Zum Anfang

Anzeige

Wer ist online?

Wir haben 795 Gäste online

Neue Kommentare

Friedrich von der Lange zu „Snowden” – Patriot oder Verräter? : Von keinem anderen, als von Ollie Stone hätte ic...
Hein Daddel zu „Alice und das Meer” – oder das Ende der Treue: Ein starker Film über eine starke Frau. Sehr gut...
Gerhard P. zu OKRA – Piano & Field Recordings: Wunderbar und spitzfindig geschrieben. Macht Spa...
Hans G. Gohlisch zu Chefredakteur von ZEIT ONLINE spricht über "Community Engagement und New Storytelling: Eigentlich habe ich einen Bericht über David Hoc...
adarompf@gmx.de zu „Mahana – Eine Maori-Saga”. Zwischen Tradition und Tyrannei : In allen Facetten genaue Beschreibung des Films, ...

Anzeige

Spezial - Lange Nacht der Museen Hamburg 2016

Spezial - Hamburger Architektur Sommer 2015


Klartext

Klartext Rainer Moritz: Hamburg – (k)ein gutes Pflaster für die Literatur?

Drucken
(231 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Geschrieben von Rainer Moritz  -  Montag, den 19. August 2013 um 10:09 Uhr
Klartext Rainer Moritz: Hamburg – (k)ein gutes Pflaster für die Literatur? 4.5 out of 5 based on 231 votes.
Klartext Rainer Moritz: Hamburg – (k)ein gutes Pflaster für die Literatur?

Zur Literatur in Hamburg, in Thesenform:
• Literatur braucht für ihre Entstehung keinen bestimmten Ort, kein Zentrum. Man kann sehr wohl in Nussdorf, Heilbronn oder Verden an der Aller leben und bedeutendere Texte als Berliner, Münchner oder Leipziger Autoren schreiben.

• Aber: Literarisches Leben braucht Vielfalt, Austausch und Anregung. Das geschieht an Orten, wo viele Buchverlage sitzen, Kritiker arbeiten, Übersetzer und Autoren leben. Hamburg hat (selbst wenn wir Reinbek und Rowohlt eingemeinden) wenige Publikumsverlage mit literarischer Strahlkraft. Von der Verlagsstadt Hamburg sprechen kann man nur, wenn man die Kinder- und Jugendbuchliteratur meint.

• In Hamburg arbeiten – auch dank „Spiegel“, „Zeit“, NDR u.a. – nicht wenige Literaturkritiker und Literaturvermittler. Das „Hamburger Abendblatt“ und der NDR nutzen in meinen Augen zu selten die Gelegenheit, bekannte Autoren, die in der Stadt sind, zu interviewen und so der Literatur auch im gesellschaftlichen Gefüge mehr Stellenwert zu geben.

• Hamburg hat – ohne dass wir uns selbst loben wollen – ein Literaturhaus mit vielfältigem Programm und internationaler Reputation. Darüber hinaus gibt es eine Fülle von Veranstaltern, die sich aktiv um sehr unterschiedliche Literaturformen kümmern. Hamburg wird von Autoren gern besucht; Verlage beziehen Hamburg stets bei ihren PR-Überlegungen ein.

• Hamburg hat mehrere gut angenommene Literaturfestivals (Harbour Front, Vattenfall Lesetage, Krimifestival), doch keines, das ein unverwechselbares literarisches Profil aufweist. Die „Eventisierung“ der Literatur fördert einseitig Mainstream auf Kosten qualitativ hochrangiger Literatur. Lediglich im Bereich der Kinder- und Jugendliteratur sind unverwechselbare Marken wie das "Seiteneinsteiger"-Festival im Herbst entstanden... doch leider ignorieren viele Feuilletons all das, was nichts mit der "Erwachsenenbelletristik" zu tun hat.

• Die Literatur spielt im öffentlichen Bewusstsein Hamburgs keine zentrale Rolle. Obwohl es Stiftungen und Mäzene gibt, die Literatur aktiv fördern, und viel für Leseförderung u. ä. getan wird, spielt die „stille“ Literatur im Vergleich mit den auffallenderen anderen Künsten selten die erste Geige. Literatur wird zu oft marginalisiert.

• Hamburg ist aufgrund seiner Mietpreise kein attraktiver Ort, um Autoren anzuziehen.

