Anzeige

Wer ist online?

Wir haben 950 Gäste online

Neue Kommentare

C.Müller zu Roots – Katja und Marielle Labèque zum Schleswig-Holstein Musik Festival in der Laeiszhalle: Erhalt des Kultursommers auf der Trabrennbahn Bah...
Marlies Lampert zu 100 Jahre Volksspielbühne Hüsung : Hallo liebe Hüsungianer,
ich bin ca. 1999...

SingulART zu Kunstmuseum Wolfsburg: This Was Tomorrow. Pop Art in Great Britain: Grossartige Ausstellung war das! Wir haben unsere...
tommy zu Ensemble Resonanz zu Gast bei NEW HAMBURG: gute sache, dass sie mal aus ihrem bunker rauskom...
Lena Baal zu Zum Tode von Peter Härtling: Peter Härtling war nicht nur ein großartiger Sc...

Anzeige


Klartext

Klartext Rainer Moritz: Hamburg – (k)ein gutes Pflaster für die Literatur?

Drucken
(232 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Montag, den 19. August 2013 um 10:09 Uhr
Klartext Rainer Moritz: Hamburg – (k)ein gutes Pflaster für die Literatur? 4.5 out of 5 based on 232 votes.
Klartext Rainer Moritz: Hamburg – (k)ein gutes Pflaster für die Literatur?

Zur Literatur in Hamburg, in Thesenform:
• Literatur braucht für ihre Entstehung keinen bestimmten Ort, kein Zentrum. Man kann sehr wohl in Nussdorf, Heilbronn oder Verden an der Aller leben und bedeutendere Texte als Berliner, Münchner oder Leipziger Autoren schreiben.

• Aber: Literarisches Leben braucht Vielfalt, Austausch und Anregung. Das geschieht an Orten, wo viele Buchverlage sitzen, Kritiker arbeiten, Übersetzer und Autoren leben. Hamburg hat (selbst wenn wir Reinbek und Rowohlt eingemeinden) wenige Publikumsverlage mit literarischer Strahlkraft. Von der Verlagsstadt Hamburg sprechen kann man nur, wenn man die Kinder- und Jugendbuchliteratur meint.

• In Hamburg arbeiten – auch dank „Spiegel“, „Zeit“, NDR u.a. – nicht wenige Literaturkritiker und Literaturvermittler. Das „Hamburger Abendblatt“ und der NDR nutzen in meinen Augen zu selten die Gelegenheit, bekannte Autoren, die in der Stadt sind, zu interviewen und so der Literatur auch im gesellschaftlichen Gefüge mehr Stellenwert zu geben.

• Hamburg hat – ohne dass wir uns selbst loben wollen – ein Literaturhaus mit vielfältigem Programm und internationaler Reputation. Darüber hinaus gibt es eine Fülle von Veranstaltern, die sich aktiv um sehr unterschiedliche Literaturformen kümmern. Hamburg wird von Autoren gern besucht; Verlage beziehen Hamburg stets bei ihren PR-Überlegungen ein.

• Hamburg hat mehrere gut angenommene Literaturfestivals (Harbour Front, Vattenfall Lesetage, Krimifestival), doch keines, das ein unverwechselbares literarisches Profil aufweist. Die „Eventisierung“ der Literatur fördert einseitig Mainstream auf Kosten qualitativ hochrangiger Literatur. Lediglich im Bereich der Kinder- und Jugendliteratur sind unverwechselbare Marken wie das "Seiteneinsteiger"-Festival im Herbst entstanden... doch leider ignorieren viele Feuilletons all das, was nichts mit der "Erwachsenenbelletristik" zu tun hat.

• Die Literatur spielt im öffentlichen Bewusstsein Hamburgs keine zentrale Rolle. Obwohl es Stiftungen und Mäzene gibt, die Literatur aktiv fördern, und viel für Leseförderung u. ä. getan wird, spielt die „stille“ Literatur im Vergleich mit den auffallenderen anderen Künsten selten die erste Geige. Literatur wird zu oft marginalisiert.

• Hamburg ist aufgrund seiner Mietpreise kein attraktiver Ort, um Autoren anzuziehen.

• Hamburg hat keine Residenzmöglichkeit für Autoren und zu wenig hochrangige Literaturpreise.

