschaften’. Und wie war das noch, weil wir gerade mal dabei sind, mit den Baukosten für die Elbphilharmonie?! Und vergessen all die sonstige massive Massenverschwendung der öffentlichen Hand. Diese macht sich gemeinsam mit Stimmungsmaschine BILD jetzt über den Limburger Bischof her.
Der wollte wohl nur seine ‚Pforten von Zion’ (Bach Cantate BWV 193) errichten. ‚Soli Deo Gloria’ – Gott allein zur Ehre. Und wurde plötzlich zum Opfer einer modernen heuchlerischen Hexenjagd.

Hätte er mal besser eine Bank gebaut!

Ihr Herby Neubacher


Herby Neubacher stammt aus Wuppertal und wurde in Salzburg zum Musikliebhaber: Mit sieben Jahren hat er als Sopranist im Salzburger Dom Bach-Kantaten aufgeführt. Nach einem Kunststudium arbeitere er 20 Jahre in der Musikindustrie. Heute ist er als Journalist und PR-Experte tätig. Seit 2012 schreibt er regelmäßig für Kultur-Port.De über Alte Musik, Barock bis zur Romantik. Er lebt und arbeitet in Vietnam.

Foto: Bildseite eines 1.000-DM-Scheins mit Limburger Dom.
Hinweis: Die Inhalte von "Klartext" geben die Meinung der jeweiligen Autoren wieder. Diese muss nicht im Einklang mit der Meinung der Redaktion stehen.

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