• Hamburg hat keine Residenzmöglichkeit für Autoren und zu wenig hochrangige Literaturpreise.

• Die Förderung der Literatur durch die Kulturbehörde ist, keineswegs nur auf das Literaturhaus bezogen, enttäuschend niedrig. So schön es ist, altgediente Autoren wie Siegfried Lenz, Wolf Biermann, Ulla Hahn, Jutta Bauer, Brigitte Kronauer, Kirsten Boie oder Ralph Giordano in Hamburg zu haben und sich mit ihnen zu schmücken, so sehr muss man sich dafür finanziell engagieren, dass solche Literatur auch künftig entstehen kann. Kunst entsteht nicht nur in Museen, Opern und Theatern.

Ihr Rainer Moritz

Rainer Moritz (* 26. April 1958 in Heilbronn) ist ein deutscher Germanist, Literaturkritiker und Autor.
Nach dem Abitur am Robert-Mayer-Gymnasium Heilbronn im Jahr 1977 studierte er an der Universität Tübingen Germanistik, Philosophie und Romanistik. 1988 promovierte er mit einer literaturwissenschaftlichen Arbeit über Hermann Lenz. Von 1989 bis 2005 arbeitete er in mehreren Verlagen, zunächst bis 1991 als Lektor beim Tübinger Francke-Verlag, 1991 bis 1995 als Leiter der Philologischen Abteilung beim Berliner Erich Schmidt Verlag, dann als Cheflektor beim Verlag Reclam Leipzig und als Programmgeschäftsführer beim Verlag Hoffmann und Campe. Seit 2005 leitet er das Literaturhaus Hamburg. Er ist Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland.

Hinweis: Die Inhalte von "Klartext" geben die Meinung der jeweiligen Autoren wieder. Diese muss nicht im Einklang mit der Meinung der Redaktion stehen.

Foto: Claus Friede

Eigenen Kommentar verfassen (Gasteintrag möglich - Bitte achten Sie auf unsere Email ggf. in Ihrem Spam-Order und klicken den Bestätigungslink)

Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
Kommentar abschicken
 

Mehr auf KulturPort.De

„Frantz” – Oder die tiefere Wahrheit der Lüge
 „Frantz” – Oder die tiefere Wahrheit der Lüge



In seinem elegischen Nachkriegs-Epos inszeniert Regisseur François Ozon die schmerzhafte Verstrickung von Trauer, Träumen, Schuld und Liebe als deuts [ ... ]



Knauer, Safaian, Schumacher: Zeitloses Treiben in Bachs Notenmeer
 Knauer, Safaian, Schumacher: Zeitloses Treiben in Bachs Notenmeer



In der CD-Reihe „Neue Meister“ präsentieren Arash Safaian, Sebastian Knauer und Pascal Schumacher die Musik nach Motiven von Bach so, wie der Meiste [ ... ]



Reeperbahn Festival 2016: Auf der Suche nach der Kunst
 Reeperbahn Festival 2016: Auf der Suche nach der Kunst



Die Autorin dieses Beitrags ist begeisterte Reeperbahn Festival-Besucherin, schaut sich aber neben dem umfassenden Konzertangebot besonders gerne im „Arts& [ ... ]



Die Zauberflöte in Hamburg: Herzattacke in der Staatsoper
 Die Zauberflöte in Hamburg: Herzattacke in der Staatsoper



Radikal entschlackt, mit großen Lichtvorhängen ins Computerzeitalter gebeamt, lässt Regisseurin Jette Steckel die Neuinszenierung von Mozarts Opernhit „ [ ... ]



„Snowden” – Patriot oder Verräter?
 „Snowden” – Patriot oder Verräter?



Das Schlachtfeld heißt Cyberspace, und für US-Regisseur Oliver Stone ist sein Protagonist ein Widerstandskämpfer mit Vorbildfunktion. Ziviler Ung [ ... ]



Ars apodemica – Foto-Text-Reisen mit Boris von Brauchitsch
 Ars apodemica – Foto-Text-Reisen mit Boris von Brauchitsch



„Manchmal fotografiert man die Welt, um sie und sich selbst besser verstehen zu können, eignet sich Dinge durch Abbilder an, um sie sich zu gegebener Zeit [ ... ]



Weitere aktuelle Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.