• Die Förderung der Literatur durch die Kulturbehörde ist, keineswegs nur auf das Literaturhaus bezogen, enttäuschend niedrig. So schön es ist, altgediente Autoren wie Siegfried Lenz, Wolf Biermann, Ulla Hahn, Jutta Bauer, Brigitte Kronauer, Kirsten Boie oder Ralph Giordano in Hamburg zu haben und sich mit ihnen zu schmücken, so sehr muss man sich dafür finanziell engagieren, dass solche Literatur auch künftig entstehen kann. Kunst entsteht nicht nur in Museen, Opern und Theatern.

Ihr Rainer Moritz

Rainer Moritz (* 26. April 1958 in Heilbronn) ist ein deutscher Germanist, Literaturkritiker und Autor.
Nach dem Abitur am Robert-Mayer-Gymnasium Heilbronn im Jahr 1977 studierte er an der Universität Tübingen Germanistik, Philosophie und Romanistik. 1988 promovierte er mit einer literaturwissenschaftlichen Arbeit über Hermann Lenz. Von 1989 bis 2005 arbeitete er in mehreren Verlagen, zunächst bis 1991 als Lektor beim Tübinger Francke-Verlag, 1991 bis 1995 als Leiter der Philologischen Abteilung beim Berliner Erich Schmidt Verlag, dann als Cheflektor beim Verlag Reclam Leipzig und als Programmgeschäftsführer beim Verlag Hoffmann und Campe. Seit 2005 leitet er das Literaturhaus Hamburg. Er ist Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland.

Hinweis: Die Inhalte von "Klartext" geben die Meinung der jeweiligen Autoren wieder. Diese muss nicht im Einklang mit der Meinung der Redaktion stehen.

Foto: Claus Friede

Eigenen Kommentar verfassen (Gasteintrag möglich - Bitte achten Sie auf unsere Email ggf. in Ihrem Spam-Order und klicken den Bestätigungslink)

Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
Kommentar abschicken
 

Home > Kolumne > Klartext > Klartext Rainer Moritz: Hamburg – (k)ein gu...

Mehr auf KulturPort.De

200 Jahre Kunstverein in Hamburg
 200 Jahre Kunstverein in Hamburg



„Just what is it that makes today’s Kunstverein so different? So appealing?” Nach Charity Auktion (14.9.) und Festakt im Rathaus (22.9.) klingen mit einer  [ ... ]



Fassadendemokratie und tiefer Staat. Das marktgetreue Grinsen
 Fassadendemokratie und tiefer Staat. Das marktgetreue Grinsen



Was denn? Das Volk sei unfähig, Politisches zu durchschauen oder gar mitzuregieren? Liest man dies im Buch „Fassadendemokratie“, dann ist man bass erstaunt, [ ... ]



„Tom of Finland” – Revolutionär schwuler Ästhetik
 „Tom of Finland” – Revolutionär schwuler Ästhetik



Er inspirierte Künstler wie Andy Warhol, Robert Mapplethorpe und die Village People, seine markanten erotischen Zeichnungen veränderten radikal das Selbstverst [ ... ]



Serenata Italiana – Raphaela Gromes und Julian Riem
 Serenata Italiana – Raphaela Gromes und Julian Riem



Gerade war sie noch beim Schleswig-Holstein-Musikfestival zu hören und debütierte – nun kommt zeitnah dazu ihr Debütalbum auf dem Markt. Gemeinsam mit Piani [ ... ]



Achim Freyer und sein „Parsifal“ in Hamburg: Viel Bühne, wenig Weihe, eine Menge Spiel
 Achim Freyer und sein „Parsifal“ in Hamburg: Viel Bühne, wenig Weihe, eine Menge Spiel



Es ist dunkel in der Hamburger Gralsburg, als Achim Freyer mit seiner „Parsifal“-Interpretation den Start in die neue Saison der Staatsoper zelebriert. Der 8 [ ... ]



Jens Düppe: Dancing Beauty. Eine Hommage an John Cage
 Jens Düppe: Dancing Beauty. Eine Hommage an John Cage



Wie kann ein Künstler heute ungebunden und frei arbeiten? Ungebunden ist durchaus möglich – frei arbeiten stößt aus unterschiedlichen Gründen an Grenzen.  [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.